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Schiedsrichter Espen Eskas zeigte bei einer strittigen Elfer-Entscheidung auf den Punkt.

Galatasaray wütend auf Eskas – Rot und Elfmeter sorgen für Diskussionen

Nach der 1:3-Niederlage zum Champions League-Auftakt gegen Sporting Lissabon richtet sich der Zorn Galatasarays gegen Schiedsrichter Espen Eskas. Trainer Okan Buruk wirft dem Norweger vor, mit seinen Entscheidungen maßgeblich ins Spiel eingegriffen zu haben. Im Mittelpunkt stehen ein mögliches Rot-Foul und ein höchst umstrittener Elfmeter. Doch wie falsch lag Eskas tatsächlich?

(Artikel aktualisiert am 10. September 12:40 Uhr)

„Der Schiedsrichter hat ganz klar ins Spiel eingegriffen, mit vielen klaren nicht gegebenen roten Karten und einem Elfmeter, der nicht existierte“, lautete das vernichtende Urteil von Okan Buruk nach Spielschluss gegenüber TRT Spor.

Eskas und der Galatasaray-Trainer dürften nach diesem Mittwochabend jedenfalls keine Freunde mehr werden. Dabei hatten die Istanbuler die Partie furios begonnen und Möglichkeiten auf eine höhere Führung ausgelassen. Anschließend rückte jedoch zunehmend das Schiedsrichterteam in den Mittelpunkt.

Hoher Treffer gegen Batrakov: Warum greift der VAR hier nicht ein?

Hohes gestreckten Bein in den Bauch des Gegners wurde nur mit Gelb geahndet. Eine klare Fehlentscheidung.

Bereits in der 22. Minute gab es die erste große Schlüsselszene. Altimira verschätzte sich bei einem hohen Ball und traf Batrakov mit sehr hohem Bein und offener Sohle im Körperbereich. Espen Eskas entschied lediglich auf Gelb – VAR Christian Dingert griff nicht ein.

Je häufiger man sich die Szene anschaut, desto schwerer fällt es, den ausgebliebenen VAR-Eingriff nachzuvollziehen. Der Trefferpunkt ist enorm hoch, die Stollen sind offen in Richtung des Gegners gerichtet und das Einsteigen birgt ein erhebliches Verletzungsrisiko. Für eine Rote Karte wegen schweren Foulspiels ist dabei keine Absicht erforderlich. Entscheidend ist insbesondere, ob durch die Art des Einsteigens die Sicherheit des Gegenspielers gefährdet wird.

Für uns sprechen die Bilder deshalb deutlich eher für Rot. Natürlich darf ein einzelnes Standbild niemals die alleinige Grundlage für die Bewertung einer solchen Szene sein. Entscheidend sind immer auch Dynamik, Intensität und der gesamte Bewegungsablauf. Doch auch unter Berücksichtigung dieser Kriterien stellt sich hier die Frage, weshalb Dingert Eskas nicht zumindest einen On-Field-Review empfohlen hat.

Denn die hohe Eingriffsschwelle des VAR bedeutet nicht, dass eine einmal ausgesprochene Gelbe Karte praktisch unangreifbar ist. Kommt der Video-Assistent zu dem Ergebnis, dass die Aktion als schweres Foulspiel und damit mit Rot zu bewerten ist, kann und soll er eingreifen.

Genau deshalb bleibt für uns die entscheidende Frage: Wenn ein Treffer mit offener Sohle in dieser Höhe und mit entsprechendem Verletzungsrisiko nicht für einen VAR-Eingriff ausreicht – wann sprechen wir dann von einer klaren und offensichtlichen Fehlentscheidung?

Elfmeter für Sporting: Der Kontakt allein reicht nicht

Deutlich kritischer ist der gegebene Strafstoß nach Foul an Suarez.

Deutlich kritischer sehen wir dagegen die Elfmeterentscheidung in der 54. Minute. Luis Suárez ging an Çakır vorbei und anschließend im Duell mit Jakobs zu Boden. Eskas zeigte auf den Punkt.

In der Wiederholung ist zwar ein Kontakt zu erkennen – doch genau das allein beantwortet die Frage nach einem Foulspiel nicht.

Entscheidend ist vielmehr, wie dieser Kontakt entsteht. Jakobs macht aus unserer Sicht keine aktive Bewegung in Richtung des Angreifers. Im Gegenteil: Er versucht den Ball zu spielen und bekommt diesen offenbar sogar noch leicht. Suárez bewegt sein Bein anschließend in die Laufbahn beziehungsweise an die Wade des Verteidigers und kommt daraufhin zu Fall.

Das spricht für uns eher gegen einen Strafstoß.

Ein Kontakt ist zweifellos vorhanden. Fraglich ist allerdings, ob dieser überhaupt für ein strafbares Foulspiel ausreicht. Jakobs macht keine erkennbare Bewegung in Richtung Suárez, vielmehr entsteht der Kontakt maßgeblich durch den Laufweg des Angreifers. Deshalb wäre Weiterspielen für uns die bessere und letztlich richtige Entscheidung gewesen.

Ob der Strafstoß aufgrund des vorhandenen Kontakts allerdings auch als „klare und offensichtliche Fehlentscheidung“ im Sinne des VAR-Protokolls einzustufen ist, lässt sich nicht ebenso eindeutig beantworten. Genau das dürfte auch der Grund gewesen sein, weshalb VAR Christian Dingert Eskas nicht zum Monitor schickte. Einen On-Field-Review hätten wir dennoch für die bessere Lösung gehalten.

Nicht jede strittige Entscheidung ist ein VAR-Fehler

Damit muss man bei aller berechtigten Kritik an Eskas auch differenzieren. Bei beiden großen Szenen bewegen wir uns in Bereichen, in denen die Entscheidung des Schiedsrichters diskutiert werden kann.

Beim hohen Einsteigen gegen Batrakov hätten wir eher Rot gezeigt, Gelb ist aber noch argumentierbar. Beim Strafstoß sehen wir die Entscheidung deutlich kritischer und wären bei Weiterspielen geblieben.

Dass der VAR in beiden Fällen nicht eingriff, lässt sich dennoch mit der hohen Eingriffsschwelle erklären. Denn der Video-Assistent soll nicht entscheiden, welche von zwei möglichen Entscheidungen die bessere ist, sondern bei einer klaren und offensichtlichen Fehlentscheidung korrigieren.

Akgün: „Dann ist das Spiel aus dem Ruder gelaufen“

„Ich habe die Szene nicht komplett gesehen, aber man sagt, es sei keine richtige Entscheidung gewesen. Das Spiel ist dann etwas aus dem Ruder gelaufen“, erklärte Interimskapitän Yunus Akgün bei TRT Spor.

Deutlich weniger mit Eskas beschäftigen wollte sich dagegen 1:0-Torschütze Lucas Torreira: „Wir sollten uns nicht mit den Entscheidungen des Schiedsrichters aufhalten, sondern an den Dingen jetzt arbeiten, die wir verändern können.“

Fazit: Zwei Schlüsselszenen überschatten eine ansonsten gute Leistung

Galatasaray spielte insbesondere in der zweiten Halbzeit keinen guten Fußball. Die 1:3-Niederlage allein dem Schiedsrichter anzulasten, wäre deshalb deutlich zu einfach. Trotzdem dürfen auf der höchsten europäischen Bühne gerade bei spielentscheidenden Situationen solche Fehler eigentlich nicht passieren.

Abseits dieser beiden Szenen zeigte Espen Eskas aus unserer Sicht eine sehr gute Leistung. Er hatte die Partie im Griff, fand eine klare Linie und leitete das Spiel über weite Strecken souverän. Das große Problem: Ausgerechnet bei zwei der wichtigsten Entscheidungen des Spiels lag Eskas aus unserer Sicht daneben.

Beim Einsteigen gegen Batrakov sprechen die entscheidenden Kriterien für Rot; hier hätten wir zudem einen VAR-Eingriff erwartet. Beim Strafstoß wäre Weiterspielen für uns die richtige Entscheidung gewesen. Ob die Elfmeterentscheidung allerdings auch die hohe Schwelle einer „klaren und offensichtlichen Fehlentscheidung“ für einen zwingenden VAR-Eingriff erreicht, ist deutlich schwieriger zu beurteilen.

Eine über weite Strecken sehr gute Schiedsrichterleistung kann am Ende trotzdem von zwei Fehlentscheidungen überschattet werden – besonders dann, wenn es die beiden wichtigsten des Spiels sind.

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