In der Bundesliga ging der 32. Spieltag zu Ende und es gab ein insgesamt gutes Wochenende aus Schiedsrichtersicht. Im Fokus war hier diesmal in seinem vorletzten Bundesliga-Spiel Deniz Aytekin der in Frankfurt die Gemüter auf den Rängen zu kochen brachte, regeltechnisch aber korrekt lag. In Berlin griff der VAR beim Tor für Köln ein, weil sein Assistent nicht wartete, ansonsten bewertete der Referee die Handszenen korrekt. Positiv zu vermerken war Sascha Stegemann 🥇 bei der Partie um den Champions League-Platz in Hoffenheim, der mutig die rote Karte zeigte und nicht wie in seinen Spielen zuvor den VAR dafür brauchte. Alles weitere wie gewohnt in der Analyse:
FC Bayern München – 1. FC Heidenheim 3:3 (SR: Frank Willenborg)
Szene 1: Nach einer Eingabe der Bayern bekam Schöppner den Ball erst an den Oberschenkel, dann Arm. Schiri Willenborg gab keinen Handelfmeter. Kimmich reklamierte und erinnerte an das Handspiel im Champions League-Halbfinale. Hier ist der Fall aber anders. Nachdem der Ball vom eigenen Oberschenkel kam, prallte der Arm der sich in natürlicher Haltung befand, die Fläche wurde anders als in der Champions League nicht vergrößert. [TV-Bilder – ab 08:35 Minuten]
TSG Hoffenheim – VfB Stuttgart (SR: Sascha Stegemann)
Szene 2: Karazor trat dem Hoffenheimer Spieler von hinten brutal gegen die Achillesferse. Die Intention mag zwar sein, hier einfach nur mit einem taktischen Foul den Gegenstoß zu stoppen, aber hier reicht Gelb einfach nicht mehr. Richtige Entscheidung. Ein Tritt mit der offenen Sohle von hinten direkt auf die Achillesferse ist ein klassisches gefährliches Foulspiel (serious foul play) und rechtfertigt Rot – auch wenn die Intention „nur“ ein taktisches Foul war. Der Tritt ist mit der offenen Sohle (Stollen voran) auf die empfindlichste Stelle der Achillessehne und der Gegner sieht den Tritt nicht kommen, was das Verletzungsrisiko massiv erhöht. [TV-Bilder – ab 06:30 Minuten]
Eintracht Frankfurt – HSV 1:2 (SR: Deniz Aytekin)
Hauptkritikpunkt als er den Frankfurtern zwei aussichtsreiche Freistöße verweigerte. In einer Phase, in der Frankfurt alles nach vorne warf und dringend den Ausgleich brauchte, wirkten diese Nicht-Pfiffe etwas kleinlich. Diese Fouls waren aussichtsreich in einer gute Position und klarer Kontakt, muss Deniz Aytekin da pfeifen, ohne das Spiel zu zerreißen. Das hat etwas Frust auf Frankfurter Seite geschürt.
Szene 3: Der Platzverweis gegen Kristensen ist regeltechnisch korrekt, aber er wird bei nur zwei Fouls des Hamburgers sehr hart. Es waren zwei klare, unnötige Fouls. Der zweite in der 90.+12. Minute war ein plumpes Frust-Foul. Dennoch wirkt es etwas, weil Aytekin sonst eher eine lockere Linie fährt. Es war tief in der Nachspielzeit, das Spiel war bereits entschieden (1:2), und es fühlte sich wie eine letzte Verwarnung an, die unnötig wirken konnte. Aytekin hat hier aber konsequent nach Regelwerk gehandelt, keine Milde wegen der Uhrzeit. Deswegen ist der Platzverweis regeltechnisch nicht zu beanstanden. [TV-Bilder – ab 07:35 Minuten]
Borussia Dortmund – Borussia Mönchengladbach (SR: Florian Badstübner)
Szene 4: Der Ball von Reitz prallte gegen den angelegten Arm von Schlotterbeck – das ist nach den geltenden IFAB-Regeln kein strafbares Handspiel. Die zaghaften Proteste der Gladbacher waren verständlich (im Eifer des Gefechts), aber der Schiri und VAR haben das richtig laufen lassen. Der Arm war am Körper, nicht ausgefahren oder vergrößernd. Das ist der entscheidende Punkt. Schlotterbeck hatte den Arm nicht bewusst oder unnatürlich bewegt, um den Ball zu blocken. In solchen Abwehraktionen im Strafraum (vor allem bei angelegtem Arm) wird in der Regel nicht gepfiffen. [TV-Bilder – ab 04:05 Minuten]
Szene 5: Tabakovic erzielte ein Tor die Fahne von Mitja Stegemann ging sofort nach oben, Badstübner pfeift Abseits. Hier bin ich ganz ehrlich, in den ersten Livebildern sah ich auch den Oberkörper vorne, was auf Abseits deutete. Die Bilder bewiesen aber das die linke Fußspitze von Waldemar Anton das Abseits aufhofb Das kann kein Mensch erkennen, hier machte der Videobeweis total Sinn. [TV-Bilder – ab 05:10 Minuten]
Bayer Leverkusen – RB Leipzig 4:1 (SR: Tobias Welz)
Szene 6: Palacios gewann den Ball im Zentrum, Grimaldo trieb nach vorne und legte im perfekten Timing quer — Schick frei vor Vandevoordt blieb kalt und schob mit dem linken Innenrist ins kurze Eck. Zuerst ging die Abseitsfahne hoch, aber der VAR checkte und gab den Treffer frei. Kein Abseits, saubere Entscheidung. [TV-Bilder – ab 06:55 Minuten]
1.FC Union Berlin – 1. FC Köln 2:2 (SR: Daniel Schlager)
Szene 7: Von der linken Grundlinie kam die Rückgabe von Kamiński auf Waldschmidt, der direkt weiter zu Bülter gab. Und dann ein Hammer aus der zweiten Reihe – unhaltbar in den linken Winkel. Weil El Mala den Ball nicht berührt hat, blieb das Tor gültig. Der VAR prüfte länger, entschiedet aber korrekt: kein Abseits-Einfluss, Treffer zählt. Hier war das entscheidende Problem, die Fahne kam zu früh. Er hat nicht gewartet, bis er an den Ball kommt. Damit eine strafbare Abseitsposition vorliegt muss er den Ball spielen oder einen Zweikampf mit einem Gegenspieler führen. Beides war nicht der Fall, weshalb El Mala passiv blieb. [TV-Bilder – ab 02:06 Minuten]
Szene 8: Dann forderte Köln einen Handelfmeter. András Schäfer blockte einen Schuss ab hat und der Ball traf den Arm traf, aber Schlager gab ihn (zu Recht) nicht. Wenn der Ball vom eigenen Körper/Schuss abprallt oder der Arm keine unnatürliche Vergrößerung der Körperfläche darstellt, ist es kein Handspiel. Keine Absicht + natürliche Armposition = kein Elfmeter. [TV-Bilder – ab 03:39 Minuten]
Szene 8: Dann protestierten die Kölner wieder und wollten einen Handelfmeter, weil der Ball Rothe am Arm traf. Schlager winkte sofort ab – zu Recht. Der Arm war angelegt in einer natürliche Körperhaltung, der Ball kam aus kurzer Distanz und sprang quasi an den Arm (angeschossen) und es ist keine unnatürliche Vergrößerung der Körperfläche und keine klare Absicht. [TV-Bilder – ab 04:20 Minuten]
Szene 9: Beim direkten Gegenzug bekam Doekhi den Ball in der Bewegung an den normal herunterhängenden Arm. Auch hier: kein Handelfmeter. Arm in natürlicher Position (nicht abgespreizt oder hochgerissen) in einer typische Bewegungssituation, kein bewusster Einsatz des Arms. Schlager und VAR ließen korrekt weiterspielen. [TV-Bilder – ab 03:25 Minuten]
Szene 10: Bei der späten Handball-Forderung von Union war der Arm des Kölner Spielers vor dem Körper (also in natürlicher, nicht unnatürlicher Position). Der Ball kam in einer typischen Spielsituation dorthin – kein abgespreizter Arm, keine klare Absicht, keine unnatürliche Vergrößerung der Körperfläche. Wieder entschied Schlager richtig! Der Arm in natürlicher Haltung vor dem Körper in der Regel kein strafbares Handspiel, besonders wenn der Spieler keine Zeit hat zu reagieren oder der Ball aus kurzer Distanz kommt. [TV-Bilder – ab 08:00 Minuten]
Anmerkung: Ich bin auf die Szenen der Zusammenfassungen der „Sportschau“ angewiesen. Solltet ihr weiteres, aussagekräftiges Material besitzen, dann reichen wir eine Einschätzung gerne nach. Eventuelle Spielerverwechslungen im Artikel führen zum Videobeweis. In diesem Fall bitte ich um eine kleine Rückmeldung. Vielen Dank!
