Einmal selbst erleben, wie es sich anfühlt, 90 Minuten lang ganz allein auf dem Platz für Recht und Ordnung sorgen zu müssen. Genau das hat Reporter Kevin Ebert getan. Für eine PULS Reportage absolvierte er die Ausbildung zum Fußball-Schiedsrichter, bestand die Prüfung und stellte sich anschließend seiner ersten Partie in der Kreisliga.
Schiedsrichter zu sein, klingt für viele zunächst einfach: Trillerpfeife in die Hand, raus auf den Platz und los geht’s. Doch wer selbst einmal 90 Minuten lang die Verantwortung für ein Fußballspiel trägt, merkt schnell, dass zwischen Theorie und Praxis Welten liegen.
Kevin Ebert hat diesen Selbstversuch gewagt. Nach der Ausbildung und bestandener Prüfung geht es für ihn erstmals allein auf den Platz. Keine Wiederholung, kein VAR, kein Kollege, der eine schwierige Situation für ihn entscheidet. Jede Szene muss er selbst beurteilen – und das unter Zeitdruck.
Dass dabei nicht alles fehlerfrei läuft, gehört zur Realität. Gerade im ersten Spiel fehlt die Erfahrung, die einem später dabei hilft, Situationen schneller einzuschätzen und Entscheidungen souveräner zu treffen. Genau das macht den Beitrag sehenswert: Der Zuschauer erlebt nicht den perfekten Schiedsrichter, sondern einen Menschen, der sich dieser anspruchsvollen Aufgabe erstmals stellt.
Und diese Aufgabe ist längst nicht nur sportlich anspruchsvoll.

Schiedsrichter stehen im Amateurfußball immer häufiger im Mittelpunkt von Beleidigungen, Bedrohungen und sogar körperlichen Angriffen. Nach Angaben aus dem deutschen Fußball werden jedes Jahr tausende Übergriffe auf Unparteiische registriert. Mehr als 60.000 Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter sind in Deutschland aktiv. Sie sorgen dafür, dass rund 1,5 Millionen Fußballspiele im Jahr stattfinden können. Bei rund 1,5 Millionen Fußballspielen im Jahr wurde in der Saison 2024/25 bei 3.494 Begegnungen ein Gewaltvorfall erfasst – statistisch also bei etwa jedem 400. Spiel. Das ist eine starke Zahl, weil sie beide Seiten zeigt: Gewalt ist ein ernstes Problem – aber mehr als 99 Prozent der Spiele bleiben ohne einen erfassten Gewaltvorfall.
Und genau das passt hervorragend zum Selbstversuch-Artikel: Wer Schiedsrichter wird, begibt sich nicht jedes Wochenende in Gefahr. Aber er übernimmt eine Aufgabe, bei der ein einzelner Vorfall bereits einer zu viel ist.
Umso bemerkenswerter ist es, dass sich immer wieder junge Menschen bewusst für dieses Ehrenamt entscheiden. Mehr als 60.000 Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter sind in Deutschland aktiv
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Sie wissen, was auf sie zukommen kann. Sie wissen, dass sie Fehler machen werden. Und sie wissen auch, dass ihnen nicht jeder auf dem Sportplatz freundlich begegnen wird.
Und trotzdem gehen sie raus.
Rund 60.000 Menschen engagieren sich in Deutschland als Fußball-Schiedsrichter. Sie sorgen dafür, dass jedes Wochenende und unter der Woche der Spielbetrieb funktioniert. Millionen Fußballspiele wären ohne diese Ehrenamtlichen nicht möglich.
Der Selbstversuch von Kevin Ebert zeigt deshalb mehr als nur die Schwierigkeiten eines Anfängers. Er zeigt, wie anspruchsvoll das Schiedsrichteramt tatsächlich ist – und vielleicht auch, warum man mit den Menschen in Schwarz oder mittlerweile immer häufiger in bunten Trikots anders umgehen sollte.
Denn hinter jedem Pfiff steht ein Mensch.
Ein Mensch, der seine Freizeit opfert, Regeln lernen muss, Entscheidungen innerhalb von Sekunden trifft und dabei weiß, dass eine einzige falsche Entscheidung reichen kann, um zum Mittelpunkt des Spiels zu werden.
Vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft dieses Selbstversuchs: Wer wissen möchte, wie schwer Schiedsrichtersein wirklich ist, sollte es einmal selbst versuchen.
Kevin Ebert hat es getan.
Und nach 90 Minuten dürfte er verstanden haben, warum man Schiedsrichter nicht nur kritisieren, sondern vor allem eines tun sollte: Respekt zeigen.
Das vollständige Video des Selbstversuchs gibt es in der ARD Mediathek: PULS Reportage – Selbstversuch Schiedsrichter
