Der erste Spieltag in der Bundesliga-Rückrunde neigte sich dem Ende und gleich am Freitag gab es schon die erste größere Szene zum diskutieren. Im Mittelpunkt bei Bremen – Frankfurt stand diesmal Schiedsrichter-Assistent Marco Achmüller der in der Nachspielzeit der zweiten Hälfte einen Ball vermeintlich im Aus gesehen hat, die Fahne sofort hob, aber Brand weiterspielen ließ und Frankfurt den Ausgleich erzielte. Sehr unglücklich da von Achmüller, er hätte hier ein paar Sekunden warten müssen. Zeitgleich großes Lob an Brand, der das Spiel weiterlaufen ließ und die Situation abwartete. Auch bei der Partie Dortmund – St. Pauli gab es in der Nachspielzeit in der zweiten Hälfte eine Szene zum diskutieren, als Harm Osmers kurz vor der Strafraumkante ein Freistoß gab, jedoch durch den VAR korrigiert wurde und es schlussendlich Elfmeter für Dortmund gab.
Eine weitere sehr strittige Szene gab es beim Samstagabend Topspiel Leipzig – Bayern München, als der Leipziger Seiwald mit offener Sohle den Münchner Goretzka traf. Hier beließ es Stegemann nur bei gelb und dies ist nach unserer Einschätzung richtig wie es in der folgenden Analyse zu sehen ist:
RB Leipzig – FC Bayern München 1:5 (SR: Sascha Stegemann)
Szene 1: Nicolas Seiwald (RB Leipzig) brachte Leon Goretzka (FC Bayern) mit offener Sohle und ausgefahrenem Bein im Mittelfeld zu Fall, traf ihn dabei durchaus am Knöchel. Seiwald ging in einen Zweikampf im zentralen Mittelfeld, versuchte den Ball zu spielen/zu erobern, sein rechtes Bein ist auf dem Boden aufgesetzt, angewinkelt (nicht voll ausgefahren) wie bei einer „Flug-Grätsche“. Das Bein ist leicht angewinkelt (nicht gestreckt), der Kontakt erfolgt mit der halben/unteren Sohle (Stollenbereich sichtbar, aber nicht die volle offene Sohle frontal); der Trefferpunkt: Knöchel-/Unterfuß-Bereich, Goretzka schrie auf, ging sofort herunter und wurde behandelt. Der Ball war beim Tritt in unmittelbarer Spielnähe und wurde nur knapp verfehlt aber kein direkter Ballkontakt im Treffermoment, marginal oder gar keiner mehr. Schiri Stegemann pfeift Foul, zeigt sofort Gelb für Seiwald – der VAR checkt, sieht aber keinen klaren Grund für den On-Field-Review. Das ist ein ballorientiertes Einsteigen wo er ihn in einer schnellen Bewegung zwar mit der Sohle erwischt hat, aber dem aufgesetzten angewinkelten Bein. Durch das aufgesetzte Bein wird Intensität genommen. Das Standbild sieht eklig und auch hart aus, aber gerade das aufgesetzte, nicht gestreckte Bein und der Ballbezug macht es regeltechnisch für mich mehr zu Gelb als zu Rot. Das ist ein klassischer Grenzfall, aber für mich ist es aber mit einer Tendenz von 60:40 tendenziell noch gelbwürdig.
Begründung: Der Fuß am Boden + leichte Winkelung + halbe Sohle + kontrollierte Intensität → geringere Intensität als bei klassischen Rot-Fällen (z.B. volle Sohle von oben mit Schwung). Der Ball ist nah genug, dass es noch als „challenge“ durchgeht, aber entfernt genug, um es grenzwertig zu machen. Goretzka’s Reaktion (Schmerz, langes Liegen) und die Prellung machen es emotional rotlastig, aber rein regeltechnisch (Law 12: serious foul play = excessive force + endangering safety) fehlt der letzte Tick für 100% Rot.
Der VAR musste in dieser Szene nicht zwingend eingreifen – und er hat es korrekt nicht getan. Aktuelles VAR-Protokoll in der Bundesliga (DFB/IFAB 2025/26): Der VAR greift nur ein, wenn eine klare und offensichtliche Fehlentscheidung (clear and obvious error) oder ein schwerwiegender übersehener Vorfall vorliegt. Stegemann sah es aus nächster Nähe und hatte Wahrnehmung (Hohe Eingriffsschwelle und Feldentscheidung). Bei Roten Karten (serious foul play / grobes Foulspiel) prüft der VAR automatisch jeden Check, aber ein On-Field-Review (OFR) oder eine Korrektur wird nur empfohlen, wenn die On-Field-Entscheidung (hier: Gelb) eindeutig falsch ist – also kein Grenzfall. Der VAR musste in dieser Szene deshalb nicht zwingend eingreifen – und er hat es auch korrekt nicht getan. Der VAR greift nur ein, wenn eine klare und offensichtliche Fehlentscheidung (clear and obvious error) oder ein schwerwiegender übersehener Vorfall vorliegt. Bei Roten Karten (serious foul play / grobes Foulspiel) prüft der VAR automatisch jeden Check, aber ein On-Field-Review (OFR) oder eine Korrektur wird nur empfohlen, wenn die On-Field-Entscheidung (hier: Gelb) eindeutig falsch ist – also kein Grenzfall. Schiri Sascha Stegemann war sofort bei Gelb und hat die Szene als reckless (rücksichtslos), aber nicht als excessive force (übermäßige Kraft) mit voller Endangering bewertet. [TV-Bilder – 03:20 Minuten]
Übrigens: Im kicker wurde die Szene übrigens nicht mal thematisiert und Stegemann wurde für seine „erfreulich großzügige Spielführung“ mit einer „2“ gelobt.
Szene 2: Tah schubst Baumgartner leicht weg, um freie Bahn für den Kopfball zu haben – das ist kein strafbares Foul, sondern normales, robustes Duell im Luftkampf nach Ecke. Kein excessive push, kein Halten, kein Umwerfen. VAR hat korrekt geprüft und durchgewunken (kein OFR nötig, da nicht „klar falsch“). Für mich regelkonform den Treffer zum 3:1 für Bayern zu geben, kein Foul – Tor zurecht gegeben. Typischer Strafraum-Standardfall, bei dem man in 80 % der Fälle durchkommt. Ohne den hätte Bayern vielleicht noch gezittert, aber so war’s der Dosenöffner für die 5:1-Demontage. [TV-Bilder – ab 08:20 Minuten]
Borussia Dortmund – FC St. Pauli 3:2 (SR: Harm Osmers)
Szene 3: Nico Schlotterbeck (Borussia Dortmund) foul an Arkadiusz Pyrka (FC St. Pauli), Schiri Osmers zeigt Gelb.
Pro Gelb (knapp): Kein Volltreffer (Pyrka flankt noch, bleibt stehen), Intensität nicht 100% excessive (Grätsche kontrolliert, nicht wild von oben), Schiri war nah dran und sah es live als reckless.
Pro Rot (stark): Offene Sohle + ausgestreckt + von hinten + Ball weg + Achilles/Knöchel → unnötige, hohe Gefährdung. Das erfüllt serious foul play in 70–80 % der vergleichbaren Szenen (ähnlich wie Seiwald-Goretzka-Grenzfall, nur hier klarer „von hinten ohne Ball“).
Fazit: 60:40 mit bTendenz Richtung Rot – Grenzfall, bei dem Gelb durchkommt, weil nicht offensichtlich falsch, aber Rot wäre regelkonform gewesen. Dortmund hatte riesiges Glück früh im Spiel (sonst vielleicht kein 3:2). Pyrka Glück mit „nur“ Behandlung, keine schwere Verletzung. Typischer Bundesliga-Fall, wo Schiri + VAR bei hohem Risiko oft „milde“ bleiben, wenn nicht 100% Volltreffer.Gute Besserung an Pyrka!
Szene 4: Der fällige Freistoß nach dem Schlotterbeck-Foul kam von rechts halb rechts in den Strafraum. Martijn Kaars nahm direkt ab, der Ball prallt vom rechten Ellbogen/Arm von Fabio Silva (BVB) ab. Schiri Harm Osmers zeigt sofort auf den Elfmeterpunkt für St. Pauli. Osmers‘ erster Elfmeter-Pfiff war live verständlich (kurze Distanz, Ball ans Handgelenk/Ellbogen, Kaars fordert sofort), aber falsch. VAR greift zurecht ein – Arm angelegt, keine unnatürliche Vergrößerung, kein aktives Abwehren → kein strafbares Handspiel. Revidierung korrekt, Freistoß statt Elfmeter. St. Pauli hätte hier leicht in Führung gehen können (nach dem grenzwertigen Schlotterbeck-Foul), aber regelkonform kein Elfmeter. [TV-Bilder – ab 01:25 Minuten]
FC Augsburg – SC Freiburg 2:2 (SR: Martin Petersen)
Szene 5: Michael Gregoritsch (FC Augsburg) Handspiel auf der eigenen Torlinie gegen SC Freiburg und nur Gelb? Interessante Szene – 100% korrekt gehandhabt. Gregoritsch sieht Gelb, weil Matanovic abgestaubt hat (Vorteil richtig angewendet, Tor gegeben). Ohne Abstauber: klar Rot + Elfmeter (Hand auf Linie, kein Ballspiel-Versuch, DOGSO). Petersen nutzt Advantage perfekt – Freiburg profitiert direkt, Augsburg entkommt mit Gelb statt Rot + Rückstand. Ohne Matanovic’s schnellen Nachschuss wäre das Spiel komplett gekippt (Augsburg 10er + 2:1-Rückstand in Minute 62). Typischer „Glück im Unglück“-Moment für Gregoritsch – und ein Paradebeispiel, warum Advantage bei klaren Chancen oft besser ist als sofortiges Abpfeifen. [TV-Bilder – ab 07:20 Minuten]
Szene 6: Korrekte Aberkennung – Tor zählt nicht. Der Ball war mit vollem Umfang hinter der Grundlinie, als Suzuki ihn ins Zentrum bringt – das ist entscheidend. Linienrichter + VAR haben’s richtig gesehen (Bilder zeigen’s klar). Matanovic’s Abstauber war technisch sauber, aber nutzlos, weil der Ursprung aus war. [TV-Bilder – ab 08:37 Minuten]
Werder Bremen – Eintracht Frankfurt 3:3 (SR: Benjamin Brand
Szene 7: Ansgar Knauff (Eintracht Frankfurt) erzielt in der 90.+4 Minute das späte 3:3-Ausgleichstor gegen Werder Bremen, Assistent Marco Achmüller hob sofort die Fahne hoch, der VAR griff ein, da der Ball nicht vollständig im Aus war. Der Assistent macht einen dicken Bock – er hebt die Fahne sofort, obwohl der Ball nicht klar out war (VAR-Bilder zeigen marginal drin). Regeltechnisch korrekt: VAR darf prüfen und korrigieren, solange Schiri nicht sofort abgepfiffen hat (kein Pfiff = Spiel läuft weiter, VAR kann eingreifen). Aber hier soll man im Zweifel die Fahne unten lassen – genau das ist der Punkt! Bei knappen Grundlinien-Szenen (besonders in hoher Geschwindigkeit, aus spitzem Winkel) sollte der Linienrichter nur bei 100% Sicherheit die Fahne heben. Hier war’s eng – Assistent sieht das vermeintliche Aus hebt Fahne → die Bremer Verteidigung denken sofort: „Abstoß, Spiel vorbei, Sieg!“. Zwar unterbricht die Fahne nicht das Spiel, aber die Fahne oben verunsichert massiv: Bremer Spieler stoppen teilweise (erwarten Pfiff/Abstoß), Konzentration weg → Knauff trifft ungehindert. Ohne Fahne hätten sie vielleicht noch aggressiver verteidigt oder den Ball blocken können (auch wenn’s schnell ging). Das Tor ist regulär und zurecht gegeben (VAR hats gerettet), aber der so erfahrene Assistent Marco Achmüller begeht einen dicken Bock mit der frühen Fahne – bei 50/50-Grundlinie im Zweifel unten lassen, um genau diese Verunsicherung zu vermeiden. Bremer hatten den Sieg schon vor Augen, Fahne oben killt den Flow und die Konzentration. Typischer Fall, wo Linienrichter zu schnell entscheidet statt abzuwarten (VAR schützt das Ergebnis, aber nicht den Spielverlauf). Bitter für Werder – ohne diesen psychologischen Knock hätte’s vielleicht 3:2 gereicht. Frankfurt dankt (wieder mal Lucky-Punch), Bremen hadert zurecht mit dem „Fahnen-Bock“. [TV-Bilder – ab 08:50 Minuten]
VfB Stuttgart – 1.FC Union Berlin 1:1 (SR: Deniz Aytekin)
Szene 8: Im Clip sieht man András Schäfer (Union Berlin, Nr. 8) in einem Sliding-Tackle gegen Enzo Millot (VfB Stuttgart). Schäfer rutscht ab, trifft zunächst leicht das Schienbein und gleitet dann herunter zum Fuß. Es gibt Kontakt, aber keine volle Wucht mit offener Sohle oder gestrecktem Bein, das den Gegner ernsthaft gefährdet. Der Treffer ist eher ein „Abrutschen“ als ein gezielter Stampfer. Das macht es rücksichtslos (reckless), aber nicht zu „serious foul play“ mit übermäßiger Härte. [TV-Bilder]
IFAB-Kriterien:
- Gelb für rücksichtslose Fouls: Wenn ein Spieler die Sicherheit des Gegners missachtet, ohne dass es zu extremer Gewalt kommt. Hier passt das – die Intensität ist niedrig, da Schäfer den Ball anspielt und abrutscht, ohne volle Absicht auf das Bein.
- Rot für serious foul play: Das erfordert excessive force oder endangering the safety, z. B. mit hoher Geschwindigkeit und offener Sohle direkt aufs Schienbein. Hier fehlt die volle Endangerung, weil der Kontakt nicht hoch genug ist und abrutscht (unter dem Knöchel).

Wie wurde das Foul am Strafraum überprüft.? Der Schiedsrichter hatte Freistoß gepfiffen und schon den Kreis gemacht außerhalb vom Strafraum. Warum schaltete sich der VAR ein. 96. Minute
Und noch eine Frage: Hat jemand schon belastbare Bilder für den VAR-Eingriff zuungunsten von St. Pauli in der Nachspielzeit gesehen, der das Foul auf der Linie zweifelsfrei belegt?