Schiedsrichter im Mittelpunkt: Analyse strittiger Szenen | Europa League

Schiedsrichter im Mittelpunkt: Analyse strittiger Szenen | Europa League

25. Februar 2022 1 Von Reiner Kuhn

In der Europa League spielte der Videobeweis eine große Rolle und nicht jeder Eingriff war sinnvoll.

Glasgow Rangers 2:2 Borussia Dortmund (SR: Antonio Mateu Lahoz)

Mit einer gehörigen Hypothek aus dem Hinspiel startete Dortmund höchst engagiert und traf durch Jude Bellingham den Pfosten.
Thomas Meunier ging im Strafraum der Rangers wenig später äußerst bereitwillig zu Boden und konnte froh sein, dass Schiedsrichter Antonio Mateu Lahoz ihm nicht die gelbe Karte zeigte, da ein Kontakt von John Lundstrom nicht vorlag.
Auf den Punkt zeigte der spanische Unparteiische dann allerdings auf der anderen Seite: Julian Brandt stellte Ryan Kent ein Bein, worauf der berechtigte Strafstoßpfiff folgte. James Tavernier verwandelte zum 1:0.

Allerdings bot ein Fehler von Connor Goldson Jude Bellingham auch schnell die Möglichkeit zum 1:1, die er auch locker nutzte. In der Folge hatten beide Teams Riesenchancen, scheiterten aber an den Torhütern.
Einige Dortmunder forderten dann Elfmeter, als Tavernier den Ball an die Hand bekam, diese hing aber locker und ohne Spannung nach unten, was immer ein Indiz für keine Absicht und damit kein strafbares Handspiel ist. Lahoz zeigte dann Lundstrom die erste gelbe Karte nachdem er Thorgan Hazard von hinten von den Beinen holte. Korrekte Entscheidung!
Kurz vor der Halbzeit drehte Donyell Malen mit seinem Tor zum 1:2 die Partie.

Nach der Pause holten sich Jude Bellingham für unnötiges Meckern und Nico Schulz für ein Trikotziehen gegen Taveranier die berechtigte gelbe Karte. Wenig später brachte sich der BVB aber einmal mehr selbst um den Lohn der Arbeit: Mats Hummels traf den Ball nicht und Tavernier konnte deshalb mühelos zum 2:2 einschieben. Natürlich war der Ibrox-Park sofort wieder präsent und es wurde für die Dortmunder immer schwerer, zu Chancen zu kommen.

Knifflig wurde es am Ende nochmal für den Unparteiischen: Leon Balogun grätschte im eigenen Strafraum gegen Marco Reus und traf diesen auch leicht. Reus spielte die Aktion aber zu Ende und reklamierte auch nicht groß, sodass die Szene nach kurzem Check keine weiteren Folgen hatte. Fair vom Dortmunder, wenn er sich aber fallen gelassen hätte, wäre wahrscheinlich der Strafstoßpfiff erfolgt.
Dann war die BVB-Abwehr in Person von Emre Can einmal mehr zu langsam und Alfredo Morelos spielte den Angriff zusammen mit Ryan Kent zum 3:2 zu Ende. Oder auch nicht, denn VAR Ricardo de Burgos Bengoetxea meldete sich. [TV-Bilder]

Morelos stellte bei der Balleroberung das Bein vor Can, welcher dann gegen dieses schlug. Anscheinend ging der Kontakt komplett an Lahoz vorbei, womit der Review zumindest regelgerecht wäre. Allerdings ist es auch Aufgabe des VAR, den Schiedsrichter nur bei klaren Fehlern anzufordern, da diese sich dann möglichst nicht dagegen entscheiden sollen. Diese Situation war auf dem Feld schon gar eher richtig, als falsch entschieden worden. Das Tor hätte damit zählen müssen.

Kurz vor dem Ende stellte Balogun dem vor dem Strafraum einlaufenden Yousouffa Moukoko ein Bein, Lahoz ließ das Spiel aber weiterlaufen. Hier wäre ein Freistoß und die gelbe Karte für den Rangers-Verteidiger fällig gewesen.

Am Ende schied der BVB nach einem einmal mehr unglücklichen Auftritt aus der Europa League aus.

Fazit: Schiedsrichter Antonio Mateu Lahoz hatte mit dem intensiven Spiel eigentlich keine Probleme. Die Aberkennung des vermeintlichen 3:2 war allerdings wenig sinnvoll.

Real Sociedad 1:3 RB Leipzig (SR: Anthony Taylor)

Matthew Ryan stürzte Christopher Nkunku entgegen und griff diesem dabei in die Beine. Schiedsrichter Anthony Taylor entschied auf Strafstoß für Leipzig. Korrekte Entscheidung! [TV-Bilder]

Artiz bekam den Ball im eigenen Strafraum an die Hand, worauf der nächste Strafstoß folgte. Das sind Strafstöße, die man eigentlich nicht sehen will, weil das irgendwie unabsichtlich aussieht. Allerdings hob Artiz den Arm an und bewegte diesen eben in Richtung des Balles. Dabei vergrößerte er seine Körperfläche und beging damit den Regeln entsprechend ein strafbares Handspiel. [TV-Bilder]

Lazio Rom 2:2 FC Porto (SR: Deniz Aytekin)

Sergej Milinkovic-Savic ließ im eigenen Strafraum das Bein stehen, welches Mehdi Taremi annahm. Dies tat er allerdings etwas übertrieben, sodass sich für Schiedsrichter Deniz Aytekin die Wahrnehmung ergab, es handelte sich um eine „Schwalbe“. VAR Christian Dingert griff jedoch ein und holte Aytekin vor den Monitor. Das Beinstellen war dann doch so deutlich, dass Aytekin sich korrigierte und auf Strafstoß entschied. Das sind natürlich maximale Gegensätze, die Korrektur war aber berechtigt. [TV-Bilder]

SSC Neapel 2:4 FC Barcelona (SR: Sergei Karasev)

Marc-Andre Tar-Stegen eilte aus seinem Tor und grätschte Victor Oshimen ab. Dabei versuchte der Torhüte zwar noch, zurückzuziehen, traf den Angreifer aber mit dem Knie. Schiedsrichter Sergei Karasev entschied auf Strafstoß für Neapel und hatte damit völlig Recht. [TV-Bilder]

Gerard Piqué traf zum 1:3. Dabei stand Pierre-Emerick Aubameyang allerdings wohl im Sichtfeld von Torhüter Alex Meret. Überraschend, dass Schiedsrichter Karasev keinen Hinweis von VAR Pol van Boekel erhielt, denn nach den TV-Bildern lag hier ziemlich sicher eine strafbare Abseitsposition vor. [TV-Bilder]

Betis Sevilla 0:0 Zenit St.Petersburg (SR: Halil Umut Meler)

Sankt Petersburg schien, die Verlängerung erreicht zu haben, VAR Paolo Valeri erkannte allerdings ein entscheidendes Detail: Aleksandr Erokhin trat seinem Gegner auf den Fuß, sodass der türkische Referee Halil Umut Meler das Tor zurücknahm. [TV-Bilder]

(fs)

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