Die UEFA will beim Video-Assistenten einen Schritt zurück zu den Wurzeln machen. Der VAR soll wieder stärker das sein, wofür er ursprünglich gedacht war: eine Unterstützung des Schiedsrichters – und kein zweiter Schiedsrichter auf dem Spielfeld.
Das machte Roberto Rosetti, Schiedsrichterchef der UEFA, mit Blick auf die neue Saison deutlich. „Wir sind mit dieser Art des VAR nicht mehr zufrieden. Wir wollen ein Stück weit zurückkehren und die Schiedsrichter mit ihren Entscheidungen wieder ins Zentrum stellen.“
Damit verbunden ist eine klarere Linie beim Einsatz des Video-Assistenten. In der Saison 2026/27 soll es weniger und vor allem kürzere Eingriffe geben. Eine Überprüfung einer Szene durch den VAR soll künftig möglichst nicht länger als 60 bis 90 Sekunden dauern. Entscheidend bleibt dabei der Grundsatz: Eingreifen soll der VAR nur bei einer klaren und offensichtlichen Fehlentscheidung.
„Es geht um klare und offensichtliche Fehlentscheidungen, nichts anderes“, betonte der 58-Jährige.
Die UEFA hatte Ende Juli gemeinsam mit den Schiedsrichterverantwortlichen ihrer 55 Mitgliedsverbände eine einheitlichere Auslegung der Regeln vereinbart. Auch beim VAR soll für mehr Konsistenz gesorgt werden. Gleichzeitig stellte die UEFA klar: Der Video-Assistent soll das Spiel nicht neu bewerten oder jede mögliche Fehlentscheidung korrigieren. „VAR ist nicht dazu da, das Spiel neu zu leiten“, lautet die grundsätzliche Linie.
Gerade lange und detaillierte Überprüfungen seien häufig ein Hinweis darauf, dass die Entscheidung auf dem Platz eben nicht klar und offensichtlich falsch gewesen sei. Genau hier will die UEFA ansetzen: mehr Vertrauen in den Schiedsrichter, weniger Mikroskoparbeit im Videokeller.
Der ursprüngliche Gedanke des VAR soll damit wieder stärker in den Mittelpunkt rücken: minimale Einmischung für maximalen Nutzen.
Auch Bundesliga setzt auf weniger VAR-Eingriffe
Eine ähnliche Richtung verfolgt auch die Bundesliga. Knut Kircher, Geschäftsführer Sport und Technik der DFB Schiri GmbH, spricht sich ebenfalls für einen zurückhaltenderen Einsatz des Video-Assistenten aus. Auch in Deutschland soll der VAR nicht zum „Mikroskop“ werden, mit dem jede noch so kleine Szene auf dem Platz untersucht wird.
Stattdessen soll wieder stärker die ursprüngliche Idee des Video-Assistenten in den Mittelpunkt rücken: Der Schiedsrichter trifft die Entscheidung auf dem Platz, der VAR greift nur ein, wenn eine klare und offensichtliche Fehlentscheidung vorliegt.
Auch bei der Dauer der Überprüfungen soll sich etwas ändern. Ziel ist, dass VAR-Checks möglichst schnell abgeschlossen werden und nicht minutenlang den Spielfluss unterbrechen. Die Orientierung liegt dabei ebenfalls bei etwa 60 bis 90 Sekunden.
Kircher betont dabei den Wert der Spontaneität des Fußballs. Zu viele Eingriffe, lange Überprüfungen und kleinste Korrekturen könnten dem Spiel genau das nehmen, was es ausmacht.
Damit zeichnet sich sowohl bei der UEFA als auch in der Bundesliga eine ähnliche Entwicklung ab: Weg von der permanenten Suche nach Fehlern – zurück zu einem VAR, der nur dann eingreift, wenn es wirklich notwendig ist.
