Obwohl der SC Freiburg die Führung schnell egalisierte und Atubolo den sehr strittigen Elfmeter hielt, patzte der SC-Keeper in der Nachspielzeit entscheidend, als er den Ball nach vorne klatschen ließ und Dorgeles abstaubte. Gegen Sporting Braga geht der Sportclub mit einer schweren Hypothek ins Rückspiel.
Dorgeles brrachte eine Braga-Ecke von der rechten Seite vor das Tor. Beste klärte am ersten Pfosten per Kopf. Im Hintergrund hatte Lienhart gegen Lagerbielke geklammert, deshalb wurde die Szene noch mal gecheckt. Taylor lief raus und guckte sich die Szene selbst an und entschied dann auf Elfmeter. Lienhart hatte eindeutig geklammert, ob das aber auch ursächlich für das Fallen von Lagerbielke war, ging aus den Bildern nicht hervor. Taylor der die Szene aus freiem Blick wahrnahm reichte der Kontakt nicht. Lienhart klammerte etwas, Lagerbielke fiel dann hin, muss aber eigentlich nicht fallen. Lienhart hat eindeutig geklammert/gezogen am Trikot oder Arm von Lagerbielke — das war nicht clever und ein unnötiges Risiko. Aber ob dieser Kontakt ursächlich dafür war, dass Lagerbielke zu Boden geht, war aus den Bildern nicht klar ersichtlich. Der Schwede scheint relativ weich und etwas theatralisch gefallen zu sein. [TV-Bilder – ab 04:25 Minuten]
Das ist eine typische Grauzone im modernen VAR-Fußball. Auf dem Feld hat Taylor erst weiterlaufen lassen. Das spricht dafür, dass er den Kontakt live als zu leicht oder nicht entscheidend eingestuft hatte. Dann ging er zum Monitor, schaut sich die Szene in Zeitlupe an und kam plötzlich zu hundertprozentiges Foulspiel. Das ist genau der Punkt, der mich bei solchen Szenen immer stört. Im Zeitlupen-Modus wirkt fast jeder kleine Kontakt wie ein Verbrechen. Taylor hat sich hier vom VAR/der Bildwiederholung offenbar stark beeinflussen lassen und seine ursprüngliche Feldwahrnehmung quasi überstimmt. Für mich ist das klassisch 50/50 bzw. eher 60/40 gegen Elfmeter.
Ja, es ist ein kleiner Foulkontakt, es ist aber kein klarer, spielentscheidender Rempler oder ein klarer Umreißer, dass der Stürmer so zwingend fallen muss. Solche Szenen ist genau der Grund warum ich immer in den Analysen schreibe „Leave it to the referee on the pitch“ (das muss der Schiedsrichter auf dem Spielfeld entscheiden). Der Schiri sagt live weiter das reicht mich nicht, dann sollte auch der VAR ruhig bleiben und nur bei einem „clear and obvious error“ (einem klaren offensichtlichen Fehler) eingreifen.
Es war kurz vor der Halbzeit im Europa-League-Halbfinale-Hinspiel (Braga gewann am Ende 2:1 durch ein spätes Tor von Dorgeles). Der Elfmeter wurde übrigens gehalten von Atubolu, aber das ändert nichts an der Qualität der Entscheidung selbst. Lienhart bekam noch Gelb dafür. Taylor ist generell ein sehr strenger, britisch-direkter Referee, der körperliche Duelle oft pfeift. In diesem Fall hat er aber aus einer kleinen Klammer-Szene einen klaren Elfer gemacht — das fühlt sich übertrieben an. Aber solche weichen Strafstöße nach VAR-Überprüfung sorgen immer wieder für Frust, besonders wenn der gefoulte Spieler nicht wirklich gehindert wird, den Ball zu spielen.
Ein ganz zentraler und oft unterschätzter Punkt beim VAR-Einsatz ist: Der Schiedsrichter auf dem Feld muss seine Entscheidung nach dem On-Field Review nicht zwingend ändern. Er soll sich die Szene anschauen und dann neu bewerten, aber er bleibt der alleinige Entscheider. Wenn er nach dem Review immer noch bei seiner ursprünglichen Einschätzung bleibt (hier: kein klarer, spielentscheidender Kontakt / kein Elfmeter), dann darf und soll er dabei bleiben. Genau das hat Taylor leider nicht gemacht. Er hat auf dem Feld weiterlaufen lassen (also seine erste, intuitive Bewertung war kein Elfer), ging zum Monitor, sah sich die Szene in Zeitlupe und erklärt plötzlich hundertprozentiges Foulspiel. Das wirkt, als hätte ihn die Zeitlupe + der Druck des VAR-Checks zu stark beeinflusst. Die bessere Entscheidung wäre gewesen, bei der Feldentscheidung zu bleiben, weil der Kontakt zwar unnötig und unsauber war, aber eben nicht klar und offensichtlich genug, um einen Elfmeter zu rechtfertigen – besonders nicht, wenn der Stürmer relativ weich fällt.
Das ist das eigentliche Problem im VAR-Zeitalter
Viele Schiris trauen sich nach dem Review kaum noch, bei „No Penalty“ zu bleiben, wenn sie einen kleinen Kontakt sehen. Sie haben Angst, später als „VAR-overruled“ dazustehen oder in der Analyse zerlegt zu werden. Deshalb kippen sie bei 50/50-Szenen viel zu oft um – genau wie Taylor hier. Der Review soll Klarheit bringen, aber keine kleinen Grauzonen plötzlich zu klaren Vergehen machen.
Und da ist dann noch die Zweikampfbewertung und einer ganz komischen Linie von. Von den drei Szenen war die mit dem Elfmeter die mit Abstand Harmloseste.
- Die nicht gegebene rote Karte + Elfmeter für Freiburg nach dem Foul von Vítor Carvalho an Igor Matanović (letzter Mann, ziemlich wildes Einsteigen, als Freiburg gefährlich nach vorne spielte.
- Die nicht gegebene Elfmeter für Freiburg bei der Szene mit Makengo.
- Der gegebene Elfmeter für Braga nach dem Klammer-Foul von Lienhart an Lagerbielke.
Bei Carvalho/Matanović sah es nach klassischem letzter Mann + verhinderte klare Torchance aus. Taylor hat da weiterspielen lassen, obwohl ich einen Rot + Elfer erwartet hätte; Bei der Makengo-Szene gab’s ebenfalls berechtigte Diskussionen, warum das kein Elfer war. Und dann kommt die Lienhart-Szene: kleiner Klammer, weicher Fall, Taylor dreht nach Review komplett um und gibt Elfer, obwohl er live weitergelassen hatte.
Fazit: Anthony Taylor hat hier nicht nur eine harte Entscheidung getroffen, sondern auch eine schlechte VAR-Nutzung gezeigt. Er hätte mit gutem Gewissen bei Weiter bleiben können – und das wäre fußballerisch die bessere, ehrlichere Entscheidung gewesen.
Er und die Deutschen das wird keine Liebe mehr… 😉

Eine sehr gute Kommentierung zum VAR-Ärgernis. Die SR werden dadurch wirklich immer schlechter, siehe auch zuvor Makkelie. Er ist wirklich schlecht geworden, so wie auch viele BL-SR. Das ist kein Rettungsschirm mehr, dass ist nur noch Verunsicherung pur. Ich sehe da nur zwei Möglichkeiten, da man den VAR ja nicht mehr abschaffen wird, ja sogar aufwertet (künftig Eckball-Überprüfung – ohje): 1. Die SR noch mehr für das mediale Interview schulen, um im Nachgang die Entscheidung verteidigend erläutern zu können oder 2. noch besser: das ganze Gelaber nach dem Spiel (eben wie früher) wieder abschaffen und die SR davon befreien, nach dem Spiel was sagen zu müssen. Vielleicht macht sie das wieder selbstbewusster.