Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen – 4. Spieltag | 2. Bundesliga

Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen – 4. Spieltag | 2. Bundesliga

28. August 2019 0 Von IG Schiedsrichter

Eine in vielerlei Hinsicht knifflige Szene gab es am vergangenen Freitag für Schiedsrichter Felix Zwayer und Videoassistent Robert Kempter im Spiel FC Erzgebirge Aue gegen VfB Stuttgart (0:0) zu bewerten.

Gefühlt gleichzeitig treffen sich der Auer Calogeri Rizzuto und Stuttgarts Nicolas Gonzales im Kampf um den Ball.

Stuttgarts Nicolas Gonzales ging nach einem riskanten Einsatz von Aues Calogeri Rizzuto im Strafraum zu Fall. Die Pfeife von Zwayer blieb stumm und auch der Videoassistent griff hier nicht ein. Rizzuto ging mit gestreckten Bein zum Ball, traf hier jedoch seinen Gegner am Fuß. Eigentlich ein klares Foul, welches folgerichtig Elfmeter sowie eine Verwarnung hätte geben müssen. Das Problem ist, dass der Aue-Spieler auch minimal den Ball spitzelt. Die Frage, die offen bleibt, warum pfeift Zwayer nicht und warum greift der Videoassistent nicht ein, versuchen wir zu beantworten.

Foul im Strafraum muss eindeutig sein

Felix Zwayer äußerte sich dazu: ,,Wir haben hier einen frei springenden Ball und zwei Spieler, die in absolut fußballtypischer Weise versuchen, diesen zu erreichen. Dabei bin ich nach wie vor der Meinung, dass auch beide Spieler an den Ball kommen. Danach erfolgt ein Kontakt, der aus meiner Sicht aber nicht übermäßig hart ist.

Um auf Strafstoß zu entscheiden, bedarf es da mehr Eindeutigkeit, weil dies ein gravierender Eingriff ins Spielgeschehen ist. Diese Klarheit lag für mich nicht vor.

Ein Glückstreffer

Stichwort Eindeutigkeit: Calogeri Rizzuto hielt gegen Stuttgarts Nicolas Gonzales im Kampf um den Ball den Fuß drauf. Beide trafen sich gefühlt gleichzeitig und Rizzuto spitzelte dabei noch leicht den Ball. Da kann man aber nicht mehr von „spielen“ sprechen wenn man den Ball wegspitzelt und trotzdem den Gegner auf den Fuß tritt. Wegen des Treffers auf den Fuß trotzdem Elfmeter. Das hat Zwayer selbst sicher als Pressschlag eingeschätzt und das kann man so stehen lassen. Dann sind wir wieder im Bereich der Tatsachenentscheidung und keiner klaren offensichtlichen Fehlentscheidung. Das muss aber auf dem Platz entschieden werden. Das ist wegen der Interpretation zu 100 Prozent nichts für den Video-Assistent. Vor allem muss man es halt zehnmal anschauen und dann kann man eben nicht von was klaren reden. Allerdings ist der Strafstoß für die breite Öffentlichkeit leichter zu verkaufen. Da sagt jeder: „Ey, sowie der den trifft…“.

Da sind wir wieder bei dem Punkt Wahrnehmung angekommen. Wenn der Schiedsrichter auf dem Platz dem Videoassistent seine Sichtweise schildert und die nur ansatzweise im Video zu erkennen ist, dann ist die Eingriffsschwelle sehr sehr hoch. Da spielt es auch keine Rolle, ob das ein 98%-iger Strafstoß ist. Die offenen 2% ist dann die Wahrnehmung des Schiedsrichters, die mit viel guten Willen so zu erkennen ist. Am Ende des Tages muss der Schiedsrichter weiterhin der Chef auf dem Platz sein und nicht wegen jeder Kleinigkeit rausgeschickt werden.

Sinnlose Schwalbe

Das war unnötig! Borna Sosa zog von links in den Strafraum und ließ sich im vorbeilaufen fallen. Referee Felix Zwayer zögerte nicht und entschied sofort auf Schwalbe. Sosa war bereits verwarnt und musste daher vorzeitig zum duschen gehen.

In der 67. Minute ging Stuttgarts Borna Sosa im Strafraum zu Fall. Zwayer zögerte nicht lange und schickte den Schwaben wegen einer Schwalbe mit Gelb/Rot vom Platz. Die absolut richtige Entscheidung. Sosa suchte den Kontakt, fand ihn noch nicht mal und ging dann zu Fall. Eine unsportliche Schauspieleinlage, die folgerichtig mit dem Platzverweis bestraft werden musste. Da lag kein Kontakt des Auer Verteidigers vor. Wenn einem über 90 Minuten kaum etwas gelingt, bringt es relativ wenig, in Zeitalter des Videobeweis so eine Schwalbe zu begehen. Selbst wenn Zwayer darauf reingefallen und auf Strafstoß entschieden hätte, würde der Videoassistent hier definitiv eingreifen. So macht eine Schwalbe mittlerweile gar keinen Sinn mehr.

„Ich dachte meine Frau pfeift“

Wegen dieser zwei Situationen machte VfB-Coach Tim Walter im Anschluss seinen Ärger Luft. „Ich denke, dass wir zwei Elfmeter kriegen müssen. Ich hab‘ gedacht, meine Frau pfeift heute, weil die pfeift auch immer für die, die die schönsten Trikots anhaben“, sagte er und schickte noch einen Gruß an den Videoschiedsrichter Robert Kempter in Köln: „Und was die im Videokeller machen, weiß auch keiner, vielleicht war er gerade mal wieder Pausenbrot essen oder sonst irgendwas. Und uns dann auch noch mit einer Gelb-Roten-Karte zu bestrafen, ist schon sehr frech, muss ich sagen.

Viel offener kann man einen Referee nicht kritisieren. Walter war in Rage, was in einem Fall verständlich, im anderen aber überzogen war. Bei der Szene mit Gonzalez lag er richtig und war zurecht erbost. Bei der Szene mit Sosa schoss er aber in seiner Beurteilung über das Ziel hinaus. „Wenn es einen Kontakt gibt, ist es ein Elfmeter. Aber dann noch eine Gelbe Karte obendrauf zu setzen, ist schon aller Ehren wert von Herrn Zwayer“, sagte er.

Share This: