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Bayern profitiert – Köln hadert wegen Abseits

In den beiden Bundesliga-Sonntagsspielen gab es heute große Aufregung, von denen die Bayern von einer hochumstrittenen roten Karte profitierte. In Köln wurde aus einem Handspiel eine äußerst knappe Abseitsposition.

1.FC Köln – RB Leipzig 1:2 (SR: Frank Willenborg)

Szene 1: RB Leipzig kriegte den Ball hinten nicht sauber weg, die Kugel landete bei Jan Thielmann, der aus 14 Metern halbrechter Position unhaltbar für Péter Gulácsi, den Ball ins rechte obere Ecke setzte. Leipzig reklamierte sofort ein Foul von Johannesson an Antonio Nusa in der Entstehung. Für mich ist der Einsatz nicht regelwidrig, da der Kölner seinen Arm angelegt (also nicht ausgefahren) hatte und den Ball mit der Schulter legal vorgelegt. Ein klassischer Schulter-Schulter-Kontakt im Kampf um den Ball, wie er in der Bundesliga erlaubt ist.

Szene 2: Christoph Baumgartner blockt einen starken Schuss von Jan Thielmann kurz vor der Linie erst mit dem Bein, dann springt ihm der Ball aber klar an den ausgestreckten Arm und verhindert fast sicher das 2:2. Der VAR checkte minutenlang: Schiri Frank Willenborg ging zum Bildschirm mit dem Ergebnis kein Elfmeter – weil in der Entstehung der Szene beim vorausgehenden Freistoß um Millimeter im Abseits mit der Hacke stand. Das Tor wurde also wegen vorherigem Abseits aberkannt. Wäre es kein Abseits gewesen, hätte es Handelfmeter und die rote Karte gegeben. 

Letztlich ist die Entscheidung regeltechnisch korrekt. David Raum (RB Leipzig) köpfte den Ball in der Defensive unter Druck in der Rückwärtsbewegung weg. Er hatte keinen festen Stand, sprang oder war im Fallen/ungleichgewichtig – klassische Situation, wo der Ball unkontrolliert geklärt wird.

Nach IFAB-Regel 11 (Abseits) gilt:

  • Bei einer kontrollierten Abwehr/Klärung durch den Gegner (z. B. gezielter Pass/Kopfball mit Absicht und Kontrolle) entsteht eine neue Spielsituation → Abseits wird neu bewertet (der Abseits stehende Spieler ist dann nicht mehr „aktiv“ betroffen, wenn er den Ball nicht berührt).
  • Bei unkontrollierter Abwehr (z. B. unglücklicher Abpraller, unkontrollierter Kopfball ohne Balance) bleibt die ursprüngliche Spielsituation bestehen → wenn ein Kölner (hier Sebastian Sebulonsen) hauchdünn im Abseits stand und den Ball dann bekam/berührte, zählt das Abseits weiter.

Szene 3: Sebastian Sebulonsen flankt scharf von der rechten Seite in den Strafraum. Die Flanke landete links im Sechzehner. El Mala zog direkt ab – guter Schuss, aber Ridle Baku (RB Leipzig) warf sich rein und blockt den Ball mit dem Arm.nKööln schreit sofort Handspiel! Doch ein Handspiel ist nur strafbar, wenn der Arm unnatürlich positioniert ist (z.B. ausgestreckt, Silhouette vergrößert) oder absichtlich den Ball spielt. Bei einem Block im Fallen/ im Zweikampf, wo der Arm nah am Körper ist, gilt es meist als natürliche Bewegung.

Baku hatte seinen Arm am Körper angelegt. Baku hat sich reingeworfen, der Arm ist eng am Körper (typisch für Abwehrblocks), der Ball prallt dran, aber kein ausgestreckter Arm, kein Vergrößern der Fläche. Das ist kein strafbares Handspiel, sondern ein legitimer Block.

FC Bayern München – TSG Hoffenheim 5:1 (SR: Tobias Stieler)

Szene 4: Die entscheidende Schlüsselszene des Bundesliga-Topspiels  war bereits nach reichlich einer Viertelstunde. Luis Díaz (Bayern) drang in den Strafraum ein, bekam den Ball und wurde von Akpoguma zu Fall gebracht – Stieler sah ein klares Haltevergehen. Er pfeift sofort Elfmeter (kein VAR-Check, da er live dabei war und sofort entschied) und zusätzlich Rote Karte für Akpoguma: weil es eine Notbremse war – Díaz hatte freie Bahn Richtung Tor, klare Torchance, und das Foul verhinderte diese. Stieler nannte es später „alternativlos“: „Ein Haltevergehen, das eine klare Torchance verhindert“ – er verzichtete auf VAR-Bilder, weil er sich sicher war. Für mich, wenn ich mir die Bilder anschaue, ziehen beide und Diaz fällt, der Elfmeter diskutabel und Rot für mich zu hart.

Es ist ein gegenseitiges Foul (Díaz initiiert den Fall durch Ziehen) und da soll es laut UEFA-Auslegung keine Elfmeter geben. Noch härter und umstritten ist die rote Karte. Regeltechnisch: Wenn Foul → DOGSO im Strafraum = Rot (außer echter Versuch, den Ball zu spielen ohne übermäßige Härte). Akpoguma wollte den Ball/den Mann spielen, aber der Arm war beim Halten im Spiel – Stieler sah verhinderte klare Torchance ohne Ballbezug. Für mich eine doppelte Fehlentscheidung zum Vorteil der Bayern.

Szene 5: Díaz zog links energisch in den Strafraum ein. Vladimír Coufal (Hoffenheim) versucht zu stoppen, ging im Fallen/ in den Zweikampf mit dem Arm ran und klemmt Díaz‘ Oberschenkel ein und brachte ihn so zu Fall. Schiri Tobias Stieler pfiff sofort Elfmeter. Wieder eine harte Entscheidung. Es ist kein hartes aber ein uncleveres Foul. Das klassifiziert sich regeltechnisch als Halte-/Zieh-Foul im Strafraum. Díaz war auf dem Weg zur Torchance, Coufal als Verteidiger letzter oder vorletzter Mann – aber da es im Strafraum war, nur Elfmeter, keine Rot.

Dieser Beitrag hat 9 Kommentare

  1. Dieter Albrecht

    Tobias Stieler sorgt immer wieder für umstrittene Situationen, macht sich seine Spiele mitunter selbst kaputt. Warum die Rote Karte gegen Hoffenheim? Der Strafstoß geht in Ordnung, wenn er es so gesehen hat. Gelb wäre dann vertretbar gewesen. Aber dazu noch der Platzverweis?
    Eine Notbremse innerhalb des Strafraums, wenige Meter vor den Tor, ist eine recht seltsame Argumentation. Mit dieser Entscheidung war das Spitzenspiel frühzeitig für den FC Bayern und gegen Hoffenheim entschieden.
    Schiedsrichter Stieler ist oft unberechenbar. Er sollte daran denken, Spiele zu leiten und nicht durch umstrittene Entscheidungen maßgeblich zu beeinflussen.

  2. Jürgen

    Bei Stieler ist zu bemängeln, dass er trotz direkter Entscheidung nicht auf VAR Hilfe setzt. Früher ohne VAR wäre es eine „normale“ Fehlentscheidung gewesen. Die SR sollten den VAR mehr für Ihre Entscheidungen nutzen.
    Obwohl ich mir hier eventuell selbst wiederspreche, sollte der VAR aber nicht dafür genutzt werden nicht gesehene Fehlentscheidungen nachträglich durch ein anderes Vergehen zu egalisieren. So gesehen hier beim Spiel Köln gegen Leipzig. Die Entscheidung ob der Ball kontrolliert oder unkontrolliert von Raum gespielt wurde ist das entscheidende, um im Anschluss eine Millimeterabseits Entscheidung zu legitimieren, um letztendlich eine klares Handspiel zur Verhinderung eines Tores (rote Karte und Elfmeter), welches nicht erkannt wurde, nicht zu geben zu müssen.
    Hier wird das grundsätzliche Problem des VAR sehr deutlich. Das offensichtliche Vergehen (Handspiel) wird durch eine ganze Kette von „Kann“ Entscheidungen im Ermessensspielraum des SR legalisiert. Das macht den VAR nicht mehr zum Verhinderer von klaren und offensichtlichen Fehlentscheidungen, sondern wird zur forensischen Spurensuche um die SR Entscheidung auf dem Feld zu stützen. Wirkt für die normalen Zuschauer äußerst Willkürlich im Vergleich zu Szenen wie bei Mainz 05, wo sich ebenfalls der VAR nicht einschaltet, um die SR Entscheidung nicht korrigieren zu müssen.
    Der VAR soll aber nicht das Alibi des SR sein, sondern soll eindeutig sichtbare Fehlentscheidungen korrigieren. Eine passive Abseitsstellung im Millimeterbereich, die dann noch fragwürdig nicht als passives Abseits gilt, gehört nicht dazu.

    1. G. Fuchs

      Guter Kommentar. Eine Ergänzung. Der VAR korrigiert jenseits von Abseitsentscheidungen/Torlinientechnik nicht zwangsläufig Fehlentscheidungen – ein von mir immer wieder angemerkter Kardinalfehler im Umgang/Einsatz des VAR jenseits der o.g. digitalen Entscheidungen. Letztes Paradebeispiel: Der nichtgegebene Elfmeter beim Spiel Frankfurt vs. Leverkusen, trotz korrekter Intervention des VAR. Ich vertrete die „Teamthese“, wie auch in anderen Teamsportarten (Handball, Basketball, Football etc.): Nicht der eine Herrgott (das steigt zu Kopf), sondern Teamentscheidungen. Das könnte man beim Thema VAR mal testen: Aufwertung, da Stimmrecht es VAR bei der Entscheidungsfindung (dann könnte auch die Idee der Praktiker im Keller funktionieren), dazu die Stimme des SR und bspw. des 4. Offiziellen (natürlich nicht per öffentlichem „Voting“). Jetzt werden einige laut brüllen i.S.v. „Haben wir ja noch nie so gemacht“ oder das schwächt die Akzeptanz des SR. Das Gegenteil ist der Fall: gut Entscheidungen stärken das System SR – alles andere ist reines Egoshooting der betroffenen, die Macht, Glanz, Glorie und vielleicht dann auch zukünftig etwas Geld verlieren. Dazu noch die Challenge packen. Und dann mal gerne im Sinne eines A/B-Tests in einer Liga parallel zum jetzigen System laufen lassen. Dann geht’s auch aus dem „Jedem seine Meinung Spektrum“ in den Feldtest. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dies insgesamt bessere Entscheidungen bring – nur das bringt, solange es einen VAR gibt, Akzeptanz.

  3. Abdullah

    Der Videoschiedsrichter ist ein Ärgernis von Beginn an. Es geht nicht darum klare Fehlentscheidungen zu verhindern, sondern Detektiv zu spielen. Eine Abseitsentscheidung im Millimeterbereich kann mit der halb automatischen Technik nie korrekt bewertet werden. Dazu die absurde Aussage von Marco Fritz, dass Raum den Ball nicht kontrolliert und absichtlich gespielt hat. Die ganze DFB Schiri Gilde ist erbärmlich und gehört ausgetauscht. Genau wie die Hälfte der Bundesliga Schiedsrichter die nachhaltig ihre Qualität nicht bewiesen haben. Der VAR gehört abgeschafft, da dort eh nur abgehalfterte Exschiris ihr Gnadenbrot fristen. Dazu gehört endlich eine öffentliche Leistungstabelle mit Auf- und Abstiegen her.

    1. Dieter Albrecht

      Abdullah: Mal wieder richtig einen rausgehauen. Alles ist schlecht. So kommen wir auch nicht weiter. Zu Urs Meier: Der ist nicht einmal im eigenen Land zum Zuge gekommen. Was soll das?

      1. Abdullah

        Stimmt so wie es jetzt ist kommen wir weiter… VAR funktioniert nicht. Schiris treffen teilweise absurde Entscheidungen. Leistungsgedanke ist auch verpönt. Alles perfekt. Jede Woche machen sich die Schiris zum Gespött. Mittlerweile ist man schon froh, wenn einer ein Spiel ohne größere Fehlentscheidung über die Bühne bekommt

  4. Stephan

    Diese rote Karte ist ein Witz, denn das war aus dem Winkel noch nicht einmal eine eindeutige Torchance und auch der Hoffenheimer Abwehrspieler war keinesfalls letzter Mann. Und was soll die Erläuterung des Schiedsrichters, der Bayern-Spieler würde ja keine Elfmeter schießen. Eine hanebüchende Entscheidung. Schade, dass die Schiedsrichter immer schlechter werden und leider auch Bayern immer wieder bevorzugen – aus welchen Gründen auch immer, vielleicht haben sie alle früher in entsprechender Bettwäsche geschlafen …

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