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Deutsche WM-Schiedsrichter – von Birlem bis Zwayer

Die 25. Fußball-Weltmeisterschaft ist Geschichte. Tatsächlich wurden seit dem Beginn im Jahr 1930 erst 23 Weltmeisterschaften ausgetragen: 1942 und 1946 fanden die Turniere im 2. Weltkrieg und unmittelbar danach nicht statt.

20 Schiedsrichter – 46 WM-Spiele

Alle deutschen WM-Schiedsrichter im Überblick:

  • 1934/1938: Alfred Birlem, Berlin – 2 Einsätze
  • 1954: Emil Schmetzer, Mannheim – 1 Einsatz
  • 1958/1962: Albert Dusch, Kaiserslautern – 3 Einsätze
  • 1966/1970/1974: Kurt Tschentscher, Mannheim – 3 Einsätze
  • 1966: Rudolf Kreitlein, Stuttgart – 2 Einsätze
  • 1970/1974: Rudolf Glöckner, Markranstädt – 3 Einsätze
  • 1974: Gerhard Schulenburg, Hannover – 1 Einsatz
  • 1974: Hans-Joachim Weyland, Oberhausen – 1 Einsatz
  • 1978/1982: Adolf Prokop, Erfurt – 2 Einsätze
  • 1982: Walter Eschweiler, Bonn – 1 Einsatz
  • 1986/1990: Siegfried Kirschen, Frankfurt/Oder – 4 Einsätze
  • 1986: Volker Roth, Salzgitter – 2 Einsätze
  • 1990: Aron Schmidhuber, Ottobrunn – 2 Einsätze
  • 1994: Hellmut Krug, Gelsenkirchen – 2 Einsätze
  • 1998: Bernd Heynemann, Magdeburg – 2 Einsätze
  • 2002/2006: Dr. Markus Merk, Kaiserslautern – 5 Einsätze
  • 2010: Wolfgang Stark, Landshut – 3 Einsätze
  • 2014/2018: Felix Brych, München – 3 Einsätze
  • 2022: Daniel Siebert, Berlin – 2 Einsätze
  • 2026: Felix Zwayer, Berlin – 2 Einsätze

An der Spitze der Einsatzstatistik steht Dr. Markus Merk. Der Kaiserslauterer leitete bei seinen beiden Weltmeisterschaften zusammen fünf Spiele, ist damit Rekordhalter.

Bildunterschrift: Kurt Tschenscher: WM 1970, Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und der damaligen UdSSR: Der deutsche FIFA-Referee Kurt Tschenscher zeigt die allererste Gelbe Karte der WM-Geschichte. Die Idee mit den Gelben und Roen Karten entsteht bei der WM 1966 in England. © dpa/imago

Tschentscher und die erste Gelbe Karte

Eine besondere Rolle in der WM-Geschichte nimmt Kurt Tschentscher ein. Der Mannheimer wurde bei drei aufeinanderfolgende Weltmeisterschaften jeweils einmal nominiert: 1966 in England, 1970 in Mexiko und 1974 in Deutschland.

Wegen der damals noch kleinen Teilnehmerfelder waren die Einsatzmöglichkeiten begrenzt. Bei der Weltmeisterschaft 1970 schrieb Tschentscher Geschichte. Im Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und der Sowjetunion am 31. Mai 1970 zeigte er dem sowjetischen Spieler Kachi Asatiani die erste Gelbe Karte der WM-Geschichte.

Wenige Jahre zuvor hatte bereits ein anderer Deutscher für einen historischen Moment gesorgt.

Kreitlein und der Beginn der Karten-Ära

Die Weltmeisterschaft 1966 in England ist untrennbar mit Rudolf Kreitlein verbunden. Der Stuttgarter Schneidermeister leitete das Viertelfinale zwischen England und Argentinien und sorgte mit dem Platzverweis gegen den Argentinier Antonio Rattín für eine der bekanntesten Schiedsrichterszenen der WM-Geschichte.

Damals gab es noch keine gelben und roten Karten. Verwarnungen und Platzverweise wurden mündlich ausgesprochen. Die Verständigung zwischen Spielern und Schiedsrichtern war dadurch gerade bei internationalen Turnieren nicht immer eindeutig.

Nach dem Platzverweis musste Kreitlein beim Abpfiff unter Polizeischutz vom Platz geleitet werden. Die Ereignisse rund um das Spiel waren einer der wichtigen Anstöße für die Einführung der gelben und roten Karten. Kreitlein selbst setzte sich gemeinsam mit dem befreundeten englischen Schiedsrichter Ken Aston für eine optische Kennzeichnung von Verwarnungen und Platzverweisen ein.

Bei der Weltmeisterschaft 1970 kamen die Karten erstmals zum Einsatz, was Kurt Tschentscher im Eröffnungsspiel vorbehalten blieb.

Glöckner schreibt DDR-Geschichte

Einen besonderen Platz nimmt Rudolf Glöckner ein. Der Schiedsrichter aus Markranstädt gehörte 1970 und 1974 zum WM-Aufgebot und leitete bei der Weltmeisterschaft 1970 das Finale zwischen Brasilien und Italien (4:1).

Glöckner aus der DDR ging damit als bis heute einziger Finalschiedsrichter in die WM-Geschichte ein.

Eschweilers legendäre Rolle rückwärts

Auch Walter Eschweiler sorgte 1982 für einen Moment, der bis heute in Erinnerung geblieben ist. Im Vorrundenspiel zwischen Italien und Peru ging der Bonner nach einem Zusammenprall mit einem Peruaner, der seinen Laufweg kreuzte, spektakulär mit einer Rolle rückwärts zu Boden.

Eschweiler rappelte sich nach kurzer Orientierung wieder auf, sammelte die aus seiner Brusttasche gerutschten Utensilien vom Boden auf und unterbrach die Partie zunächst mit einem Pfiff. Nach einer kurzen Pause konnte der Rheinländer die Spielleitung fortsetzen.

Markus Merk: Deutscher Rekordhalter

Die meisten WM-Spiele leitete Dr. Markus Merk. Er kam bei den Weltmeisterschaften 2002 und 2006 auf insgesamt fünf Einsätze.

Ein WM-Finale blieb Merk allerdings verwehrt. 2002 erreichte die deutsche Mannschaft das Endspiel gegen Brasilien (0:2). Vier Jahre später schied Deutschland im Halbfinale gegen Italien aus. Mit fünf Einsätzen ist er deutscher Rekordhalter.

Vier deutsche Schiedsrichter bei der Heim-WM

Einmalig war die Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland. Gleich vier deutsche Schiedsrichter kamen beim Heimturnier zum Einsatz: Kurt Tschentscher, Rudolf Glöckner, Gerhard Schulenburg und Hans-Joachim Weyland. Das gab es zuvor und danach nie bei einer Weltmeisterschaft

Eine lange Tradition

Von Alfred Birlem bis Felix Zwayer spannt sich ein Zeitraum von nahezu 100 Jahren. 20 deutsche Schiedsrichter leiteten 46 Spiele bei 21 Weltmeisterschaften.

Dieter Albrecht

42 Jahre freier Mitarbeiter beim Stader Tageblatt und Sport-Informations-Dienst, Köln, als Journalist. 20 Jahre aktiv als Schiedsrichter bis zur 5. Liga.

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Alfred Braun

    Lieber Dieter, vielen lieben Dank für Deine Berichte über uns Schiedstichter. Es erfordert viel Kleinarbeit, viel Zeitaufwand, manchmal auch viel Geduld und sehr viel Herzblut. Danke dafür‼️❤️. Liebe Grüße Alfred

    1. Dieter Albrecht

      Hallo lieber Alfred, herzlichen Dank. Ich mache das alles sehr gerne, nehme mir die Zeit dafür, weil es eine historische Aufarbeitung ist. Mit Felix Brych habe ich im März 2025, nach seinem letzten Auftritt in Bremen, beim Spiel Bremen gegen Wolfsburg gesprochen.
      Auch wenn ich schon lange nicht mehr aktiv auf dem Platz stehe, so gilt nach wie vor die Aussage: Einmal Schiedsrichter – immer Schiedsrichter!

  2. Uwe

    Heinz Ahldinger war 1978 in Argentinien im Einsatz.

    1. Dieter Albrecht

      Nein, das ist falsch! Heinz Aldinger aus Waiblingen kam bei der Europameisterschaft 1980 zum Einsatz. 1978 in Argentinien wurde nur der kürzlich verstorbene Adolf Prokop aus Erfurt nominiert.

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