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Fairplay statt Elfmeter: Tobias Schulte korrigierte den Schiedsrichter und verzichtete damit auf die große Chance zum 3:3. (Foto: Symbolbild/KI-generiert)

Fairplay statt Ausgleich: Schulte korrigiert Schiedsrichter bei Elfmeter

Es hätte der Moment zum 3:3 sein können. Doch statt einen möglicherweise spielentscheidenden Elfmeter anzunehmen, korrigierte Tobias Schulte vom SuS Scheidingen den Schiedsrichter – und erklärte offen, dass er gar nicht gefoult worden war. Eine bemerkenswerte Fairplay-Aktion in der Kreisliga A, die sportlich allerdings Folgen hatte.

Beim Auswärtsspiel des SuS Scheidingen gegen den SC Lippetal sah zunächst alles nach einem deutlichen Nachmittag für die Gastgeber aus. Scheidingen lag bereits mit 0:3 zurück, kämpfte sich jedoch auf 2:3 heran. Und in der 50. Minute schien plötzlich sogar der Ausgleich zum Greifen nah.

Schiedsrichter Taha Omar zeigte auf den Elfmeterpunkt. Nach seiner Wahrnehmung war Tobias Schulte im Strafraum zu Fall gebracht worden. Beim SC Lippetal sorgte die Entscheidung dagegen sofort für heftige Proteste.

Doch ausgerechnet der vermeintlich Gefoulte hatte Zweifel.

„Ich wurde in den Strafraum geschickt, bin an der linken äußeren Ecke reingelaufen und wollte den Ball rübergrätschen“, schilderte Schulte die Szene später. Beide Spieler seien zum Ball gegrätscht. „Das war wie ein Pressschlag als Grätsche.“

„Nein, er trifft mich nicht“

Während sich ein Scheidinger Spieler bereits den Ball für den Strafstoß zurechtlegte, sagte Schulte zunächst eher beiläufig, dass er selbst nicht glaube, dass es ein Elfmeter gewesen sei. Die Spieler des SC Lippetal bekamen das mit – und machten den Schiedsrichter darauf aufmerksam.

Omar fragte schließlich Schulte selbst.

Und der hätte es sich einfach machen können. Schließlich bot sich seinem Team nach einem 0:3-Rückstand die große Chance auf den Ausgleich. Stattdessen antwortete er ehrlich: „Nein, er trifft mich nicht. Das war kein Foul.“

Der Schiedsrichter nahm seine Entscheidung daraufhin zurück. Kein Elfmeter, kein möglicher Ausgleich.

Am Ende verlor Scheidingen die torreiche Partie mit 4:6.

Fairplay mit sportlichen Folgen

Dass die Szene möglicherweise Einfluss auf den weiteren Spielverlauf hatte, verschweigt Schulte nicht. „Wenn das 3:3 fällt, wäre es anders ausgegangen“, sagte er im Nachhinein. Die Situation habe seine Mannschaft beschäftigt und ihr ein Stück weit das Momentum genommen.

Auch innerhalb des eigenen Teams wurde seine Ehrlichkeit durchaus kontrovers aufgenommen. Sinngemäß musste sich Schulte anhören, warum man ein solches „Geschenk des Schiris“ nicht einfach annehme – und ob der Gegner in einer vergleichbaren Situation genauso gehandelt hätte.

Trainer Tim Brans bewertete die Entscheidung seines Spielers dagegen eindeutig und sprach von einer „schönen Fairplay-Aktion“.

„Wenn ich gefragt werde, will ich ehrlich sein“

Schulte selbst macht aus der Geschichte keine große Sache.

„Das war eine Fehlentscheidung. Im Endeffekt ist es Fußball, aber mehr auch nicht. Wenn ich gefragt werde, will ich auch ehrlich sein“, erklärte er. Für ihn sei das „eigentlich keine Riesennummer“.

Vielleicht macht gerade diese Selbstverständlichkeit die Szene so bemerkenswert.

Denn es ging nicht um einen Elfmeter beim Stand von 5:0. Scheidingen war nach einem 0:3 gerade wieder zurück im Spiel. Das mögliche 3:3 lag auf dem Elfmeterpunkt bereit. Schulte hätte schweigen können – und wohl niemand aus seiner Mannschaft hätte es ihm übel genommen.

Er tat es nicht.

Dabei spielte auch ein Gespräch mit seiner Frau am Morgen des Spieltags eine Rolle. Fußball nehme teilweise zu viel Raum ein und er selbst mache sich zu großen Druck. Ihre Botschaft sei deshalb einfach gewesen: „Fahr hin, hab Spaß und dann ist gut.“

Auch sein christlicher Glaube prägt diese Haltung. „Ich will mit meinen Jungs eine gute Zeit haben. Mein Wert hängt nicht von der Leistung ab.“

Am Ende steht deshalb zwar eine 4:6-Niederlage für den SuS Scheidingen in der Tabelle. In Erinnerung bleiben dürfte aber vor allem eine Szene, die zeigt, dass Fairplay eben dann besonders viel wert ist, wenn man selbst etwas zu verlieren hat.

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