Tatort Strafraum | Die DFB-Analyse der Schiri-Zeitung

Tatort Strafraum | Die DFB-Analyse der Schiri-Zeitung

1. März 2021 0 Von IG Schiedsrichter

In der Analyse der 2. Ausgabe der DFB-Schiedsrichter Zeitung in diesem Jahr dreht sich alles um den Strafstoß. Da dieser in etwa 80% der Fällen direkt ein Tor bedeutet, hat diese Spielfortsetzungen einen enormen Einfluss auf das Spiel. Im Folgenden fassen wir die, von den Autoren Alexander Feuerherdt und Rainer Werthmann ausgewählten sechs Szenen aus den beiden Bundesligen zusammen.

Von: Simon Schmidt

Borussia Dortmund – VfB Stuttgart 1:5 (SR: Christian Dingert)

Die erste beschriebene Szene ist ein klassisches Foulspiel im Strafraum. Der Dortmunder Can kommt gegen den Stuttgarter Klimowicz zu spät und trifft etwa am Elfmeterpunkt nur den Mann. Da es sich hier um eine ballorientierte Verhinderung einer klaren Torchance im eigenen Strafraum handelt, war die Entscheidung Strafstoß + Gelb für Can von Schiedsrichter Christian Dingert vollkommend korrekt. Besonders wichtig ist hier das Stellungsspiel des Schiedsrichters, um diese Szene bei hohem Tempo korrekt bewerten zu können. [TV-Bilder]

Fortuna Düsseldorf – SV Darmstadt 98 3:2 (SR: Patrick Alt)

Die nächste Szene stammt aus der 2. Bundesliga. Am 10. Spieltag treffen Fortuna Düsseldorf und der SV Darmstadt aufeinander. In dieser Partie kommt es zu einem Angriff über die linke Seite der Gäste. Holland läuft in den Strafraum und wechselt im Zweikampf gegen Ofori schnell die Richtung. Der Düsseldorfer trifft dabei den Darmstädter am Fuß, sodass Letzterer zu Boden geht. Schiedsrichter Patrick Alt steht sehr gut und entscheidet richtig auf Strafstoß. Dieser schnelle Pfiff wird von den Düsseldorfern deshalb recht gut akzeptiert. [TV-Bilder]

Borussia Mönchengladbach – TSG 1899 Hoffenheim 1:3 (SR: Frank Willenborg)

Des weiteren wird eine Szene aus der Partie Gladbach gegen Hoffenheim vom 13. Spieltag analysiert. Hierbei bringt der Hoffenheimer Geiger den Gladbacher Embolo zu Fall, indem er den Fuß in den Weg des Angreifers stellt. Außerdem trifft Geiger noch den Fuß von Embolo. Hier liegt ebenso ein klarer Fall von Beinstellen vor, weswegen der Schiedsrichter korrekt auf Strafstoß entschied. Hier liegt die Schwierigkeit weniger beim Foul selber, sondern mehr beim Ort des Vergehens. Denn der Gladbacher Angreifer will ursprünglich wieder aus dem Strafraum der Gäste rauslaufen, sodass man zum Zeitpunkt des Vergehens als Schiedsrichter den Ort gedanklich richtig „fotografieren“ muss. [TV-Bilder]

Borussia Mönchengladbach – Hertha BSC 1:1 (SR: Robert Hartmann)

Zwei Spieltage zuvor verwehrt Schiedsrichter Robert Hartmann den Gladbachern einen Elfmeter, als Hermann im Strafraum der Hertha eine Hereingabe verpasst, nachdem der Berliner Verteidiger Pekarik seinen Arm an dessen Rücken hatte. Doch liegt hier wirklich ein strafbares Halten/Stoßen vor? Nein, sagen die Autoren Alex Feuerherdt und Rainer Werthmann bei dieser Szene. Denn der Impuls des Herthaners war nicht maßgeblich dafür, dass Hermann die Hereingabe verpasste und zu Fall kam. Der Impuls war außerdem sehr gering. Somit ist Weiterspielen die richtige Entscheidung. [TV-Bilder]

VfL Wolfsburg – Eintracht Frankfurt 2:1 (SR: Markus Schmidt)

Eine gegensätzliche Szene ereignet sich an diesem Spieltag bei der Partie VfL Wolfsburg gegen Eintracht Frankfurt. Nach einer Freistoßflanke der Frankfurter streckt der Wolfsburger Verteidiger Brooks im Zweikampf gegen Hinteregger seine Hände aus und stößt diesen schließlich in den Rücken. Schiedsrichter Markus Schmidt lässt erst weiterspielen, entscheidet später am Bildschirm aber auf Strafstoß für die Eintracht. Das ist korrekt, denn der Unterschied zur vorherigen Szene besteht darin, dass sich beide Spieler in Bewegung befinden und das Halten/Stoßen so eine stärkere Wirkung hat. Außerdem ist der Impuls selber stärker. [TV-Bilder]

VfL Bochum – Fortuna Düsseldorf 5:0 (SR: Frank Willenborg)

Nach einem Spielzug der Gastgeber kommt der Ball in der letzten analysierte Szene von der linken Seite scharf in den Strafraum der Düsseldorfer. Dort verpassen alle Spieler den Ball, sodass dieser ins Toraus geht. Schiedsrichter Willenborg entscheidet zunächst auf Abstoß, doch der Bochumer Angreifer Zoller reklamiert, dass er gehalten worden sei. Und das ist korrekt, denn der Düsseldorfer Gegenspieler Peterson hält den Bochumer kurz am Arm, sodass dieser das Gleichgewicht verliert. Nach einem empfohlenen On-Field-Review entscheidet sich Frank Willenborg um und gibt Strafstoß + Rot für Peterson. Die letztlich richtige Entscheidung, da das kurze Halten von Peterson hier eine offensichtliche Torchance durch Zoller verhindert. [TV-Bilder]

Fazit: Bei der Bewertung von Strafraumsituationen ist das Stellungsspiel des Schiedsrichters entscheidend, um die Szenen korrekt bewerten zu können. Zum einen muss die Distanz zum Spielgeschehen, zum anderen die Position des Schiedsrichters selber passen.

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