Am vergangenen Wochenende in der zweiten Liga ging es turbulent her aus Schiedsrichtersicht. So unter anderem hatte Schiedsrichter Lars Erbst enorme Schwierigkeiten bei der Partie Dresden – Darmstadt und bewertete zwei ähnliche Szenen auf beiden Seiten unterschiedlich. Zusätzlich hatte Bundesliga-Schiedsrichter Dr. Florian Exner große Probleme bei der Partie Kaiserslautern – Paderborn, gab zu Unrecht einen Freistoß für Paderborn der zum Treffer führte und dies brachte Lauterns-Trainer Lieberknecht so zur Wut, dass er in der Halbzeitpause von Exner runtergeworfen wurde. Alles weitere in der Analyse und hier die Top 3 des Spieltages:
Platz 🥇 1 – Dr. Robert Kampka:
Auf Platz 1 des Spieltages liegt diesmal Robert Kampka aus Köln, der beim Topspiel Greuther Fürth – Schalke am Samstag Abend im Einsatz war. Kampka wählte eine sehr angenehme Linie bei dem Spiel und lag bei allen strittigen Szenen richtig. So unteranderem beim möglichen Elfmeter für Schalke, da hat Kampka zu recht weiterspielen lassen. Seine Zweikampfbewertung war an diesem Tag wirklich überragend und er hatte somit jederzeit Kontrolle im Spiel.
Platz 🥈 – Jarno Wienefeld:
Schiedsrichter Jarno Wienefeld aus Hamburg landet auf dem zweiten Platz und war am Samstag bei der Partie Kiel – Elversberg im Einsatz. Wienefeld hatte wenig Probleme in diesem Spiel, da es verhältnismäßig auch einfach zu leiten war. 1-2 kleinere Probleme in der Zweikampfbewertung gab es, jedoch waren dies nur Kleinigkeiten.
Platz 🥉 – Patrick Alt:
Auf Platz 3 haben wir Patrick Alt aus Illingen der bei der Partie Hertha BSC – Nürnberg im Einsatz war. Alt war in einer Szene besonders gefordert, als es um eine mögliche Notbremse für den Nürnberger Lochoshvili ging. Hierbei hat Alt die Szene gut im Überblick gehabt und lies zurecht weiterspielen. Auch der VAR schaute nochmal drüber, aber selbst der hatte nichts zu beanstanden. Ansonsten eine souveräne Spielleitung und wie bei Wienefeld mit leichten Problemen in 1-2 Situationen.
Dynamo Dresden – SV Darmstadt 98 3:1 (SR: Lars Erbst)
Szene 1: In der 7. Minute schlug Darmstadts Torhüter Marcel Schuhen einen weiten Abschlag nach vorne. Isac Lidberg startete durch und hätte den Ball fast erlaufen können. Dresdens Innenverteidiger Thomas Keller riss ihn jedoch per Trikotzieher zu Boden. Schiedsrichter Lars Erbst zeigte nur Gelb für Keller – mit der Begründung, dass der Weg zum Tor für Lidberg noch weit war und keine klare Torchance („denying an obvious goal-scoring opportunity“) vorlag. Nach den Regeln wäre Rot nur zwingend gewesen, wenn Lidberg klare Ballkontrolle gehabt hätte und der Torwart nicht mehr hätte eingreifen können – hier sah der Schiri und später auch Marco Fritz das anders: Keine Ballkontrolle bei Lidberg + möglicher Zugriff durch Dresdens Keeper → daher „nur“ Gelb statt Rot.
Aber das ist ein absoluter Grenzfall. Der Ball hatte nicht die höchste Geschwindigkeit und der Angreifer ist im vollem Lauf. Er würde wohl den Ball auch erreichen, daher bin ich eher stärker dabei, dass der Angreifer vorher dran wäre. Ich kann aber auch die Erklärung des DFB nachvollziehen. Erbst hatte Wahrnehmung und entschied sich für keine klare Torchance. Dann ist es auch keine klare Fehlentscheidung, die korrigiert werden muss, es hätte aber durchaus auch Rot geben können, da aber auch andere Meinungen zulässig sind. Ich denke aber, wenn Erbst da Rot gibt, würde die auch Bestand haben. Hier gibt man wie Kircher auch oft betont hat das Vertrauen an den Schiedsrichter der die Situation einschätzen soll. Der VAR wäre bei beiden Szenarien wahrscheinlich nicht berechtigt einzugreifen. [TV-Bilder – ab 0:05 Minuten]
Szene 2: Patric Pfeiffer rutschte im eigenen Strafraum aus, verlor den Ball an Ben Bobzien. Bobzien nahm sofort Fahrt auf, steuerte Richtung Tor – Pfeiffer als letzter Mann grätschte ihn um und holte ihn von den Beinen. Schiedsrichter Lars Erbst entschied sich nach VAR-Kontakt auf Notbremse und zeigte glatt Rot für Pfeiffer. Darmstadt war stocksauer, weil sie das als klare Ungleichbehandlung sahen: In der 7. Minute hatte Dresdens Thomas Keller Isac Lidberg bei einer ähnlichen Kontersituation nur Gelb bekommen. Das passt nicht zur Linie. Wenn man auf der einen Seite für eine Grenzentscheidung Gelb zeigt, kann man auf der anderen Seite nicht Rot zeigen. Für mich wäre beides Gelb die bessere Entscheidung gewesen. Zudem geht der Ball leicht nach außen, er legt den Ball links am Verteidiger vorbei. [TV-Bilder – ab 02:25 Minuten]
Szene 3: Der erst verwarnte Lemmer trat Marseiler kurz vor dem Sechzehner seitlich in die Beine. Schiedsrichter Lars Erbst zeigte Gelb-Rot für den Dresdner. Eine harte Entscheidung. Ohne Pfeiffers Rote Karte in der 42. Minute hätte der Schiri vielleicht nicht so schnell die zweite Gelbe für Lemmer gezogen, um das Spiel auszugleichen oder die Emotionen zu beruhigen. Aber objektiv betrachtet waren Lemmers Fouls an Marseiler unstrittig: Das erste war ein klares taktisches Foul, und das zweite ein spät-hohes Steigen auf den Fuß, was in der 2. Liga oft Gelb gibt. Es passierte ja auch nur 105 Sekunden nach der ersten Verwarnung, da hat Lemmer sich selbst reingeritten, unabhängig von der Unterzahl bei Darmstadt. [TV-Bilder – ab 06:10 Minuten]
1.FC Kaiserslautern – SC Paderborn 07 3:1 (SR: Dr. Florian Exner)
Szene 4: Norman Bassette zog rechts durch, war klar schneller als Paderborns Felix Götze. Bassette drang in den Strafraum ein, wollte am Abwehrspieler vorbei – beide kamen zu Fall, es sah nach Kontakt am Bein durch leichter Berührung aus, Bassette geht runter. Der FCK reklamierte sofort Elfmeter – eine knifflige Strafraumszene, Bassette hatte Vorteil und wurde im Fallen behindert. Exner ließ aber weiterspielen. Das ist zu wenig, weiterspielen voll in Ordnung. Im Vergleich aber das Foul das zur Paderborner Führung das mehr Foul. Den Freistoß gibt dann nicht jeder… [TV-Bilder – ab 0:08 Minuten]
… und das hat die Lauterer extrem aufgeregt, weil später im Spiel ein ähnlich leichtes Foul Freistoß am Strafraumrand an Marino gegeben wurde, den Brackelmann direkt zum 0:1 verwandelte. Der Angreifer stellte das Bein raus, weshalb der Verteidiger ihn natürlich trifft. Leipzig gegen Dortmund bei Adenyemi das selbe Foul ließ Benjamin Brand zurecht weiterlaufen. Hier mit Exner an der Pfeife wurde der Angreifer belohnt, obwohl der den Kontakt suchte. [
Bei Florian Exners Entscheidungen war der FCK immer der Leidtragende, mehrmals keine Linie in der Zweikampfbewertung und entschied das eine oder andere Mal bei Freistößen falsch.
Arminia Bielefeld – Hannover 96 0:1 (SR: Eric Dominic Weisbach)
Szene 5: Nach einer Flanke von Hannover 96 von der linken Seite entstand im DSC-Strafraum ein wildes Durcheinander bei der Abwehr. Noël Aséko (Hannover) blockte einen Befreiungsschlag von Arminia mit dem Gesicht, sackte kurz zusammen – der Ball prallte ab und tickte dann per unglücklichem Aufsetzer an den rechten Arm von Stefano Russo. Der Arm war ausgestreckt, die Distanz zum Schützen relativ groß und es war unfreiwillig und nach einem abgelenkten Ball. Schiedsrichter Eric Weisbach pfiff zunächst nicht – ließ weiterspielen. Aber der VAR meldete sich sofort und empfahl eine Überprüfung. Weisbach ging selbst an den On-Field Review-Monitor, schaute sich die Bilder mehrmals an und entschied schließlich auf Elfmeter für Hannover 96! Regeltechnisch vertretbar., den Strafstoß zu geben. [TV-Bilder – ab 02:00 Minuten]
Szene 6: Arminia hatte gerade mächtig Druck gemacht und war dran am Ausgleich – dann kam der Konter: Ein langer Ball oder eine Flanke, Jonas Kersken stürmt raus, um den Ball abzufangen. Er schiebt zuerst den Hannover-Stürmer leicht weg beim Herauslaufen – kein klares Foul, aber es gibt Kontakt. Der Ball liegt frei, ein anderer Arminia-Spieler versucht, den Ball per ausgefahrenem Arm ins leere Tor zu lenken – und trifft! Die Bielefelder jubeln kurz, Fans gehen hoch – aber Schiedsrichter Weisbach pfeift sofort ab: Tor aberkannt wegen Handspiel! Richtige Entscheidung ein klares Handspiel – der Arm war weit ausgestreckt, der Spieler berührte den Ball aktiv mit dem Arm und es war kein natürlicher Arm in der Bewegung. Nach den aktuellen IFAB-Regeln (Handspiel = Tor ungültig, wenn der Ball mit der Hand/Arm ins Tor gelangt, unabhängig von Absicht, wenn’s aktiv ist) war’s korrekt aberkannt. Kerskens Schieben davor wurde als kein Foul gewertet also kein Freistoß für Hannover – aber das Tor zählte wegen des Handspiels nicht. [TV-Bilder – ab 03:19 Minuten]
Greuther Fürth – Schalke 04 1:1 (SR: Dr. Robert Kampka)
Szene 7: Edin Džeko bekam eine Halbfeldflanke von rechts perfekt serviert. Er legte den Ball klassisch mit der Brust kontrolliert ab – direkt auf Dejan Ljubičić. Ljubičić wollte direkt durchziehen Richtung Tor, aber von hinten kam ein kleiner Zupfer am Trikot bzw. Hose – ein leichter Griff, der den Schwung nahm. Ljubičić ging theatralisch zu Boden und reklamierte sofort Elfmeter – Schiedsrichter Dr. Robert Kampka zeigte sofort mit der flachen Hand nach vorne: „Zu wenig!“ und ließ weiterlaufen. Der VAR checkte die Szene schnell, bestätigte: Kein Elfmeter – der Griff war zu minimal, Ljubičić übertrieb den Sturz ein bisschen und es gab keinen klaren, spielverderbenden Vorteil. Kein On-Field-Review nötig, Spiel ging weiter. Für mich die richtige Entscheidung. [TV-Bilder – ab 03:30 Minuten]
Szene 8: Nach einer Ecke von der linken Seite wurde es im Fürther Strafraum ein totales Chaos: Ein Fürther Spieler köpfte den Ball hoch in die Luft, um zu klären. Dennis Srbeny ging im Zweikampf mit Nikola Katić zu Boden – es gab Körperkontakt, beide verpassten den Ball. Die Kugel sprang auf, prallte dann unglücklich gegen die Wade von Edin Džeko und rollte langsam über die Linie – ins eigene Tor! Die Fürther jubelten kurz über das vermeintliche 2:0. Aber: der Assistent hob sofort die Fahne, der VAR Günter Perl meldete sich – hauchdünnes Abseits von Srbeny im Vorfeld! Der VAR checkte die Linien per On-Field Review und es blieb dabei: Srbeny stand minimal im Abseits, als der Ball von der Ecke kam oder beim Abpraller. Tor aberkannt – kein Eigentor für Džeko, kein 2:0 für Fürth. [TV-Bilder – ab 03:57 Minuten]
1.FC Magdeburg – Karlsruher SC 1:3 (SR: Konrad Oldhafer)
Szene 9: Żukowski drang in den Strafraum ein wurde von einem KSC-Verteidiger gehalten – es gab Kontakt am Bein, Żukowski ging zu Boden und reklamierte sofort Foul. Schiedsrichter Konrad Oldhafer ließ weiterspielen. Kurz darauf konterte Karlsruhe eiskalt und machte das 3:1. Für mich weiterspielen korrekt, kein klares Foul. Der Kontakt minimal, Żukowski fiel etwas übertrieben – kein klares Foul, das zwingend Elfer gewesen wäre. [TV-Bilder – ab 04:40 Minuten]
Hertha BSC – 1. FC Nürnberg (SR: Patrick Alt)
Szene 10: Jan-Luca Schuler bekam einen Ball in den Lauf gespielt, startete durch in Richtung FCN-Strafraum. Luka Lochoshvili verfolgte ihn von hinten, es kam zum Körperkontakt – Lochoshvilis Hand/Arm war auf Schulers Schulter, leichter Halt/Zupfer, Schuler ging zu Boden und reklamierte sofort Elfmeter, weil Lochoshvili der letzte Mann gewesen wäre und das eine klare Notbremse/Torchance hätte sein können. Schiedsrichter Patrick Alt ließ sofort weiterspielen – er sah kein Foul, winkte ab. Der VAR checkte die Szene kurz, bestätigte: Zu wenig Kontakt, kein klares Ziehen oder Halten, Schuler vielleicht etwas zu bereitwillig gefallen. Das ist die richtige Entscheidung, das war kein Foul. Die Hand von Lochoshvili ist auf der Schulter von Schuler, aber da ist kein Ziehen zu sehen. Alt stand gut positioniert und hatte den besten Blick. [TV-Bilder – ab 03:00 Minuten]
Eintracht Braunschweig – Preußen Münster 1:2 (SR: Daniel Siebert)
Szene 11: Batista Meier lief locker aufs verwaiste Tor zu und schob den Ball entspannt rein. Schiedsrichter Daniel Siebert pfiff zunächst nicht sofort, aber der VAR meldete sich blitzschnell: On-Field Review – Siebert schaute sich die Bilder an und kassierte das Tor wieder ein wegen Handspiel von Batista Meier! Die richtige Entscheidung. Der Ball sprang nach dem Kontakt mit Bell Bells Schuss unglücklich an Batista Meiers Arm. Nach den aktuellen IFAB-Regeln gilt Handspiel als strafbar, wenn der Arm unnatürlich positioniert ist (ausgestreckt, nicht am Körper) und der Spieler dadurch Vorteil erlangt – hier führte es direkt zum Tor. Batista Meier stand in einer Position, wo der Arm im Weg war, und es war kein reiner Abpraller vom Körper. Der VAR sah’s als klares Handspiel unmittelbar davor. Die völlig richtige Entscheidung. [TV-Bilder – ab 02:25 Minuten]
Anmerkung: Ich bin auf die Szenen der Zusammenfassungen der „Sportschau“ angewiesen. Solltet ihr weiteres, aussagekräftiges Material besitzen, dann reichen wir eine Einschätzung gerne nach. Eventuelle Spielerverwechslungen im Artikel führen zum Videobeweis. In diesem Fall bitte ich um eine kleine Rückmeldung. Vielen Dank!
