Sven Jablonski und Bastian Dankert standen beim Champions League-Duell zwischen Barcelona und Feyenoord gleich mehrfach im Fokus. Zwei Elfmeterforderungen ließ Jablonski ungeahndet – aus unserer Sicht jeweils richtig. Während Dankert bei den Ermessensentscheidungen konsequent im Hintergrund blieb, musste er bei einem hauchdünnen Abseits eingreifen. Ein Abend, der ziemlich genau zeigte, wie sich die UEFA den VAR unter ihrer neuen Linie vorstellt.

In der 22. Minute blieb bei einem Zweikampf im Strafraum von Barcelona der Elfmeterpfiff von Sven Jablonski aus. Auch Video-Assistent Bastian Dankert griff nicht ein. Und ganz ehrlich: Für uns ist das die richtige Entscheidung.
Hadj Moussa schiebt sich zwischen zwei Verteidiger und zieht dabei sein Bein auffällig zurück, um den Kontakt herbeizuführen. Einen minimalen Kontakt gibt es zwar, doch der Angreifer sucht ihn aus unserer Sicht bewusst. Ein solcher Kontakt allein rechtfertigt keinen Strafstoß.
Und genau hier passt auch die neue UEFA-Linie von Roberto Rosetti. Die UEFA will wieder gute Entscheidungen auf dem Platz stärken. Der VAR soll nicht zu einem zweiten Schiedsrichter werden und bereits bei marginalen oder mikroskopischen Situationen eingreifen. Stattdessen soll der Feldschiedsrichter wieder im Zentrum stehen und der VAR nur bei klaren und offensichtlichen Fehlern eingreifen.
Hier weiterlesen: „Zurück zum ursprünglichen Fußball„
Auch in der Bundesliga hätte es für diese Szene weder einen Elfmeterpfiff noch einen VAR-Eingriff gegeben. Bereits zum Saisonstart war zu erkennen, dass die deutschen Video-Assistenten eine konsequente Linie verfolgen: Der VAR soll nicht bei jedem minimalen Kontakt eingreifen, sondern nur bei einem klaren und offensichtlichen Fehler. Damit passt die deutsche Linie auch zur aktuellen UEFA-Philosophie von Roberto Rosetti, die wieder stärker auf gute Entscheidungen auf dem Platz setzt.
„Es geht um klare und offensichtliche Fehlentscheidungen, nichts anderes“
so der 58-jährige Rosetti.
Genau das zeigt sich auch in dieser Szene. Jablonski hat die Situation aus kurzer Distanz bewertet und sich gegen einen Pfiff entschieden. Einen klaren und offensichtlichen Fehler konnte Bastian Dankert darin nicht erkennen. Ein VAR-Eingriff wäre daher weder nach der deutschen noch nach der aktuellen UEFA-Linie angebracht gewesen.
Für uns ist das deshalb auch kein grenzwertiger Einsatz, sondern kein Elfmeter. Hadj Moussa sucht den Kontakt aktiv und zieht sein Bein dafür zurück. Ein solcher Kontakt ist kein Grund für einen Strafstoß – erst recht nicht bei der sehr großzügigen Linie, die Sven Jablonski in diesem Spiel und auch sonst meist fährt.
Unabhängig von der deutschen Brille: Die Entscheidung ist für uns richtig. Der Angreifer provoziert den Kontakt, Jablonski lässt zu Recht weiterspielen und Dankert bleibt entsprechend seiner Aufgabe zurückhaltend. Genau darum geht es bei der neuen VAR-Linie: Nicht jede strittige Szene soll auf dem Bildschirm landen, sondern nur eine klare und offensichtliche Fehlentscheidung.

Auch auf der anderen Seite blieb Jablonski konsequent. In der 36. Minute ging Lamine Yamal im Strafraum zu Boden und forderte einen Elfmeter. Der Angreifer wurde zwar leicht am Oberkörper gehalten, ließ sich danach aber auch sehr leicht fallen. Für einen Strafstoß war das aus unserer Sicht zu wenig. Jablonski ließ folgerichtig weiterspielen, der VAR griff ebenfalls nicht ein.
Eine ähnliche Situation wie zuvor bei Hadj Moussa – nur diesmal auf der anderen Seite. Jablonski blieb seiner großzügigen Linie treu und ließ sich auch von Yamals Protesten nicht beeinflussen.
Millimeter-Abseits: Dankert nimmt Feyenoord-Treffer zurück

In der 59. Minute, beim Stand von 3:0, folgte das mit Abstand größte VAR-Thema des Spiels. Nacho Ferri traf für Feyenoord, doch der vermeintliche Anschlusstreffer wurde nach einer längeren Überprüfung wieder einkassiert. Der Grund: Gjivai Zechiël stand im Aufbau der Aktion hauchdünn im Abseits – das berühmte „Zehennagel-Abseits“.
Auf dem Platz war diese minimale Abseitsstellung mit bloßem Auge praktisch nicht zu erkennen. Hier kam die halbautomatische Abseitstechnologie zum Einsatz, mit deren Hilfe Video-Assistent Bastian Dankert die Position überprüfen konnte. Das Ergebnis war knapp, aber eindeutig: Abseits.
Anders als bei den beiden zuvor diskutierten Strafraumszenen gibt es bei einer solchen Abseitsposition keinen Ermessensspielraum. Abseits ist Abseits – egal, ob zehn Zentimeter oder nur wenige Millimeter fehlen. Dankert griff deshalb folgerichtig ein und der Treffer wurde zurückgenommen.
Genau dafür ist die Technik da: nicht um jeden leichten Kontakt im Strafraum noch einmal neu zu bewerten, sondern um faktische Entscheidungen zu korrigieren, die das Schiedsrichterteam auf dem Platz mit bloßem Auge kaum treffen kann.
Fazit
Unterm Strich zeigte Sven Jablonski eine sehr souveräne und großzügige Spielleitung. Besonders bei den beiden Strafraumszenen um Hadj Moussa und Lamine Yamal blieb er seiner Linie treu: Nicht jeder Kontakt ist automatisch ein Foul und schon gar kein Elfmeter. Beide Male ließ er weiterspielen – aus unserer Sicht jeweils die richtige Entscheidung.
Auch die Zusammenarbeit mit Bastian Dankert funktionierte weitgehend so, wie man sich den VAR eigentlich wünscht. Bei den bewertbaren Kontakten blieb der erfahrene Video-Assistent im Hintergrund und akzeptierte die Entscheidungen des Feldschiedsrichters. Beim vermeintlichen Feyenoord-Treffer musste er dagegen eingreifen. Der Ordnung halber gehört deshalb auch dazu: Die dritte Abseitsentscheidung des Abends war zunächst ein Fehler des Schiedsrichterteams, wohl des zuständigen Assistenten. Aufgrund der extrem knappen Abseitsstellung war dieser mit bloßem Auge allerdings kaum zu vermeiden. Dank der halbautomatischen Abseitserkennung konnte Dankert die Entscheidung anschließend korrigieren.
Und genau darin liegt letztlich der Unterschied: Zurückhaltung bei Ermessensentscheidungen, Eingriff bei einer nachweisbar falschen faktischen Entscheidung. Damit passte der Auftritt insgesamt sehr gut zu der Linie, die Roberto Rosetti für den VAR wieder stärker einfordert. Jablonski selbst überzeugte mit seiner klaren und großzügigen Spielleitung – und Dankert griff genau dort ein, wo seine Unterstützung tatsächlich erforderlich war.

Und genau dafür war das VAR ja auch gedacht. Und dann wurde es irgendwann nur kleinlich und n teilweise Suchspiel nach irgendwelchen Kontakten . So wird der VAR auch viel mehr akzeptiert werden.
Unsere internationalen Schiedsrichter sind hoch im Ansehen – zurecht wie sich wieder mal zeigt. Klasse Leistung vom Team Jablonski. Er ist nicht umsonst in der Kategorie Elite von der UEFA gelistet