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Martijn Kaars bekommt die Szene von Dr. Max Burda erklärt. (Foto: IMAGO/Susanne Hübner)

Schiedsrichter Burda verweigert Interview: Zwei strittige Szenen sorgen für Diskussionen

Zwei strittige Szenen, zwei unterschiedliche Bewertungen – und damit reichlich Gesprächsstoff. Während ein möglicher Abseitsverstoß beim Führungstreffer von St. Pauli ungeahndet blieb, wurde ein ähnlicher Kontakt auf der Gegenseite als Foul mit Gelb bestraft. Die Frage lautet: Wurde hier mit zweierlei Maß gemessen?

Szene 1: St. Pauli ging nach 32 Minuten in Führung. Der VAR überprüfte den Treffer wegen einer möglichen Abseitsposition. Hara stand beim Abspiel von Rasmussen klar im Abseits und kam anschließend mit Zec in Kontakt. Die Unparteiischen bewerteten sein Verhalten jedoch als passiv und ließen den Treffer gelten.

Regel 11.2 sieht ein Abseitsvergehen vor, wenn ein Spieler in Abseitsstellung einen Gegner beeinflusst. Besonders relevant ist dabei die IFAB-Erläuterung: Befindet sich ein Spieler in Abseitsstellung im Laufweg eines Gegners und beeinträchtigt dessen Bewegung zum Ball, liegt ein Abseitsvergehen vor, wenn dadurch dessen Möglichkeit beeinflusst wird, den Ball zu spielen oder einen Zweikampf um den Ball zu führen.

Genau hier liegt der entscheidende Punkt bei Hara und Zec. Es geht nicht allein darum, dass es zu einem Kontakt kam. Entscheidend ist, ob Hara durch seine Bewegung Zecs Möglichkeit, zum Ball zu gelangen oder einen Zweikampf zu führen, eindeutig beeinflusste.

Durch den leichten Block gegen Zec lässt sich durchaus argumentieren, dass Hara dessen Eingreifen in die Situation beeinträchtigte. Aus regeltechnischer Sicht spricht daher einiges für ein Abseitsvergehen. Hätte der Kontakt Zecs Möglichkeit, den Ball zu spielen oder um ihn zu kämpfen, eindeutig beeinflusst, hätte der Treffer nach Regel 11.2 nicht zählen dürfen.

Andererseits gilt: War der Kontakt lediglich zufällig und hatte er keinen eindeutigen Einfluss auf Zecs Möglichkeit, zum Ball zu gelangen, ist die Entscheidung auf Tor regeltechnisch vertretbar.

Die Entscheidung, Haras Verhalten als passiv zu bewerten, ist damit vertretbar – aber keineswegs alternativlos.

Für mich eher eine Fehlentscheidung. Der leichte Block gegen Zec spricht dafür, dass Hara nicht nur passiv herumstand, sondern Zec in seiner Möglichkeit beeinflusste, in die Situation einzugreifen. Nach Regel 11.2 ist genau diese Beeinflussung entscheidend. Wenn der Block als bewusstes Behindern gewertet wird, kommt zudem Regel 12 ins Spiel. Den Treffer hätte man daher durchaus aberkennen können bzw. meiner Einschätzung nach eher aberkennen müssen.

Szene 2: Ricky-Jade Jones springt nach einem langen Ball in Ivan Nekić hinein – diesmal wird der Kontakt als Foul gewertet und mit Gelb bestraft. Die Entscheidung ist für sich genommen durchaus vertretbar: Jones geht mit hoher Dynamik in die Aktion und trifft seinen Gegenspieler deutlich.

Hier geht es um ein mögliches Foulspiel nach Regel 12.1. Ein direkter Freistoß wird unter anderem verhängt, wenn ein Spieler einen Gegner fahrlässig, rücksichtslos oder mit übermäßiger Härte körperlich angreift beziehungsweise einen Zweikampf in entsprechender Weise führt. Während ein fahrlässiges Vergehen keine persönliche Strafe nach sich zieht, ist ein rücksichtsloses Vergehen mit einer Verwarnung zu ahnden.

Die Gelbe Karte für Jones ist daher insbesondere dann nachvollziehbar, wenn sein Hineinspringen als rücksichtsloser Einsatz bewertet wurde. Entscheidend ist nicht allein der Kontakt, sondern die Art und Intensität des Einsteigens.

Allerdings stellt sich angesichts einer vergleichbaren Szene aus der vergangenen Woche die Frage nach der Konsequenz in der Bewertung. Damals sprang ein Spieler im Strafraum von St. Pauli ebenfalls in seinen Gegenspieler. Der Kontakt wurde jedoch als unvermeidbarer Zusammenprall beziehungsweise „Unfall“ bewertet – entsprechend gab es weder Foul noch Strafstoß.

Beide Szenen müssen nicht zwingend gleich bewertet werden. Entscheidend ist, ob sich der Unterschied aus dem konkreten Ablauf und der Intensität der jeweiligen Aktionen erklären lässt. Gerade im direkten Vergleich wirkt die Entscheidung gegen Jones daher zumindest erklärungsbedürftig. Ob tatsächlich eine inkonsequente Bewertung vorliegt, hängt letztlich davon ab, wie stark sich die beiden Situationen in ihrem Ablauf und insbesondere in der Intensität des Kontakts unterschieden.

Zusammengefasst: Vertretbare Entscheidung. Das Hineinspringen kann als rücksichtsloses Foul bewertet werden, womit die Gelbe Karte regelkonform wäre. Hier sehe ich keine klare Fehlentscheidung. Kritikwürdig ist eher die Frage, ob eine vergleichbare Szene in der Vorwoche anders bewertet wurde.
Fazit: Zwei Szenen, zwei Entscheidungen, die durchaus Fragen aufwerfen. Beim Führungstreffer von St. Pauli spricht aus regeltechnischer Sicht vieles dafür, dass Hara durch seinen Kontakt mit Zec aktiv in das Geschehen eingriff und der Treffer deshalb nicht hätte zählen dürfen. Die Gelbe Karte gegen Ricky-Jade Jones ist dagegen grundsätzlich vertretbar – wirft im Vergleich zur ähnlich gelagerten Szene aus der Vorwoche aber Fragen nach der Konsequenz in der Bewertung auf.
Für zusätzliche Diskussion dürfte sorgen, dass der Schiedsrichter nach der Partie ein TV-Interview ablehnte und damit auf eine öffentliche Erklärung zu den strittigen Szenen verzichtete.

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