Das Osterwochenende in der 3. Liga ging zu Ende und es gab wieder einiges zu diskutieren. So unter anderem bei der Partie 1860 München – Waldhof Mannheim als Liga 2-Schiedsrichter Jarno Wienefeld eine unglückliche Spielleitung mit mehreren Fehlern aufweiste. Zudem waren zwei bayrische Unparteiische mit Felix Grund in Rostock und Simon Schreiner in Aachen im Mittelpunkt, die ebenfalls die ein oder andere Szene falsch bewerteten. Alles weitere in der Analyse und hier die Top 3 vom Osterwochenende:
Platz 🥇 – Ben Henry Uhrig:
Unser Schiedsrichter des Spieltages am Osterwochenende ist diesmal Ben Henry Uhrig aus Hamburg der am Ostersonntag das Spiel zwischen Saarbrücken und Ingolstadt leitete. Der Hamburger lieferte eine ruhige und unaufgeregte Spielleitung ab und war jederzeit der Herr der Lage. Im gesamten Spiel kam er mit einer gelben Karte aus, was zeitgleich für eine kommunikative Spielleitung mit den Spielern deutet. [Highlights]
Platz 🥈 – Justin Hasmann:
Auf dem zweiten Platz haben wir den Schiedsrichter aus dem Saarland mit Justin Hasmann der im Norden die Partie VfL Osnabrück – FC Schweinfurt am Samstagnachmittag bekam. In einer Szene wo es um eine mögliche rote Karte gegen Schweinfurt ging, lag Hasmann richtig. Ansonsten war das Spiel aufgrund der Osnabrücker Dominanz einfach zu leiten und Hasmann hatte nie Probleme während der 90 Minuten!
Platz 🥉 – Yannick Sager:
Auf dem dritten Platz Platz haben wir diesmal Yannick Sager aus Dortmund den Weg in den Osten zur Partie Erzgebirge Aue – Hoffenheim II aufnahm. Das Spiel gestaltete sich sehr kurios zu Beginn als die Gäste früh mit 0:2 in Führung gingen und dann zusätzlich Aue eine klare Rote Karte gegen sich bekam nach einer Notbremse. Hier lag Yannick Sager absolut richtig. Aufgrunddessen war der weitere Verlauf wie auch bei Hasmann in Osnabrück sehr einfach zu leiten und Sager wurde nach der roten nie richtig gefordert. Das Spiel endete mit einem 3:5 welches man auch nicht häufig sieht!
VfL Osnabrück – 1. FC Schweinfurt 05 4:0 (SR: Justin Hasmann)
Szene 1: David Kopacz (Osnabrück) war enteilt und ist frei vor dem Tor. Der Schweinfurter Kapitän war letzter Mann und ging mit vollem Risiko in die Grätsche. Kopacz fiel, aber das Tackling ist sauber: Der Ball wurde zuerst und klar getroffen, ohne dass der Gegner vorher den Mann erwischte oder gefährlich von hinten/schräg reinging. Solche Szenen sind immer grenzwertig, weil der Angreifer oft den Kontakt sucht oder durch die Grätsche ins Straucheln kommt. Aber wenn der Verteidiger den Ball zuerst spielt und keine übermäßige Gefährdung (z. B. gestrecktes Bein, hohes Risiko für Verletzung) vorliegt, ist kein Foul und erst recht keine Notbremse/Rot gegeben. Das hat Schiedsrichter Justin Hasmann sehr gut gesehen und sich nicht von der Fallbewegung oder dem Risiko des Tacklings täuschen lassen. [TV-Bilder – ab 29:35 Minuten]
Hansa Rostock – Viktoria Köln 2:3 (SR: Felix Grund)
Szene 2: Der erste Aufreger schon nach 5 Minuten, als Holten von einem Kölner gefoult wurde. Schiedsrichter Felix Grund (Haidlfing) erkannte auf Vorteil, der nichts einbrachte, ahndete danach das Foulspiel nicht mit einer Karte. Das ist mindestens Gelb. Der Rostocker wäre alleine auf das Tor zugelaufen, der nahe stehende Kölner hätte sicher nicht mehr eingreifen können. Bei einem Foul mit Vorteil muss der Schiedsrichter später immer noch die persönliche Strafe (Karte) aussprechen, wenn das Foul es verdient. Der Vorteil hebt die Disziplinarstrafe nicht automatisch auf.
- Gelb ist bei einem Foul, das eine vielversprechende Torchance verhindert oder den Spielaufbau stark behindert, fast immer angebracht.
- Rot (Notbremse) gibt es, wenn ein Spieler eine klare Torchance („obvious goal-scoring opportunity“ = OGSO) durch ein Foul verhindert und dabei eines der vier Kriterien erfüllt ist (u. a. kein Versuch, den Ball zu spielen, oder übermäßige Härte).
Hier wurde Holten klar im offenen Feld gefoult mit hohem Tempo, der Vorteil gegeben, der nichts einbrachte. Der Gefoulte wäre allein aufs Tor zugelaufen und durch ein Foulspiel zu Boden gebracht, wodurch eine klare Torchance verhindert wurde. Ein nahe stehender Kölner hätte zum Zeitpunkt des Fouls nicht mehr eingreifen können. Daher wäre für mich der Platzverweis die unumgängliche Entscheidung die richtige Wahl gewesen. [TV-Bilder – ab 19:05 Minuten]
Szene 3: Nach etwa einer halben Stunde gingen die Gäste aus Köln mit der ersten Chance in Führung. Auf der rechten Seite eroberte Tonye den Ball und brachte die flache Hereingabe vor das Tor. Der Ball landete über Umwege bei Leonhard Münst, der die Kugel über die Linie drückte. Einige sahen hier bei der Balleroberung den Ball bereits im Seitenaus. Die Wiederholung zeigte aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit den Ball noch auf der Linie rollend. Keinesfalls war er vollständig im Aus, sodass der Treffer zu Recht seine Anerkennung fand. [TV-Bilder – ab 01:07 Minuten]
Insgesamt gab es gerade im ersten Durchgang mehrere strittige Momente von Felix Grund, in denen die Linie von Felix Grund nicht ganz konsequent rüberkam. So gab es mehrere Fouls im Mittelfeld und im Übergang, die ähnlich hart oder härter waren als das Holten-Foul, aber ebenfalls ohne oder nur mit sehr zurückhaltender Ahndung blieben, was für eine fehlende klaren Linie spricht – besonders im Umgang mit körperbetonten Zweikämpfen der Kölner Defensive. Mal wurde Vorteil gegeben, mal gepfiffen, aber die Karten blieben weitgehend aus.
TSV Havelse – FC Energie Cottbus 0:3 (SR: Jonah Besong)
Szene 4: Erik Engelhardt setzte sich stark auf links durch und spielte quer zu Tolcay Ciğerci. Ciğerci legte per Querpass in die Mitte zum zweiten Pfosten, wo Moritz Hannemann nur noch einschieben musste. Der Ball prallte dabei vom Cottbuser Ciğerci ab. Nach wenigen Minuten und nach Rücksprache mit dem Assistenten erkannte Schiedsrichter Jonah Besong (Duisburg) den Treffer ab. Wenn der Ball vom eigenen Mitspieler (hier Ciğerci) abprallt und dann zu Hannemann kommt, gilt für die Abseitsbeurteilung der letzte bewusste Berührung durch einen Spieler. War Ciğerci zum Zeitpunkt der Abgabe/Querpass im Abseits und der Ball prallt dann (unabsichtlich oder absichtlich) zu Hannemann, kann das Tor nicht gegeben werden. Der Schiedsrichter bzw. das Gespann hat hier nach Rücksprache entschieden, dass Ciğerci im Abseits stand, als Engelhardt zu ihm spielte – und der Abpraller ändert daran nichts, weil es keine bewusste, kontrollierte Weiterleitung war, die das Abseits „aufhebt“. [TV-Bilder – ab 03:30 Minuten]
TSV 1860 München – SV Waldhof Mannheim 1:1 (SR: Jarno Wienefeld)
Szene 5: Mitte der ersten Hälfte erhitzte eine klare Fehlentscheidung die Gemüter im Grünwalder Stadion. Niklas Hoffmann bekam den Ball im Strafraum von Ba zurückgelegt und zoh direkt ab. Der Schuss wurde von einem Mannheimer Spieler abgefälscht und rauscht ins Außennetz. Schiedsrichter Jarno Wienefeld entschied aber auf Abstoß für Mannheim. Der Ball wurde zuletzt von einem Verteidiger berührt der dann ins Außennetz ging. Ecke wäre die korrekte Entscheidung gewesen. Abstoß wäre nur richtig, wenn der Ball zuletzt von einem Angreifer berührt worden oder ohne Fremdeinwirkung ins Aus gegangen wäre. Das ist ein klassischer Anfängerfehler bei der Zuordnung der letzten Ballberührung. [TV-Bilder – ab 01:35 Minuten]
Szene 6: Kevin Volland schoß aus halblinker Position im Strafraum. Der Abschluss wurde abgefälscht von einem Mannheimer abgefälscht. Volland ging dann direkt zu Boden und forderte Elfmeter. Hoffmann war einen Tick eher am Ball. Es handelt sich um einen normalen, harten Zweikampf im Strafraum, kein von hinten, kein gestrecktes Bein, keine übermäßige Kraft oder Gefährdung. Volland ist der Angreifer und suchte teilweise den Kontakt, aber der Verteidiger spielte zuerst den Ball. Deshalb ist Weiterspielen die korrekte Entscheidung. [TV-Bilder – ab 49:35 Minuten]
Szene 7: Kevin Volland wurde von Sigurd Haugen per Steilpass lang geschickt und eNivam zum Laufduell zwischen Volland von München und Ba von Mannheim. Zusätzlich kam der Mannheimer Torwart raus, der beim Versuch des Ball Spielens seinen eigenen Verteidiger Ba umtrat. Schiedsrichter Wienefeld erkennt fälschlicherweise ein Stürmerfoul und sah hier nicht, dass der eigene Torwart den Verteidiger zu Fall brachte. Gleichzeitig gab es nach Beschwerden von Volland zusätzlich die Gelbe Karte! Doppelt bitter und unglücklich, da eine Riesenchance abgepfiffen wurde und zusätzlich Kevin Volland auch noch verwarnt wurde! [TV-Bilder]
Erzgebirge Aue – TSG Hoffenheim 3:5 (SR: Yannick Sager)
Szene 8: Deniz Zeitler steckt im Umschaltspiel stark durch auf Yannick Eduardo. Jamilu Collins konnte ihn nur noch mit einem klaren Griff an die Schulter stoppen, der Stürmer wurde regelrecht zurückgerissen. Schiedsrichter Yannick Rupert aus Dortmund entschied sofort und zeigte Rot wegen „Notbremse“, da er ihm die klare Torchance verhinderte. Eduardo war allein aufs Tor zugelaufen. Collins war letzter Mann und kein anderer Auer Verteidiger konnte mehr in der Lage einzugreifen. Das Foul war ein reiner Griff ohne ernsthaften Versuch den Ball zu spielen. Alle vier Kriterien für eine Notbremse waren erfüllt: Distanz zum Tor, Richtung zum Tor, Anzahl der Verteidiger, Art des Fouls. Das ist ein Lehrbuch-Beispiel für eine berechtigte Rote Karte. Für Aue aber eine extrem bittere Entscheidung. Sie lagen zu diesem Zeitpunkt schon 0:3 hinten – die Rote Karte hat die Situation dann endgültig unmöglich gemacht, aber regeltechnisch gab es hier nichts zu diskutieren. [TV-Bilder – ab 02:10 Minuten]
Rot-Weiss Essen – MSV Duisburg 1:0 (SR: Sören Storks)
Szene 9: Für den erkrankten Dr. Robin Braun aus Wuppertal übernahm Schiedsrichter Sören Storks die Leitung des Westderbys traf klare, souveräne und richtige Entscheidungen. So auch in der 73. Minute als er den Duisburger Aljaz Casar wegen der Tätlichkeit mit Rot des Feldes verwies. Offensichtlich schon im Torraum im Clinch mit Bouebari löste er eine Rudelbildung aus, der danach unter Schmerzen am Boden liegen ging. Ohne zu murren, verlässt Casar das Spielfeld. Casar leistete sich in einer unübersichtlichen Szene mit einem Schlag in den Magen eine Tätlichkeit und sah zu Recht die Rote Karte. Da muss der Duisburger wohl mindestens drei Spiele pausieren. [TV-Bilder – ab 03:20 Minuten]
VfB Stuttgart II – Jahn Regensburg 3:1 (SR: Niclas Rose)
Szene 10: Vor der Pause zwei strittige Szenen. Zunächst forderten die Stuttgarter vehement Elfmeter. Ćatović ging im Strafraum gegen Karbstein zu Boden. Es gab eine leichte Berührung nahe der Grundlinie am Bein. Schiedsrichter Niclas Rose (Neumünster) ließ weiterspielen und gab Ecke statt Strafstoß. Eine leichte Berührung allein reicht nicht für ein Foul bzw. Elfmeter. Es muss ein klarer, spielverhindernder Kontakt vorliegen, der den Angreifer unfair behindert. Hier war der Kontakt zu minimal, um als Foul gewertet zu werden. Ćatović ist eher „hingefallen“ und hat den Kontakt gesucht Rose hat das gut gesehen und keine „weiche“ Elfmeter-Entscheidung getroffen. [TV-Bilder – ab 55:09 Minuten]
Szene 11: Die folgende Szene in der Nachspielzeit war eine der härtestenten Momente des Spiels. Das Foul passierte knapp vor dem Strafraum. Benedikt Bauer traf Ćatović mit dem gestreckten Bein und der Sohle am Knöchel. Der Treffer ist mit voller Wucht von der Seite in die Beine. Es war eine hochintensive, offene Sohle, der Ball ist schon ein ganzes Stück und er traf den Mann. Der Stuttgarter musste länger behandelt werden und wurde später ausgewechselt. Es war kein ernsthafter Versuch den Ball zu spielen, die Regensburger versuchten in dieser Szene mehrfach den Ball zu bekommen und dann war es ein reines Frustfoul. Der Ball war nicht spielbar und es wurde zu einem reinen Mann-Foul mit hoher Intensität. Offene Sohle, gestrecktes Bein, Knöchel-Treffer: Das erfüllt das Kriterium der übermäßigen Härte bzw. Gefährdung der körperlichen Unversehrtheit des Gegners und die Verletzungsfolge. In solchen Fällen wird Rot erwartet, was auch die richtige Entscheidung wäre.[TV-Bilder – ab 01:01:05 Minuten]
SSV Ulm – SC Verl 1:0 (SR: Leonidas Exuzidis)
Szene 12: Lucas Röser dribbelte über rechts in den Strafraum und schloß ab. Ein Verler Verteidiger blockt den Schuss, die Ulmer Spatzen protestieren sofort auf Handspiel. Schiedsrichter Leonidas Exuzidis ließ aber weiterspielen. Eine klare Fehlentscheidung! Ein Handspiel ist strafbar, wenn der Arm/Hand unnatürlich vergrößert wird und der Ball dadurch abgeblockt wird. Entscheidend ist die Armposition: Wenn der Arm weit vom Körper absteht (nicht nah am Körper in einer natürlichen Lauf- oder Verteidigungsposition), gilt das in den meisten Fällen als strafbares Handspiel – besonders im Strafraum bei einem Abschluss. Der Spieler hatte den Blick zum Ball, er hatte Orienierung und damit ist die Armhaltung unnatürlich. [TV-Bilder – ab 02:05 Minuten]
Alemannia Aachen – SV Wehen Wiesbaden 3:0 (SR: Simon Schreiner)
Szene 13: Lars Gindorf ging im Sechzehner gegen Sascha Mockenhaupt zu Boden. Mockenhaupt zog da ziemlich lange am Trikot von Gindorf. Schiedsrichter Simon Schreiner ließ weiterspielen. Ein Festhalten am Trikot im Strafraum, das den Gegner spürbar behindert oder zu Fall bringt, ist ein klares Foul und damit Elfmeter. Besonders wenn der Zug ziemlich lange dauert, ist es kein zufälliger Kontakt mehr, sondern ein bewusstes Verhindern einer Torchance oder einer gefährlichen Situation nach Standard. Für mich hätte es hier einen Elfmeter für Aachen geben müssen. Solche Trikotzieher werden in der Bundesliga und 2. Liga mit VAR oft als Elfmeter gepfiffen. In der 3. Liga ohne Video-Assistent neigen Schiris manchmal dazu, weiterlaufen zu lassen, um nicht jede kleine Berührung zu ahnden – aber bei einem längeren, deutlichen Ziehen ist das zu milde. [TV-Bilder – ab 02:40 Minuten]
Szene 14: Wenige Minuten nach der Pause erneut eine strittige Szene, als der Wiesbadener Keeper beim Abfangen des Balls diesen auch traf und ihn aus dem Strafraum boxte. Im Nachsetzen erwischte dieser aber den Ball. Simon Schreiner ließ weiterspielen. Eine Fehlentscheidung. Aus regeltechnischer Sicht wäre die rote Karte für den Torhüter wegen des Handspiels außerhalb des Strafraums die korrekte Entscheidung. Der Torwart ist außerhalb seines Strafraums. Er hat keine Sonderrechte mehr. Er gilt wie ein normaler Feldspieler. Er liegt danach am Boden, der Ball ist weg, der Angreifer wird spürbar behindert und an der klaren Torchance gehindert. Auch wenn der gelbe Aachener danach noch am Boden liegt. Die Disziplinarstrafe (Rot/Gelb) bei einer verhinderten klaren Torchance richtet sich nicht danach, ob der gefoulte Spieler sofort wieder aufsteht, liegen bleibt oder sogar verletzt wirkt. In dieser Szene: Der Wiesbadener Torwart ist außerhalb des Strafraums → gilt als normaler Feldspieler. Er faustet den Ball nicht sauber weg und nimmt dabei den frei durchbrechenden Aachener Angreifer mit. Der Angreifer hatte eine klare, aussichtsreiche Torchance (allein vor dem Tor). Der Kontakt behindert/verhindert diese Chance → Notbremse.
Ob der Angreifer danach dramatisch liegen bleibt oder schnell wieder aufspringt, ist für die Karte völlig nebensächlich. Viele Stürmer bleiben in solchen Situationen kurz liegen, um die Schwere des Fouls zu unterstreichen – das beeinflusst die Regelentscheidung aber nicht. Demnach hätte es neben dem Freistoß für Aachen die rote Karte für den Wiesbadener Keeper geben müssen. [TV-Bilder – ab 01:25:25 Minuten]
