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Eintracht Glindow wirbt im Stadion für Schiedsrichter*innen.

Neue Schiedsrichter gewinnen: Was Vereine konkret tun können

Der Schiedsrichtermangel ist kein Problem, das allein die Verbände lösen können. Ohne ausreichend Unparteiische kann der Spielbetrieb nicht funktionieren. Deshalb sind auch die Vereine gefragt – und zwar nicht erst dann, wenn das Schiedsrichtersoll nicht erfüllt ist oder am Wochenende Spiele ausfallen.

Der Deutsche Fußball-Bund sieht die Gewinnung, Bindung und Entwicklung von Schiedsrichtern als wichtige Aufgabe im Amateurfußball. Doch zwischen dieser Erkenntnis und dem tatsächlichen Engagement vor Ort liegt oftmals noch ein weiter Weg.

Nicht warten, bis sich jemand meldet

Der erste Schritt ist eigentlich ganz einfach: Vereine müssen ihre eigenen Mitglieder ansprechen. Doch statt nur auf einen Aushang oder einen Hinweis auf den nächsten Neulingslehrgang zu setzen, können Vereine selbst aktiv werden.

Warum nicht regelmäßig einen Schiedsrichter-Workshop im eigenen Verein anbieten? Ein aktiver Schiedsrichter aus dem Verein oder ein externer Unparteiischer könnte dabei erklären, was das Amt tatsächlich bedeutet, typische Spielsituationen vorstellen und gemeinsam mit den Teilnehmern Regelbeispiele diskutieren.

Dabei geht es nicht darum, sofort neue Schiedsrichter zu „produzieren“. Zunächst sollte Interesse geweckt und ein realistischer Einblick in das Amt vermittelt werden.

Wie fühlt es sich an, vor 22 Spielern Entscheidungen treffen zu müssen? Was darf ein Schiedsrichter entscheiden? Wo liegen die Grenzen seiner Verantwortung? Wie funktioniert die Ausbildung? Welche Möglichkeiten bietet das Amt?

Solche Workshops können gerade bei Jugendlichen Interesse wecken, die sich bisher noch nie mit dem Gedanken beschäftigt haben, selbst zu pfeifen.

In jeder Jugendmannschaft gibt es Spielerinnen und Spieler, die nicht mehr regelmäßig selbst spielen wollen oder können. Es gibt Jugendliche, die sich für Regeln interessieren, Verantwortung übernehmen möchten oder ohnehin gerne über Fußball diskutieren. Auch Eltern, ehemalige Spieler, Trainer oder andere Vereinsmitglieder können geeignete Kandidaten sein.

Der entscheidende Unterschied: Der Verein wartet nicht darauf, dass sich jemand für das Schiedsrichteramt interessiert – er schafft selbst die Gelegenheit, Interesse zu entwickeln.

Auch Werbung gehört dazu. Ein Plakat im Vereinsheim, am Sportplatz oder im Eingangsbereich macht das Schiedsrichteramt sichtbar. Dafür müssen Vereine nicht einmal selbst kreativ werden: DFB und Landesverbände stellen entsprechende Motive und Vorlagen zur Verfügung. Teilweise können Vereine die Plakate sogar mit eigenen Kontaktdaten und ihrem Vereinslogo versehen. Der „FC Eintracht Glindow“ macht bspw. mit ihrer Obfrau Stefanie Schick darauf aufmerksam. Ein Modell was auf positive Resonanz stößt.

Das Schiedsrichteramt muss attraktiv dargestellt werden

Wer Jugendliche lediglich mit dem Hinweis anspricht, dass „der Verein Schiedsrichter braucht“, wird kaum Begeisterung auslösen.

Viel sinnvoller ist es, die Vorteile des Amtes herauszustellen. Schiedsrichter treffen Entscheidungen, übernehmen Verantwortung und lernen, auch unter Druck ruhig zu bleiben. Das stärkt Selbstbewusstsein, Entscheidungsfähigkeit und Durchsetzungsvermögen. Gleichzeitig bleiben sie sportlich aktiv und Teil der Fußballgemeinschaft.

Auch finanzielle Aspekte gehören dazu: Je nach Landesverband und Spielklasse erhalten Schiedsrichter eine Aufwandsentschädigung. Hinzu kommen weitere Vorteile, die das Amt attraktiv machen können.

Das Schiedsrichteramt sollte deshalb nicht als lästige Pflicht verkauft werden, sondern als Chance, sich persönlich und sportlich weiterzuentwickeln.

Der Verein muss den ersten Schritt erleichtern

Ist ein Interessent gefunden, darf die Unterstützung nicht bei einem Link zum Lehrgang enden.

Wer übernimmt die Lehrgangsgebühr? Wer besorgt die Erstausstattung? Wer erklärt dem Nachwuchsschiedsrichter, wie die ersten Einsätze ablaufen? Wer ist Ansprechpartner, wenn nach dem ersten Spiel Fragen oder Probleme auftauchen?

Genau hier kann der Verein zeigen, wie ernst er es mit der Nachwuchsgewinnung meint.

Ein erfahrener Schiedsrichter aus dem eigenen Klub kann den Nachwuchsreferee beispielsweise bei den ersten Einsätzen unterstützen, bei Fragen zur Verfügung stehen oder nach der Partie einfach nachfragen, wie es gelaufen ist.

Gerade der Anfang entscheidet häufig darüber, ob aus einem Lehrgangsteilnehmer ein langfristig aktiver Schiedsrichter wird.

Der Verein sollte in seine Schiedsrichter investieren

Wer neue Schiedsrichter gewinnen und dauerhaft halten möchte, muss auch bereit sein, in sie zu investieren.

Das beginnt bei einer einfachen, aber wichtigen Frage: Warum sollte ein Vereinsmitglied für seine Tätigkeit als Schiedsrichter auch noch Vereinsbeiträge bezahlen?

Aktive Schiedsrichter sollten deshalb nach Möglichkeit beitragsfrei gestellt werden. Schließlich übernehmen sie eine wichtige Aufgabe für den Verein und tragen mit ihren Einsätzen dazu bei, dass der Spielbetrieb überhaupt stattfinden kann.

Auch bei der Ausrüstung sollte der Verein seine Schiedsrichter nicht alleinlassen. Wer einen Jugendlichen oder Erwachsenen für das Amt gewinnt, sollte ihm die notwendige Grundausstattung kostenlos zur Verfügung stellen.

Dazu gehört aus unserer Sicht mindestens:

  • drei verschiedenfarbige Schiedsrichtertrikots
  • zwei Schiedsrichterhosen
  • ein Paar geeignete Schiedsrichterschuhe
  • Stutzen
  • Pfeife
  • Uhr
  • rote und gelbe Karten
  • Notizkarten bzw. Schreibutensilien
  • Funkfahnen, sofern diese für die jeweiligen Einsätze benötigt werden

Damit wird aus der Schiedsrichtergewinnung keine leere Werbeaktion, sondern ein konkretes Angebot: Der Verein unterstützt dich beim Einstieg und lässt dich mit der neuen Aufgabe nicht allein.

Gerade für junge Schiedsrichter kann das entscheidend sein. Wer zunächst mehrere hundert Euro für die notwendige Ausrüstung aufbringen muss, überlegt sich möglicherweise zweimal, ob er das Amt tatsächlich beginnen möchte.

Ein Verein, der dagegen sagt: „Wir brauchen dich – und wir statten dich dafür aus“, sendet ein völlig anderes Signal.

Wertschätzung darf nicht bei der Ausrüstung enden

Die Unterstützung sollte allerdings nicht mit der Übergabe der Sporttasche enden. Aktive Schiedsrichter sollten im Verein selbstverständlich behandelt werden wie andere Sportler auch.

Dazu gehören ein fester Ansprechpartner, Unterstützung bei organisatorischen Fragen und vor allem Anerkennung.

Ein neuer Schiedsrichter sollte wissen, dass er sich bei Problemen an jemanden wenden kann. Nach einem Spiel sollte nicht nur das Ergebnis interessieren, sondern auch die Frage, wie der Schiedsrichter seinen Einsatz erlebt hat.

Denn Schiedsrichtergewinnung bedeutet nicht nur, Menschen für einen Lehrgang zu finden. Entscheidend ist, aus einem Lehrgangsteilnehmer einen dauerhaft aktiven Schiedsrichter zu machen.

Und dafür muss der Verein zeigen, dass ihm seine Unparteiischen tatsächlich etwas wert sind.

Ein Ansprechpartner im Verein

Eine besonders sinnvolle Maßnahme ist deshalb ein Vereinsschiedsrichterbeauftragter.

Eine feste Person kümmert sich um die Schiedsrichter im Verein, hält Kontakt zum zuständigen Kreis oder Verband, kennt die Ausbildungstermine und steht den eigenen Unparteiischen als Ansprechpartner zur Verfügung.

Das muss kein zusätzlicher großer Posten sein. In vielen Vereinen kann diese Aufgabe ein engagierter Schiedsrichter, Jugendleiter, Trainer oder Vorstandsmitglied übernehmen.

Wichtig ist vor allem: Jemand muss verantwortlich sein.

Denn wenn sich niemand zuständig fühlt, besteht die Gefahr, dass Informationen verloren gehen, Termine übersehen werden und neue Schiedsrichter mit ihren Fragen alleinbleiben.

Schiedsrichter sind Vereinsmitglieder – keine Pflichtnummern

Noch wichtiger als jede Werbeaktion ist allerdings die Atmosphäre im Verein.

Ein Nachwuchsschiedsrichter darf nicht das Gefühl bekommen, nur deshalb interessant zu sein, weil er das Schiedsrichtersoll erfüllt. Er ist Vereinsmitglied und sollte auch so behandelt werden.

Dazu gehört, dass seine Leistungen anerkannt werden. Ein Foto auf der Vereinsseite, eine Vorstellung des neuen Schiedsrichters oder ein kurzer Bericht über seinen ersten Einsatz kosten wenig, senden aber ein wichtiges Signal.

Wer Schiedsrichter nur dann wahrnimmt, wenn er sie für das Schiedsrichtersoll braucht, darf sich nicht wundern, wenn sie sich irgendwann einen anderen Verein suchen.

Auch die eigenen Spieler sind mögliche Schiedsrichter

Ein besonders großes Potenzial liegt im Nachwuchs.

Warum nicht einmal eine Trainingseinheit nutzen und den Spielern erklären, wie ein Schiedsrichter arbeitet? Oder einen Perspektivwechsel organisieren, bei dem Spieler selbst Entscheidungen treffen müssen?

Ein erfahrener Schiedsrichter kann dabei erklären, warum eine Entscheidung getroffen wurde, wie schwierig bestimmte Situationen in Echtzeit zu beurteilen sind und welche Verantwortung ein Unparteiischer übernimmt.

Wer versteht, wie schwierig das Amt ist, entwickelt häufig auch mehr Respekt vor denjenigen, die es ausüben.

Gerade für junge Spieler kann daraus mehr entstehen: Interesse daran, selbst einmal die Pfeife in die Hand zu nehmen.

Vereine können eigene Aktionen starten

Es braucht nicht immer eine große Kampagne.

Ein Verein könnte beispielsweise einen „Schiedsrichter des Monats“ vorstellen, einen erfahrenen Unparteiischen aus den eigenen Reihen zu einer Jugendmannschaft einladen oder einen ehemaligen Spieler porträtieren, der inzwischen als Schiedsrichter aktiv ist.

Auch ein Schnuppertraining ist denkbar: Interessierte können sich mit einem erfahrenen Schiedsrichter treffen, Fragen stellen und vielleicht bei einem Jugendspiel zuschauen.

Entscheidend ist nicht die Größe der Aktion, sondern die persönliche Ansprache.

Ein Gespräch mit einem Schiedsrichter, der glaubwürdig über seine Erfahrungen berichtet, kann mehr bewirken als ein Dutzend Plakate.

Der wichtigste Punkt: Nachwuchs nicht allein lassen

Neue Schiedsrichter zu gewinnen ist nur die halbe Aufgabe. Sie zu halten, ist mindestens genauso wichtig.

Gerade die ersten Spiele können eine große Herausforderung sein. Der neue Unparteiische muss sich an die Rolle gewöhnen, Entscheidungen treffen und mit Fehlern umgehen lernen. Kritik von außen gehört leider ebenfalls zur Realität des Amtes.

Deshalb ist Unterstützung gerade in dieser Phase wichtig.

Auch Vereine können ihren Teil dazu beitragen.

Nach dem ersten Spiel reicht manchmal schon eine einfache Frage:

„Wie ist es gelaufen?“

Und wenn die Antwort lautet „nicht so gut“, sollte die Reaktion nicht lauten: „Dann weißt du ja jetzt, was du besser machen musst.“

Sondern:

„Was können wir tun, damit dein nächstes Spiel besser läuft?“

Das ist gelebte Wertschätzung.

Zehn Dinge, die jeder Verein sofort umsetzen kann

  1. Einen Schiedsrichterbeauftragten benennen.
  2. Regelmäßige Schiedsrichter-Workshops im Verein anbieten.
  3. Gezielt Spieler, Eltern und Vereinsmitglieder ansprechen.
  4. Neulingslehrgänge bekannt machen und Interessierte bei der Anmeldung unterstützen.
  5. Aktive Schiedsrichter beitragsfrei stellen und die notwendige Ausrüstung kostenlos bereitstellen.
  6. Neue Schiedsrichter auf der Vereinsseite und in den sozialen Medien vorstellen.
  7. Einen erfahrenen Ansprechpartner für die ersten Einsätze bereitstellen.
  8. Jugendspieler frühzeitig für das Schiedsrichteramt begeistern.
  9. Nach jedem Einsatz Interesse zeigen und Wertschätzung vermitteln.
  10. Schiedsrichter nicht als Sollzahl betrachten, sondern als wichtigen Teil des Vereins.

Jeder Verein kann etwas tun

Der Schiedsrichtermangel wird sich nicht durch eine einzelne Kampagne lösen lassen. Aber jeder Verein kann einen Beitrag leisten.

Die Verbände können Lehrgänge organisieren, Ausbilder bereitstellen und Rahmenbedingungen schaffen. Die Vereine aber haben den direkten Zugang zu den Menschen, die sie für das Amt gewinnen wollen.

Die eigentliche Arbeit beginnt deshalb vor Ort: beim Trainer, beim Jugendleiter, beim Vereinsvorstand und bei jedem einzelnen Vereinsmitglied.

Es geht nicht nur um die Frage:

„Wie bekommen wir unseren nächsten Schiedsrichter?“

Die bessere Frage lautet:

„Was können wir als Verein tun, damit jemand gerne Schiedsrichter wird – und auch nach seinem ersten Spiel noch gerne einer ist?“

Denn genau dort beginnt nachhaltige Nachwuchsarbeit.

Und vielleicht braucht es dafür manchmal gar keine große Kampagne. Vielleicht reicht zunächst ein Vereinsmitglied, das einen Jugendlichen anspricht, ein Schiedsrichter, der seine Erfahrungen weitergibt, ein Verein, der die Ausrüstung bezahlt – und vor allem die klare Botschaft:

Wir brauchen dich. Wir unterstützen dich. Und wir stehen hinter dir.

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