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Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen – 33. Spieltag | 3. Liga

Der Abschluss der englischen Woche in der 3. Liga ging zu Ende und es war ein durchaus gutes Wochenende aus schiedsrichtersicht. Einzig Liga 2-Schiedsrichter Konrad Oldhafer hatte massive Probleme bei der Partie Mannheim – Duisburg und wählte eine unsichere Linie mit fragwürdigen Entscheidungen. Positiv dafür zu melden war erneut Fabienne Michel in Rostock die nun große Hoffnungen auf ein Aufstieg in Liga 2 haben darf. Alles weitere in der Analyse und hier die Top 3 des Spieltages:

Platz 🥇 – Fabienne Michel:
Auf dem ersten Platz des Spieltages haben wir Schiedsrichterin Fabienne Michel aus Gau-Odernheim die am Samstagnachmittag beim Topspiel Hansa Rostock – SSV Ulm im Einsatz war. Michel überzeugte gleich in mehrerer Hinsicht. Nicht nur die größten Aufreger in der Partie entschied sie richtig, auch zugleich wählte sie für dieses Spiel eine lange Linie und ließ viel weiterlaufen. Wie gewohnt war sie ebenfalls sehr kommunikativ unterwegs, welches für viel Respekt bei den Akteusehrund Fans sorgte!

Platz 🥈 – Niclas Rose:
Auf dem zweiten Platz haben wir Niclas Rose aus Satow der beim Spiel TSV Havelse – FC Saarbrücken im Einsatz war. Rose war gleich in mehreren Szenen gefordert, bewies in allen Situationen ein gutes Gefühl und lag wie auch Michel überall richtig. Auch er pfiff nicht jeden Kontakt ab und bevorzugte eine Kommunikative Spielleitung mit den Spielern in jeglichen Szenen.

Platz 🥉 – Timon Oliver Schulz:
Auf dem dritten Platz haben wir den oft im Mittelpunkt stehenden Schiedsrichter Timon Schulz aus Hannover der im Tivoli bei der Partie Alemannia Aachen und der Zweitvertretung vom VfB Stuttgart im Einsatz war. Nachdem Schulz enorme Kritik bei der Partie Mannheim – Aue erhielt, war er das erste Mal wieder in Liga 3 im Einsatz und dies mit Erfolg. Die erste Hälfte in Aachen war oft umkämpft und es gab durchaus den ein oder anderen härteren Zweikampf zu bewerten. Schulz behielt in den Situationen Ruhe und legte eine souveräne Spielleitung an den Tag!

TSG Hoffenheim II – 1. FC Schweinfurt (SR: Felix Wagner)

Szene 1: Poller zog mit Tempo in den Strafraum ein, Trslic machte im Zweikampf einen langen Schritt und traf den Hoffenheimer am Fuß wodurch er zu Fall kam. Der Verteidiger spielte nicht den Ball, sondern den Mann (bzw. den Fuß des Gegners). Es ist kein reiner Ballkontakt zuerst-Zweikampf, sondern ein ungestümer, risikoreicher Einsatz von hinten/seitlich. Solche langen Schritte, bei denen der Verteidiger den Gegner wegsticht, werden sehr oft als Elfmeter gewertet. Unstrittige Entscheidung von Schiedsrichter Felix Wagner! [TV-Bilder – ab 02:29 Minuten]

Waldhof Mannheim – MSV Duisburg 1:4 (SR: Konrad Oldhafer)

Szene 2: Zentral an der Strafraumkante räumte Rasim Bulić Masca im Luftduell ab. Schiedsrichter Konrad Oldhafer ließ die Situation laufen. Ein vehementes Einsteiges für welches es Elfmeter hätte geben müssen. Es ist ein typisches Einsteigen mit hohem Risiko: Der Verteidiger ging mit viel Tempo und Körpereinsatz in den Zweikampf, traf den Gegner deutlich am Körper/Kopf-Bereich, während der Ball zwar mit dabei ist, aber nicht klar zuerst gespielt wird. Schiedsrichter Oldhafer hat hier klar danebengelegen. Es wäre ein berechtigter Elfmeter gewesen, der Mannheim verweigert wurde. [TV-Bilder -ab 01:00 Minuten]

Viktoria Köln – Wehen Wiesbaden 2:1 (SR: Cengiz Kabalakli)

Szene 3: Nach dem Kölner Eckball schalteten die Wiesbadener schnell um. Niklas May wurde mit einem schönen Heber steil geschickt und ist klar auf dem Weg Richtung Tor. Frank Ronstadt ist der letzte Mann und stört May nur noch kurz vor dem Strafraum, als er ihn am Unterschenkel trifft. Schiedsrichter Cengiz Kabalakli entschied auf Notbremse und die rote Karte für Ronstadt. Eine Entscheidung, die zumindest sehr hart wirkt. May fuhr den rechten Arm raus und ist zumindest mit einem Mitwirken des Angreifers, der den Kontakt sucht, Ronstadt versucht, den Ball noch zu spielen oder zumindest den Laufweg zu stören, ohne May klar von den Beinen zu holen. Für mich ist das auch eher eine Fehlentscheidung. Es ist kein klarer Fall von Notbremse. May fährt aktiv den Arm raus und der Kontakt ist eher leicht, dann wäre Gelb die angemessenere Entscheidung gewesen. Kabalakli hat hier sehr streng ausgelegt („letzter Mann = Rot“-Mentalität), ohne genug auf das Mitwirken des Angreifers oder die Intensität des Fouls zu achten. [TV-Bilder – ab 02:27 Minuten]

Szene 4: Wenig später gab es Elfmeter für die Gäste. Bogićević lupfte den Ball schön über die Abwehrkette und schickte Moritz Flotho ins Eins-gegen-eins mit Verthomy Boboy. Dem Kölner Verteidiger sprang der Ball an den linken, ausgestreckten Arm. Das ist eine klassische unnatürliche Armhaltung. Der Arm ist nicht am Körper angelegt, sondern deutlich abgespreizt, was die Fläche vergrößert und den Ball quasi einlädt. Nach den aktuellen Handspiel-Regeln (klar abgespreizter Arm + unnatürliche Haltung im Strafraum) ist das ein sicherer Elfmeter. Kabalakli hat ohne Zögern auf den Punkt gezeigt, und das war die korrekte Entscheidung.[TV-Bilder – ab 02:57 Minuten]

TSV Havelse – 1. FC Saarbrücken 2:0 (SR: Niclas Rose)

Szene 5: Das erste Mal im Mittelpunkt stand Schiedsrichter Niclas Rose in Minute 19, als Elombo-Yongo gegen Belkalhia zu Fall gebracht wurde, gab der Referee keinen Strafstoß. Rodney Elongo-Yombo nahm links im Strafraum einen langen Ball technisch gut aus der Luft. Semi Belkahia kam dazu und es gab einen leichten Kontakt, durch den Elongo-Yombo zu Fall kam. Der Saarbrücker fordert kurz Elfmeter, aber Schiri Niclas Rose winkt sofort ab. Es war ein minimaler, leichter Kontakt, bei dem der Angreifer vielleicht etwas nachhalf oder das Gleichgewicht verlor. Für einen Elfmeter braucht es klar mehr: entweder ein deutliches Umreißen, ein Treten am Fuß/Bein oder ein klarer Mann statt Ball-Einsatz. Hier war einfach zu wenig Substanz. [TV-Bilder – ab 33:45 Minuten]

Szene 6: Rodney Elongo-Yombo lief einer Halbfeldflanke von Rizzuto hinterher und kam links im Strafraum gegen Leon Sommer zu Fall. Der Havelser Verteidiger stolpert in den Laufweg des Flügelstürmers → es gab einen leichten Körperkontakt, aber keinen klaren Tritt, kein Umreißen und kein aggressives Einsteigen. Das war ein typisches Zusammenraufen im Laufduell: Sommer kam etwas ungeschickt in den Weg, Elongo-Yombo verlor das Gleichgewicht und ging zu Boden. Für einen Strafstoß braucht es deutlich mehr Substanz. Hier war es einfach wieder zu harmlos, fast schon ein normales Körperspiel. Saarbrücken hat verständlicherweise reklamiert, aber objektiv war das kein Foul, geschweige denn ein Elfmeter. Der Schiri blieb konsequent bei seiner Linie, wie schon bei der vorherigen Szene mit Belkahia. [TV-Bilder – ab 41:00 Minuten]

Szene 7: Vor der Pause reklamierte Saarbrücker wegen eines vermeintlichen Fouls im Strafraum. Nach einer Saarbrücker Ecke flog der Ball gefährlich an den langen Pfosten. Kai Brünker stand dort und wurde von Noah Plume gehalten/gezogen. Die Saarbrücker reklamieren sofort Foul im Strafraum und Elfmeter. Doch die Fahne des Assistenten geht hoch. Der Kontakt (Halten durch Plume) war vorhanden und hätte bei onside Position durchaus einen Elfmeter (plus Gelb für Plume) rechtfertigen können – das war kein zu wenig. Allerdings stand Brünker im Abseits, als der Ball zu ihm kam bzw. als die Ecke hereingeflogen ist. Deshalb hat der Assistent richtig die Fahne gehoben, und der Schiri hat das Foul gar nicht mehr bewertet. Regeltechnisch geht Abseits vor – das Foul wird nicht gepfiffen, wenn der Spieler vorher schon abseits stand. Ob es jetzt Abseits war, wurde aus den verfügbaren Kamerabildern nicht aufgelöst. Hier ist dem SR-Team in seiner Bewertung zu vertrauen.[TV-Bilder – ab 56:08 Minuten]

Alemannia Aachen – VfB Stuttgart II 3:1 (SR: Timon Schulz)

Szene 8: Nicolas Sessa steckte schön auf Mohamed Sankoh durch. Sankoh wollte Fotis Pseftis umkurven und ging dabei zu Boden. Die Stuttgarter reklamieren sofort Elfmeter, doch die Pfeife von Schiedsrichter Timon Schulz blieb stumm. Es gab keinen erkennbaren Kontakt zwischen Sankoh und Pseftis. Der Stürmer hatte offenbar versucht, den Keeper auszutricksen, hat den Ball aber nicht sauber mitgenommen und ist ins Leere gelaufen. Der Schiri stand gut positioniert und hatte gesehen, dass da nichts bzw. nur sehr wenig war. [TV-Bilder – ab 46:49 Minuten]

Rot-Weiss Essen – FC Ingolstadt 4:1 (SR: Luca Jürgensen)

Szene 9: Vor der Pause eine strittige Szene, als Lucas Brumme in einem hitzigen Zweikampf im Mittelfeld Antzoulas mit der offenen Sohle trifft. Der Essener zog da voll durch und traf den Ingolstädter mit dem leicht angewinkelten Bein mit hoher Intensität am Bein/Sprunggelenk. Die Entscheidung ist gerade noch vertretbar, da er hier das Bein noch zurückzog. Wegen der besonders hohen Intensität, dem Treffer mit der Sohle in einem gesundheitsgefährdeten Bereich, sehe ich hier aber den Platzverweis als die bessere Entscheidung an. Es war sehr gtrenzwertig, wo viele Schiris auf Rot entscheiden würden. Die Intensität und die Art des Einstiegs (Sohle hoch) waren so riskant, dass Platzverweis die bessere und konsequentere Entscheidung gewesen wäre. In vielen vergleichbaren Szenen (besonders wenn der Gegner verletzt liegen bleibt) wird heute Rot gezeigt. So blieb es bei der fünften gelben Karte für den Essener. [TV-Bilder – ab 02:00 Minuten]

Hansa Rostock – SSV Ulm 5:1 (SR: Fabienne Michel)

Szene 10: Der Ball kam flach von links in den Strafraum. Marcel Seegert hielt Christian Kinsombi am Trikot fest und riß ihn zu Boden. Schiedsrichterin Fabienne Michel pfiff sofort Foulelfmeter für Rostock. Das war ein klassisches Trikotfoul mit deutlichem und längerem Ziehen/Reißen. Kinsombi hatte Tempo und war im Strafraum klar im Vorteil – Seegert versucht nicht, den Ball zu spielen, sondern klammerte und zog ihn regelrecht runter. Solche Aktionen werden fast immer als Elfmeter gewertet, weil der Angreifer klar benachteiligt wird. [TV-Bilder – ab 03:20 Minuten]

TSV 1860 München – Jahn Regensburg 2:2 (SR: Daniel Bartnitzki)

Szene 11: Sigurd Haugen hatte den Ball super durchgesteckt auf Florian Niederlechner, der allein auf Felix Gebhardt zulief. Der Regensburger Keeper kam raus, hatte Niederlechner klar von den Beinen geholt. Schiedsrichter Daniel Bartnitzki entschied auf Elfmeter für München – klarer Elfmeter und Gelb für Gebhardt. Kein Rot, weil’s ein ballorientiertes Foul war und die Dreifachbestrafung nicht mehr gilt. Ein anderer Angreifer der Münchner betrat vor Ausführung den Strafraum. Hätte Jacobsen verwandelt, wäre der Elfmeter wiederholt worden. So aber hat es die Wirkung nicht erzielt. Da er verschossen hat, ist das irrelevant. [TV-Bilder – ab 02:50 Minuten]

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Michael

    Brünker stand bei Szene 7 nicht im Abseits, nein. Das erkennt man ganz einfach daran, dass bei der Flanke noch ein weiteres Zweikampfpärchen aus einem Saarbrücker und einem Havelser näher am Tor steht als Plume&Brünker. Man erkennt es auch daran, dass er beim Schlagen der Flanke HINTER DEM BALL steht. Die Flanke wird geschlagen, als der Ball im Schatten kurz vor der Torauslinie liegt. Brünker steht klar vor dieser Schattenlinie. Und da der Schatten ziemlich parallel zur Torauslinie läuft, ist das allein schon daraus eindeutig.
    Abseits wird erst bei der folgenden Flanke gepfiffen (wäre auch traurig, wenn die erste Flanke bereits als Abseits entschieden worden wäre)…da das aber NACH dem Foul passiert, wäre selbiges zu ahnden gewesen.

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