Während die Bayern mit zwei aberkannten Treffern und Unterzahl beim 1:1 gegen Leverkusen der gefühlte Sieger war, stand der Schiedsrichter und VAR im Mittelpunkt.
Bayer 04 Leverkusen – FC Bayern München 1:1 (SR: Christian Dingert)
Szene 1: Die Bayern erzielten nach knapp einer halben Stunde den Ausgleich, doch es zählte nicht. Eine äußerst diskutable Sinne im Regeltext. Der Arm ist eng am Körper angelegt, er geht von dem Ellenbogen an den Fuß und von dort aus ins Tor. Ohne die Fußberührung wäre der Treffer abzuerkennen gewesen, aber im Sinne der aktuellen IFAB-Regeln macht es einen entscheidenden Unterschied, ob der Ball nach dem Handspiel direkt ins Tor geht oder ob er dazwischen an den Fuß (oder einen anderen Körperteil) und dann erst ins Tor gelangt.
Die Regel lautet wörtlich (übersetzt und zusammengefasst):
Ein Handball-Vergehen liegt vor, wenn ein Spieler
- direkt mit Hand/Arm ins gegnerische Tor trifft (egal ob absichtlich oder nicht), oder
- unmittelbar nachdem („immediately after“) der Ball Hand/Arm berührt hat, ein Tor erzielt wird (auch wenn accidental).
Der Schlüsselbegriff ist „immediately after“ / „unmittelbar nachdem„. Das bedeutet „straight away“ / direkt danach, ohne nennenswerte Unterbrechung oder weitere Spielaktion.
- Wenn der Ball nach dem Handkontakt sofort (z.B. abprallt und direkt ins Tor geht oder der gleiche Spieler direkt schießt), → Tor ungültig, auch bei angelegtem Arm und ohne Absicht.
- Wenn der Ball jedoch nach dem Handspiel an den Fuß (oder Kopf, Bein etc.) geht, dann weitergeleitet wird (z.B. ein Mitspieler annimmt, dribbelt, passt oder der gleiche Spieler den Ball kontrolliert und neu spielt), → kein automatisches Vergehen mehr nur wegen des Handspiels. Das Tor zählt dann in der Regel, solange das Handspiel selbst nicht absichtlich war, nicht den Körper unnatürlich vergrößert hat oder andere Kriterien erfüllt.
Und das für mich der entscheidende Punkt. Der Arm war in natürlicher Armhaltung eng am Körper, springt dann an ein anderes Körperteil und von dort ins Tor. Der Treffer für die Bayern hätte zählen müssen. Großes Glück für Bayer!
Szene 2: Vor der Pause waren die Bayern in Unterzahl. Jackson kam im Mittelkreis gegen Terrier zu spät und traf den Leverkusener nach einem langen Schritt auf dem Knöchel. Es gibt aber nur Gelb. Der VAR griff ein, Dingert brauchte nicht lange und entschied auf Rot. Hohe Intensität, oberhalb des Knöchels. Das war eine klare und korrekte Rote Karte – und der VAR-Eingriff von Dingert war hier absolut berechtigt und notwendig. Er kam im Mittelkreis gegen Martin Terrier deutlich zu spät. Er machte einen langen Schritt, trat Terrier auf dem Knöchel (bzw. oberhalb davon, im Bereich des Sprunggelenks/Unterschenkels), mit hoher Intensität und offener Sohle/Spikes voraus – ein klassisches grobes Foulspiel nach Regel 12.
- Hohe Intensität / Gefährdung: Der Tritt geht mit voller Wucht auf eine vulnerable Stelle (Knöchel/Sprunggelenk), wo schwere Verletzungen (Bänderriss, Fraktur etc.) drohen. Das erfüllt das Kriterium „excessive force“ oder „endangering the safety of an opponent“.
- Kein Ballkontakt mehr: Jackson kommt zu spät – der Ball ist schon weg, es ist ein reines Treten gegen den Gegner (nicht „Ball gespielt und dann unglücklich getroffen“).
- Oberhalb des Knöchels: Das macht es noch gefährlicher, da es nicht „nur“ den Fuß trifft, sondern höher ins Bein geht – typisch für Fouls, die als „serious foul play“ oder „violent conduct“ gewertet werden.
- VAR-Überprüfung: Dingert schaut sich die Bilder an (nicht lange, weil es offensichtlich ist) und korrigiert seine anfängliche Gelb-Entscheidung zu Rot. Das passt zur offiziellen Linie: Bei Zweifeln im Feld immer prüfen, und hier war es glasklar „Rot-würdig“.
Szene 3: Nach einer Stunde wurden den Bayern der nächste Treffer aberkannt. Blaswich schießt beim Klärungsversuch im eigenen Strafraum Kane an, die Kugel prallte nach links zu Luiz Diaz, der nach ein paar Metern wieder nach innen passt, wo Kane die Kugel aus kurzer Distanz ins leere Tor schob.
Das ist wieder eine klassische „immediately after“-Situation – und leider für Bayern korrekt aberkannt, auch wenn der Arm eng am Körper war. Aktuelle IFAB-Regel 12 zum Handspiel:
- Ein Tor gilt als ungültig, wenn der Ball unmittelbar nachdem („immediately after“) er von Hand/Arm berührt wurde, ins Tor geht – auch wenn es unabsichtlich war und der Arm eng am Körper angelegt ist.
- Der entscheidende Passus: „A goal is scored directly from the hand/arm“ oder „immediately after touching the hand/arm, the ball goes into the goal“ → das führt zur Aberkennung, unabhängig von Absicht oder Armposition.
- Wichtig: „Immediately after“ wird streng ausgelegt. Wenn der Ball direkt oder quasi ohne echte Unterbrechung (z.B. nur ein kurzer Prall) vom Arm abprallt und dann über eine sehr kurze Kette (hier: Arm → Díaz → kurzer Pass → Kane → Tor) ins Tor geht, zählt das oft noch als unmittelbar. Es geht um den direkten Einfluss auf die Torszene – der Handkontakt hat den Ball wesentlich in die Torchance gebracht.
Das ist kein langer Spielzug mit mehreren Stationen oder Ballkontrolle durch andere – es ist eine schnelle, direkte Fortsetzung der Szene aus dem Strafraum heraus. Der VAR sieht hier typischerweise „unmittelbar nachdem„, weil der Ball durch den Handkontakt erst in die gefährliche Zone kam und ohne diesen Prall wahrscheinlich nicht so schnell bei Díaz/Kane gelandet wäre. Arm eng am Körper? Hilft leider nichts – seit den Regel-Klärungen wird bei direktem/unmittelbarem Tor-Einfluss nicht mehr auf „unnatürliche Position“ oder „Vergrößerung der Silhouette“ geschaut; es reicht der kausale Zusammenhang.
Vergleich zu früheren Fällen (ähnlich wie Tah-Szenen oder andere Bundesliga-Handspiele): Bei Hand → direkter Prall → Pass → Tor in Sekunden wird fast immer aberkannt (z. B. Fälle wo der Ball vom Arm abprallt und sofort ein Mitspieler vollendet). Wäre dazwischen ein Dribbling über 20 Meter, ein Ballgewinn oder eine klare neue Aktion gewesen, hätte es gezählt – aber hier ist es zu eng verkettet.
Fazit: Leider keine Fehlentscheidung, sondern konsequente (wenn auch sehr harte) Regel-Anwendung. Bayern hatte Pech – der Arm war natürlich, unabsichtlich, aber der unmittelbare Weg zum Tor war gegeben. VAR und Schiri lagen regelkonform. Wieder so ein Fall, wo die Regel seit 2021/22 Fans nervt, weil sie bei „engen“ Armen trotzdem hart durchgreift.
Szene 4: Harry Kane steckt in den Lauf von Luis Díaz durch (also ein klassisches 1-gegen-1-Duell mit dem Torhüter Blaswich), legt sich den Ball vorbei, leichter Kontakt (oder gar keiner spürbarer), geht dann zu Boden – Ball ins Toraus. Dingert pfeift sofort Schwalbe (Simulation / Täuschung), gibt Gelb (bzw. Gelb-Rot, da Kane schon verwarned war) und schickt den Münchner runter. Hart, aber konsequent.
Szene 5: Bei anerkannten Treffer für Leverkusen und mit den offiziellen Bildern ist der aberkannte Tor eine fragwürdige Entscheidung. Die Linie wurde an der Schulter (der sogenannten T-Shirt-Linie gezogen. der Gegner stand auf gleicher Höhe. Mit menschlichen Auge nicht zu erkennen, aber selbst mit der Linie zweifelhaft. Irgendwo war ein Milimeter im Abseits…
TSG Hoffenheim – VfL Wolfsburg (SR: Tobias Reichel)
Szene 6: Wenige Sekunden nach der Burger-Chance wurde Touré von Lindström zu Fall gebracht. Die Hoffenheimer forderten Elfmeter, Reichels Pfeife blieb aber stumm. Auch der VAR sah kein Foulspiel von Lindström an Touré. Für mich aus den verlangsamten Bildern eine eher richtige Entschedidung. Beide setzten bei diesem Laufduell die Arme ein und schauten nur auf den Ball.
- Beide Spieler (Lindström und Touré) setzen die Arme ein und schauen nur auf den Ball: Das ist klassisch „shoulder-to-shoulder„ oder Armeinsatz im Duell – solange es symmetrisch / gegenseitig ist und keiner den anderen aktiv wegdrückt / festhält / umreißt, ist das kein Foul. Es ist normales Körperkontakt im Kampf um den Ball.
- Touré kommt zu Fall: Aber wenn es durch den gegenseitigen Armeinsatz entsteht (nicht einseitig von Lindström initiiert), und keiner den anderen klar unfair behindert (z.B. kein klares Ziehen am Trikot, kein Bein stellen oder übermäßiges Schieben), dann kein Elfmeter. Der Schiri pfeift das oft durchlaufen, besonders wenn beide aktiv mitmachen und es „fair“ aussieht.
- VAR-Eingriff? Nur bei „clear and obvious error„ oder „serious missed incident„ – hier war es offenbar keines von beidem. Reichel hat es live als kein Foul gesehen, der VAR hat bestätigt: „No foul play„. Das passt, weil in verlangsamten Bildern oft klar wird, dass es kein einseitiges Vergehen war, sondern ein typisches 50/50-Duell.

Unfassbar, was die deutsche Schiedsrichter Elite hier abliefert.. nur noch traurig
Beim ersten aberkannten Tor sei es gemäß deiner Ausführungen nicht unverzüglich gewesen, weil nach der Handberührung noch eine Aktion folgte. Bei der zweiten schreibst du, dass der Treffer zu Recht aberkannt wurde, weil das Tor unverzüglich nach dem Handkontakt erzielt wurde. Der Ball kam zu Díaz (bzw. eigentlich zu einem Spieler von Leverkusen, der aber den Ball an Díaz verliert) der den Ball mit dem 2. oder 3. Kontakt in die Mitte passt.
Die Argumentation passt irgendwie nicht, finde ich.
Auch das Karriereende von Dingert wird der Bundesliga nicht schaden…. Die rote Karte für Jackson muss ich auf dem Niveau selbst sehen. Das weder VAR noch der Schiedsrichter die Handspiel Regel richtig kennen, ist ja auch bezeichnend… Ich wünsche mir die gleiche Konsequenz wie jetzt bei Dias und Jackson auch bei Schlotterbeck. Auch fällt mir die Szene von Leipzig gegen Bayern ein als der Leipziger Goretzka kaputt getreten hat, sind hier abenteuerliche Argumente zusammen geschustert worden warum es mir Gelb noch OK war. Das gleiche Foul jetzt… Egal selbst die Inkompetenz der Schiedsrichter wird die Meisterschaft der Bayern nicht verhindern.