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Neue Schiedsrichter zu gewinnen, ist die eine Aufgabe. Sie für das Amt zu begeistern und langfristig zu halten, ist die andere.

Schiedsrichter gewinnen statt Strafen zahlen: Was Vereine tun können

Der Schiedsrichtermangel beschäftigt den Amateurfußball seit Jahren. Vereine, die ihr Schiedsrichtersoll nicht erfüllen, müssen mit Geld- oder sogar Punktstrafen rechnen. Doch Strafen allein schaffen keine neuen Unparteiischen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb: Was können Vereine selbst tun, um Menschen für das Schiedsrichteramt zu begeistern – und sie anschließend auch im Verein zu halten?

Der Deutsche Fußball-Bund sieht dabei eine klare Verantwortung bei den Vereinen. Auf seiner Plattform FUSSBALL.DE stellt der DFB verschiedene Möglichkeiten vor, wie Clubs neue Schiedsrichter gewinnen und bereits aktive Unparteiische an sich binden können. Dazu gehören die direkte Ansprache, eine feste Ansprechperson im Verein und die Unterstützung der neuen Schiedsrichter.

Was hat das Schiedsrichteramt eigentlich zu bieten?

Doch bevor ein Verein jemanden für die Pfeife gewinnen kann, muss er eine andere Frage beantworten können: Was hat ein junger Mensch davon, wenn er Schiedsrichter wird?

Eine ganze Menge. Wer Spiele leitet, übernimmt Verantwortung, muss schnell Entscheidungen treffen und lernen, auch unter Druck ruhig zu bleiben. Das stärkt Selbstbewusstsein, Entscheidungsfähigkeit und Belastbarkeit – Fähigkeiten, die nicht nur auf dem Fußballplatz, sondern auch in Schule, Ausbildung und Beruf helfen können.

Dazu kommt die sportliche Seite. Schiedsrichter sind selbst aktiv, bewegen sich regelmäßig und bleiben Teil des Fußballs. Gleichzeitig gehört man zu einer Gemeinschaft, lernt neue Menschen kennen und kann sich sportlich weiterentwickeln.

Auch finanziell hat das Amt Vorteile. Je nach Landesverband und Spielklasse gibt es eine Aufwandsentschädigung, zudem werden Fahrtkosten ersetzt. Die notwendige Schiedsrichterausstattung wird in der Regel vom Verein gestellt.

Ein weiterer Vorteil: Schiedsrichter erhalten mit ihrem Ausweis Zugang zu Fußballspielen. Zudem besteht die Möglichkeit, sich sportlich weiterzuentwickeln. Wer gute Leistungen zeigt, kann über entsprechende Einsätze, Beobachtungen und Lehrgänge den Weg in höhere Spielklassen schaffen.

Gerade für Jugendliche kann das ein starkes Argument sein: Man steht nicht nur am Spielfeldrand, sondern übernimmt Verantwortung und kann sich persönlich und sportlich weiterentwickeln.

Nicht warten, bis das Soll fehlt

Viele Vereine beschäftigen sich mit dem Thema Schiedsrichter erst dann intensiv, wenn die neue Saison näher rückt und plötzlich Unparteiische fehlen.

Erfolgreicher ist eine dauerhafte Ansprache. Spieler, Jugendtrainer, Eltern, ehemalige Spieler oder andere Vereinsmitglieder können geeignete Kandidaten sein.

Dabei sollte die Ansprache nicht lauten: „Wir brauchen noch einen Schiedsrichter, sonst bekommen wir eine Strafe.“

Besser ist es, die Vorteile in den Vordergrund zu stellen: Du liebst Fußball? Dann werde selbst Teil des Spiels, übernimm Verantwortung und entwickle dich weiter.

Spieler direkt ansprechen

Ein Beispiel zeigt, dass eine solche Strategie funktionieren kann.

Der Efferener BC hatte Schwierigkeiten, die erforderliche Zahl an Schiedsrichtern zu stellen. Der Verein begann deshalb, seine Mitglieder gezielt anzusprechen – aktive Spieler ebenso wie Vorstandsmitglieder. Auch bei Trainingseinheiten, Veranstaltungen und anderen Vereinstreffen wurde für die Schiedsrichterausbildung geworben.

Besonders wirkungsvoll war, dass auch Verantwortliche aus dem Verein mit gutem Beispiel vorangingen. Am Ende konnten zahlreiche neue Anwärter gewonnen werden. Die Zahl der Schiedsrichter stieg deutlich.

Das Beispiel zeigt: Schiedsrichtergewinnung muss nicht zwangsläufig viel Geld kosten. Sie braucht vor allem Menschen im Verein, die das Thema ernst nehmen und andere dafür begeistern.

Einen festen Ansprechpartner schaffen

Ist ein neuer Schiedsrichter gefunden, beginnt die eigentliche Aufgabe erst.

Ein Verein sollte einen festen Ansprechpartner für seine Unparteiischen benennen. Diese Person kann über Lehrgänge informieren, den Kontakt zum Kreis halten, bei organisatorischen Fragen helfen und gerade neue Schiedsrichter in den ersten Monaten begleiten.

Zur Schiedsrichtergewinnung und Haltung von Unparteiischen gehört auch eine kleine und feine #Schiedsrichterbetreuung. Ob eigene Vereinsschiris oder fremde angesetzte Schiedsrichter, bei allen sollte eine Kleinigkeit drin in der Kabine stehen. Das zeigt, dass man wertgeschätzt und respektvoll behandelt wird.

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Denn der Einstieg ist nicht immer einfach. Die ersten Spiele, die ersten kritischen Entscheidungen und der Umgang mit Spielern, Trainern und Zuschauern können für einen Anfänger eine Herausforderung sein.

Deshalb sollte ein neuer Schiedsrichter wissen: Da ist jemand im Verein, an den ich mich wenden kann.

Auch die Verbände bieten Unterstützung. Über Patensysteme können neue Schiedsrichter bei ihren ersten Einsätzen von erfahrenen Unparteiischen begleitet werden.

Die Ausrüstung gehört dazu

Auch bei den praktischen Dingen sollten Vereine ihren Schiedsrichtern den Rücken freihalten.

Die notwendige Ausstattung sollte der Verein übernehmen. Dazu gehören insbesondere Trikot, Hose und Stutzen. Auch bei Fahrtkosten und anderen organisatorischen Fragen sollte der Schiedsrichter nicht das Gefühl bekommen, mit seinem neuen Hobby allein gelassen zu werden.

Das klingt selbstverständlich – ist es aber nicht überall.

Wer einen Menschen für ein Ehrenamt gewinnen möchte, sollte ihm den Einstieg so einfach wie möglich machen.

Wertschätzung statt nur Soll-Erfüllung

Noch wichtiger als die Ausrüstung ist die Wertschätzung.

Ein Schiedsrichter sollte im Verein nicht lediglich als „Nummer“ betrachtet werden, die benötigt wird, um das Schiedsrichtersoll zu erfüllen.

Er ist Vereinsmitglied und übernimmt eine Aufgabe, ohne die Fußball nicht funktionieren würde.

Eine persönliche Begrüßung, die Einladung zu Vereinsveranstaltungen, die Vorstellung auf der Vereinswebsite oder eine kleine Anerkennung für besondere Leistungen kosten nicht viel. Sie zeigen aber: Deine Arbeit wird gesehen.

Auch ehemalige Schiedsrichter sollten nicht vergessen werden. Wer einmal aufgehört hat, muss nicht automatisch für immer verloren sein. Eine persönliche Ansprache kann manchmal mehr bewirken als jede allgemeine Werbung.

Der Umgang mit Schiedsrichtern entscheidet mit

Wer neue Schiedsrichter gewinnen und halten möchte, muss allerdings auch die eigene Vereinskultur betrachten.

Es wäre widersprüchlich, auf der einen Seite Nachwuchs für das Schiedsrichteramt zu suchen und auf der anderen Seite bei Heimspielen permanent gegen Entscheidungen des Unparteiischen zu protestieren.

Trainer, Spieler und Verantwortliche haben dabei eine Vorbildfunktion.

Ein respektvoller Umgang mit dem Schiedsrichter sollte deshalb nicht erst nach dem Spiel beginnen. Eine freundliche Begrüßung, ein Ansprechpartner vor Ort und ein vernünftiger Umgang mit Kritik gehören dazu.

Denn eines darf nicht vergessen werden: Wer Schiedsrichter gewinnen will, muss auch dafür sorgen, dass sie gerne Schiedsrichter bleiben.

Kreativ werden

Vereine müssen sich bei der Suche nach neuen Unparteiischen nicht ausschließlich auf die eigenen Herrenmannschaften konzentrieren.

Jugendspieler, Trainer, Eltern, ehemalige Spieler oder andere Fußballinteressierte können angesprochen werden. Auch Kooperationen mit Schulen oder anderen Vereinen sind denkbar.

Entscheidend ist, überhaupt aktiv zu werden.

Das zeigt auch ein Beispiel aus Thüringen: Die WSG Zella-Mehlis suchte über eine Kooperation mit einem Kinderheim neue Schiedsrichter und konnte damit ihr Problem beim Schiedsrichtersoll nachhaltig lösen.

Strafen können nicht die Lösung allein sein

Natürlich tragen auch die Kreise und Verbände Verantwortung. Sie müssen attraktive Ausbildungsangebote schaffen, neue Schiedsrichter begleiten und für gute Rahmenbedingungen sorgen.

Aber auch die Vereine haben es selbst in der Hand.

Wer erst reagiert, wenn eine Geld- oder Punktstrafe droht, hat wertvolle Zeit verloren. Wer dagegen frühzeitig auf Spieler und Mitglieder zugeht, die Vorteile des Amtes erklärt und neue Schiedsrichter anschließend vernünftig begleitet, kann aus einer Pflichtaufgabe ein echtes Ehrenamt machen.

Denn am Ende geht es nicht um eine Zahl in einer Tabelle.

Es geht um Menschen, die bereit sind, Verantwortung für den Fußball zu übernehmen.

Vielleicht sollte deshalb bei der nächsten Suche nach Schiedsrichtern nicht die Frage im Mittelpunkt stehen: „Wie vermeiden wir die Strafe?“

Sondern:

„Wen können wir für die Schiedsrichterei begeistern?“

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Andre Schnor

    Ich bin Vereinsschiedsrichter-Obmann in einem Verein mit insgesamt 49 Mannschaften. Von diesen Mannschaften spielen 27 Teams mit angesetzten Schiedsrichtern. D.h. unser Schiri-Soll liegt bei 27 Schiedsrichtern. Momentan hat unsere Schiedsrichter Abteilung 24 aktive Schiedsrichter, von denen 16 Schiris die geforderte Anzahl von 12 Spielen und 3 Lehrabenden schaffen.
    Die restlichen 8 Schiris pfeifen im Schnitt 6 Spiele und besuchen 1-Lehrabende. Trotz aller Bemühungen müssen wir pro Saison pro fehlenden Schiri 100€ Strafe zahlen. Der Aufwand den wir betreiben ist enorm. Wir übernehmen die komplette Ausrüstung, begleiten unsere Schiris nach der Patenschaftsphase zu ausgewählten Spielen. Im Prinzip würde es sich für den Verein wirtschaftlich mehr lohnen, keine Schiedsrichter zu stellen. Das wäre aber der falsche Ansatz. Im Gegenteil: wir zahlen jedem Schiri für die Erfüllung des Solls 100€.
    Ich ärgere mich darüber, dass wir für die 8 Wenigpfeifer auch 100€ zahlen müssen. Letztendlich ist dem Kreis mit den 48 geleiteten Spielen auch ein Stück weit geholfen.
    Die Schiedsrichter Gewinnung fällt uns als Verein ziemlich leicht. Die im Bericht genannten Argumente zeigen bei potentiellen Anwärtern seine Wirkung. Das Problem ist der Erhaltung der Schiedsrichter. Von 6 Leuten, die wir halbjährlich zu den Neulings Lehrgängen schicken, bleiben nach zwei Jahren 2 -3 Leute dabei.
    Wir gehen an Schulen, fahren zu den Trainingseinheiten unserer Mannschaften, machen eine Art Schiedsrichter Praktikum und sogar Regelabende für unsere Teams.
    Trotzdem: Es reicht nicht!

    1. Dieter Albrecht

      Dieses Thema war schon zu meinen aktiven Zeiten vor einigen Jahrzehnten eine heikle Angelegenheit. Ich stimme überein, dass ein derart großer Verein kaum in der Lage ist, das geforderte hohe Soll zu erfüllen. Neben Geldstrafen gab es auch Punktabzüge. In meinem Kreis, wie auch im zuständigen Bezirk, ist es dabei nicht selten zu Abwerbungen gekommen, weil Vereine mit wenigen Mannschaften ein Übersoll hatten. Die meisten Vereine sind bemüht, ihr Soll zu erfüllen.

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