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Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen – 30. Spieltag | Bundesliga

Das Bundesliga-Wochenende ging zu Ende und es gab einige Diskussionen in den Stadien. Besonders im Fokus war sowohl vor dem Spiel, durch die Ansetzung, als auch nach dem Spiel nach der Durchführung Florian Exner aus Münster der das hochbrisante Nordderby zwischen Bremen – HSV leitete. Im Nachhinein leider eine absolute Fehlansetzung, da Exner dieses Spiel speziell gegen Ende der Partie gar nicht mehr im Griff hatte. Hier hätte man einen erfahrenen Schiedsrichter für so eine Partie gebraucht! Auch weitere knifflige Szenen gab es bewerten, so unteranderem Fifa-Schiedsrichter Daniel Siebert der gleich zwei Handspiele bei der Partie Hoffenheim – BVB bewerten musste. Alles weitere in der Analyse und hier die Top 3 des Spieltages:

Platz 🥇 – Tobias Welz:
Auf dem ersten Platz in der Bundesliga haben wir diesmal in einer seiner letzten Spiele als Profi-Schiedsrichter Tobias Welz aus Wiesbaden, der die Sonntag Abend Partie zwischen Borussia M’Gladbach und dem FSV Mainz leitete. Welz liefere eine weitestgehend sehr souveräne Spielleitung ab, lag auch beim Elfmeter für die Mainzer goldrichtig und strahlte eine enorme Ruhe über 90 Minuten aus. Zur Belohnung gibt es dafür am Donnerstag die DFB Pokal Halbfinal Partie zwischen Stuttgart – Freiburg!

Platz 🥈 – Sören Storks:
Auf dem zweiten Platz haben wir Schiedsrichter Sören Storks aus Velen der ebenfalls am Sonntag die Partie zwischen Bayern München und VdB Stuttgart leitete. Bei dem möglichen Meisterschaftsspiel für die Münchener war Schiedsrichter Storks genau der richtige für diese Partie, er wählte eine gute und lange Linie, war sehr kommunikativ mit den Spielern unterwegs, wie man anhand der Schiedsrichter-Cam Bilder verfolgen konnte und es gab wenige Aufreger über ihn zu sehen. Einzig die Elfmeter Situation rund um den Münchener Guiererro war strittig, jedoch passte das weiterlaufen zur lockeren Linie von Storks!

Platz 🥉 – Dr. Matthias Jöllenbeck:
Auf dem dritten Platz haben wir Dr. Matthias Jöllenbeck der den Spieltag bei der Kellerpartie zwischen St.Pauli und Köln eröffnete. Jöllenbeck war nahezu überragend in seiner Spielleitung, er hatte ein gutes Gespür für Zweikämpfe und verteilte nur wenn’s nötig war Gelbe Karten. Am Ende der Partie erhielt er sehr viel Lob vom St.Pauli Coach. Auch der vierte Offizielle Felix Bickel wurde auf der Pressekonferenz in den Himmel gelobt. Einziger Kritikpunkt und deshalb nur auf 3, war der Videobeweiseinsatz, als Jöllenbeck erst nach Ansehen der Bilder auf Elfmeter für Köln entscheiden musste.

FC Bayern München – VfB Stuttgart 4:2 (SR: Sören Storks)

Kurzes Fazit: Storks und sein Gespann haben das Spiel insgesamt mit einer sehr großzügigen, ruhigen Linie geleitet. Bei der Meisterfeier-Atmosphäre vor 75.000 Zuschauer mit Party-Stimmung gab es kaum Aufreger, und das Unparteiischenteam hatte alles im Griff. Vertretbar bei Ramon Hendriks Einsatz gegen Raphaël Guerreiro, als er diesen im eigenen Strafraum mit einem harten Körpereinsatz abräumte. Hendriks ging mit viel Tempo und Entschlossenheit rein, traf Guerreiro aber primär mit dem Körper und nicht mit gestrecktem Bein oder übertriebener Gefahr. Guerreiro war zwar chancenlos, aber es fehlte der klare Foul-Charakter (kein reines Abdrängen von hinten oder Treten). [Highlights]

Borussia Mönchengladbach – 1. FSV Mainz 05 1:1 (SR: Tobias Welz)

Kurzes Fazit: Tobias Welz hat das Spiel mit viel Ruhe und einer klaren Linie geleitet. Außer der korrekten Aberkennung beim vermeintlichen Tor wegen Abseits. Weiper stand im Moment der Hereingabe minimal im Abseits und dem Elfmeter für Mainz als Yannik Engelhardt im eigenen Strafraum etwas zu plump ins Duell mit dem ballführenden Philipp Mwene ging, gab es kaum echte Aufreger. Er lag nur in unwichtigen Situationen minimal daneben. Insgesamt eine starke, unaufgeregte Leistung in einem intensiven, aber fairen Spiel. [Highligts]

SC Freiburg – 1. FC Heidenheim 2:1 (SR: Patrick Ittrich)

Kurzes Fazit: Patrick Ittrich lag in den großen Entscheidungen richtig und hatte das Spiel insgesamt im Griff. Allerdings fiel auf, dass er bei ähnlichen Zweikämpfen mal streng und mal sehr großzügig pfiff – besonders in der zweiten Halbzeit, als das Spiel intensiver wurde und Heidenheim mehr nach vorne warf. [Highlights]

Eintracht Frankfurt – RB Leipzig (SR: Bastian Dankert)

Szene 1: Rômulo setzte nach einem Abpraller nach und wurde von Robin Koch im Strafraum mit beiden Händen klar am Trikot gehalten. Rômulo sank lautstark zu Boden und forderte vehement Elfmeter. Bastian Dankert ließ weiterlaufen. Für mich eine gewichtige Fehlentscheidung bzw. mindestens eine sehr fragwürdige Nicht-Entscheidung. Das Halten war deutlich sichtbar und hatte Rômulo am Nachsetzen gehindert.

Fazit: Ansonsten hat Bastian Dankert das Spiel weitgehend souverän geleitet – ruhige Linie, wenig Aufreger, gute Zweikampfbewertung. Diese eine Szene in der 48. Minute war dann aber der klare Wermutstropfen. [Highlights]

Werder Bremen – HSV 3:1 (SR: Dr. Florian Exner)

Florian Exner hatte ein rassiges und robustes Nordderby mit einer guten und großzügiger aber stimmiger Linie bei den strittigen Aktionen um Glatzel/Coulibaly und Milosevic/Omari im Vorfeld des Hamburger und zweiten Bremer Treffers gut im Griff. Bittencourts Foul gegen Muheim mit Gelb zu ahnden für mich gerade noch vertretbar. Der Tritt mit der Sohle auf den Fuß ist ein Stempeln, was gelb nach sich zieht. Doch mit dem harten Platzverweis gegen Otele entglitt ihm anschließend die Partie. Das war kein grobes Foulspiel, es war ein ballorientierter Zweikampf welches wie bei Bittencourt mit gelb ausreichend sanktioniert gewesen wäre. Es war zwar ein Foul mit der Sohle, aber rennt einfach ganz normal rein und tritt dabei bei ganz normaler Laufbewegung den grätschenden Spieler der den Ball spielen wollte. Wie bei Bittencourt höchstens Gelb. Später gab er dem Hamburger Jatta wegen einer vermeintlichen Notbremse ebenfalls Rot. Grüll wollte halblinks am Strafraum Richtung Tor, Torunarigha ist noch in der Nähe, Jatta grätschte mit offener Sohle und trifft das Bein von Grüll. Exner zieht sofort glatt Rot. Es ist zwar ein Foul aber kein brutales und ein anderer Verteidiger war in der Nähe. Kein Rot, sondern gelbe Karte. [Highlights]

TSG Hoffenheim – Borussia Dortmund 2:1 (SR: Daniel Siebert)

Daniel Siebert brauchte zwar bei beiden Strafstößen die VAR-Unterstützung und entschied beide Male letztlich regeltechnisch korrekt auf Elfmeter für Hoffenheim – auch wenn es vor allem beim ersten extrem bitter für Dortmund und den verletzten Niklas Süle war.

Szene 2: Süle rutscht unglücklich aus (verletzt sich dabei am Knie und muss später raus), liegt am Boden und führt beim Versuch, sich abzustützen oder zu schützen, die Hand nach oben/Seite in die Schussbahn eines Kramarić-Schusses. Die reine Handposition (Arm vergrößert die Körperfläche unnatürlich in der Schussbahn) macht es nach den aktuellen Regeln zu einem strafbaren Handspiel – Absicht spielt keine Rolle. Es war kein klassischer Absichtshand, aber regelkonform Elfmeter. Für Dortmund fühlte es sich trotzdem extrem hart und „nicht im Sinne des Fußballs“ an, weil Süle sich gleichzeitig schwer verletzte.

Szene 3: Beim zweiten Handelfmeter verbreitert der Dortmunder den Körper mit dem weit ausgefahrenen Arm und blockt auch den Ball. Auch eine regeltechnisch völlig korrekte Entscheidung.

Gesamtfazit: Daniel Siebert insgesamt mit einer ordentliche Leitung eines fairen Duells. Korrekt auch bei Antons rustikalen Einsatz kein Elfmeter zu geben. Der rustikale Einsatz von Waldemar Anton war ein harter, aber ballorientierter Zweikampf (Ball und Gegner getroffen) – kein Elfmeter, sondern vertretbar weiterspielen lassen. [Highlights]

Union Berlin – VfL Wolfsburg 1:2 (SR: Florian Badstübner)

Bei der Premiere von Marie-Louise Eta als erste Trainerin im Männerfussball war Florian Badstübner im großen und ganzen souverän. Badstübner wirkte insgesamt ruhig und souverän. Er hatte das hitzige Kellerduell mit der besonderen Note Eta‘ als erste Cheftrainerin im deutschen Profifußball gut im Griff behalten, ohne dass es eskaliert ist. Wenige Karten (u. a. Gelb für Belocian und Khedira), klare Linie und gutes Stellungsspiel.

Aber mit einzelnen Fehler in der Bewertung von Zweikämpfen. Es gab einige Situationen, in denen ähnlich robuste Zweikämpfe mal gepfiffen und mal durchgewunken wurden – ein etwas wechselnder Maßstab, der besonders Union-Fans in der hitzigen Schlussphase (als die Eisernen noch auf den Ausgleich drückten) genervt hat. [Highlights]

FC St. Pauli – 1. FC Köln (SR: Matthias Jöllenbeck)

Kurzes Fazit: Jöllenbeck insgesamt souverän und mit klarer Linie. Beim Zweikampf vor dem Foul war der Kontakt von Jakub Kaminski in der Entstehung (er traf Mets zuerst leicht an Wade/Achillessehne) grenzwertig. Jöllenbeck hat zunächst weiterspielen lassen – das war vertretbar, weil der erste Impuls nicht klar von Mets kam. Beim eigentlichen Foul rutscht dann Karol Mets mit dem Nachziehbein in Kaminski hinein und traf ihn klar. Im Video sieht man den Kontakt deutlich – klares Foulspiel. Jöllenbeck ging nach VAR-Hinweis von Christian Dingert an den Monitor und entschied korrekt auf Elfmeter, den Luca Waldschmidt sicher zum 1:1 verwandelte. [Highlights]

Bayer Leverkusen – FC Augsburg (SR: Benjamin Brand)

Szene 4: Benjamin Brand pfeift zunächst Handelfmeter für Leverkusen, weil er den angelegten Arm von Cédric Zesiger als strafbar sieht. Nach längerem VAR-Check am Monitor nahm er die ursprüngliche Platzentscheidung richtigerweise zurück. Der Arm war tatsächlich angelegt am Körper – kein unnatürliches Vergrößern der Körperfläche. Gute Korrektur durch den VAR, Brand hat hier nicht stur an seiner ersten Entscheidung festgehalten. 

Szene 5: Foul an Tella. Tella ist im vollen Lauf und bekam von hinten einen klaren Stoß, wodurch er zu Fall kommt. Der Arm war dabei nicht angelegt, der Kontakt war spürbar und hat den Lauf gestoppt. Brand ließ weiterspielen, weil er Tella zu leicht fallen sieht. Das Argument ist aber sehr dünn – es war ein ahndungswürdiges Foul, auch wenn Tella den Sturz etwas mitgenommen hat. Hier hätte es durchaus Elfmeter geben können. 

Fazit: Ansonsten war Brands Leistung ordentlich bis gut: Ruhige, konsequente Linie in einem Spiel, das Leverkusen klar dominierte. Keine großen Eskalationen oder ungerechtfertigten Karten. Der späte Foulelfmeter für Augsburg war unstrittig und führte zum 1:2-Siegtreffer durch Fabian Rieder. [Highlights]

Dieser Beitrag hat 5 Kommentare

  1. Abdullah

    Schön das der Goldjunge gestern das Pokalhalbfinale entschieden hat

    1. Dieter Albrecht

      Was ist mit welcher „Entscheidung“ gemeint? Zur allgemeinen Beruhigung: Am letzten Spieltag der Bundesliga, in drei Wochen, beendet Tobias Welz seine von einigen Unebenheiten behaftete Laufbahn.

      1. Michael

        Na der willkürliche Pfiff zum „Stürmerfoul“ von Höler gegen Chabot direkt zu Beginn der Verlängerung natürlich.
        Wobei das bei weitem nicht seine einzige Fehlentscheidung in dem Spiel war. Makengo hätte gut und gerne vom Platz fliegen können, Freiburg hätte einen Strafstoß bekommen müssen, Christian Günter hat für drei taktische Fouls nicht eine gelbe Karte gesehen…

  2. Dieter Albrecht

    Ich habe die besagte Szene nicht unmittelbar live gesehen, erst später wahrgenommen. Eine eindeutig falsche Entscheidung von Tobias Welz. Der VAR Günter Perl bleibt außen vor, ohne eingreifen zu dürfen. Der DFB hat den Fehler durch Marco Fritz bestätigt. Wenn selbst Spieler und Offizielle des VfB Stuttgart dieser Auffassung sind, besteht auch kein Diskussionsbedarf mehr.
    Die Ansetzung war als Abschiedsgeschenk gedacht, mit dem sich der DFB im Halbfinale keinen Gefallen getan hat. Wie beim Spiel Leverkusen gegen Bayern, mit der guten Spielleitung von Felix Zwayer, wären hier Daniel Siebert oder Sven Jablonski die bessere Lösung gewesen. Einige weitere Entscheidungen von Welz können ebenfalls in Zweifel gezogen werden.

  3. Abdullah

    Vielleicht sollte in Zukunft nach Leistung nominiert werden und nicht irgendwelche Geschenke verteilt werden

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