In der Bundesliga sahen wir am Wochenende durchaus gute Schiedsrichter-Leistungen und es gab nur wenige Spiele mit Diskussionen. Die größten Diskussionen gab es bei Schiedsrichter Tobias Reichel aus Stuttgart der bei der Köln – Bremen gleich in mehreren Szenen gefordert war und gerade die Bremer Seite zum kochen brachte. Auch bei der Freitagabend Partie zwischen Augsburg – Hoffenheim gab es kleinere Probleme von Fifa-Schiedsrichter Daniel Schlager der eine kleinliche Linie wählte. Alles weitere in der Analyse und hier die Top 3 des Spieltages:
Platz 🥇 – Deniz Aytekin:
Auf dem ersten Platz des Bundesliga Spieltages haben wir wie mittlerweile gewohnt Deniz Aytekin aus Oberasbach der beim hochklassigen Spiel zwischen Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen im Einsatz war. In seinem wahrscheinlich letzten Spiel im Westfalenstadion lieferte Aytekin mit seiner ganzen Erfahrung eine mehr als souveräne Spielleitung, strahlte viel Ruhe während des Spiels aus und fiel wie erwartet mit seiner hervorragenden Kommunikation mit den einzelnen Akteuren auf!
Platz 🥈 – Tobias Stieler:
Auf dem zweiten Platz haben wir den ehemaligen Hamburger Schiedsrichter Tobias Stieler, der in seiner alten Heimatstadt das Topspiel zwischen dem FC St.Pauli und dem FC Bayern München am Samstag Abend leitete. Das Spiel war gerade in den Anfangsminuten überraschend intensiv und es gab viele kleinere Situationen die Stieler bewerten und händeln musste. Dort zeigte Stieler eine sehr lockere und lange Linie, weshalb er viele Szenen zurecht und richtig weiterlaufen ließ. Am Ende des Spiels gab es zudem noch eine witzige Aktion, als Stieler das Spiel per „Public-Announcement“ beendete.
Platz 🥉 – Christian Dingert:
Auf dem dritten Platz haben wir Christian Dingert aus Lebecksmühle der beim Spiel FC Heidenheim – Union Berlin im Einsatz am Samstag Nachmittag war. Aufgrund der Tabellensituation der beiden Mannschaften war es über lange Strecken ein sehr intensiv zu leitendes Spiel, welches Christian Dingert jedoch mit besonders viel Feingefühl und Gesick in den einzelnen Spielszenen hervorragend leitete!
VfB Stuttgart – HSV 4:0 (SR: Sven Jablonski)
Szene 1: Das vermeintliche Stuttgarter 4:0 von Undav wurde zu Recht einkassiert, da der Stuttgarter deutlich sichtbar im Abseits stand. Hätte eigentlich auch der Assistent sehen sollen. [TV-Bilder – ab 04:55 Minuten]
Szene 2: Im Hamburger Strafraum legte sich Tiago Tomas den Ball an Omari vorbei und kam anschließend zu Fall. Jablonski entschied auf Weiterspielen. Nach einigen Minuten schaltete sich VAR Bastian Dankert doch ein und nach Ansicht der Bilder gab es dann den Elfmeter für Stuttgart. Omari traf Tomás am Fuß, nachdem dieser den Ball schon am Gegner vorbeigelegt hatte. Es handelte sich nicht um einen reinen Schulter-zu-Schulter-Kontakt, sondern um ein direktes Treten gegen den Stand- bzw. Spielbein. Jablonski hatte die Szene live wahrscheinlich verdeckt oder zu schnell bewertet – der VAR-Eingriff war hier richtig und notwendig. Die Korrektur auf Elfmeter war korrekt. [TV-Bilder – ab 05:09 Minuten]
Szene 3: Bevor der Ball im Aus war und der VAR einschreiten konnte, wurde es ungemütlich. Bei einer Auseinandersetzung zwischen Capaldo und Undav sahen beide die Gelbe Karte. Undav hatte Glück wegen eines Griffes an den Hals des Hamburgers nicht Rot bekommen zu haben. Da erinnere ich an Frank Ribery der das auch schon mal machte und nur verwarnt wurde. Ein schmaler Grat. Rageltechnisch ist ein Griff an den Hals eine Tätlichkeit, allerdings war es hier nur ein kurzer Griff mit geringer Intensität und so beließ er es bei einer vernünftigen und deeskalierenden Lösung des Clinches zwischen Capaldo und Undav.
Ein Griff an den Hals gilt im Regelwerk grundsätzlich als Tätlichkeit und wäre normalerweise Rot wert – unabhängig davon, ob der Ball im Spiel ist oder nicht. Allerdings wird immer die Intensität, Dauer und Absicht bewertet. Allerdings ein kurzer, leichter Griff im Eifer des Gefechts, eher ein Schubsen oder Festhalten am Halsbereich mit geringer Kraft kann als unsportliches Verhalten mit Gelb durchgehen.
Das ist ein Grenzbereich zwischen unsportlich und tätlich. Die Schiris bewerten live oft nach sichtbarer Gefahr und Gesamteindruck – und bei geringer Intensität wird häufig deeskaliert. [TV-Bilder – ab 05:28 Minuten]
1.FSV Mainz 05 – SC Freiburg 0:1 (SR: Felix Zwayer)
Szene 4: Felix Zwayer hatte die Partie im Griff, lag mit den persönlichen Strafen richtig und fand insgesamt ein gutes Maß in der Zweikampfbewertung. Allerdings hätte er beim blutenden Freiburger Spieler Matthias Ginter konsequenter sein müssen und ihn solange vom Platz schicken müssen, bis der Mannschaftsarzt die Wunde dauerhaft gestillt hat. Das ist keine Ermessenssache, sondern eine klare Pflicht. In der Praxis sehen wir das leider öfter, dass bei „nur“ Nasenbluten etwas nachsichtiger verfahren wird – aber regelkonform wäre ein konsequenteres „Du kommst erst wieder, wenn nichts mehr läuft“ gewesen. [Highlights]
1.FC Köln – SV Werder Bremen 3:1 (SR: Tobias Reichel)
Szene 5: Ísak Jóhannesson tankte sich auf dem rechten Flügel durch und spielte den Ball scharf in den Strafraum. Jakub Kamiński nahm ihn mit dem Rücken zum Tor an. Olivier Deman kam von hinten in den Zweikampf und holte Kamiński von den Beinen. Schiedsrichter Tobias Reichel zeigte sofort auf den Punkt. Im Live-Eindruck sah es nach einem leichten Kontakt aus. Kamiński fiel relativ spektakulär. In der Zeitlupe erkennt man einen klaren Tritt am Fuß von Deman. Es war ein ungeschicktes, zu ungestümes Einsteigen von hinten – Deman kam einen Schritt zu spät und traf den Standfuß bzw. den Knöchel-Bereich. Das ist ein klassischer Grenzfall-Elfmeter, bei dem die Meinungen auseinandergehen. Nach Regel 12 ist ein Tritt gegen den Fuß im Strafraum ein klares Foulspiel und damit Elfmeter – unabhängig davon, wie leicht der Kontakt wirkt oder ob der Angreifer den Fall etwas unterstützt. Deman hat Kamiński von den Beinen geholt, nachdem dieser den Ball schon kontrolliert hatte. Das ist kein reiner Schulter-zu-Schulter-Zweikampf mehr. Reichel lag mit der sofortigen Entscheidung richtig: Es war kein klarer und offensichtlicher Fehler, den der VAR hätte korrigieren müssen.
Allerdings ist der Kontakt nicht brutal und hatte eher geringe Intensität. Ohne VAR hätte man in vielen Stadien auch „Weiterspielen“ durchgehen lassen können. Kamiński machte den Sturz etwas größer, als er vielleicht sein musste und nahm ihn dankend an. Im Vergleich zu manchen anderen Szenen wirkt dieser hier etwas klarer, weil ein echter Tritt am Fuß sichtbar ist. Vertretbar und nachvollziehbare Entscheidung. [TV-Bilder – ab 0:09 Minuten]
Szene 6: Leonardo Bittencourt spielte einen zu kurzen, fahrigen Rückpass auf Kapitän Marco Friedl. Ragnar Ache spritzte dazwischen, spitzelte den Ball am Bremer Verteidiger vorbei und wäre frei durch auf das Tor gewesen. Friedl versuchte noch zu klären, rutschte dabei jedoch aus und fuhr das Bein aus. Ache fiel über das Bein. Schiedsrichter Tobias Reichel entschied sofort auf Foul + Notbremse und zeigte Rot, da er als letzter Mann eine klare Torchance verhinderte.
Eine klare Torchance („obvious goal-scoring opportunity“) wird durch ein Foul des letzten Mannes als Notbremse mit der direkten roten Karte gewertet. Entscheidend sind vier „4 Ds“-Kriterien: Distance, Direction, Defenders, Danger. Hier: Ache war frei durch → hohe Danger, keine weiteren Verteidiger, Richtung Tor. Das Ausrutschen mildert die Strafe nicht. Die Regeln fragen nicht nach Absicht oder ob der Spieler „unglücklich“ war. Es zählt das Ergebnis: Das Foul verhindert die Torchance. Ob absichtlich oder durch Rutschen – wenn der Körper/Bein den Gegner stoppt, ist es Foul + Rot bei letztem Mann. Die Entscheidung ist streng, aber regelkonform. In der Bundesliga (und international) werden solche Szenen fast immer mit Rot geahndet, wenn der Stürmer frei durch ist. [TV-Bilder – ab 01:20 Minuten]
Szene 7: Alessio Castro-Montes bekam von Ragnar Ache einen tollen Steilpass in die Tiefe. Er lief alleine auf Mio Backhaus zu und tunnelte den starken Bremer Keeper aus ca. 16 Metern zum vermeintlichen 2:0. Der VAR prüfte das Zuspiel von Ache und erkannte eine hauchdünne Abseitsstellung von Castro-Montes mit dem Knie, einem Körperteil, der für ein Tor relevant ist, minimal vor der letzten Verteidigerlinie. Die Bilder zeigten: Es war kein klarer Abseitsvorteil, sondern ein Millimeter- oder Haaresbreite-Entscheid – typisch für die präzisen Offside-Linien mit halbautomatischer Abseitstechnologie.
Regeltechnisch: Jeder Teil des Körpers, mit dem ein Tor erzielt werden könnte (Schulter abwärts, nicht Arme), der vor der zweiten letzten Verteidigerlinie ist, bedeutet Abseits – auch wenn es nur ein Millimeter ist. Der VAR muss eingreifen, wenn es klar und offensichtlich ein Fehler war. Bei solchen extrem knappen Fällen ist der Eingriff oft technisch korrekt, aber emotional schwer zu verdauen. Aber genau das ist nicht im Sinn des Fußballs ist das nicht mehr.Millimeter-Entscheidungen, die ein dynamisches, schönes Tor zunichtemachen, fühlt sich wie Pedanterie an, statt wie Fußball. [TV-Bilder – ab 03:05 Minuten]
Szene 8: Olivier Deman versuchte eine flache Hereingabe von links. Ragnar Ache klärte im eigenen Sechzehner sehr grenzwertig gegen Deman. Schiedsrichter Tobias Reichel ließ das Spiel zunächst weiterlaufen. Der VAR Benjamin Brand prüfte die Szene und schickte Reichel zum On-Field-Review. Nach dem Monitor-Studium entschied Reichel rasch auf Elfmeter für Bremen, beließ es aber bei „Gelb“. [TV-Bilder – ab 05:00 Minuten]
Im Live wirkte der Kontakt minimal, Ache schien den Ball zuerst zu spielen. In Zeitlupe sah man jedoch einen späten Tritt am Knöchel von Deman – ungeschickt und mit etwas Intensität. Der VAR-Eingriff war hier vertretbar, weil ein klarer und offensichtlicher Fehler von Reichel vorlag (er hatte die Szene wahrscheinlich verdeckt).
Warum blieb es bei Gelb? Hier wird es regeltechnisch interessant. Es gab einen Tritt mit der Sohle auf Knöchelhöhe. Das ist grundsätzlich ein Kandidat für Gelb oder sogar direkt Rot, wenn es als rücksichtslos oder mit übermäßiger Kraft eingestuft wird. Reichel (und VAR) haben es als „reckless“ (rücksichtslos, aber nicht brutal) bewertet – nicht als „excessive force“ mit hoher Verletzungsgefahr. Ache traf den Gegner spät, hatte aber den Ball noch teilweise im Fokus und rutschte eher unkontrolliert hinein, statt mit voller Wucht zu grätschen. Der Kontakt war am Knöchel, aber nicht mit gestrecktem Bein oder hoher Intensität (kein Stampfen oder langes Nachsetzen. Deshalb blieb es bei der gelben Karte.
FC Augsburg – TSG Hoffenheim 2:2 (SR: Daniel Schlager)
Kurzes Fazit: Bei der Elfmeterentscheidung lag Schiedsrichter Daniel Schlager richtig. Kade bekam einen Pass in den Strafraum, wurde von Hoffenheims Bernardo von hinten am Fuß getroffen. Nach dem 2:2 zur Pause wurde das Spiel intensiver und hitziger. Schlager zückte in kurzer Zeit sechs Gelbe Karten innerhalb von etwa elf Minuten (vier für Augsburg, zwei für Hoffenheim), insgesamt kamen im Spiel zehn Gelbe zusammen – die höchste Anzahl in einem Bundesliga-Spiel dieser Saison. Zum Beispiel war die Gelbe für Fisnik Asllani in der 66. Minute zu hart, als er lautstark bei einer Ecke auf Ecke und dafür verwarnt wurde. Schlager wirkte in dieser Phase übereifrig und etwas kleinlich. Die Karten kamen reihenweise, teilweise für normale Reklamationen oder harte, aber nicht übertriebene Zweikämpfe. Es fehlte ihm da ein bisschen das Maß und die Souveränität, die man von einem erfahrenen Schiri wie Schlager erwartet. Die Phase störte den Spielfluss deutlich, und es gab sogar kleinere Rudelbildungen. [Highlights]
Borussia Dortmund – Bayer Leverkusen (SR: Deniz Aytekin)
Kurzes Fazit: Deniz Aytekin war der beste Mann auf dem Platz. Er leitete die leichte Partie souverän, unauffällig, erklärte Entscheidung klar und deeskalierte frühzeitig. Das Spiel war von geringer Intensität – ohne besondere Schwierigkeiten, aber nicht frei von Fehlern. Die BVB-Seite monierte bei der gelben Karte für Guirassy, dass er den Dortmunder als er einen Angriff startete und gefoult wurde, nicht besser schützte. Ansonsten profitierte er von einem taktisch disziplinierten Spiel beider Teams, das keine großen Kontroversen zuließ. Genau das macht eine gute Leistung aus: Man bemerkt den Schiri kaum, weil alles rund läuft. Aytekin zeigte wieder einmal, warum er als einer der besten und beliebtesten Schiris der Liga gilt: Erfahrung, Autorität durch Präsenz statt durch Karten, und ein gutes Gespür für das Maß. In einem Spiel mit geringer Intensität brauchte er keine große Show – und genau das hat er geliefert. [Highlights]
RB Leipzig – Borussia Mönchengladbach (SR: Sascha Stegemann)
Kurzes Fazit: Sascha Stegemann hatte eine relativ ruhige Partie ohne große Explosionen oder Massen-Reklamationen. Keine Elfmeter, keine Roten Karten und keine VAR-Korrekturen, die das Spiel entscheidend beeinflussten. Das ermöglichte ihm eine souveräne Führung mit klarer Linie. Einziger kleiner Kritikpunkt, wirkte mitunter etwas kleinlich. Stegemann zückte in Phasen etwas häufiger Gelbe Karten als unbedingt nötig – oft für Reklamationen, leichte Fouls oder unsportliches Verhalten (z.B. Xaver Schlager und Joe Scally bekamen Gelb). Manche Verwarnungen wirkten ein bisschen pingelig, besonders wenn das Spiel an sich fair und nicht übermäßig hitzig war. Das erinnert an seine gelegentliche Tendenz, bei Meckern oder kleineren Zweikämpfen konsequent durchzugreifen. Aber insgesamt souveräne und konsequente Spielführung: Hier liegt die Stärke. Stegemann behielt trotz der einseitigen Chancenverteilung den Überblick, kommunizierte gut und verhinderte Eskalationen. Er ließ das Spiel laufen, wo es ging, und blieb konsequent bei seiner Linie – ohne dass das Spiel aus dem Ruder lief. [Highlights]
VfL Wolfsburg – Eintracht Frankfurt 1:2 (SR: Timo Gerach)
Kurzes Fazit: Das Spiel war relativ einseitig in der ersten Halbzeit (Frankfurt führte früh 2:0 durch Tore von Oscar Højlund und Arnaud Kalimuendo), Wolfsburg drückte dann stark in der zweiten Hälfte, kam aber erst in der Nachspielzeit zum 1:2-Anschlusstreffer durch Dženan Pejcinović. Gerach hatte keine großen Entscheidungen zu treffen – keine Elfmeter, keine Roten Karten, keine strittigen Abseits oder VAR-Eingriffe, die das Spiel gedreht hätten. Er leitete die Partie mit ruhiger Autorität, gutem Stellungsspiel und fairer Zweikampfbewertung. Genau das macht eine starke, unauffällige Leistung aus.
Der einzige kleine Kritikpunkt, der zu leichten Punktabzügen führt, ist die fehlende Verwarnung für Amoura nach einem Drüberhalten bestrafen muss. Mohamed Amoura hielt gegen Aurèle Amenda relativ deutlich den Fuß drauf – ein unsauberes, etwas rücksichtsloses Einsteigen bzw. Nachsetzen. Regeltechnisch war das vertretbar, aber grenzwertig: Ein solches „Draufhalten“ im Eifer des Gefechts (besonders in der hitzigen Schlussphase, als Wolfsburg alles nach vorne warf) wird oft mit Gelb geahndet, weil es als rücksichtslos (reckless) eingestuft werden kann. Es war kein brutales Foul, aber eine klare Unsportlichkeit, die eine Verwarnung gerechtfertigt hätte – vor allem, um ein Zeichen zu setzen und weitere Fouls in der Drangphase zu vermeiden. [Highlights]
1.FC Heidenheim – 1. FC Union Berlin 3:1 (SR: Christian Dingert)
Kurzes Fazit: Insgesamt sehr unauffällig souverän mit einer großzügigen, konsequent durchgezogenen Linie. Das Spiel war ein typisches Kellerduell mit hohem Einsatz, aber Dingert ließ es weitgehend laufen. Er zeigte nur wenige Gelbe Karten und griff nicht bei jedem harten Zweikampf oder jeder Reklamation ein. Das passte gut zum Charakter des Spiels – Heidenheim brauchte dringend Punkte im Abstiegskampf und spielte effizient, während Union enttäuschend passiv und fehlerhaft wirkte. Dingert blieb im Hintergrund, kommunizierte ruhig und verhinderte Eskalationen. Keine großen Kontroversen bei Fouls, Elfmeter-Situationen oder persönlichen Strafen. Genau das macht eine starke, unauffällige Leistung aus: Man bemerkt den Schiri kaum, weil das Spiel fair und flüssig bleibt.
Korrekt war es, den Treffer von Zivzivadze nach Video-Studium wegen einer Abseitsstellung nicht zu geben. Arijon Ibrahimović kreuzte beim Schuss im Sichtfeld von Union-Keeper Frederik Rönnow und stand im passiven Abseits, das durch die Behinderung der Sicht zum aktiven Abseits wurde. Die Regel 11 ist hier klar: Wenn ein Mitspieler im Abseits die Sicht des Torwarts beeinträchtigt, wird das Tor nicht gegeben – auch wenn der Torschütze selbst onside war. [Highlights]
FC St. Pauli – FC Bayern München 0:5 (SR: Tobias Stieler)
Kurzes Fazit: In einem insgesamt fairen und wenig harten Spiel hatte Tobias Stieler eine klare Linie, eine starke Kommunikation – und dann noch diese einzigartige „Schlusspfiff“-Ansage über den Stadionlautsprecher.
Stieler hatte entsprechend ein relativ leicht zu leitendes Spiel zu leiten: Wenig Härte, wenige hitzige Zweikämpfe, kaum Rudelbildungen oder Dauer-Reklamationen. Er leitete die Partie souverän, ließ das Spiel flüssig laufen und blieb unauffällig – genau das, was man von einem guten Schiri in einem einseitigen Topspiel erwartet. Er zeigte nur wenige Gelbe Karten (u.a. Laimer, Olise, Fujita), lag bei Zweikämpfen und Freistößen mit einer klaren, konsequenten Linie und kommunizierte ruhig und erklärend. Ein VAR-Eingriff (z.B. bei einer nicht gegebenen Elfmeter-Szene für Bayern in der 49. Minute) wurde schnell und richtig abgehandelt. Insgesamt eine starke, unauffällige Leistung. Das Highlight am Ende: Nachdem der VAR in der Nachspielzeit noch ein vermeintliches Tor wegen Abseits prüfte und kassierte, erklärte Stieler die Entscheidung persönlich über den Stadionlautsprecher mit den Worten: „Schlusspfiff!“ Das war tatsächlich eine Premiere bzw. extrem selten in der Bundesliga – lustig, charmant und typisch Stieler mit seinem guten Gespür für die Atmosphäre. [Highlights]
