Wieder mehr Respekt und Fairness

Wieder mehr Respekt und Fairness

9. November 2020 4 Von IG Schiedsrichter

(red/rk) Der vergangene Bundesliga-Spieltag gipfelte von vielen (Schalke)-Anhängern mit wüsten Beschimpfungen im sozialen Netzwerk in Richtung von Patrick Ittrich. Auch wenn ein Schiedsrichter mal nicht seinen besten Tag hat, sollte man die Grundwerte der Menschlichkeit nie vergessen. 

Wir sind ohne Worte was da von außen auf Patrick Ittrich eingeprasselt ist!! Wir haben es ja direkt schon am Wochenende bei den Kommentaren gemerkt, was da so für Hässlichkeiten gegen die Person Patrick Ittrich aufkamen. Das ist unterste Schublade und hat mit sachlicher Aufarbeitung nichts zu tun. Es war nicht mal so, dass er einen äußerst schlechten Tag hatte, viele wichtige Entscheidungen waren aus unserer Sicht korrekt. Fehler passierten zwar im Spiel, doch kann das nicht ein solches Verhalten rechtfertigen!

  • 1. Elfmeter: Korrekt. Spätestens mit dem Fußkontakt von Nastasic ist es ein Elfmeter;
  • 2. Elfmeter: Korrekt. Matetas Arm ist zwar draußen, aber Kabaks Check ist elfmeterreif;
  • 3. Aberkanntes Tor: Wenn bei einem Tor ein Handkontakt der angreifenden Mannschaft beteiligt ist, darf es nicht zählen. Entscheidung korrekt;
  • 4. verweigerter Elfer: Niakhaté zerrte im Sechzehner am Trikot von Paciencia und zwar so, dass es bei der Linie einen Strafstoß für Schalke geben muss.

Vielleicht sollten wir uns alle mal wieder aufs Wesentliche konzentrieren und vor allem wieder auf mehr Respekt gegenüber dem Schiedsrichter! Der Fußball lebt von Emotionen, aber wenn jede Menschlichkeit verloren geht, ist es bald vorbei in unserem Sport, auf allen Ebenen.

Druck ist fast unerträglich

Jeder sollte sich der Tatsache bewusst sein, was er anrichten kann, wenn er dem Schiedsrichter die Schuld gibt. Der Druck ist mitunter fast unerträglich und Kritik unser täglich Brot. Wir ermahnen alle, mehr nachzudenken.

Am Pranger

Es sei heutzutage sehr einfach, Referees via Internet an den Pranger zu stellen und es ist außerdem unnötig Noten für Schiedsrichter in diversen Fachmagazinen zu verteilen. So wie die Umfrage zum „schlechtesten Schiedsrichter einer Liga“, die nach dem versuchten Freitod von Babak Rafati eingestellt wurde, können sie auch die Noten einstellen.

Rafati war damals in der Zeitschrift „kicker“ von den Bundesligaprofis dreimal in den vergangenen Jahren zum schwächsten Unparteiischen gewählt worden. Es ist die Aufgabe der Schiedsrichterkommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Verbandsausschüsse dafür zu sorgen, dass unsere Schiedsrichter von uns gestärkt werden, wenn sie in der Öffentlichkeit respektlos behandelt werden.

Handball als Vorbild?

Bislang erhalten die Schiedsrichter auf ihren Lehrgängen durch den DFB Ratschläge, wie sie sich im Umgang mit Medien, aber auch Spielern und Funktionären verhalten sollen. Zudem steht es ihnen frei, sich gegebenenfalls bei der Medienabteilung zu melden, wenn sie denn Bedarf für Unterstützung spüren.

Auch heißt es immer wieder, dass die Tür für jeden Schiedsrichter beim DFB offen sei. Aus Gesprächen mit Schiedsrichten ist immer wieder herauszuhören, dass sie sich sehr wohl darüber im Klaren seien, dass es Kritik gibt und sie mit ihr leben müssten. Doch viele Unparteiische beklagen zunehmend, dass der Ton untereinander rauer geworden sein soll – auf dem Platz und in der öffentlichen Diskussion.

Da könnte sich der Fußball ein Beispiel am Handballsport nehmen. Die Handball-Bundesliga HBL verbietet es Spielern, Trainern und Offiziellen in 48 Stunden nach einem Spiel jeglichen Kommentar zur Schiedsrichterleistung.

Wer sich trotzdem äußert, dem droht eine Geldstrafe von bis zu 5000 Euro. Ein Verbot, sich direkt nach einem Spiel zu äußern, kann vieles kanalisieren. Im Handball hat sich dieser Schritt durchaus bewährt. Es wird nicht mehr so emotional reagiert.

Wir sind stolz, Schiedsrichter zu sein!

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