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Gewalt beginnt an der Basis

Gewalt beginnt nicht erst dort, wo sie sichtbar wird. Sie beginnt oft viel früher – bei Respektlosigkeit, Diskriminierung, verbalen Grenzüberschreitungen und Konflikten, die nicht rechtzeitig erkannt werden. Genau dort setzt das Gespräch von Schiedsrichter Fabio Gentile mit der Kriminologin Dr. Thaya Vester an. Zwei Perspektiven treffen aufeinander: die wissenschaftliche Analyse von Gewalt und die Erfahrungen eines Schiedsrichters, der die Entwicklungen auf den Fußballplätzen aus eigener Erfahrung kennt.

Die zentrale Frage lautet deshalb nicht nur: Was passiert, wenn Gewalt eskaliert? Sondern vor allem: Warum entsteht sie – und was können Vereine und Verbände tun, damit es gar nicht erst so weit kommt?

Gewalt im Fußball beginnt nicht erst mit einem Angriff auf einen Schiedsrichter. Sie beginnt viel früher – bei Respektlosigkeit, bei Diskriminierung, bei verbalen Grenzüberschreitungen und dort, wo Konflikte nicht erkannt oder nicht ernst genommen werden. Genau darüber spricht Fabio Gentile mit Dr. Thaya Vester.

Dr. Vester arbeitet am Institut für Kriminologie der Universität Tübingen und beschäftigt sich wissenschaftlich mit Gewalt, Diskriminierung und Konflikten. Bereits 2010 startete sie gemeinsam mit der Universität Tübingen und dem Württembergischen Fußballverband e.V. und mit Unterstützung des DFB ein Forschungsprojekt zur Gewalt im Amateurfußball.

Damals gab es nur wenige wissenschaftliche Erkenntnisse. Deshalb wurden Daten erhoben, Sportgerichtsurteile ausgewertet und Tausende Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter befragt. Ziel war nicht, Gewalt lediglich zu beschreiben, sondern ihre Ursachen zu verstehen Für Gentile, selbst Schiedsrichter, ist dabei eine Erkenntnis besonders wichtig:

„Gewalt fängt an der Basis an.“

Und genau dort stellt sich eine unbequeme Frage: Wird dieser Ansatz von den Verantwortlichen tatsächlich konsequent aufgegriffen?

Denn Gewaltprävention kann nicht erst beginnen, wenn etwas passiert ist. Sie muss dort ansetzen, wo Fußball täglich stattfindet – auf den Sportplätzen, in den Vereinen, bei den Mannschaften, im Umfeld der Spiele und im Umgang mit den Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern.

Im Gespräch entsteht deshalb auch der Eindruck, dass die Antworten von Verbänden und Vereinen auf die zunehmende Gewalt nicht immer dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Gerade bei den Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern, die Konflikte auf dem Platz unmittelbar erleben, stellt sich die Frage, ob sie ausreichend unterstützt und geschützt werden.

Das betrifft auch den DFB und den Württembergischen Fußballverband. Beide beschäftigen sich mit dem Thema und haben entsprechende Arbeitsgruppen und Projekte eingerichtet. Doch entscheidend ist am Ende nicht nur, was auf Verbandsebene beschlossen wird, sondern was an der Basis tatsächlich ankommt.

Denn wenn Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter nach einem Vorfall das Gefühl haben, mit dem Problem allein zu bleiben, reicht es nicht, anschließend über Gewaltprävention zu sprechen.

Dr. Thaya Vester bringt ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse heute direkt in die Praxis ein. Sie ist Mitglied der DFB-Expert*innengruppe „Fair Play – gegen Gewalt und Diskriminierung“, arbeitet in der DFB-Projektgruppe gegen Gewalt gegen Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter mit und engagiert sich außerdem in der Kommission „Fairness und Toleranz, gegen Gewalt“ des Württembergischen Fußballverbands.

Das Gespräch mit Fabio Gentile zeigt deshalb: Es geht um weit mehr als einzelne Gewalttaten. Es geht um die Frage, wie Gewalt entsteht, warum sie eskaliert und was Vereine und Verbände tun müssen, damit sie gar nicht erst entsteht. Und vor allem geht es um diejenigen, die Woche für Woche auf den Fußballplätzen stehen und Entscheidungen treffen: Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter brauchen nicht nur Regeln. Sie brauchen Rückhalt.

Hier könnt ihr euch die knapp ein stündige Podcast-Folge ansehen.

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