Auch in der zweiten Bundesliga ging das Wochenende mit dem 30. Spieltag zu Ende und es gab sehr viele positive Spielleitungen zu sehen. Weniger Positiv war leider Max Burda beim Topspiel Hannover – Paderborn, als Schiedsrichter-Assistent Robert Wessel ein klares Abseits vor der Paderborner Ecke zum 0:1 übersah. Auch der sehr erfahrene Liga 2-Schiedsrichter Patrick Alt wies viele Probleme bei der Partie Braunschweig – Hertha auf, als er sogar eine rote Karte übersah! Alles weitere wie gewohnt in der Analyse und hier die Top 3 des Spieltages:
Platz 🥇 – Felix Wagner:
Den ersten Platz an diesem Spieltag erhält der jüngste Schiedsrichter auf der Liga 2-Liste. Dabei handelt es sich um Felix Wagner aus Glött der am Samstagmittag bei der Partie im Osten zwischen dem FC Magdeburg und der Fortuna aus Düsseldorf zum Einsatz kam. Wagner war in dieser Partie besonders stark. Er strahlte eine unglaubliche Ruhe aus, war in der Zweikampfbewertung nahezu immer richtig und erhielt am Ende des Spiels viel Lob auch auf Social Media von beiden Fanlagern. Zwei Abseitsentscheidungen gab es für Schiedsrichter Assistent Günsch in der Partie zu bewältigen, in einer lag er richtig und in einer musste der VAR aus Köln eingreifen. Da konnte man mit dem menschlichen Auge schwer die Szene bewerten, deshalb kein Vorwurf an Günsch an dieser Stelle!
Platz 🥈 – Felix Prigan:
Auf dem zweiten Platz haben wir diesmal Schiedsrichter Felix Prigan aus Deizisau der am Freitagabend den Weg ins Saarland machte zur Partie SV Elversberg – Karlsruher SC. Die Partie war weitestgehend fair geführt und Prigan musste nicht oft in diese eingreifen. Jedoch wirkte auch Prigan sehr sicher auf dem Platz und zeichnete auf kommunikativer Ebene mit den Spielern ein hervorragendes Spiel ab! 1-2 kleinere Fehler gab es in der Zweikampfbewertung, diese waren aber nicht spielentscheidend.
Platz 🥉 – Marc Philip Eckermann:
Auf dem dritten Platz haben wir ebenfalls aus Baden-Württemberg, um genauer zu sein aus Winnenden, Marc Philip Eckermann der am Freitagabend die Partie zwischen Holstein Kiel – FC Kaiserslautern leitete. Auch Eckermann lieferte eine nahezu tadellose Spielleitung ab. Seine Linie zum Spiel wählte er sehr gut und das Spiel hatte somit einen gut abzusehenden Spielfluss. Es gab keine Probleme in der Spielleitung und mit 4 gelben Karten wurden auch nur die verteilt, die dringend notwendig waren.
Eintracht Braunschweig – Hertha BSC 1:1 (SR: Patrick Alt)
Szene 1: Bereits nach neun Minuten zeigte Schiedsrichter Patrick Alt nach einem klaren Foul auf den Punkt und gab Strafstoß für die Hertha. Luca Schuler lief frei auf Ron-Thorben Hoffmann zu, legte sich den Ball am Torwart vorbei und wurde dann von diesem klar abgeräumt. Strittig dagegen ist die persönliche Strafe, denn Hoffmann sah für sein Foul nur die Gelbe Karte. Aus Sicht von Schiedsrichter Alt galt die Aktion des Schlussmanns also ursprünglich noch dem Ball. Nach den Bildern sieht es aber tatsächlich so aus, dass Hoffmann keine realistische Chance mehr auf den Ball hatte. Schuler hatte ihn schon sauber umkurvt, und der Kontakt war ein klares, nicht ballorientiertes Foul gegen einen Spieler mit klarer Torchance (DOGSO im Strafraum). Nach den Regeln führt ein nicht ballorientiertes Foul gegen eine „obvious goal-scoring opportunity“ im Sechzehner in der Regel zu Rot. Er hatte da riesengroßes Glück, dass Alt ihn nicht vom Platz stellte. Für mich eine Fehlentscheidung bei der Kartenfarbe und ein fehlender VAR-Eingriff . Ein ballorientiertes Foul lag definitiv nicht vor, dafür aber die klare Verhinderung einer Torchance. [TV-Bilder – ab 0:20 Minuten]
Szene 2: Kennet Eichhorn kam bei einer Grätsche gegen Florian Flick deutlich zu spät. Er traf seinen Gegenspieler mit der offenen Sohle oberhalb des Knöchels am Schienbein – ein harter, riskanter Einsatz. Patrick Alt zückte zunächst nur Gelb. Nach VAR-Hinweis ging Alt an den Monitor und korrigierte die Entscheidung auf Rot wegen groben Foulspiels (serious foul play / reckless challenge mit hoher Gefahr). Alt hatte danach keinen Spielraum mehr – die Bilder zeigten eindeutig den späten Treffer mit offener Sohle und hoher Intensität am Schienbein. Das ist nach den aktuellen Regeln ein klassisches Rot, auch wenn es kein böswilliges Stempeln mit voller Absicht war. Die offene Sohle + zu spät + Trefferpunkt oberhalb des Knöchels reicht für den Platzverweis aus. [TV-Bilder – ab 03:25 Minuten]
SpVgg Greuther Fürth – SV Darmstadt 98 3:2 (SR: Eric Dominic Weisbach)
Szene 3: Nach einer Ecke kam Noel Futkeu im Zentrum zum Abschluss und schoß den Ball aus kurzer Distanz auf Patric Pfeiffer. Der Darmstädter Innenverteidiger hatte den Arm deutlich vom Körper abgespreizt und blockte damit die Kugel. Schiedsrichter Eric Weisbach hatte eine sehr gute, freie Sicht auf die Szene und zeigte sofort und ohne Zögern auf den Punkt – Handelfmeter für Fürth. Eine völlig korrekte Entscheidung. Der Arm ist unnatürlich vom Körper entfernt und vergrößert die Körperfläche in der Schussbahn durch ein klassisches strafbares Handspiel nach den aktuellen Regeln (Absicht spielt hier keine entscheidende Rolle mehr. Kein VAR-Eingriff nötig, weil Weisbach die Szene hervorragend gesehen hat. [TV-Bilder – ab 01:40 Minuten]
Szene 4: Diskussionen gab es beim Darmstädter 2:1 durch Yosuke Furukawa, denn der Japaner nahm den Ball mit dem abgespreizten Arm mit und erzielte danach ein Tor. Zwar ist es aus kurzer Distanz, aber der Arm ist waagerecht vom Körper abgestreckt. Absicht spielt da keine Rolle mehr. Das war schon im Live erkennbar, dass der Arm des Angreifers vom Körper abgestreckt ist. Regeltechnisch wäre das korrekterweise ein Freistoß für Fürth gewesen. Es handelt sich um ein Tor oder Nicht-Tor, daher hätte der VAR (auch wenn es „nur“ ein Freistoß ist) hier eigentlich eingreifen und zur Überprüfung auffordern müssen. Das war eine klare verpasste Korrektur. [TV-Bilder – ab 03:18 Minuten]
Hannover 96 – SC Paderborn 1:1 (SR: Dr. Max Burda)
Szene 5: Andrei Ghita unterlief im Aufbau ein katastrophaler Fehlpass, Paderborn fing den Ball ab und schaltete schnell um. Am Ende klären Nahuel Noll und Maurice Neubauer die Situation nur mit einer Ecke für die Gäste. Assistent Robert Edgar Wessel ließ die Ecke fälschlicherweise zu. Im Entstehungsmoment der Szene stand Ruben Müller im Abseits. Das Abseits war klar und hätte bereits vor dem Fehlpass/der Balleroberung geahndet werden müssen. Die anschließende Ecke hätte es daher nicht gegeben werden dürfen.
Szene 6: Noël Aseko Nkili tankte sich an der linken Strafraumkante stark durch und traf Laurin Curda mit dem Arm im Gesicht. Der Kontakt ist deutlich sichtbar – der Arm kam hoch und erwischte Curda im Gesichtsbereich. Schiedsrichter Dr. Max Burda entschied sofort auf Offensivfoul (also Freistoß für Paderborn). Das sorgt bei den Hannover-Fans und auf der Bank für großes Unverständnis. Es war keine Absicht von Aseko Nkili (er war im vollen Lauf und versuchte sich durchzusetzen). Trotzdem: Der Arm wird regeltechnisch als Werkzeug benutzt und traf den Gegner rücksichtslos im Gesicht – das ist ein unnötiger und riskanter Einsatz. Daher wäre die gelbe Karte angemessen gewesen. Burda hatte die Szene als reines Offensivfoul ohne zusätzliche persönliche Strafe bewertet. Das ist vertretbar, aber grenzwertig. Gerade im Gesichtsbereich wird in der 2. Liga oft strenger gepfiffen, wenn der Arm hochkommt. Curda hatte Glück, dass er keine Verletzung davongetragen hat. [TV-Bilder – ab 02:48 Minuten]
Szene 7: Mustapha Bundu setzte zu einer guten Bewegung im Paderborner Sechzehner an, hob dann aber plötzlich ab und ging zu Boden. Er forderte Elfmeter. Dr. Max Burda machte unmissverständlich und sofort klar, dass es kein Foul von Calvin Brackelmann war, winkte direkt ab und ließ weiterspielen. Hier fädelte Bundu bei Brackelmann ein und versuchte, den Strafstoß herauszuholen – eine klassische Schwalbe. Burda erkannte das hervorragend in Echtzeit. Er stand gut positioniert und sah, dass Brackelmann den Ball sauber spielt (oder zumindest keinen klaren Kontakt verursacht) und Bundu den Körperkontakt sucht bzw. übertreibt. Sehr gute Entscheidung – keine Gelbe für Schauspielerei, aber auch kein unnötiger Pfiff. [TV-Bilder – ab 04:11 Minuten]
Anmerkung: Ich bin auf die Szenen der Zusammenfassungen der „Sportschau“ angewiesen. Solltet ihr weiteres, aussagekräftiges Material besitzen, dann reichen wir eine Einschätzung gerne nach. Eventuelle Spielerverwechslungen im Artikel führen zum Videobeweis. In diesem Fall bitte ich um eine kleine Rückmeldung. Vielen Dank!
