Du betrachtest gerade Es mutete wie ein regeltechnischer Witz-Elfmeter

Es mutete wie ein regeltechnischer Witz-Elfmeter

Neben einem nicht eindeutig erkennbaren Foul in Mainz und einem hochumstrittenen Elfmeter, ging es am Samstag auch um zwei Handelfmeter in St. Pauli und eine rote Karte in Freiburg.

FC St. Pauli – VfB Stuttgart (SR: Benjamin Brand)

Szene 1: Nach knapp einer halben Stunde reklamierte der VfB auf ein Handspiel eines Paulianers im Strafraum. Schiedsrichter Brand gab keinen Elfmeter, der VAR prüfte die Szene und kam wie Brand zur Erkenntnis das kein strafbares Handspiel vorlag. Ich würde dem zustimmen, da der Ball aus kurzer Distanz reflexartig an den nicht unnatürlich vergrößerten anliegenden Arm prallt, aber es ist schon äußerst grenzwertig. So ein bisschen erinnert es dann die Cucurella-Szene des Spaniers bei der EM. Aber durch die kurze Distanz und reflexartig an den Arm ist es keine Absicht. Für mich vertretbar nicht zu pfeifen.

Szene 2: Dann in der zweiten Hälfte gab Benjamin Brand Handelfmeter für St. Pauli. Chris Führich (VfB Stuttgart) nahm im eigenen Strafraum einen Ball mit dem Oberschenkel an, berührte ihn aber danach klar mit der Hand. Zwar ist der Ball zuerst am Oberschenkel, doch stand der Arm klar und deutlich vom Körper ab. Dann gilt das Handspiel als unnatürliche Vergrößerung des Körpers und Brand korrigerte sich nach Betrachtung der Bilder. Für mich daher die richtige Entscheidung – auch wenn es unglücklich- wird es strafbar, vorallem bei Ballmitnahme im Strafraum.

1.FSV Mainz 05 – FC Augsburg (SR: Patrick Ittrich)

Szene 3: Elvis Rexhbecaij haute im Zweikampf mit Bell am Ball vorbei. Er traf ihn aber wohl nur sehr leicht am Knie. Schiedsrichter Patrick Ittrich zeigte sofort auf den Punkt. Selbst in der Zeitlupe ist es nicht eindeutig zu erkennen. Regeltechnisch bleibt die Feldentscheidung bei gepfiffenen Elfmeter bestehen (hohe Eingriffsschwelle, Wahrnehmung). Wenn man sich die Bilder zur Pause bei DAZN anschaute, sah es schon so aus, als ob er ihn mit der Sohle ganz leicht touchiert. Für mich ist das aber viel zu wenig, weil der -wenn überhaupt hauchzarte Kontakt, für einen Elfmeter viel zu wenig ist und der Angreifer durch den Kontakt zu Fall kam. Nach aktuellen Regeln gilt, wenn der Schiedsrichter auf dem Feld einen kontaktbedingten Sturz / ein Foul pfeift, muss der VAR nur eingreifen, wenn es ein klarer und offensichtlicher Fehler ist. Hier war der Kontakt minimal hauchzart, nur leicht am Knie, aber nicht eindeutig erkennbar, ob ein klarer Treffer sichtbar. In der Zeitlupe sieht man oft keinen harten Tritt oder klares Umreißen – es wirkt eher wie ein Zusammenprall bei einem missglückten Klärungsversuch. Trotzdem: Ittrich hat es live als Foul gewertet und der VAR fand keinen Grund, das zu kippen. Regeltechnisch in Ordnung. Aber bei so einem grenzwertigen nicht eindeutigen Foul, würde ich erwarten, dass der VAR den Schiri zum On-Field-Review schickt, weil kein klarer Beweis für ein Foul vorliegt.

SC Freiburg – Werder Bremen (SR: Deniz Aytekin)

Szene 4: Oliver Deman rutschte bei einem Klärungsversuch an/nahe der Strafraumgrenze aus, Manzambi setzte nach, um den Ball zu erobern oder den Konter zu unterbinden. Deman schlitterte weiter in Manzambi hinein und Manzambi trat ihm dabei auf die Wade. Das Trefferbild ist dabei über dem Knöchel. Schiedsrichter Deniz Aytekin zeigte zunächst Gelb, der VAR schaltete sich ein, Aytekin ging zum On-Field-Review. Nach Ansicht der Slow-Motion-Bilder entschied Aytekin auf glatte rote Karte wegen des groben Foulspiels von Manzambi. Rot ist vertretbar und nach DFB-Regeln auch zwingend. Bei diesem Einsteigen mit der Sohle auf die Wade wird die Gegnersicherheit mit übermäßiger Kraft gefährdet. Auch wenn Deman selbst mitgerutscht ist und hineinschlittert: Der nachsetzende Spieler trägt die Verantwortung, sein Bein kontrolliert hochzunehmen. Wenn er voll drauftritt, zählt das als unnötig gefährlich, unabhängig vom Auslöser.

Mein Fazit: Rot ist regelkonform und vertretbar (besonders wegen Wade-Tritt mit hoher Intensität), auch wenn es bitter und grenzwertig ist. Bei solchen Rutsch-in-den-Gegner-Szenen entscheidet oft das Standbild + die Wucht des Tritts – und hier sah es nach gefährdend aus. VAR hat korrekt eingegriffen, um eine harte, aber konsistente Linie zu ziehen (ähnlich wie bei anderen Wade-/Schienbein-Tritten in letzter Zeit). Gelb wäre nachvollziehbar gewesen, aber Rot ist die bessere Entscheidung. Schiri-Boss Kircher forderte zuletzt bei Grenzentscheidungen eine rote Karte zu zeigen und den Spielerschutz zu wahren. 

Szene 5: Nach dem Platzverweis wurde den Freiburgern mitte der zweiten Halbzeit noch ein Treffer aberkannt, als Suzuki sehenswert vom Strafraumrand traf. Ein klares Foul im unmittelbaren Vorfeld des Tors vorlag und das den Torschützen auf den Ballweg begünstigt hat, musste der Treffer aberkannt werden.

 

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.