Beliebter Schiedsrichter Manuel Gräfe muss aufhören: DFB lehnte Verlängerung „rabiat“ ab

Beliebter Schiedsrichter Manuel Gräfe muss aufhören: DFB lehnte Verlängerung „rabiat“ ab

24. Mai 2021 0 Von IG Schiedsrichter

Ein Tag nach seinem letzten Bundesligaspiel war der Berliner Schiedsrichter Manuel Gräfe zu Gast beim Sky-Format „Meine Geschichte“ mit Moderator Riccardo Basile. In der 26-minütigen Folge spricht Gräfe über seine letzten Jahre als Schiedsrichter, die Altersgrenze, politische Machtkämpfe beim DFB und sein Leben nach der Schiedsrichter-Karriere.

Die junge Karriere des Manuel Gräfe begann mit Niko und Robert Kovac. Damals spielte Gräfe noch in der Jugend in seiner Heimatstadt Berlin. Im Berliner Schillerpark begann ein langer Weg vor etwa 40 Jahren. Emotional war es sofort, als Gräfe an seine Fußstapfen zurückkehrte.

Doch warum wurde Gräfe eigentlich Schiedsrichter?

Ganz einfach: Gräfe wurde in der Jungendzeit ein Tor, seiner Meinung nach zu Unrecht aberkannt, daher wollte er es besser machen. Dieser Moment bleibt ihm bis heute in Erinnerung, da er wegen diesem einen Tor kein Torschützenkönig wurde.

Abgang ohne Zuschauer ist schade

Die letzten Wochen waren für Gräfe relativ entspannt, da er sich anderthalb Jahre darauf einstellen konnte, dass sein Weg enden wird. Vor etwa 2 Jahren begann dieser Gedanke, dass er sich von dem ein oder anderen Stadion so langsam begann zu verabschieden. Das einzige was schade ist, ist dass es ein Abgang ohne Zuschauer ist. Ob Gräfe jetzt mit 47 oder 50 aufhört, irgendwann ist sowieso vorbei. Aber die Zuschauer fehlen dem Berliner enorm. Das war jedes Mal der schönste Moment in ein ausverkauftes Stadion einzulaufen.

Vier Kinder und eine Frau, darauf freut sich Gräfe nun enorm. Es war oft wenig Zeit für die Familie, das wird nun sicher anders werden.

Nachdem vergangene Woche bereits Mats Hummels und Thomas Müller eine Videobotschaft an Gräfe richteten, folgt nun auch Sky-Experte Didi Hamann.

„Glückwunsch zu einer großartigen Karriere. Wir werden dich alle vermissen. Du pfeifst keine Spiele, du leitest sie. Ohne Theatralik sondern mit deiner souveränen Art. Für mich bist du europaweit ganz weit vorne. Ich könnte ja mal mit der Premier League sprechen 😉 dort darf man ja länger pfeifen. Als Agent stehe ich dir zur Seite.“

Nach diesen Worten musste Gräfe erst einmal schlucken. Diese Worte gehen auch am erfahrenen Referee nicht so einfach vorbei. Das tut einfach nur gut.

Warum ging Gräfe eigentlich medial gegenüber dem DFB so hart ins Gefecht?

Grund dafür war der Selbstmordversuch von Ex-Schiedsrichter Babak Rafati. Gräfe wollte etwas verändern, damit genau sowas nicht nochmal passiert. Diese extreme Drucksituation musste sich ändern. Das zeigte sich eine Woche nach diesem Selbstmordversuch, als Gräfe in Köln ein Spiel leiten musste. Das war der schlimmste Moment in der Karriere des Manuel Gräfe. Daraufhin war ihm klar, dass sich dringend etwas ändern muss. Die Leute die etwas verändern wollen, sitzen laut Gräfe nicht ganz oben.

Wenn ich aufhöre, wird sie abgeschafft

Die Kritik wird noch intensiver als Gräfe die These aufstellt, dass die Altersgrenze bald aufgehoben wird und man wegen ihm die jetzt noch bestehen gelassen hätte. Eine durchaus kritische Aussage im Hinblick auf ehemalige Spitzenschiedsrichter wie Wolfgang Stark, Markus Merk, Peter Gagelmann oder Knut Kircher, die genauso wegen der Altersgrenze aufhören mussten, obwohl sie noch hätten weitermachen können. Wenn dann hätte man wohl die Regel extra für Gräfe, Winkmann und Schmidt aufgehoben.

„Wenn alles dafür sprich, dass die Altersbegrenzung aufgehobenen wird, es aber nicht getan wird, dann sitzen die falschen Leute am längeren Hebel.“

Das waren Gräfes Worte mit denen er nochmals zeigt, dass er sehr gerne weitergemacht hätte.

„Dass ausgerechnet ich weiterpfeifen soll, dass wird einigen da oben nicht gefallen. Ich bin mir sicher, dass in 1-2 Jahren anders entschieden wird“.

Das Schlimme ist, er könnte Recht haben

Spätestens wenn dann die neue „Schiri-GmbH“ eingeführt wird, sollte die Altersgrenze Geschichte sein, denn dann ist es mit einem Wirtschaftsunternehmen gleichzusetzen und die Altersgrenze würde gegen die Altersdiskrimminierung verstoßen. Das hat aber nichts mit Manuel Gräfe zu tun, sondern diese Pläne liegen schon ein paar Jahre in der Schublade.

Hätte man anders entscheiden, wenn Gräfe den Mund gehalten hätte?

Gräfe denkt ja. „Das können nur persönliche bzw. sportpolitische Gründe gewesen sein. An der Leistung kann es ja hoffentlich nicht gelegen haben.

Was war die schönste Erinnerung in Gräfes Schiedsrichter leben?

– erstes Bundesliga Spiel
– Ansetzung Bayern – Schalke in seiner zweiten Bundesliga Partie
– Champions Legaue Real Madrid – Juventus Turin

Wer hat Gräfe am meisten beeindruckt?
– Oliver Kahn

Welches Spiel würde Gräfe gerne nochmal pfeifen?

– Wolfsburg – Leverkusen
Dort hat Gräfe für sich selbst grauenhaft gepfiffen mit dem Höhepunkt, dass er seinen Assistenten bei einer Abseits Situation umgestimmt hat, obwohl es knapp 5 Meter Abseits war.

Wer ist der „berühmteste“ in Gräfes Telefonliste?

– Toni Kroos

Fazit: Eine aufschlussreiche und interessante Doku von Sky über eine sehr erfolgreiche Zeit von Manuel Gräfe. Das ein oder andere Wort gegenüber dem DFB konnte sich Gräfe dann nicht verkneifen, doch so war er immer. Offen, ehrlich und direkt. Dem einen gefällts, dem anderen nicht.

Hier gibt es die Folge von „Meine Geschichte“ auf dem YouTube-Kanal von Sky Sport zum Nachsehen.

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