Du betrachtest gerade Oldhafer überzeugt – Bacher übersieht Strafstoß: Die Auswertung des Spieltags
Konrad Oldhafer – Schiedsrichter des Spieltags (Foto: IMAGO / Zink')

Oldhafer überzeugt – Bacher übersieht Strafstoß: Die Auswertung des Spieltags

Licht und Schatten am 4. Spieltag der 2. Bundesliga: Konrad Oldhafer überzeugt mit einer starken Gesamtleistung und setzt sich an die Spitze unseres Schiedsrichter-Checks. Dahinter folgen Felix Prigan und Wolfgang Haslberger, während andere Unparteiische mit strittigen Entscheidungen für Diskussionen sorgten.

Der 4. Spieltag der 2. Bundesliga bot aus Schiedsrichtersicht ein Wochenende mit Licht und Schatten. Bei Hertha BSC gegen den 1. FC Magdeburg stand Dr. Florian Exner mehrfach im Mittelpunkt. Vor allem die Gelb-Rote Karte gegen Paul Seguin sorgte für Diskussionen und wirkte zumindest hart. Zudem musste ein vermeintlicher Magdeburger Treffer nach VAR-Eingriff wegen einer Abseitsstellung zurückgenommen werden.

Auch Tom Bauer hatte bei Hannover 96 gegen den Karlsruher SC eine strittige Szene zu bewerten. In der 43. Minute kam KSC-Stürmer Shio Fukuda nach einem Kontakt mit Hannovers Torwart Leo Weinkauf im Strafraum zu Fall. Bauer entschied auf Stürmerfoul und gegen einen Strafstoß, der VAR bestätigte die Entscheidung. Aus unserer Sicht wäre ein Elfmeter allerdings durchaus vertretbar gewesen. Weil Weinkauf den Ball nicht mehr spielte und stattdessen Fukuda am Fuß traf, bleibt die Szene zumindest diskutabel.

Dem gegenüber stehen einige sehr starke Auftritte, bei denen die Unparteiischen auch in schwierigen Situationen die richtige Lösung fanden. Drei Leistungen stechen dabei besonders hervor und bilden unsere Top 3 des Spieltags:

1 – Konrad Oldhafer

Auf dem ersten Platz steht diesmal Konrad Oldhafer, der seine Partie zwischen Fürth und Heidenheim (0:1) mit einer insgesamt sehr guten und unaufgeregten Leistung leitete. Der 30-Jährige gewährte den Spielern eine großzügige Linie und trug damit zu einem flüssigen Spiel bei.

Dabei fiel Oldhafer auch auf einige Spieler, die es mit dem Fallen durchaus versuchten, nicht herein und blieb seiner Linie konsequent treu. Besonders deutlich wurde das bei der Szene zwischen Busch und Sillah. Busch klärte mit vollem Risiko und traf den Gegenspieler dabei allenfalls minimal am Fuß. Sillah ging daraufhin zu Boden und hielt sich anschließend auffällig das Schienbein. Für uns reichte dieser Kontakt nicht für einen Strafstoß – Oldhafer lag mit seiner Entscheidung, weiterspielen zu lassen, richtig.

Auch wenn Oldhafer bei der Zweikampfbewertung vereinzelt danebenlag, blieb die Leistung insgesamt auf einem guten Niveau. Größere Fehler blieben aus, die Spielleitung wirkte souverän und die großzügige Linie war über weite Strecken nachvollziehbar.

Damit geht Platz eins an Konrad Oldhafer, der an diesem Spieltag aus unserer Sicht die überzeugendste Gesamtleistung zeigte. (Note: 8,5/10 → 1,0 (sehr gut)
[TV-Bilder]

2 – Felix Prigan

Auf dem zweiten Platz steht Felix Prigan aus Deizisau, der am Freitagabend die Partie zwischen Arminia Bielefeld und dem FC St. Pauli leitete. Der 27-Jährige überzeugte auf der Bielefelder Alm vor allem mit einer konsequenten und nachvollziehbaren Zweikampfbewertung.

Besonders wichtig war die Szene kurz vor der Halbzeit. Beim vermeintlichen 2:1 für Bielefeld erkannte Prigan das Foulspiel von Momuluh an Mathisen und lag mit der Aberkennung des Treffers richtig.

Auch sein Assistent Michael Näther bewies mehrfach einen hervorragenden Blick für knappe Situationen. Beim Ausgleich durch Ceesay stand der St.-Pauli-Stürmer beim Abspiel nur hauchdünn nicht im Abseits. Näther ließ deshalb zu Recht weiterspielen. Ebenso korrekt war seine Entscheidung beim 1:0: Obwohl sich ein Bielefelder Spieler in einer vermeintlichen Abseitsposition befand, konnte der Treffer nicht wegen Abseits zurückgenommen werden, da die Situation aus einem Abstoß entstand.

Der kicker bewertete Prigans Leistung deutlich kritischer. Diese Einschätzung teilen wir nicht, auch wenn selbstverständlich andere Meinungen zulässig sind. Gerade die engen Abseitsentscheidungen zeigen, wie aufmerksam das Schiedsrichterteam agierte. Hinzu kam die korrekte Aberkennung des Bielefelder Treffers wegen eines Offensivfouls.

Auch wenn nicht jede Entscheidung unumstritten war, rechtfertigt der Gesamtauftritt aus unserer Sicht keine derart kritische Bewertung. Prigan und sein Team zeigten insgesamt eine gute Leistung und gehören damit zu den stärksten Schiedsrichterteams des Spieltags. (Felix Prigan: 8/10 → 2,0 (gut).
[TV-Bilder]

3 – Wolfgang Haslberger

Auf dem dritten Platz folgt Wolfgang Haslberger aus St. Wolfgang, der am Sonntag die Partie zwischen dem VfL Osnabrück und Eintracht Braunschweig leitete.

Haslberger ließ die Partie zunächst großzügig laufen und fand dabei ein gutes Maß zwischen Spielfluss und notwendiger Konsequenz. Mit zunehmender Intensität zog er seine Linie konsequent durch und griff bei härteren beziehungsweise taktischen Vergehen mit den entsprechenden Verwarnungen ein.

Insgesamt verteilte Haslberger sechs Gelbe Karten. Auch in der zweiten Halbzeit, als Osnabrück die Partie mit drei Treffern innerhalb von 28 Minuten entschied, blieb der erfahrene Unparteiische aufmerksam und hielt die Begegnung souverän unter Kontrolle.

Damit komplettiert Wolfgang Haslberger unsere Top 3 eines insgesamt wechselhaften Schiedsrichter-Spieltags. (Wolfgang Haslberger: 8/10 → 2,0 (gut).

4 – Michael Bacher

Michael Bacher zeigte beim 1:0 des 1. FC Kaiserslautern gegen den SV Darmstadt 98 über weite Strecken eine überzeugende Leistung. Der erfahrene Schiedsrichter hatte die intensive Partie vor 45.508 Zuschauern grundsätzlich gut im Griff, überzeugte mit einer ruhigen Spielleitung und fand bei den persönlichen Strafen eine passende Linie.

Allerdings blieb in der 29. Minute eine entscheidende Szene ungeahndet. Im Strafraum traf Maxwell Gyamfi Patric Pfeiffer zunächst am Bein und spielte erst anschließend den Ball. Damit lag ein Foulspiel vor, das einen Strafstoß hätte nach sich ziehen müssen. Bacher ließ weiterspielen.

Der übersehene Elfmeter ist für uns der entscheidende Grund, warum es diesmal trotz der ansonsten guten Leistung nicht für einen Platz in den Top 3 reicht. Eine starke Gesamtleistung, die durch einen vermeidbaren Fehler im Strafraum deutlich getrübt wird. (Michael Bacher: 7/10 → 3,0 (befriedigend).

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.