Du betrachtest gerade Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen – 27. Spieltag | Bundesliga

Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen – 27. Spieltag | Bundesliga

Auch in der Bundesliga endete vor der Länderspielpause der 27. Spieltag und es gab auf einigen Plätzen wieder viel zu diskutieren. So unter anderem beim spannenden Derby zwischen Köln und Gladbach, wo Schiedsrichter Sören Storks ordentlich zu tun hatte und einige knifflige Szenen bewerten musste. Zudem war erneut Dr. Robin Braun nach seiner mangelhaften auf Schalke in der vergangenen Woche in der Kritik, als er ein klares Handspiel der Heidenheimer nicht ahndete. Alles weitere in der Analyse und hier die Top 3 des Spieltages:

Platz 🥇 – Patrick Ittrich:

Auf dem ersten Platz haben wir diesmal Patrick Ittrich aus Hamburg der die Partie Bayern München – Union Berlin am Samstagnachmittag leiten durfte. In einer seiner letzten Spiele als Profi-Schiedsrichter war Ittrich jederzeit Herr der Lage und sorgte wie gewohnt mit guter und auch oft lustiger Kommunikation auf dem Platz.

Platz 🥈 – Sven Jablonski:

Auf dem zweiten Platz haben wir Fifa-Schiedsrichter Sven Jablonski aus Bremen der am Freitagabend das Spiel um Europa zwischen RB Leipzig und TSG Hoffenheim leitete. Jablonski hatte das Spiel jederzeit unter Kontrolle, brauchte aber den VAR beim vermeintlichen 5:0 der Leipziger kurz vor der Pause. Ansonsten wie gewohnt sehr sicher und souverän auf dem Platz zu sehen!

Platz 🥉 – Benjamin Brand:

Auf dem dritten Platz haben wir Schiedsrichter Benjamin Brand aus Schwebheim der das 6-Punkte-Spiel zwischen VfL Wolfsburg – SV Werder Bremen am Samstagnachmittag bekam. Brand wählte ein sehr gute Linie für solch ein Spiel und lag auch in der zweiten Hälfte kurz vorm Ende richtig nicht auf den Punkt für die Wolfsburger zu zeigen.

1.FC Köln – Borussia Mönchengladbach 3:3 (SR: Sören Storks)

Szene 1: Nach einem Eckball reklamierten die Kölner Handspiel. Tabakovic bekam die Kugel an den Schulterbereich. Nach sehr kurzer Prüfung blieb es dabei – kein Elfmeter. Das war maximal der Oberarm eher die Schulter. Absolut korrekt entschieden. Schulter = kein strafbares Handspiel. Die Regel definiert Hand/Arm ab dem oberen Deltamuskel-Ansatz abwärts). Selbst wenn es knapp der Oberarm wäre: Bei Eckball-Szenen aus nächster Nähe, wenn der Arm nicht aktiv abgespreizt ist und der Ball nicht lange sichtbar war, pfeift man in 90 % der Fälle nicht (keine unnatürliche Vergrößerung oder bewusste Bewegung in die Flugbahn) [TV-Bilder – ab 09:00 Minuten]

Szene 2: Nur 105 Sekunden nach seinem Treffer flog Eric Martel mit Gelb/Rot vom Platz, weil sein Ellenbogen im Gesicht von Scally landete. Der Kölner hatte für ein ähnliches Vergehen zuvor schon Gelb gesehen. In der Konsequenz und Regel der Platzverweis war hier absolut korrekt. Ellenbogen-Einsätze ins Gesicht werden fast immer als mit übermäßiger Kraft oder gefährdend gewertet, besonders wenn der Arm nicht zum Ballspiel dient, sondern den Gegner trifft. Keine normale Körperbewegung im Luftkampf – wenn der Ellenbogen absichtlich oder fahrlässig hoch geht und trifft, ist es strafbar. [TV-Bilder – ab 10:03 Minuten]

Fazit: Sören Storks lag bei den beiden Ampelkarten und beim nicht gegebenen Handelfmeter richtig. Er kam aber nicht mit seiner großzügigen Linie in diesem Rheinderby nicht zurecht. Und so verteilte er seine Verwarnungen allerdings etwas einseitig und hätte durchaus manche Aktion der Borussia mit einer Gelben Karte ahnden müssen. So ein Derby sollte man schon etwas kleinlicher leiten.

Borussia Dortmund – HSV 3:2 (SR: Dr. Matthias Jöllenbeck)

Szene 3: Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck nahm einen gepfiffenen Elfmeter zurück. Bei Ryersons Flanke köpfte Adeyemi von der Höhe des zweiten Pfostens auf Nmecha. Vuskovic brachte den zentralen Mittelfeldspieler im Fünfer anschließend zu Boden. Zwar zeigte der Schiedsrichter erst auf den Punkt, allerdings korrigierte ihn Assistent Weickenmeier aufgrund einer vorausgegangenen Abseitsposition von Nmecha. Nach den Regeln hebt ein vorausgehendes Abseits die nachfolgende Spielsituation auf – auch wenn danach ein Foul passiert. Nmecha war zum Zeitpunkt der Hereingabe im Abseits und wäre somit nicht spielberechtigt gewesen. Das Foul an einem Abseitsspieler führt dann nicht zu einem Strafstoß, weil die gesamte Angriffsaktion bereits „tot“ war. Es gibt hier keine „Vorteilsregel“ oder „aktives Eingreifen“-Diskussion mehr, sobald das Abseits klar erkannt wurde. Der Assistent hat hier schnell und richtig eingegriffen, und Jöllenbeck hat die Korrektur ohne großes Theater angenommen – das spricht für gutes Teamwork. [TV-Bilder – ab 02:20 Minuten]

Szene 4: Nicolai Remberg nahm einen Vušković-Kopfball zentral in der eigenen Hälfte nicht sauber an. Im Strafraum versuchte Warmed Omari zu klären, trifft Maximilian Beier beim Klärungsversuch am linken BeinBeier ging leicht zu Boden. Kein dramatischer Fall, aber Kontakt ist da. Schiri Jöllenbeck pfeift Elfmeter. Der Pfiff ging in Ordnung. Kontakt im Strafraum → wenn ein Verteidiger den Angreifer trifft (auch nur leicht am Bein/Knöchel), gilt das als strafbares Foul (Tripping / Kicking), solange es kein normales Tackling ist. Omari kam beim Klärungsversuch zu spät → Ball ist schon weg oder nicht mehr im Fokus, stattdessen traf er den Mann → das ist kein reiner Ballspielversuch mehr, sondern ein Foul [TV-Bilder – ab 04:00 Minuten]

Szene 5Maximilian Beier kam nach einem Zweikampf links im Strafraum zu Fall. Schiedsrichter Dr. Matthias Jöllenbeck entschied live auf Weiterspielen. Der VAR schaltete sich ein. Nach kurzer Sichtung der Bildung gab Jöllenbeck den klaren Elfmeter, weil Mikelbrencis einen Schritt zu spät kam und nur Beier traf. [TV-Bilder – ab 04:00 Minuten]

Szene 6: Der dritte Elfmeter für den BVB sah Jöllenbeck dann selbst. Regeltechnisch eine klare, unstrittige Sache. Jude Bellingham zog aus der zweiten Reihe oder aus dem Strafraum ab. Muheim blockt den Schuss mit dem weit ausgestreckten Arm → Arm ist deutlich abgespreizt/hoch, vergrößert die Körperfläche unnatürlich und der Ball traf den Arm. Das ist ein 100% Elfmeter. Unnatürliche Vergrößerung des Körpers: Arm weit ausgestreckt. Im eigenen Strafraum → führt folgrichtig zum Elfmeter. [TV-Bilder – ab 04:00 Minuten]

FC Augsburg – VfB Stuttgart 2:5 (SR: Felix Zwayer)

Szene 7: Als Schiedsrichter Felix Zwayer einen Elfmeter für Stuttgart gab, griff sofort der Video-Assistent ein. Massengo hat keine aktive Bewegung in Richtung des Gegenspielers gemacht. Er hat sich einfach zwischen Ball und Assignon positioniert. Assignon blieb mit dem Fuß minimal an der Hüfte hängen, aber das ist kein foulwürdiges Vergehen. Nach den aktuellen Regeln und der klaren VAR-Vorgabe in der Bundesliga reicht ein reiner Kontakt oder ein „Hängenbleiben“ nicht für einen Elfmeter, wenn keine klare Foulbewegung des Verteidigers erkennbar ist. Es muss ein unfairer Angriff auf den Körper des Angreifers vorliegen. Hier hat Massengo den Ball quasi „abgeschirmt“ – das ist erlaubt und gehört zum normalen Zweikampfverhalten. Die einleuchtende Entscheidung von Zwayer nach dem On-Field-Review Rücknahme des Strafstoßes und Schiedsrichterball. Für Stuttgart ärgerlich, weil sie kurz vor der Pause schon klar führten, aber regeltechnisch war das kein Foul. [TV-Bilder – ab 03:30 Minuten]

Momentan strahlt Felix Zwayer nicht mehr die Souveränität aus, wie zu Beginn der Saison. In der Bundesliga hat er in den letzten Wochen öfter Momente, in denen seine On-Field-Entscheidungen (besonders bei Elfmetern und Foulbewertungen) vom VAR korrigiert werden mussten – genau wie bei der Szene. Das pfeift er erst, weil der Kontakt sichtbar ist, aber die Schwelle für ein klares Foul wird von vielen als zu niedrig empfunden. Solche Korrekturen häufen sich und wirken dann, als wäre er nicht mehr ganz „on top“ der Situation.
In der Champions League 2025/26 war es ähnlich: Es gab mehrere Spiele, in denen VAR-Eingriffe seine Entscheidungen zurückgenommen oder angepasst haben (z. B. strittige Strafstöße oder Disallowances). Das hat teilweise zu heftiger Kritik geführt, und es wird diskutiert, ob Zwayer momentan einfach nicht die Ruhe und Präzision hat, die man von einem Top-Schiri in internationalen Spielen erwartet.
Dazu kommt: Die Saison ist lang, und mit 44 Jahren spürt man bei vielen erfahrenen Referees manchmal eine leichte Formdelle oder mentale Belastung durch die ständige Kritik – Zwayer hat ja ohnehin eine bewegte Vergangenheit, die immer mal wieder hochkocht.

RB Leipzig – TSG Hoffenheim 5:0 (SR: Sven Jablonski)

Szene 8Vladimir Coufal klärte den Ball unter starkem Gegnerdruck von Xaver Schlager – der Österreicher behinderte ihn klar beim Versuch, den Ball wegzuschlagen. Schlager griff aktiv ein (er spielte den Ball nicht selbst weiter, aber seine Position und sein Druck störten den Gegner massiv bei der Abwehraktion. Schiedsrichter Sven Jablonski wurde vom VAR in die Review Area geschickt, um die Szene am Monitor selbst zu prüfen. Nach Sichtung bestätigte Jablonski die korrekte Aberkennung des Tores – es gab eine foulähnliche Behinderung durch den abseitsstehenden Schlager, die die Torentstehung beeinflusste. Das Tor wurde daher zu Recht aberkannt. Es war eine aktive Störung des Leipziger Schlagers, der den Verteidiger behinderte. [TV-Bilder – ab 06:35 Minuten]

1.FC Heidenheim – Bayer Leverkusen 3:3 (SR: Dr. Robin Braun)

Szene 9: Kurz vor dem Führungstor für Bayer eine sehr strittige Szene, bei der Patrick Mainka den Ball nach einem Zuspiel auf Patrik Schick mit der Hand klärte – und ihn dabei sogar kurz unabsichtlich einklemmte. Robin Braun ließ das Spiel weiterlaufen und gab keinen Elfmeter – und das war großes Glück für Heidenheim. Der Arm ist unnatürlich vergrößert, wenn er über Schulterhöhe geht oder der Spieler den Ball bewusst/unbewusst „einklemmt“ oder stoppt. Mainka hatte den Ball hier nicht einfach „abgewehrt“, sondern ihn mit der Hand zurückgespitzelt bzw. kurz festgehalten – das ist kein normales Körperteil im Zweikampf. Auch wenn es unabsichtlich war, spielt Absicht bei Handspiel im Strafraum seit Jahren keine Rolle mehr. Es geht um die unnatürliche Position und die Verhinderung einer Torchance. Für mich hätte das Elfmeter Gelb für Mainka geben müssen. Braun hatte die Szene nicht erkennen können, was aber regelwidrig ist. Der VAR Nicolas Winter hätte eingreifen müssen. [TV-Bilder – ab 0:43 Minuten]

Szene 10Elfmeter für die Heidenheim. Pieringer behauptete sich nach Ramajs langem Ball gegen Andrich und zog in den Sechzehner, ehe er von hinten zu Fall gebracht wurde. Viele fragten sich warm keine gelbe Karte. Das ist eine gute Aktion die verhindert wird. Da es ein Fußeinsatz ist, gibt es die Reduzierung von gelb auf nichts. Das ist eine klare Vorgabe. Es wird nur noch bei einem Foul verwarnt wenn es rücksichtslos ist. Wenn es wie hier ein unterbrechen eines vielversprechenden Angriffs ist, wird bei Strafstoß im Strafraum reduziert. Ist es eine Notbremse mit bei Fußvergehen und Ballorientierung von Rot auf Gelb und ist es ein verheißungsvoller Angriff wird bei Fußvergehen von gelb auf nichts reduziert.[TV-Bilder – ab 06:35 Minuten]

VfL Wolfsburg – SV Werder Bremen 0:1 (SR: Benjamin Brand)

Szene 11: Eine leerbuchmäßige Verwarnung in der Nachspielzeit des Spiels und die Entscheidung des Schiedsrichters war absolut korrekt. Yunus Musah bekam den Ball in der eigenen Hälfte angespielt, ging auf den Ball, drehte sich clever um Wolfsburgs Innenverteidiger Moritz Jenz herum und war plötzlich frei durch – Tempo aufgenommen, Raum vor sich, Richtung Tor, nur noch wenige Verteidiger dazwischen → das ist eine klare aussichtsreiche Torchance (promising attack, nah an DOGSO). Jenz (bereits mit gelber Karte vorbelastet) griff zum Klammergriff, um Musah zu stoppen – kein Versuch mehr, den Ball zu spielen, reines taktische Notbremse-Foul. Brand pfiff sofort → Gelb (für das Foul) + Rot (weil vorbelastet) = Gelb-Rote Karte und Platzverweis für Jenz. Hier sind die DOGSO-Kriterien erfüllt. Richtung Tor, Distanz gering, realistische Torchance, weniger als 2 Verteidiger zwischen Ball und Tor, kein Ballspielversuch (nur Mann halten). Rot wegen Notbremse ist es nicht, weil noch Verteidiger davor standen um einzugreifen. TV-Bilder – ab 06:30 Minuten]

1.FSV Mainz 05 – Eintracht Frankfurt 2:1 (SR: Tobias Stieler)

Szene 12: Danny da Costa stieß Jonathan Burkardt in der Entstehung der Szene. Der Ball lief weiter, Aurèle Amenda und Sheraldo Becker kamen im Strafraum zusammen. Becker ging zu Boden, Schiri Tobias Stieler pfiff zunächst keinen Elfmeter. Der VAR schickte Stieler trotzdem an den Monitor. Nach ausführlicher Prüfung kam Stieler zurück und erklärte ausführlich, dass es für den Kontakt Amenda–Becker er als Elfmeter gegeben hätte. Weil aber zuvor das Stoßen von da Costa gegen Burkardt war, wurde die gesamte Aktion mit Freistoß für Frankfurt abgepfiffen. Die Entscheidung im Ergebnis in Ordnung: Das vorgelagerte Foul von da Costa machte die nachfolgende Szene „tot“. Man kann nicht einen späteren Kontakt im Strafraum als Elfmeter werten, wenn die Angriffsaktion schon durch ein Foul des eigenen Teams gestoppt gehört hätte. Der Kontakt Amenda–Becker allein war offenbar grenzwertig (vielleicht leichter Hüftkontakt oder minimales Berühren), aber nicht so klar, dass er isoliert einen Strafstoß erzwungen hätte.

Das große Problem war die Kommunikation: Stieler wurde an den Monitor gebeten. Er kam zurück und hielt eine lange, detaillierte Erklärung („Den Elfmeter hätte ich gegeben, aber vorher war das Foul von da Costa…“). Für Zuschauer, Spieler und Fans im Stadion klang das erstmal wie „Es gab einen Elfmeter, aber wir nehmen ihn wieder weg wegen des früheren Fouls“ – das erzeugt maximalen Frust und Verwirrung. Viele hatten den Eindruck, der VAR hätte Stieler überstimmt, obwohl er selbst die Kette der Fouls korrekt bewertet hat. Das ist genau die Art von schlechtem VAR-Management, die in dieser Saison immer wieder kritisiert wird: Man erklärt zu viel oder zu kompliziert, statt einfach klar zu sagen „Freistoß für Frankfurt wegen Foul in der Entstehung – keine weitere Prüfung nötig“. [TV-Bilder – ab 04:15 Minuten]

FC St. Pauli – SC Freiburg 1:2 (SR: Florian Badstübner)

Szene 13: Freistoß von der linken Seite, Cyriaque Irié stieg hoch und köpfte den Ball aufs Tor. Schiedsrichter Florian Badstübner das Tor zunächst, der VAR prüfte auf Abseits und griff ein. Die kalibrierten Abseitslinien zeigen: Irié stand knapp beim Zuspiel knapp im Abseits. Das Tor wurde zu Recht zurückgenommen. Bei Standards gilt dasselbe wie bei normalen Pässen: Der Angreifer darf nicht im Abseits stehen, wenn er den Ball berührt oder aktiv beeinflusst. Hier war Irié minimal vor dem letzten Verteidiger – die Semi-Automated Offside Technology (SAOT) macht solche knappen Entscheidungen inzwischen sehr präzise. Kein Vorteil oder nicht aktives Eingreifen möglich, weil er den Ball direkt per Kopf aufs Tor gebracht hat. [TV-Bilder – ab 04:17 Minuten]

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.