Der Ball rollt nicht – und das aus gutem Grund: Das Verbandsliga-Derby musste zwischen dem Türkischen SV und Biebrich 02 kurzfristig abgesagt werden. Nicht die hohen Temperaturen waren ausschlaggebend, sondern der Zustand des Kunstrasens. Schiedsrichter Leonard Martin sah eine konkrete Verletzungsgefahr und verweigerte deshalb den Anpfiff.
Wie der Wiesbadener Kurier berichtet, ist das Verbandsliga-Derby zwischen dem Türkischen SV und Biebrich 02 am Sonntag kurzfristig ausgefallen. Obwohl in Wiesbaden hohe Temperaturen und schwüle Bedingungen herrschten, waren diese nicht der Grund für die Absage. Schiedsrichter Leonard Martin verweigerte vielmehr aufgrund des Zustands des Kunstrasens den Anpfiff.
Der Kunstrasen auf der Sportanlage Niederfeld weist zahlreiche Schäden und geflickte Stellen auf. Besonders ein Riss im Bereich der Fünf-Meter-Marke war für den Unparteiischen ausschlaggebend. Martin sah darin eine konkrete Verletzungsgefahr für die Spieler und kam deshalb zu dem Schluss, dass die Partie unter diesen Bedingungen nicht sicher durchgeführt werden konnte.
Auch regeltechnisch ist die Entscheidung nachvollziehbar. Nach Regel 1 – Das Spielfeld muss die Spielfläche sicher bespielbar sein. Der Belag darf keine Gefahren für die Spieler darstellen. Gerade bei einem Kunstrasen können offene Risse oder beschädigte Stellen dazu führen, dass ein Spieler mit dem Fuß hängen bleibt und sich verletzt.
Hinzu kommt Regel 5 – Der Schiedsrichter. Der Unparteiische trägt die Verantwortung für die Leitung des Spiels und muss dabei die Sicherheit der Spieler berücksichtigen. Stellt er vor dem Anpfiff fest, dass die Voraussetzungen für eine sichere Durchführung nicht gegeben sind, darf er das Spiel nicht einfach beginnen lassen.
Bemerkenswert ist dabei, dass beide Mannschaften offenbar gerne gespielt hätten. Nach Angaben des Wiesbadener Kuriers hätten die Teams sogar kurzfristig auf die Anlage von Biebrich ausweichen wollen. Das ließ sich organisatorisch jedoch nicht umsetzen. Das Derby wurde schließlich für Dienstagabend in Biebrich neu angesetzt.
Der Fall zeigt damit einmal mehr: Die Platzkontrolle vor dem Spiel ist keine Formsache. Wenn ein Schiedsrichter einen sicherheitsrelevanten Mangel feststellt, muss er handeln – auch wenn die Mannschaften bereitstehen und mehrere hundert Zuschauer bereits auf den Anpfiff warten. Im konkreten Fall waren laut Bericht bereits rund 300 bis 400 Zuschauer vor Ort.

Da bleiben einige offene Fragen. War es das erste Spiel auf dem Kunstrasen diese Saison? Wie kommen die Spieler zu einer anderen Einschätzung als der Schiedsrichter? Auch die Spieler haben kein Interesse sich zu verletzen. In den Amateurliegen findet man selten perfekte Plätze vor. Wenn es so gravierend war, warum ist es dem Verein vorher nicht aufgefallen?
Weil manche Schiedsrichter die Platzkontrolle als notwendiges Übel ansehen und auf diese „Kleinigkeiten“ keinen Wert legen. So nach dem Motto „wird schon nichts passieren“. Dann kommt mal einer der zu Recht genauer schaut weil es durch ein Hängenbleiben böse Verletzungen geben kann und eine unpobuläre Entscheidung trifft, und schon wird er dafür kritisiert. Wenn jeder die Regeln einhalten würde, gäbe es das Problem.
Mag sein, vielleicht ist auch einer zu pingelig… Ich weiß es nicht. Mir ist nur unklar, warum dem Heimteam das auch noch nie aufgefallen ist… Es wirft Fragen auf. Vielleicht hat auch der Unparteiische jetzt Recht, um das final zu beurteilen kenn ich die Situation zu wenig
Es wird denen schon aufgefallen sein, aber eine Reparatur ist teuer und Flickschusterei hält nicht lange. Und wenn die 8 bis max. 10-Jährige Garantiezeit schon abgelaufen ist, (die Nutzungsdauer liegt bei guter Pflege bei etwa 12 bis 15 Jahren), bleiben die Kosten beim Verein.
Gesetzliche Gewährleistung vs. Herstellergarantie
– Gesetzliche Gewährleistung (VOB/B oder BGB): Bei Bauleistungen an Sportanlagen gilt in Deutschland meist eine Gewährleistung von 4 bis 5 Jahren für Mängel am Bauwerk und der Ausführung (z.B. am Unterbau, der Verlegung oder der Elastikschicht).
– Herstellergarantie: Diese ist freiwillig und gilt speziell für das Material des Kunstrasens (Faserverschleiß, UV-Stabilität und Farbbeständigkeit) und umfasst oft 8 bis 10 Jahre, nimmt dabei aber meist über die Jahre ab (degressive Garantie).
Wichtige Faktoren für die Haltbarkeit
– Intensität der Nutzung: Wie viele Stunden pro Woche wird auf dem Platz gespielt?
– Pflege und Wartung: Regelmäßiges Bürsten und das Nachfüllen des Granulats sind Pflicht.
– Unterbau: Der elastische Unterbau hält oft länger als zwei Jahrzehnte und muss beim späteren Austausch des Teppichs meist nicht erneuert werden.
Ich kenne den Kunstrasen nicht… Deine Einschätzung kann durchaus richtig sein (mit den Kosten).