Ein typischer, eher durchschnittlicher bis leicht frustrierender Spieltag in der 2. Bundesliga – fußballerisch ordentlich, aber aus schiedsrichtersich und VAR-mäßig wieder einmal sehr diskussionslastig. Es gab keine totalen Katastrophen-Spiele, aber mehrere enge, grenzwertige und teils inkonsistente Entscheidungen, die bei den betroffenen Vereinen für ordentlichen Frust gesorgt haben. Der VAR war wieder stark im Mittelpunkt und hat einige Male regelkonform, aber sehr eng/hart entschieden. Mehr dazu in der Spieltagsanalyse:
Platz 1 – Konrad Oldhafer:
Für den Schiedsrichter des Spieltags haben wir uns für den Hamburger Konrad Oldhafer entschieden der die Partie KSC – Hannover insgesamt den Spieltag am saubersten über die Bühne gebracht hat mit einer ruhigen Spielleitung trotz hitziger Phasen Nachspielzeit. Zwar war die Wanitzek-Szene im Strafraum grenzwertig und sehr eng, aber insgesamt vertretbar; das Handspiel-Tor für Hannover war richtig gegeben da keine Absicht und keine unnatürliche Vergrößerung, der zurückgenommene Elfmeter für KSC in der 96. Minute wegen Torwart zu früh von der Linie war regeltechnisch korrekt.
Platz 2 – Lars Erbst:
Bei Kaiserslautern – Braunschweig geb es keine gravierenden Beschwerden und Lars Erbst zeigte eine unauffällige und solide Leistung mit wenig strittigen Szenen oder zumindest keinem großen Aufreger. Damit verdient er sich Platz 2.
Platz 3 – Richard Hempel:
Hier wird es schon enger. Die meisten Entscheidungen im Spiel Darmstadt gegen Elversberg waren von Schiedsrichter Richard Hempel okay bewertet und er hatte eine relativ klare Linie, aber der Platzverweis gegen Pfeiffer war schon hart und die ähnliche Grätsche von Pincker wurde nur mit Gelb bestraft was eine deutliche Inkonsistenz ist. Das macht den Rote Karte noch härter und ging in Richtung Fehlentscheidung. Trotzdem reichte es noch für Platz 3, weil die anderen beiden (Bauer, Schwengers, Kampka) klar schlechter abschneideten.
1.FC Nürnberg – 1. FC Magdeburg 1:0 (SR: Patrick Schwengers)
Szene 1: Früh im Spiel gab es einen Aufreger. Markhiev lief mit dem Ball links in den Strafraum ein. Gnaka stellte sich ihm entgegen und traf ihn am Schienbein. Der Nürnberger forderte Elfmeter, Schiedsrichter und VAR gaben ihn nicht. Ich bin ganz ehrlich, für mich ist das ein Elfmeter! Auch wenn der Nürnberger da nur sehr leicht am Fuß getroffen wird und er da etwas leicht fällt, ist das ein klarer Wirkungstreffer, durch den Markhiev zu Fall kommt. [TV-Bilder – ab 0:20 Minuten]
Fortuna Düsseldorf – Dynamo Dresden 3:1 (SR: Tom Bauer)
Szene 2: Vor dem Düsseldorfer 2:0 kam es im Strafraum zum Duell zwischen Zimmermann gegen Hauptmann. Es handelt sich um eine Ecke für Düsseldorf. Im Strafraum kommt es zum Duell zwischen Matthias Zimmermann und Niklas Hauptmann. Zimmermann blockt/schiebt Hauptmann mit dem Arm leicht weg, Hauptmann geht zu Boden, und dadurch hat Iyoha plötzlich viel Platz, der Ball fällt ihm vor die Füße (nach Abfälschung von Wagner) und er macht das 2:0. Anders als bei Nürnberg ist es hier ein Schieben mit einer Hand.
Bei der Nürnberg-Szene (Markhiev vs. Gnaka) ging es um einen leichten Treffer am Fuß/Schienbein beim Dribbling. Da sehe ich einen klaren Wirkungstreffer – auch wenn nur minimal, weil der Kontakt den Spieler aus dem Gleichgewicht bringt. Hier bei Düsseldorf – Dresden ist es ein leichter Schubser mit der Hand/Arm im Strafraum-Gewühl bei einer Ecke. Das ist klar zu wenig und ein typischer Zweikampf im Strafraum, wo viele Schiris nicht pfeifen. [TV-Bilder – ab 01:50 Minuten]
Preußen Münster – Arminia Bielefeld 2:3 (SR: Sascha Stegemann)
Szene 3: Preißinger grätscht ohne jede Chance auf den Ball von der Seite oder schräg hinten in Rochelt hinein. Schiedsrichter Sascha Stegemann zeigte sofort Gelb – und das war die zehnte Gelbe Karte für Preißinger in dieser Saison. Es war ein klassisches Einsteigen ohne Ballberührung – Preißinger kam deutlich zu spät und traf den Bielefelder Spieler. Solche Grätschen sind hoch riskant, weil sie Verletzungsgefahr bergen. Der Schiri hat es wahrscheinlich als rücksichtslos, aber nicht als serious foul play mit hoher Intensität oder klarer Verletzungsabsicht eingestuft. Im modernen Fußball braucht es für eine direkte Rot-Karte oft noch ein bisschen mehr: entweder extrem hohe Geschwindigkeit, volle Spikes vorne drauf oder ein klares über den Ball mit großer Gefahr. Hier war es grenzwertig, aber noch im Gelb-Bereich.
Szene 4: Nicht mehr gelb vertretbar ist Heuers gelbe Karte. Jannis Heuer sprang mit den Beinen voran in die Beine von Jannik Rochelt. Es ist ein rüdes Einsteigen beschrieben. Heuer kam mit den Stollen voran in die Beine – das ist genau die Art von Grätsche, die im Regelwerk als „reckless“ (rücksichtslos) gilt und oft Gelb gibt, aber bei hoher Intensität und Verletzungsgefahr auch „serious foul play“ (direkt Rot) sein kann. Für mich hätte dieses Einsteigen Stegemann Rot zeigen müssen.
Hertha BSC – Holstein Kiel 0:1 (SR: Dr. Robert Kampka)
Szene 5: Nach 13 Minuten ein ganz fieses Foul, bei dem Ivezić Winkler von hinten auf den Knöchel tritt, der böse wegknickt. Es ist ein heftiges Einsteigen von hinten/seitlich am Knöchel mit hoher Verletzungsgefahr und rücksichtslos. Winkler knickt weg, aber stand schnell wieder auf und spielt ohne längere Pause weiter. Das macht es für den Schiri einfacher, es als nicht so schlimm einzustufen. Ivezic hätte für das Foul an Winkler Gelb sehen müssen.
Szene 6: Marko Ivezić wollte den Ball per Volley klären, sah aber Linus Gechter (der von hinten anläuft) nicht kommen und traf ihn stattdessen am Fuß. Schiedsrichter Robert Kampka pfeift sofort Elfmeter für Hertha – das Foul selbst war unstrittig. Dann greift der VAR ein: Nach langem Check wurde der Elfmeter zurückgenommen, weil Deyovaisio Zeefuik bei der Ausführung des Freistoßes (also einige Sekunden früher) hauchzart im Abseits stand. Zeefuiks Abseits und der nicht kontrollierten war wegen der Kieler Klärungsaktion gedeckt. Die gesamte nachfolgende Aktion (inklusive des Fouls) wurde dadurch als nicht im Spiel gewertet. Regeltechnisch ist die Entscheidung gedeckt (die Abseitsregel gilt für die Entstehung der Szene, und der VAR darf die ganze Phase zurückverfolgen), aber es ist eine dieser Millimeter- und Sekunden-Entscheidungen, die extrem hart wirken. Kiel hatte in der ersten Halbzeit schon ein Abseitstor (Brekalo/Schuler) kassiert, und jetzt dieses „Glück“ in der Nachspielzeit. [TV-Bilder – ab 02:00 Minuten]
Szene 7: Beim 1:0 für Holstein Kiel durch Jonas Therkelsen kam der Ball nach einem langen Einwurf und einer unzureichenden Klärung von Hertha zu Therkelsen, der ihn aus kurzer Distanz trocken ins Tor schoss. Dabei touchierte der Ball Jonas Therkelsen aus nächster Nähe an der Hand. Der Kontakt war aber unabsichtlich – der Ball kam plötzlich und aus sehr kurzer Entfernung. Therkelsen hatte keine Zeit, den Arm bewusst zu bewegen oder den Ball zu spielen. Der Arm war in einer natürlichen Position und nicht weit vom Körper weg. Nach den aktuellen Handspiel-Regeln zählt ein solcher zufälliger, nicht-absichtlicher Kontakt aus nächster Nähe nicht als strafbares Handspiel, wenn die Körperhaltung natürlich bleibt. Schiedsrichter Robert Kampka und der VAR haben das kurz überprüft und das Tor wurde gegeben. [TV-Bilder – ab 03:10 Minuten]
Karlsruher SC – Hannover 96 1:3 (SR: Konrad Oldhafer)
Szene 8: Philipp Förster verlagerte den Ball auf die halblinke Seite zu Marvin Wanitzek. Der KSC-Kapitän zog in den Strafraum, legte den Ball mit links schön an Ime Okon vorbei und ging nach einem leichten Kontakt zu Boden. Schiedsrichter Konrad Oldhafer ließ weiterlaufen, der VAR checkt kurz und bestätigt: kein Elfmeter. Absolut grenzwertig und für mich eher ein Elfmeter. Wanitzek ist klar schneller am Ball, Okon kam zu spät und berührte ihn zumindest leicht am Fuß. Der Kontakt ist nicht brutal, aber er reicht aus, dass Wanitzek das Gleichgewicht verlor. [TV-Bilder – ab 02:20 Minuten]
Szene 9: Der zweite große VAR-Moment in der langen Nachspielzeit. Husseyn Chakroun setzte zum Solo an, drang in den Strafraum ein und ging nach einem Kontakt mit Torwart Ron-Robert Zieler zu Boden. Schiedsrichter Konrad Oldhafer pfeift Elfmeter für Karlsruhe. Der Kontakt war da, der Torwart hat den Ball nicht gespielt, Chakroun ging aber auch relativ schnell zu Boden. Der VAR griff ein, weil der Torwart sich vor der Schussabgabe (also vor dem eigentlichen Abschlussversuch) zu früh von der Linie bewegt hatte. Nach den Regeln bei einem Elfmeter muss der Torwart mit beiden Füßen auf der Linie bleiben, bis der Schütze den Ball berührt hat. Deshalb wurde der Elfmeter zurückgenommen und wiederholt. [TV-Bilder – ab 03:20 Minuten]
SV Darmstadt – SV Elversberg 3:3 (SR: Richard Hempel)
Szene 10: David Mokwa wurde steil geschickt, spitzelte den Ball an Patric Pfeiffer vorbei und der Darmstädter Innenverteidiger foulte ihn kurz vor der Strafraumgrenze. Schiedsrichter Richard Hempel entschied sofort auf Foul und zeigt glatt Rot wegen Notbremse wegen Verhinderung einer klaren Torchance als letzter Mann. Nach der Regel für Notbremse (denying an obvious goal-scoring opportunity) muss der Schiri prüfen, ob es eine klare Torchance war. Wenn ein zweiter Verteidiger noch in guter Position ist, den Ball oder den Angreifer zu erreichen, ist es oft keine klare Notbremse mehr – dann wäre Gelb + Freistoß die angemessene Entscheidung. Aber es ist kein krasser Fehlpfiff, aber eine harte Entscheidung. Früher hätte man solche Szenen häufiger mit Gelb durchgewunken, besonders wenn der Foulende ballorientiert geht und noch ein zweiter Mann in der Nähe ist. Im aktuellen Regelverständnis wird bei „letzter Mann + klare Torchance“ aber sehr schnell Rot gezeigt – selbst wenn es knapp ist. [TV-Bilder – ab 03430 Minuten]
Szene 11: Wenn man dann die nächste Szene sieht, wirkt der Platzverweis noch härter und geht gar in Richtung Fehlentscheidung. Lukas Pinkert grätschte Lidberg kurz vor der Strafraumgrenze als letzter Mann um. Anders als im ersten Durchgang gab es hierfür aber keinen Platzverweis, da der Ball deutlich weiter vom Tor entfernt ist und es somit nicht die Vereitelung einer klaren Torchance ist. Da war Hempel aber sehr gnädig. Das ist eine inkonsistente Entscheidung.
