Die Szene war im Klassiker BVB vs. Bayern passiert ist das zentrale Thema: Nico Schlotterbeck geht in der 18. Minute in eine Grätsche gegen Josip Stanišić, sieht die gelbe Karte.
Nico Schlotterbeck trifft zuerst ganz klar den Ball, danach in einem Bewegungsablauf der Fußballtypisch ist den Gegner. Nach Regel 12 muss man als Schiedsrichter auch berücksichtigen ob der Gefoulte weiterspielen kann. Das hat er getan und gelb gezeigt. Die Fans machen immer den gleichen Fehler, bewerten es nur nach dem harten Trefferbild, im Videobild sieht es völlig anders aus. [TV-Bilder]
Nach Schlotterbecks und Jablonskis Aussage zuerst den Ball, rutscht dann aber mit offener Sohle / Stollen ins linke Bein / Knöchel / Schienbein von Stanišić. Es sieht brutal aus (hohes Bein, Kontakt am Bein, Stanišić geht sofort runter und braucht Behandlung), aber der Schiedsrichter Sven Jablonski (nach VAR-Check von fast 2 Minuten) bleibt bei Gelb – keine Rote Karte.Deine Punkte stimmen mit der Regel 12 (Foul und unsportliches Verhalten) überein:
Ball zuerst spielen ist ein wichtiger Faktor bei der Bewertung von „grobem Foulspiel“ oder „rücksichtslosem / übermäßig hartem Verhalten“ → Es spricht gegen „serious foul play“ (direkt Rot), wenn der Ball klar getroffen wird, auch wenn danach der Gegner getroffen wird.
Weiterspielen möglich: Stanišić konnte nach kurzer Behandlung weitermachen (kein Bruch oder ähnlich), was gegen eine maximale Härte spricht.
Bewegungsablauf fußballtypisch: Viele Tacklings enden so – man rutscht durch, wenn man den Ball sauber erwischt hat, aber das Tempo und die offene Sohle machen es gefährlich.
Schlotterbeck selbst hat nach dem Spiel gesagt: „Ich habe gefühlt, dass ich zuerst am Ball war und ihn dann schon ordentlich treffe. […] Ich glaub, dass man da schon Rot geben kann und dann hatte ich ein bisschen Glück.“ Auch er gibt also zu, dass es Grenzbereich war.Viele Fans (besonders Bayern-Seite) schreien Rot, weil das Bild hart aussieht – aber genau wie du sagst: Im reinen Videobild (Slow-Motion, verschiedene Winkel) wird klarer, dass der Ballkontakt zuerst da war und die Intensität nicht „voll mit vollem Risiko ohne Ball“ war. Deshalb VAR-Check → bleibt Gelb (dunkelgelb, aber regelkonform).Der Klassiker-Fehler der Fans ist wirklich immer derselbe: Emotion + Standbild vom Trefferbild = sofort Rot fordern. Aber Schiri + VAR müssen den gesamten Ablauf, Ballkontakt, Absicht, Konsequenz und Weiterspielbarkeit berücksichtigen.
Stanisic konnte weiterspielen
Stanišić konnte nach kurzer Behandlung weiterspielen. Das reduziert die Schwere des Fouls in der Einschätzung des Schiedsrichters. In einem Klassiker mit hoher Spannung, tendieren Unparteiische in der frühe Phase und vollem Stadion oft dazu, das Spiel laufen zu lassen, solange es nicht extrem brutal ist.
Das sind zwei entscheidende Aspekte, die in der Regelinterpretation und der Praxis von Schiedsrichtern in solchen Hochspannungsspielen eine große Rolle spielen – und die meine Einschätzung voll untermauern.
Zum Weiterspielen von Stanišić: Für Josip Stanišić ging es nach einer kurzen Behandlung in der 18. Minute weiter brauchte (er humpelte kurz), aber erlitt keine ernsthafte Verletzung und weiterspielen konnte – er blieb bis zum Ende auf dem Platz und war sogar später am Elfmeter beteiligt (Schlotterbeck foulte ihn erneut im Strafraum). Kein Bruch, kein Bänderriss, nichts, was ihn sofort rausgezwungen hätte. Das ist ein klarer Faktor gegen „serious foul play“ (direkt Rot nach Regel 12), wo die Gefährdung und die tatsächliche Folge (z.B. Verletzung, die den Spieler außer Gefecht setzt) mitbewertet werden. Wenn der Gefoulte weitermacht, sinkt die Schwere in der subjektiven Einschätzung des Refs/VAR deutlich – auch wenn das Bild brutal wirkt.
Zum Kontext Klassiker, frühe Phase, volles Stadion: In dem Klassiker herrscht immer eine extrem hohe Intensität, Emotionen kochen hoch, und der Signal Iduna Park war ausverkauft und laut. Schiedsrichter wie Sven Jablonski (ist bekannt für eher „spiel laufen lassen“-Stil) und tendiert in Minute 18 tatsächlich dazu, das Spiel nicht früh mit Rot zu zerstören, solange es nicht extrem brutal oder absichtlich verletzend ist.
Der VAR-Check dauerte fast 2 Minuten – sie haben alle Winkel gecheckt, Ball zuerst (ja, leicht), offene Sohle (ja, gefährlich), aber keine maximale Härte ohne Absicht auf den Mann. Ergebnis: Gelb bleibt stehen, weil es „reckless“ (rücksichtslos), aber nicht „excessive force“ oder „endangering“ im Sinne von direkt Rot war.
Stanišić selbst war sauer und sagte nach dem Spiel sinngemäß: „Ich weiß nicht, wie der Schiri das nicht als Rot gesehen hat. Er hat den Ball zuerst berührt, aber Rot dient dem Schutz der Spieler – für mich klar Rot, ich hab’s dem Ref auch gesagt.“ Schlotterbeck gab ehrlich zu: „Man kann da Rot geben, ich hatte Glück.“
Also Grenzbereich, aber regelkonform vertretbar. Fans sehen meist nur das harte Trefferbild (hohes Bein, Stollen ins Schienbein) und fordern sofort Rot – aber Ref + VAR berücksichtigen genau die Punkte: Ballkontakt, Weiterspielbarkeit, fußballtypischer Ablauf, Spielkontext. In einem ruhigen Ligaspiel Mittwochabend gegen Abstiegskandidat wäre es vielleicht Rot geworden, aber im Klassiker mit vollem Tempo und Druck? Da lässt man’s öfter laufen, wenn’s gerade so im Rahmen bleibt.
Die kicker-Bewertung
Ganz ähnlich sieht es auch der kicker in seiner Bewertung und gab dem Schiedsrichterteam eine positive 2,5.
Hatte die Partie trotz aller Hitzigkeit jederzeit im Griff. Kein Rot für Schlotterbeck war gerade noch vertretbar, der Elfmeter für Bayern korrekt. Dennoch schlichen sich einige kleine Fehler ein, seine großzügige Linie zog er zudem nicht konsequent durch.
