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Schiedsrichterschutz beginnt beim Verein: Ein gut organisierter Ordnungsdienst kann helfen, Konflikte frühzeitig zu erkennen und Eskalationen zu verhindern.

Schiedsrichterschutz beginnt beim Verein

Angriffe auf Schiedsrichter sorgen immer wieder für Aufregung. Doch Gewaltprävention beginnt nicht erst bei der Bestrafung eines Täters. Vereine und Verbände tragen Verantwortung dafür, dass Unparteiische sicher ihrem Ehrenamt nachgehen können.

Die Angriffe auf Schiedsrichter reißen nicht ab. Zuletzt sorgte ein Vorfall in Lübeck für Aufregung: Nach einem Spiel wurde der Unparteiische von einem Zuschauer bespuckt und geschubst. Er musste sich anschließend in Sicherheit bringen.

Die Zahlen des DFB zeigen zugleich, dass Gewalt im Amateurfußball zwar nicht an der Tagesordnung ist, aber dennoch ein ernstes Problem bleibt. In der Saison 2024/25 wurde bei 3.494 Spielen ein Gewaltvorfall erfasst. Bei rund 1,45 Millionen Spielen entspricht das statistisch etwa einem Gewaltvorfall bei jedem 415. Spiel. 829 Spiele mussten wegen Gewalt- oder Diskriminierungsvorfällen abgebrochen werden.

Hinter jeder einzelnen Zahl steht jedoch ein realer Vorfall – und nicht selten ein Schiedsrichter, der anschließend überlegt, ob er sich das Ehrenamt noch einmal antun möchte.

Solche Vorfälle werfen immer wieder die Frage auf: Was können Vereine eigentlich tun, damit es gar nicht erst so weit kommt?

Die Antwort lautet: eine ganze Menge.

Schiedsrichterschutz beginnt beim Verein

Schiedsrichterschutz beginnt nicht erst dann, wenn ein Zuschauer auf den Platz läuft. Er beginnt bereits vor dem Anpfiff – mit einer klaren Organisation und der eindeutigen Haltung des Vereins.

Ein gutes Beispiel dafür liefert der Fußballosten. Dort gibt es eine verbindliche Ordnerpflicht. Bei Spielen müssen drei Ordner gestellt werden. Der Leiter des Ordnungsdienstes wird im Spielbericht vermerkt. Zusätzlich muss dem Schiedsrichter ein Ordnerbuch mit den eingesetzten Ordnern zur Unterschrift vorgelegt werden.

Die Ordner müssen eindeutig gekennzeichnet sein und ihre Aufgaben kennen. Dazu gehört unter anderem, darauf zu achten, dass sich Zuschauer ausschließlich in den dafür vorgesehenen und abgesperrten Bereichen hinter der Barriere aufhalten. Sie haben die Einhaltung der Stadionordnung durchzusetzen und bei Verstößen einzuschreiten.

Das klingt zunächst nach Bürokratie. Tatsächlich steckt dahinter aber ein wichtiger Gedanke: Ordnung und Sicherheit dürfen nicht dem Zufall überlassen werden.

Ein Ordner sollte nicht erst aktiv werden, wenn die Situation bereits eskaliert. Er muss wissen, wer er ist, welche Aufgaben er hat und wann er eingreifen muss. Vor allem braucht er die Rückendeckung seines Vereins.

Denn was passiert häufig? Zuschauer beschimpfen den Schiedsrichter, Spieler reklamieren jede Entscheidung, Trainer springen auf und irgendwann steigt die Stimmung auf der Tribüne. Wenn niemand gegensteuert, kann aus verbaler Aggression schnell eine gefährliche Situation werden.

Hier tragen die Vereine eine besondere Verantwortung.

Sie sollten ihren Ordnungsdienst nicht als lästige Pflicht verstehen, sondern als wichtigen Bestandteil des Sicherheitskonzepts. Dazu gehört auch, dass die Ordner nach dem Abpfiff präsent bleiben. Gerade wenn ein Spiel emotional aufgeladen war, darf der Unparteiische nicht allein den Weg in seine Kabine antreten müssen.

Ebenso wichtig ist eine klare Ansage des Vereins an seine Zuschauer: Der Schiedsrichter ist kein Gegner. Fehler gehören zum Fußball. Beleidigungen, Bedrohungen oder körperliche Angriffe gehören nicht dazu.

Und genau hier beginnt Prävention.

Wenn ein Verein bereits bei den ersten Anzeichen von Aggression deutlich macht, dass eine Grenze überschritten wurde, muss es im Idealfall gar nicht erst zur Eskalation kommen. Wer dagegen wegschaut, vermittelt den Eindruck, dass aggressives Verhalten geduldet wird.

Der Schiedsrichtermangel wird seit Jahren beklagt. Gleichzeitig werden diejenigen, die sich Wochenende für Wochenende auf den Platz stellen, immer wieder beschimpft, bedroht oder sogar angegriffen.

Wer Schiedsrichter gewinnen und halten will, muss ihnen auch ein Umfeld bieten, in dem sie ihren Sport sicher ausüben können.

Doch auch die Verbände sind gefordert

Die Verantwortung endet allerdings nicht beim Verein. Auch die Fußballverbände müssen sich fragen lassen, ob ihre Maßnahmen ausreichen und ob Verstöße gegen Schiedsrichter konsequent genug geahndet werden.

Bereits beim Schiedsrichterstreik 2024 wurde deutlich gemacht, dass sich etwas ändern muss. Damals wurden unter anderem deutlich höhere und spürbare Strafen gefordert. Denn eine Sanktion erfüllt ihren Zweck nur dann, wenn sie auch eine abschreckende Wirkung entfaltet.

Seitdem haben DFB und Landesverbände verschiedene Maßnahmen auf den Weg gebracht. Dazu gehören das DFB-STOPP-Konzept, die Kapitänsregelung, Schulungen für Vereine, sogenannte „Kümmerer“ als Ansprechpartner für Schiedsrichter sowie die konsequente Unterstützung bei strafrechtlich relevanten Vorfällen.

Doch zwischen einer Ankündigung und ihrer Umsetzung liegt manchmal ein weiter Weg.

Ein Beispiel ist der Fußball-Verband Mittelrhein. Dort wurde bereits 2024 ein Deeskalationstraining für Schiedsrichter pilotweise durchgeführt. Lehrpersonen aus weiteren Kreisen nahmen daran als Multiplikatoren teil. Ziel war ausdrücklich, dass künftig in allen neun FVM-Kreisen entsprechende Trainings angeboten und durchgeführt werden können.

Die Frage muss deshalb erlaubt sein: Wie flächendeckend sind solche Angebote inzwischen tatsächlich angekommen?

Prävention darf nicht nur auf dem Papier stattfinden. Wenn Deeskalationstrainings als sinnvolles Instrument erkannt werden, müssen sie auch dauerhaft und möglichst flächendeckend angeboten werden. Schiedsrichter müssen wissen, wie sie in einer eskalierenden Situation reagieren können und vor allem, wie sie sich selbst schützen.

Auch der DFB hat bereits 2023 darauf hingewiesen, dass Deeskalationstrainings für Schiedsrichter als Pilotprojekt geprüft und über die Landesverbände in die Fläche gebracht werden sollten.

Genauso wichtig ist die sportrechtliche Konsequenz.

Wer einen Schiedsrichter beleidigt, bedroht oder körperlich angreift, muss mit einer Sanktion rechnen, die deutlich macht: Diese Grenze ist überschritten.

Dabei sollte es keinen Unterschied machen, ob der Täter Spieler, Trainer, Vereinsverantwortlicher oder Zuschauer ist. Der Fußball muss deutlich machen, dass Gewalt gegen Schiedsrichter nicht als „Ausraster“ abgetan werden darf.

Dabei geht es nicht darum, nach jedem Vorfall reflexartig nach immer härteren Strafen zu rufen. Es geht um spürbare, nachvollziehbare und konsequente Sanktionen. Und um die Frage, ob die bestehenden Strafen tatsächlich die gewünschte Wirkung erzielen.

Der DFB selbst hat bereits erklärt, dass über die sportrechtliche Bestrafung hinaus auch strafrechtliche Anzeigen bei entsprechenden Vorfällen eine Rolle spielen müssen.

Eine gemeinsame Verantwortung

Der Schiedsrichtermangel lässt sich nicht beklagen und gleichzeitig akzeptieren, dass diejenigen, die das Ehrenamt ausüben, immer wieder zur Zielscheibe werden.

Vereine müssen für Ordnung und Sicherheit sorgen. Die Verbände müssen für klare Regeln, konsequente Sanktionen und funktionierende Präventionsangebote sorgen.

Beides gehört zusammen.

Denn Schiedsrichterschutz ist keine Aufgabe, die man einfach an den Unparteiischen delegieren kann.

Schiedsrichterschutz beginnt beim Verein – und endet nicht beim Verband.

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