So läufts bei uns in Dänemark

So läufts bei uns in Dänemark

21. September 2018 0 Von Redaktionsmitglied

Dänemark wird im Schiedsrichterbereich von 2 Verbänden beherscht. Zum einen ist da die ”Dänische Fussball Schiedsrichter Union” (Dansk Fodbolddommer Union), DFU und zum anderen der ”Dänische Fussballverband” (Dansk Boldspil Union), DBU.

In Dänemark gibt es insgesamt etwa 3600 Schiedsrichter, davon etwa 1800 – 2000 alleine in Jütland. Da Dänemark in vielen großen Städten Lehranstalten hat, variiert die Zahl in den Landesteilen öfters. Um das Verhältnis zu sehen: Dänemark hat etwa 5,2 Millionen Einwohner. Wenn man Schiedsrichter werden möchte, kann man sich auf den Internetseiten der beiden Verbände informieren, wo der nächste Lehrgang stattfindet. Dieser wird vom Fußballverband angeboten und von einem Lehrwart des Fußballverbandes abgehalten. Bei diesem Lehrgang wird dem Anwärter empfohlen, sich als Mitglied bei dem Schiedsrichtererein in seiner Nähe anzumelden. Der Schiedsrichterverein ist ein Verein indem die Schiedsrichter organisiert werden. Die Schiedsrichter sind nicht Mitglied eines Fusballvereins oder Sportvereines.  Es gibt nur wenige Schiedsrichter die das nicht wollen. Diese werden als Schiedsrichter des Fußballverbandes geführt und müssen sich selbst um die Teilnahme der Lehrgänge kümmern, und für diese auch gesondert zahlen. Nur wer Mitglied eines Schiedsrichtervereines ist, bekommt diese Lehrgänge umsonst. Als Schiedsrichter sind wir in eigenen Vereinen organisiert – nicht in Fussballvereinen oder Sportvereinen.

Dieser Schiedsrichterverein ist Mitglied im Schiedsrichterverband, und führt die praktischen Aufgaben der Fussballverbandes aus, die eine jährliche theoretische Prüfung sowie einen Lauftest, entweder Cooper oder YoYo-Intervalltest, sind. Jeder Schiedsrichterverein hat einen Ausbildungsausschuss und einen Beobachtungsausschuss.
Dem Fussballverband unterstellt, sind die einzelnen Schiedsrichterregionen, die denen des Verbandes folgen. Als Beispiel: Der Fussballverband Jütland hat einen Hauptschiedsrichterausschuss und einen Hauptbeobachtungsausschuss. Jede Region hat Ihre Schiedsrichter Gebietsgruppe und eine Beobachtergruppe, wo die jeweiligen Vorsitzenden in den beiden Hauptausschüssen sitzen. Jede Regionsgruppe arbeitet Eigenständig und hat dazu verschiedene Verbandsaufgaben zu bewältigen, ebenso wie jede Gruppe Ihr Budget hat, das vom Fussballverband kommt.

Jede Gruppe arbeitet zudem mit verschiedenen Projekten, die entweder Regionsbezogen sind, oder auch Grenzüberschreitent sein können. So arbeiten wir in der Region 3A z.B. mit dem schleswigholsteinischen Fußbalverband und dem Kreisfussballverband Nordfriesland, mit einem Austauschprogramm, eng zusammen, das von uns aus als Förderkaderprogramm und Ganztageslehrgang geführt wird, wo die Förderkaderschiedsrichter aus den drei Schiedsrichtervereinen der Region eingeladen werden. Der Lehrgang hat dann jeweils ein Hauptthema in dem die Schiedsrichter dann unterrichtet und beobachtet werden. Daneben haben wir ein Turnier für junge Schiedsrichter die wir gerne im Förderkader sehen. Dieses organisiert die Gruppe 3A bei einem Turnier in Grenå, wo 15 Schiedsrichter eingeladen werden, und von 5 Beobachtern 3 Tage intensiv geschult werden.

Der Fußballverband kümmert sich ebenfalls um die Ausbildung der Schiedsrichter und Beobachter und in Zusammenarbeit mit den Schiedsrichtervereinen werden verschiedene Kurse, wie Assistentenkurs 1 und 2 sowie verschiedene Schiedsrichterkurse, angeboten, die nötig sind, damit der Schiedsrichter von seinem Schiedsrichterverein für die einen Aufstieg, bzw. für den Förderkader , vorgeschlagen zu werden. Die Schiedsrichter können lokal in der Region aufsteigen oder in der Vorförderkader, der dann zu den Regionalen und dann weiter zum Centralen Förderkader führt.

Schiedsrichter-Assistent kann nur derjenige werden, der die entsprechenden Laufprüfungen sowie Lehrgänge absoviert hat. Besondere Assistentenausbilder vom Verband stehen hier zur Verfügung. Als Schiedsrichter kann nur aufsteigen wer nach dem Schiedsrichtergrundlehrgang, die Kurse: Schiedsrichter 1 und 2 sowie Konflikttraining und Schiedsrichter in der Praxis durchführt, diese werden jeweils halbjährlich oder nach Verfügung, angeboten. Diese Kurse sollte man absolviert haben, bevor man in den Vorförderkader eingeladen wird, hat man diese nicht, kann man vorerst nicht weiter aufsteigen. Zu den Lehrgängen wird man automatisch eingeladen. Diese werden vom Verband, in Zusammenarbeit mit den Regionsgruppen und Schiedsrichtervereinen abgehalten.

Rein Ansetzungsmäßig wird man in Jütland von einem zentralen Ansetzerprogram betreut, das darauf achtet, das man in einem Radius von 25 km seiner Postanschrift angesetzt wird. Keine Regel ohne Ausnahme, je nachdem wie viele Gruppen und Spiele es in den einzelnen Klassen gibt, variiert die Kilometerbegrenzung. Ebenso werden Schiedsrichter in den Förderkadern gesondert angesetzt und man achtet darauf, das dann der Beobachter die kürzeste Strecke fährt und der Schiedsrichter am weitesten.

Folgende Klassen gibt es bei uns:

F bis A Jugend – ab D-Jugend in den Klassen 3, 2, und 1 – Bis mit zur D-Jugend wird nur mit 8` Mannschaften gespielt. Erst ab C Jugend gibt es 11er Mannschaften.

Senioren: Klassen S6 – S3 wo ein Schiedsrichter angesetzt wird. Klassen 2 – 1, Jutlandsserie und Dänemarkserie regional, wo jeweils ein Gespann angesetzt wird. Ab Klasse S3 gibt es Förderkaderklassen. Dazu gibt es natürlich Oldboys, Oldgirls, Schulfussball und Betriebssport. Alles was über der Dänemarkserie regional liegt, gehört nicht zum Breitenfussball und wird gesondert vom Fußballverband in Kopenhagen geführt. Und was bekommt dann ein Schiedsrichter bzw. Assistent im Breitenfussball? SR und SRA bekommen den gleichen Spesensatz! Laut Steuergesetz darf ein freiwilliger Schiedsrichter pro Tag 60,00 Euro steuerfrei einnehmen. Das Fahrgeld wird hier nicht mitgerechnet da es eine Auslage ist.

Als Beobachter bekommt man den selben Spesensatz wie der Schiedsrichter, ausgenommen ist die Patenfunktion, hier wird der Spesensatz von 60 Minuten gezahlt.

Spiel von 90 min = 30,00 Euro
Spiel von 80 min = 27,30 Euro
Spiel von 70 min = 24,00 Euro
Spiel von 60 min = 20,50 Euro

Alle übrigen Turnierspiele mit weniger als 60 Minuten Spielzeit werden nach einer gesonderten Tabelle abgerechnet.
Hallenfussball und Futsal = 0,34 Euro pro Spielminute. Fahrgeld = 0,47 Euro pro Kilometer, egal ob Auto, Fahrrad, Bus oder Bahn. Nur bei Fährfahrten zu den Inseln gelten zusätzliche Spesensätze.

Und was macht nun der Schiedsrichterverband?

Unser Schiedsrichterverband ist unsere Gewerkschaft. Diese verhandelt u.a. die Spesensätze. Aber auch wird hier mit den Behörden verhandelt. Vor kurzem erst hat der Schiedsrichterverband mit den Steuerbehörden und den Arbeitslosenämtern verhandelt. So dürfen arbeitslose Schiedsrichter Ihre Spesen in vollem Umfang behalten und es wird nicht gegengerechnet. Ebenso gilt dieses für z.B. Frührentner oder anderen Personen, die eine staatliche Unterstützung bekommen. Hintergrund ist, das die Funktion als Schiedsrichter als ”freiwilliger sportlicher Mitarbeiter” geführt ist, und die Schiedsrichter Mitglied in einem gemeinnützigen Verein sind, ebenso wie die Sportvereine gemeinnützig sind und damit als Arbeitgeber der besonderen freiwilligen Steuergesetzeunterlegen sind. Das heisst, das ein Schiedsrichter als ”freiwilliger Mitarbeiter” des Sportverins gilt, wo er angesetzt ist. Das heisst dann auch das er, in dem Moment wo er sein haus verlässt, bis er wieder zu Hause ist, bei diesem Verein versichert ist! Diese versicherungen hat der Schiedsrichterverband u.a. auch verhandelt. Des weiteren ist der Schiedsrichterverband auch Bindeglied wenn dem Schiedsrichter Gewalt angetan wurde. Hier stellt der Schiedsrichterverband die notwendigen Anwälte kostenlos zur Verfügung und betreut dann in Zusammenarbeit mit dem Schiedsrichterverein den Kollegen von A bis Z. Die beiden Verbände arbeiten in allen Angelegenheiten eng zusammen.

Das war in Kürze eine Zusammenfassung dessen, wie wir als Schiedsrichter in der Breite organisiert sind. Wer also zu uns kommt und pfeifen möchte, sei herzlich willkommen und bei Fragen kann man mich jederzeit anschreiben.

Michael Wachowiak
Beobachter und Projektleitung
DBU-Schiedsrichtergebietsgruppe 3A

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