Knut Kircher spricht über Basler, Bier und Bayern

Knut Kircher spricht über Basler, Bier und Bayern

7. Juli 2019 0 Von IG Schiedsrichter
Knut Kircher pfiff D-Jugend-Spiel

Der 50-Jährige bringt die heimischen Unparteiischen zum Lachen. Warum Mario Basler gerne in seiner Kabine aufkreuzte und weitere Anekdoten.

70000 Menschen in Deutschland engagieren sich als Fußball-Schiedsrichter. 26 von ihnen gehören einem besonders elitären Kreis an, sie dürfen Spiele in der Bundesliga leiten. Warum Knut Kircher 15 Jahre lang auf diese Weise im Rampenlicht stand und zudem zwölf mal in Länderspielen zum Einsatz kam, das dürfte der Schiedsrichtergruppe Ostschwaben spätestens seit der Versammlung am Freitag in Inchenhofen klar sein: Weil es sich um eine ungemein starke Persönlichkeit handelt, die über das Talent verfügt, 80 Minuten lang die Zuhörer nicht nur zu unterhalten, sondern sie gar zu amüsieren.

Jack Schnürer und Knut Kircher kennen sich

Joachim Schnürer dürfte unter den gut 50 Besuchern im Voglbräu-Saal der einzige gewesen sein, der mit Kircher schon mal unmittelbar zu tun hatte. Er war der Trainer des TSV Rain, der am 27. August 2000 vor 6000 Zuschauern in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals Schalke 04 mit 0:7 unterlag. Der 23. Mann auf dem Platz war seinerzeit ebendieser Kircher. Aufgrund der Altersgrenze musste er sich mit 47 Jahren vom großen Fußball verabschieden. Heute ist er noch als Beobachter in der 1. und der 2. Bundesliga im Einsatz. Hin und wieder sieht man ihn bei einem Benefizspiel und wenn die Bambinis oder die F-Junioren (ohne Abseits) dem Ball hinterherrennen. Um die unteren Männerligen dagegen macht der 50-Jährige einen Bogen – aufgrund einer schlechten Erfahrung. In einem Kreisligaspiel stand eine schwierige Abseitsentscheidung an. Der Assistent, der ihm dabei zur Seite stehen sollte, hatte in dem Moment für ihn Wichtigeres zu tun. Unter einem Arm hatte er die Fahne eingeklemmt und die andere Hand hielt gerade ein Weizenglas. Insgesamt aber dominieren bei Kircher die erfreulichen Erlebnisse bei Weitem: „Ich habe viele positive Erlebnisse gehabt. Überwiegend war’s für mich immer ein Spaß. Die Begegnungen mit den vielen Menschen, klasse. Ich habe überall tolle Typen erlebt.“

Und er erzählt reihenweise Anekdoten aus seiner Schiri-Zeit. Da hatte er mal ein Spiel von Trabzonspor (Türkei) zu leiten. Unvermittelt rief ihm ein Fußballer aus dem Team der Türken zu: „Und du mi’ a’.“ Der Unparteiische stellte verdutzt den Mann zur Rede und erfuhr, dass der in der Nähe von Stuttgart aufgewachsen war, also in gewisser Weise ein Nachbar von Knut Kircher, der in Rottenburg daheim ist. Der setzte den vorlauten Kicker fortan in der Partie als „Dolmetscher“ ein. Einmal war der Schwabe in Libyen gefragt und kam zu der Erkenntnis, dass Fußball bisweilen lebensgefährlich werden kann. Sein Assistent hatte eine Abseitsstellung erkannt, womit er richtig lag. Doch ein erboster Zuschauer hatte es anders gesehen. Die Folge: Fünf Meter vor dem Assistenten des Schiris steckte ein langer Dolch im Gras.


Knut Kircher (links) mit Ostschwabens Schiri-Obmann Anton Großhauser

Mario Basler und mehr: Ex-Schiedsrichter Knut Kircher hat Geschichten auf Lager

Kircher plauderte auch aus dem familiären Nähkästchen. Als der Ingenieur, der in Sindelfingen in Diensten von Daimler steht, mal den Auftrag für ein Topspiel der Bundesliga erhielt, informierte er gleich seine Gattin. Die bessere Hälfte reagierte wenig erbaut: „Warum du?“ Die kritische Frage galt nicht seinen Qualitäten als Neutraler; dass mal wieder ein privater Termin verschoben werden musste, das stieß bei ihr auf wenig Verständnis. Beim Schlagerspiel zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München kam 15 Minuten vor dem Anpfiff Hans-Joachim Watzke zu Kircher, wies ihn auf die enorme Bedeutung der Partie hin und versicherte ihm, dass er dafür der richtige Mann sei. Dann merkte der Geschäftsführer bei Borussia Dortmund noch an: „Ich habe gehört, Sie sind Bayern-Fan.“ Danach hatte der das Gefühl, kleine Teufelchen würden auf seinen Schultern ständig seine Entscheidungen in Frage stellen. Warum hat es Kircher stets vermieden, Schulnoten seiner drei Söhne zu missbilligen? Weil er nicht Gefahr laufen wollte, dass ein Sprössling im Keller nach einem Ausschnitt eines Boulevardblattes suchen würde, in dem Knut Kircher die Note fünf verpasst worden war. An Mario Basler erinnert er sich gerne: „Der kam oft in die Schiedsrichterkabine, weil das der einzige Raucherbereich im Stadion war.“ Der Schiri forderte ihn auf, mal vier Bier vorbeizubringen. Basler folgte dieser Anweisung.

Kircher vermied es in Inchenhofen weitgehend, den Zeigefinger zu erheben. Er hatte andere Botschaften parat: „Nie den Humor verlieren. Ab und zu ein Lächeln zu schenken, das bewirkt wahre Wunder.“ Aber nur im richtigen Moment. Wer gerade die Rote Karte gesehen hat, der wird auf Späße eher allergisch wirken.

Quelle: Augsburger Allgemeine/Plus-Artikel

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