Mit Video | Vom konsequenten Schiedsrichter zum Regel-Mythos

Mit Video | Vom konsequenten Schiedsrichter zum Regel-Mythos

24. Juni 2018 0 Von Reiner Kuhn

England-Gala gegen Panama. Felipe Baloy erzielte WM-Torpremiere.

Der erste Aufreger bereits kurz nach Anpfiff. Kieran Trippier setzte sich direkt mal auf der rechten Seite durch und spielte dann einen scharfen Rückpass zu Lingard, dem die Kugel aber zu weit vom Fuß sprang. Danach kam es zu einem Zusammenstoß im Sechzehner der Mittelamerikaner. Lingard bekam einen Ellbogen von Gómez voll ans Kinn. Keine ganz saubere Aktion vom Panama-Akteur.

Wohl weil es Grischa gesehen und freien Blick auf die Situation hatte, griff der Video-Schiedsrichter angesichts der WM-Linie nicht. Für mich persönlich ein klarer Wahrnehmungsfehler der mit einem Strafstoß hätte geahndet werden müssen. Weiter die Gelbe Karte wegen des Armes eingesetzt als Werkzeug.

In den ersten Minuten wurde kaum Fußball gespielt, stattdessen lag der Ball nach Fouls. Es gang intensiv los und das dürfte ein Vorgeschmack auf die kommenden 90 Minuten sein. Das war sicher der Anlass für die relativ frühzeitige Gelbe Karte für Armando Cooper, als er sich  kurz nach dem Gegentor zu einem Frustfoul verleiten ließ und Lingard von hinten in die Beine umgrätschte. Das ist war ein übles Ding und gibt zurecht Gelb. Damit fehlte Cooper nach seiner zweiten Gelben Karte im letzten Gruppenspiel gesperrt.
Nach 20 Minuten gab es Elfmeter für England! Lingard wurde von zwei Abwehrspielern in die Zange genommen und ging zu Boden. Vor allem Escobar ging da mit dem Armen zu Werke. Der Mann von Manchester United nahm das aber auch dankbar an. Kann man geben, aber der Ärger von Panama ist ebenfalls nachvollziehbar. Für mich persönlich zu wenig für einen Elfmeter. Zwar wurde es auch geprüft, allerdings kein offensichtlich klarer Fehler bei dem Video-Schiedsrichter den On-Field-Review veranlassen muss.
Unmittelbar nach dem verwandelten Elfmeter versuchte Panama den Antoß auszuführen, während die englischen Spieler noch am Jubeln sind. Der Schiedsrichter unterband aber diese kuriose Szene und pfeift die Canaleros, die alleine auf Pickford zustürmen, zurück.
Englands Spieler feierten das 4:0 von John Stones hinter der Torlinie und Panama-Spieler führten schnell den Anstoß aus und rannten alleine auf das Tor. Als der Schiedsrichter abpfiff, wunderten sich die Spieler.
„Hierzu gibt es keine Regel oder Anweisung.“
Es gibt keine Regel wie im Handball mit der „schnellen Mitte“. Ich kann mir nicht aufklären, wo dieses Gerücht bei der WM kommt: DFB-Beobachter Jürgen Jansen schrieb dazu:
Er verweist auf die offiziellen Fußballregeln. Darin ist zum Aufenthalt der Spieler beim Anstoß in Regel 8.1 lediglich festgelegt: „Alle Spieler, mit Ausnahme des Spielers, der den Anstoß ausführt, befinden sich in der eigenen Spielfeldhälfte.“
Womöglich sind die Spieler einem Gerücht aufgesessen oder sie haben bei den Regelschulungen vor dem Turnier etwas falsch verstanden.
Und es gab den nächsten Elfmeter für England! Murillo umklammerte Stones im Sechzehner und so blieb dem Schiedsrichter keine andere Wahl als auf Strafstoß zu entscheiden. Zumal man sagen muss, er hat den Panama-Spielern vor der Ausführung deutlich angezeigt, dass er auf das Halten im Strafraum konsequent achtet. Einfach nur konsequent. Auch seine Linie in der Zweikampfbewertung zog er bei Haltevergehen konsequent durch, deshalb würde ich beim ersten Strafstoß nicht von einer Fehlentscheidung sprechen. Endlich ahndet mal einer die konsequenten Haltevergehen im Strafraum, lassen vielleicht mal die Spieler ihre W***griffel bei sich.

6:0 für England! Loftus-Cheek zog von rechts nach innen und schoss. Der Ball prallte an Kanes Hacke und flog dann unhaltbar für Penedo ins Tor. Panamas Abwehr reklamierte sofort auf Abseits, doch der Treffer war korrekt. Der Spieler von Panama hatte es mit dem Fuß aufgehoben, der sich auf gleicher Höhe befand. Sah man perfekt an der Linie.

War richtig vom VAR, das Tor anzuerkennen.

Historischer Treffer für Panama! Baloy feiert seinen ersten Treffer für Panama bei einer Weltmeisterschaft! Ávila schlug einen Freistoß aus dem linken Halbfeld in die Mitte. Dort wurde der eingewechselte Kapitän Baloy völlig vergessen, grätschte in die Hereingabe und versenkte den Ball mit dem ausgestreckten Bein technisch stark in die untere rechte Ecke. Mit dem historischen Treffer haben die tapferen Canaleros dann doch noch den historischen Treffer erzielt, auf den das ganze Land gewartet hatte.

Fazit: Die beiden Strafstöße für England gehen ja in Ordnung. Aber bis zur Ausführung ist viel zu viel Zeit vergangen. Grisha hatte sehr viel Mühe, die Akzeptanz der Spieler zu gewinnen, auch aufgrund zu großer Nachsicht. Die Körpersprache gefiel mir auch nicht.

Persönlichkeit und Akzeptanz sind mitnichten Kleinigkeiten, im Gegenteil. Wäre der Spielverlauf nicht so deutlich gewesen, hätte Grisha richtig Probleme bekommen können. Von Panama hat er sich phasenweise auf der Nase herumtanzen lassen.

Sagen wir mal so: Ein WM-Finale wird er nicht pfeifen… 

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