Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen | CL-Achtelfinale

Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen | CL-Achtelfinale

18. Februar 2021 0 Von IG Schiedsrichter

(red/ss/fs) Am Mittwochabend gewann Dortmund das Hinspiel im UEFA Champions League-Achtelfinale beim FC Sevilla auswärts mit 3:2. Nach frühem Rückstand drehte der BVB durch Dahoud und Haaland das Spiel. Vor der Pause legte Haaland zum 3:1 nach, in der zweiten Halbzeit gelang Sevilla noch der Anschlusstreffer durch de Jong. Im zweiten Spiel überraschte der FC Porte Juventus Turin rund um Superstar Christiano Ronaldo mit einer starken Leistung und gewann zurecht mit 2:1.

 

FC Sevilla – Borussia Dortmund 2:3

Die Partie wurde geleitet vom Holländer Danny Makkelie. Ihm assistierten Hessel Steegstra und Mario Diks. Vierter Offizieller war Allard Lindhout. Als Videoassistenten beobachteten Kevin Blom und Jochem Kamphuis das Geschehen im Ramon Sanchez Pizjuan.

Von: Simon Schmidt

Die Spanier machten von Anfang an in der Offensive Druck und konnten ein paar Mal in den ersten Minute gefährlich an den Dortmunder Strafraum kommen. In der 6. Minute fiel dann schon die frühe Führung für den FC Sevilla! Suso schoss von der Strafraumgrenze ab. Der Schuss wurde von Hummels ganz ungünstig abgefälscht, sodass Hitz in der falschen Ecke war und der BVB dem frühen Rückstand hinterherlief. Aber die Gäste sammelten sich recht schnell und spielten selber in die Offensive. Nach knappen 20 Minuten fiel dann der Ausgleich durch Mahmoud Dahoud, der von Haaland 20 Meter vor dem gegnerischen Tor angespielte wurde und mit einem klasse Schuss ins rechte obere Eck das 1:1 machte.

Eine Flanke in den Strafraum von Reus wurde von einem Spieler der Heimmannschaft mit dem Arm ins Toraus abgefälscht. Beim Hochsteigen zum Kopfball ist diese Handhaltung durchaus fußballtypisch, somit wird die Körperfläche nicht unnatürlich vergrößert, jedoch geht der Arm deutlich zum Ball. Eine diskutable Situation! Makkelie ließ weiterlaufen und VAR Kevin Blom empfahl nach kurzer Überprüfung kein On-Field-Review. Ein VAR-Eingriff ist hier nicht nötig, diese Entscheidung lag voll im Ermessensspielraum des Schiedsrichters.  [TV-Bilder – ab 55:04 Minute]

Den BVB kümmerte diese Entscheidung herzlich wenig, denn 4 Minuten später dribbelte sich Haaland klasse durch die Abwehrreihen von Sevilla. Kurz vor dem Strafraum gab er den Ball ab zu Sancho, der mit einem genau passenden Doppelpass wieder den Norweger kurz vor dem Keeper der Spanier Bono anspielte. Haaland ging der energisch zum Ball und machte den Führungstreffer. Der Keeper blieb im Anschluss an das Duell am Boden liegen. Haalands Einsatz richtete sich aber nur dem Ball, sodass der Treffer vollkommend zurecht zählte. Nach der Anfangsphase beherrschten die Dortmunder die Partie, nachdem 2:1 hatten Haaland und Hummels noch Chancen auf einen weiteren Treffer vor der Pause. Der fiel auch noch in der 43. Minute wieder durch Erling Haaland. Kapitän Reus eroberte den Ball in der gegnerischen Hälfte und legte ab auf den Angreifer, der ohne große Mühen das dritte Tor für die Borussia machte. Mit dem Spielstand ging es nach einer Minute Nachspielzeit in die Kabinen.

Nach der Pause wurde Sevilla wieder stärker und setzte den BVB wie in der Anfangsphase mehr unter Druck. Nach einer guten Stunde gab es eine kleine Rudelbildung vor den Trainerbänken. Nach einem fairen Tackling zuvor, wurde Eure Can mit einer Revanche Aktion gefoult. Hier wäre in Anbetracht der vorherigen Situation eine gelbe Karte gegen den spanischen Spieler durchaus angebracht gewesen. Makkelie löste die Aktion mit einer Ermahnung auf. Hummels bekam kurz darauf für ein rücksichtsloses Foulspiel die erste gelbe Karte der Partie. Den darauffolgenden Freistoß von Oscar lenkte der Dortmunder Keeper Hitz super  vom Pfosten weg. Brandt versuchte es nach einer Freistoßflanke in der 81. Minute mit einem Seitfallzieher. Der sah zwar durchaus gut aus, der Schuss ging aber nicht auf das gegnerische Tor. Die nächste Standardsituation nutzte der FC Sevilla zum Anschlusstreffer! Luke de Jong machte eine Flanke nach einem Freistoß von Oscar an das lange Eck zum 2:3 rein. Der Treffer wurde noch kurz auf Abseits überprüft, zählte aber letztlich. In der 88. Minute gab es wieder Aufregung vor den Bänken, als Oscar Sancho hart anging, nachdem dieser den Ball bereits wieder abgegeben hatte. Eine sehr harte Aktion, bei der der Spanier mit Gelb noch gut davon gekommen ist. Zwei Minute später hatten die Dortmunder eine weitere Möglichkeit, Sanchos Schuss ging jedoch sehr knapp am linken Torpfosten vorbei. Im direkten Gegenangriff von Sevilla schubst Haaland Navas bei hohem Tempo von hinten rustikal um, auch dafür gab es vollkommend zurecht die Verwarnung. Kurz darauf zeigte der Vierte Offizieller Allard Lindhout die Nachspielzeit an: 3 Minuten! In die Partie kam nochmal richtig Hektik in der Schlussphase rein. In der 3. Minute der Nachspielzeit ging erst Can nach einer Verletzung (ohne gegnerische Einwirkung) zu Boden, dann zwei Spanier im Dortmunder Strafraum. Während der Aufregung rund um die Szene im Strafraum gerade entfachte, wurde Haaland auch noch gefoult, sodass 4 Spieler am Boden lagen, als Makkelie unterbrach. Die Aktion im Strafraum von Meunier war sicherlich grenzwertig, im Sinne der Linie von Makkelie war weiterspielen vertretbar. Der VAR überprüfte die Szene und meldete sich wieder nicht, sodass Makkelie die Partie in der 5. Minute der Nachspielzeit abpfiff. Vorher sah der Trainer des FC Sevilla Julen Lopetegui noch Gelb. Die Dortmunder nehmen mit dem 3:2 auswärts ein gutes Ergebnis mit nach Dortmund, Sevilla muss im Rückspiel mindestens zwei Tore schießen.

Fazit: Eine zufriedenstellende Leistung von Makkelie in einem zweitweise hitzigen Spiel. Die Zweikampfbewertung passte weitestgehend. Die beiden Strafraumsituationen wurden auf beiden Seiten mit weiter Linie weiterlaufen gelassen.

FC Porto – Juventus Turin 2:1 

(red/fs) Der Schiedsrichter war Carlos del Cerro Grande aus Spanien. Ihn unterstützten an der Linie Juan Carlos Yuste Jiménez und Roberto Alonso Fernández. Als Vierter Offizieller fungierte Jose Maria Sanchez Santos. Die Videoassistenten hießen Alejandro Jose Hernandez Hernandez und Ricardo de Burgos.

Das zweite Spiel des Abends wurde vom spanischen Schiedsrichtergespann um Carlos del Cerro Grande geleitet, der eine sehr knifflige Handspielszene zu bewerten hatte, ansonsten aber mit sehr großzügiger Linie überzeugte und ließ auch mal die klassischen Faller im Defensivbereich laufen.

Diese waren bei zwei sehr theatralischen Teams leider oft zu sehen. Nur in der ersten Halbzeit war die Bewertung der Foulspiele mitunter nicht ganz einheitlich. Völlig richtig lag der Spanier allerdings, als Christiano Ronaldo in der letzten Minute mehr wegrutschte, als getroffen wurde und wild einen Strafstoß forderte. [TV-Bilder]

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