Auch in Liga 2 ging das Osterwochenende zu Ende und es gab durchaus positive Spielleitungen von den Schiedsrichtern zu sehen. Eine besonders erschreckende und skandalöse Situation gab es beim Spiel Dresden – Hertha am Samstagabend, als es während des Spiels starke Konflikte zwischen den Fanlagern der beiden Vereine gab. Diese Situation bewältigte Sven Jablonski sehr gut und behielt sehr viel Ruhe in der Situation. Ansonsten gab es die ein oder andere Szene in den anderen Stadien, welches genauer in der Analyse zu lesen ist und hier die Top 3 des Spieltages:
Platz 🥇 – Felix Prigan: Unser Schiedsrichter des Spieltags ist Felix Prigan aus Deizisau der am Samstanachmittag im Osten bei der Partie 1. FC Magdeburg – VfL Bochum zum Einsatz kam. Der junge 27-Jährige Schiedsrichter aus Deizisau hatte mit dieser grundsätzlich fairen Partie kaum Probleme. Er agierte bewusst zurückhaltend, ließ die beiden Teams im Mittelpunkt stehen und pfiff nur, wenn es wirklich nötig war. Das Spiel blieb flüssig, emotional, aber weitgehend ohne große Eskalationen – genau das, was man in einem solchen Duell im Aufstiegskampf braucht. Felix Prigan setzte eine klare, aber nicht übertriebene Linie durch. Es gab keine umstrittenen Elfmeter, keine Fehlentscheidungen bei Toren oder Platzverweisen. Die Partie lief sportlich weitgehend fair ab, und der Referee trat kaum in Erscheinung – ein Kompliment für einen Schiedsrichter. (Note: 1,5) [Highlights]
Platz 🥈 – Lars Erbst: Auf Platz 2 haben wir ebenfalls aus Baden-Württemberg Lars Erbst aus Gerlingen der am insgesanachmittag nach Franken zur Partie Greuther Fürth – SC Paderborn fuhr und das Spiel leitete. Er hatte die Partie angenehm unauffällig und souverän im Griff. Das Spiel war insgesamt fair und taktisch geprägt, mit Paderborn als verdienten Sieger. Erbst trat kaum in Erscheinung – genau das, was man unter einer guten Spielleitung versteht: Er ließ flüssig spielen, hielt die Linie konsequent und vermied unnötige Unterbrechungen oder Eskalationen. Vertretbar es beim Foul von Hansen an Münch es bei Gelb zu belassen. Es war ein robuster, aber nicht übermäßig harter Einsatz mit hohem Verletzungsrisiko. Die Grenze zur Roten war eng, aber Erbst blieb bei Gelb und lag damit im Rahmen der Regelauslegung. Er hatte eine sehr gute Spielkontrolle, ruhige Ausstrahlung, unauffällige und souveräne Leistung. Erbst ließ die Teams im Mittelpunkt und hatte mit der fairen Partie kaum echte Probleme. Praktisch keine nennenswerten. Die eine Grenzsituation mit Hansen/Münz war vertretbar gelöst. (Note: 2) [Highlights]
Platz 🥉 – Richard Hempel: Auf dem dritten Platz haben wir nach langer Verletzungspause das aufstrebende Talent Richard Hempel aus Dresden der am Sonntag bei der Partie Schalke 04 – Karlsruhe zum Einsatz kam. Hempel wählte wie gewohnt eine lockere Linie, ließ viel laufen und war weitestgehend souverän während des Spiels. Beim Abseitstor von Karaman lag Assistent Kohnert absolut richtig in Hälfte 1. Einzig die gelbe Karte für den Karlsruher Gornis gibt es zu bemängeln. Am Ende jedoch eine unaufgeregte und sichere Spielleitung von Hempel und seinem Gespann. (Note: 2,5)
Schalke 04 – Karlsruher SC 1:0 (SR: Richard Hempel)
Eine Woche nach seinem Comeback in der 3. Liga kam Schiedsrichter Richard Hempel in der 2. Liga zum Einsatz. Karamans vermeintliches Tor erkannte das Gespann wegen der Abseitsposition sofort, die gelbe Karte für Christian Gornis war allerdings überzogen, als der gerade eingewechselte Herold kurz nach der Mittellinie an die Schulter griff. Ein taktisches Foul bei dem kein aussichtsreicher Angriff unterbunden wurde. [Note: 3]. [Highlights]
- Karaman-Tor (vermeintlich):
Das Gespann (Hempel + Assistenten) erkannte die Abseitsposition von Kenan Karaman sofort und hob das Tor korrekt auf. Das war eine saubere, schnelle Entscheidung – keine Diskussion. Gerade bei schnellen Angriffen und engen Abseitslinien ist das ein starkes Zeichen für gute Zusammenarbeit mit den Assistenten. Hier lag das Team 100 % richtig. - Gelbe Karte für Christian Gornis (Herold-Szene):
Der gerade eingewechselte Gornis griff sich kurz nach der Mittellinie an die Schulter – eher ein kleiner Check oder Rempler. Hempel sah das als taktisches Foul und zeigte Gelb.
Deine Kritik ist berechtigt: Es war überzogen. Kein aussichtsreicher Angriff wurde unterbunden, es gab keine besondere Härte oder Wiederholungstat. Ein einfacher Freistoß hätte völlig gereicht. Das ist ein klassisches Beispiel für eine zu strenge Karte in einer harmlosen Situation, die das Spiel unnötig auflädt.
Dynamo Dresden – Hertha BSC 0:1 (SR: Sven Jablonski)
Szene 1: Josip Brekalo (Hertha) wollte mit einem langen Bein gegen Robert Wagner (Dynamo) ins Duell gehen. Er rutschte jedoch mit der offenen Sohle über das Schienbein des Dresdners und landete anschließend auf dessen Fuß. Schiedsrichter Sven Jablonski zögerte keine Sekunde und zeigte völlig zurecht sofort die rote Karte wegen groben Foulspiels. [TV-Bilder – ab 02:50 Minuten]
Hier ist die Inkonsequenz das Problem
Brekalo traf nicht den Ball, sondern voller Wucht mit der Sohle das Schienbein von Wagner – ein klassischer gefährlicher Einsatz mit hohem Verletzungsrisiko. Die IFAB-Regeln sehen bei einem solchen Foul („endangering the safety of an opponent“ mit offener Sohle und übermäßiger Kraft) direkt Rot vor, unabhängig davon, ob der Gegner schwer verletzt wird oder nicht. Sven Jablonski lag hier eindeutig richtig, auch wenn das Bein noch leicht angewinkelt ist. Der Tritt aber mit der Sohle aufs Schienbein des Gegners. Das Problem ist die unterschiedliche Bewertung der Schiedsrichter bei gleichem Trefferbild. Der Dortmunder sah „nur“ Gelb. Knut Kircher hat während der Saison vorgegeben, bei Grenzfällen eher Rot statt Gelb zu geben, um den Spielerschutz zu priorisieren. Auch wenn das Bein leicht angewinkelt war, ändert das nichts an der Gefährlichkeit: Der Kontakt war hoch, unkontrolliert, mit hohem Verletzungsrisiko und ohne Ballberührung. Nach IFAB-Regel 12 ist ein solcher Einsatz mit offener Sohle oberhalb des Knöchels fast immer Rot – der Spielerschutz hat Vorrang. Jablonski zögerte keine Sekunde, was in so einer klaren Situation stark ist. Die Anweisung lautet sinngemäß: Bei Zweifel eher Rot als Gelb – besonders wenn das Foul vermeidbar und gefährlich ist.Trotzdem bleibt die Umsetzung nicht einheitlich.
Szene 2: Nach einer Ecke von der rechten Seite sprang Paul Seguin zum Kopfball hoch. Der Ball traf ihn dabei am ausgestreckten rechten Arm. Schiedsrichter Sven Jablonski ließ zunächst weiterspielen, doch nach VAR-Check entschied er auf Handelfmeter für Dynamo Dresden. Vincent Vermeij verschoss den Strafstoß jedoch. Seguins rechter Arm war deutlich vom Körper abgewinkelt und ausgestreckt; eine unnatürliche Armhaltung, die die Körperfläche vergrößert. Der Ball traf den Arm klar. Nach den aktuellen IFAB-Regeln zum Handspiel im Strafraum ist ein solcher Kontakt in der Regel strafbar, wenn der Arm nicht nah am Körper ist und der Spieler keine Zeit hatte, ihn wegzunehmen. Es war kein absichtliches Handspiel, aber die Position des Arms machte es zu einem klaren Handelfmeter. Jablonski lag hier richtig, als er nach dem VAR-Eingriff korrigierte. [TV-Bilder – ab 03:40 Minuten]
Fazit: In einem durch die Fanausschreitungen chaotischen Zweitligaspiel war die Leistung von Sven Jablonski in Ordnung, aber nicht frei von Fehlern. Rot für Josip Brekalo war korrekt und konsequent. Ebenfalls korrekt, kein Elfmeter beim Zweikampf Eichhorn gegen Wagner, als dieser von hinten mit der Hüfte/Körper gegen Wagner, ohne klaren Ballkontakt schob. Es war ein robuster, aber kein strafstoßwürdiger Einsatz im Strafraum – eher ein normales Zweikampfverhalten. Ebenso korrekt der Handelfmeter richtig aber nach der klaren Fehlentscheidung nach VAR. Der ausgestreckte, vom Körper abgewinkelte rechte Arm vergrößerte die Körperfläche unnatürlich – klar strafbares Handspiel nach aktueller IFAB-Regel. Jablonski sah es zunächst nicht (oder nicht eindeutig), brauchte den VAR-Eingriff und korrigierte dann aber zügig.
Jablonski war aber nicht ohne Fehler bei der Zweikampfbewertung. Es gab über das Spiel verteilt einige Szenen, in denen er bei leichteren Rempeleien oder Haltefouls etwas inkonsistent pfiff – mal zu streng, mal zu nachsichtig. Das ist kein grober Schnitzer, aber in einem intensiven Spiel spürbar und passt zu dem, was man bei ihm gelegentlich sieht: Er ist ein ruhiger, erfahrener FIFA-Referee, der bei klaren Dingen (Rot, Handelfmeter) sicher ist, aber bei 50:50-Zweikämpfen noch nicht immer die allerpräziseste Linie findet. Trotzdem: In den wirklich spielentscheidenden Szenen lag er richtig. Dazu kommt sein starkes Krisenmanagement bei den schweren Fan-Ausschreitungen (Pyro, Platzstürme, Prügeleien, zwei lange Unterbrechungen). Beide Trainer (Leitl und Thomas Stamm) lobten ihn explizit dafür – das ist in so einem Skandalspiel nicht selbstverständlich. [Note: 3] Solide, weitgehend korrekte Leistung ohne spielverzerrende Fehler, aber mit erkennbaren kleinen Ungenauigkeiten bei Zweikämpfen und der Notwendigkeit von VAR-Hilfe beim Handelfmeter.
Arminia Bielefeld – SV Darmstadt 2:1 (SR: Timo Gerach)
Fazit: Der 39-jährige Referee aus Landau zog eine großzügige, aber konsequente Linie durch das gesamte Spiel. Er ließ viel laufen, pfiff nicht bei jedem leichten Körperkontakt und hielt das Spiel dadurch flüssig. Gleichzeitig setzte er bei wiederholten oder härteren Vergehen klare Grenzen mit Verwarnungen, ohne dass es zu einer Überflutung von Karten kam. Gerach bewies ein gutes Gespür dafür, wann er weiterspielen lassen konnte und wann er eingreifen musste. Starke Konsistenz in der Linie und gute Spielkontrolle. Leichte Abzüge, weil eine noch etwas präzisere Zweikampfbewertung in manchen Grenzsituationen möglich gewesen wäre (wie es bei Gerach gelegentlich vorkommt – er tendiert manchmal zu einer sehr großzügigen Auslegung und lässt es zu sehr schleifen. (Note: 2,5) [Highlights]
1.FC Kaiserslautern – Fortuna Düsseldorf 3:0 (SR: Daniel Schlager)
Szene 3: Nach einem langen Pass aus der Mittelfeldzentrale von Luca Sirch lief Norman Bassette auf die Strafraumkante zu. Sima Suso kam als letzter Mann ins Duell, konnte den enteilten Belgier nicht mehr fair stoppen und hielt ihn leicht am Arm bzw. brachte ihn zu Fall. Schiedsrichter Daniel Schlager entschied sofort auf Freistoß und zeigte glatt Rot wegen Notbremse (denying an obvious goal-scoring opportunity). Suso war eindeutig letzter Mann, kein anderer Düsseldorfer Verteidiger konnte mehr eingreifen. Bassette war klar torgefährlich im freien Lauf auf das Tor mit einer gute Abschlussposition an der Strafraumkante. Der Kontakt war ein taktisches Halten/Foul, das die klare Torchance verhinderte → klassische Notbremse nach IFAB-Regel 12. Auch wenn es kein brutales Foul war, reicht bei „obvious goal-scoring opportunity“ als letzter Mann außerhalb des Strafraums die direkte rote Karte. [TV-Bilder – ab 0:25 Minuten]
Fazit: Daniel Schlager mit einer insgesamt unauffälligen, ruhigen und souveränen Spielleitung ohne größere Probleme. Susos Platzververweis regeltechnisch korrekt, als dieser als letzter Mann zu spät kam und die klare Torchance verhinderte. (Note: 2) [Highlights]
Hannover 96 – SV Elversberg 1:1 (SR: Robert Kampka)
Szene 4: Nach einem langen Abwurf von Elversberg-Keeper Nicolas Kristof startete Immanuel Pherai einen schnellen Konter. Im Strafraum lieferte er sich ein Laufduell mit Noel Aseko Nkili. Aseko geriet ins Stolpern, Pherai fiel über ihn bzw. wurde von ihm zu Fall gebracht. Schiedsrichter Dr. Robert Kampka zeigte sofort auf den Elfmeterpunkt. Lukas Petkov verwandelte sicher zum 1:1-Ausgleich.
Es handelte sich um ein unglückliches Foul von Aseko Nkili. Er rutschte oder stolperte selbst, kreuzte den Weg von Pherai und brachte ihn damit zu Fall. Kein böswilliger Einsatz, eher ein unglücklicher Körperkontakt im vollen Lauf. Dennoch ein vertretbarer Elfmeter. Pherai war im Strafraum klar torgefährlich (schneller Konter, freie Abschlussposition). Der Kontakt reichte aus, um ihn zu behindern. Der Angreifer kam Strafraum zu Fall und es lag keine klare Ballberührung durch Aseko vor. Keine Notbremse / keine Karte: Es war kein taktisches Foul als letzter Mann mit klarer Verhinderung einer Torchance. Aseko war nicht der letzte Mann, und die Szene wirkte eher wie ein Zusammenprall im Laufduell. Eine Verwarnung oder gar Rot wäre übertrieben gewesen. Kampka blieb hier konsequent bei keiner Karte. [TV-Bilder – ab 02:55 Minuten]
Szene 5: Husseyn Chakroun kam nach einem Zusammenspiel zum Abschluss. Ein Elversberger warf sich in den Schuss und blockte den Ball ab. Hannover reklamierte sofort Handspiel und forderte einen Handelfmeter. Schiedsrichter Dr. Robert Kampka entschied auf Weiterspielen.
In der Zeitlupe war klar zu erkennen: Der Ball traf nicht die Hand eines Elversbergers, sondern (wenn überhaupt) den eigenen Spieler Chakroun oder dessen Körper. Es gab kein strafbares Handspiel der Gäste – der Arm war weder unnatürlich abgewinkelt noch vergrößerte er die Körperfläche bewusst. Kampka lag hier richtig, indem er nicht auf Elfmeter entschied. [TV-Bilder – ab 04:15 Minuten]
Szene 6: Maurice Neubauer zog den enteilenden Elversberger Jarzinho Malanga am Trikot. Schiedsrichter Dr. Robert Kampka ließ die Szene laufen. Vertretbar. Es war ein leichter Trikot-Zug von hinten, der den Gegner nicht wirklich stoppte oder zu Fall brachte. Malanga blieb auf den Beinen und konnte weiterlaufen. Solche minimalen Halteaktionen werden in der Praxis oft laufen gelassen, besonders wenn der Gefoulte nicht zu Boden geht und kein klarer Vorteil entsteht. Das entspricht der gängigen Linie vieler Schiedsrichter: „Advantage“ oder einfach Weiterspielen, wenn der Kontakt zu harmlos ist und das Spiel nicht entscheidend gestört wird. [TV-Bilder – ab 04:45 Minuten]
Szene 7: Elias Saad ging im Strafraum zu Boden und reklamierte lautstark einen Elfmeter. Schiedsrichter Dr. Robert Kampka ließ zunächst weiterlaufen. VAR Dr. Arne Aarnink checkte die Situation kurz, und Kampka blieb bei seiner Entscheidung: kein Elfmeter, Spiel ging für Hannover weiter. Saad ließ sich viel zu leicht fallen, es war ein typisches Schauspiel bzw. ein sehr weicher Kontakt, bei dem er übertrieben zu Boden ging. Der tatsächliche Körperkontakt (falls überhaupt vorhanden) war minimal und reicht für mich nicht aus, um einen Strafstoß zu rechtfertigen. Kampka sah das genauso und pfiff nicht. Der VAR bestätigte diese Einschätzung nach kurzer Prüfung (kein „clear and obvious error“). [TV-Bilder – ab 05:06 Minuten]
