Du betrachtest gerade Mal wieder Streit ums Handspiel

Mal wieder Streit ums Handspiel

Im Mittelpunkt des Bundesliga-Konferenz stand das rheinische Duell zwischen Köln und Leverkusen. Es ging um mal wieder ums Handspiel. Eine Entscheidung, die der Werkself half. Meine Einschätzungen:

VfL Wolfsburg – Borussia Mönchengladbach 0:0 (SR: Tobias Stieler)

Szene 1: Die erste Szene aus Konferenzsicht nach einer halben Stunde in Wolfsburg. Wimmer trat mal in halbrechter Position an und drang auch in den Sechzehner ein. Der Angreifer versuchte zwischen Chiarodia und Castrop durchzulaufen und ging schließlich nach einem leichten Kontakt vom Letztgenannten am rechten Fuß zu Boden. Referee Tobias Stieler ließ weiterspielen. Das ist ein typischer Grenzfall und im modernen Fußball eher kein Strafstoß. Ein leichter Kontakt am Fuß beim Versuch, durchzulaufen ist oft kein klares Foul, besonders wenn der Angreifer schon etwas Tempo mitbringt und den Kontakt nutzt, um zu fallen („going down easily“). Deshalb pfeifen viele Schiris solche Situationen nicht, solange kein klares Schieben, Treten oder Umstellen des Standbeins erkennbar ist. Der Kontakt muss spürbar den Lauf oder die Ballführung behindern – ein reines Streifen reicht meist nicht für einen Elfmeter.

Szene 2: In der Schlussphase zeigte Tobias Stieler dem Gladbacher Castrop die rote Karte. Castrop ging in der Nachspielzeit robust zu Werke. Erst gegen Daghim, dann gegen Kumbedi. Castrop räumte den rechten Schienenspieler mit einer Grätsche ohne Chance auf den Ball ab. Stieler zeigt Rot. In der Nachspielzeit – da sind Emotionen hoch und Schiris oft streng, weil das Spiel eigentlich schon gelaufen ist. Castrop ging robust zu Werke, erst gegen Daghim, dann gegen Kumbedi. Besonders die Grätsche gegen den rechten Schienenspieler (Kumbedi) ohne jede Chance auf den Ball. Das ist klassisch Rot nach Regelwerk. Rücksichtsloses Spiel oder Gefährdendes Spiel („serious foul play“), wenn man mit gestrecktem Bein und hoher Intensität in den Gegner hineinfährt, ohne Ballberührung möglich zu machen. Besonders in der Nachspielzeit wird so etwas selten nur mit Gelb bestraft, weil es keine „Spielverzögerung“ mehr zu verhindern gibt – es wirkt oft wie Frust oder unnötige Härte.

1.FC Köln – Bayer Leverkusen 1:2 (SR: Robert Hartmann)

Szene 3: Zehn Minuten später gab es in Köln einen Elfmeter für Bayer. Es ging wieder mal um ein Handspiel, aber war es wirklich eins? Martel ist dazwischen, als Palacios Schick bedienen wollte. Der VAR prüfte, aber die Platzentscheidung von Schiedsrichter Robert Hartmann blieb bestehen, obwohl Martels Arm angelegt und nur minimal vom Körper abgestreckt war.

Wenn man aber die Bilder anschaut, ging der Kölner mit dem Körper nach vorne und machte die Bewegung mit dem Arm zum Ball. Obwohl der Arm angelegt war wurde es deshalb zu keiner klar falschen Fehlentscheidung und die Platzentscheidung mit der Wahrnehmung blieb bestehen. Der Arm von Martel machte dadurch die aktive Bewegung zum Ball. Eine sehr harte Entscheidung. Das ist genau der Punkt, der die Entscheidung von Robert Hartmann.

Durch die Bewegung des Arms zum Ball wirkt die Aktion unnatürlich oder wie eine bewusste Vergrößerung der Körperfläche. Selbst wenn der Arm grundsätzlich eng am Körper liegt (angelegt), kann eine solche Zubewegung in der aktuellen Handspiel-Auslegung als strafbar gewertet werden. Der Schiri sieht live oft die Absicht oder die aktive Blockade stärker als die reine Position.

Gegenargument: Der Arm bleibt angelegt, es gibt keine deutliche Ausstreckung oder Abspreizung. Zudem sah es in den Fernsehbildern eher nach Schulter/Oberarm aus als nach klarer Hand/Arm-Berührung. Bei sehr kurzer Distanz und hohem Tempo hat der Spieler oft kaum Zeit, den Arm wegzunehmen – das spricht eher für Ball an den Körper statt bewusstes Handspiel.

Fazit: Es war keine klar falsche Fehlentscheidung, weil die aktive Armbewegung zum Ball hin einen gewissen Interpretationsspielraum zugunsten des Elfmeters lässt. Nach aktuellem Regelverständnis („unnatürliche Vergrößerung der Körperfläche“) ist der Pfiff vertretbar, aber sehr hart und grenzwertig. Viele Schiedsrichter würden bei angelegtem Arm und der kurzen Distanz eher zu Weiterspielen tendieren. Der VAR hat nicht eingegriffen, weil es kein klarer und offensichtlicher Fehler („clear and obvious error“) war – genau diese Grenzfälle bleiben oft auf dem Platz stehen, auch wenn die Zeitlupe später für Diskussionen sorgt.

Die Entscheidung wird für Diskussionen auf Seiten der Kölner führen und es wäre sicherlich auch die bessere Entscheidung, den Handelfmeter nicht zu geben, wenn der Arm angelegt ist und es sogar  möglicherweise ein Schulterkontakt war und der Ball eventuell von der Brust an den Arm/Schulter prallt, aber rein von der Regelauslegung und dem VAR-Protokoll bleibt eine Entscheidung mit Wahrnehmung meist bestehen. Nur bei klarer Richtungsänderung, zählt der Abpraller von der Brust als nicht strafbar.

FC Augsburg – Eintracht Frankfurt 1:1 (SR: Harm Osmers)

Szene 4: Elf Minuten nach der Pause der nächste VAR-Einsatz. Die SGE jubelte! Einen Zesiger-Befreiungsschlag beförderte Koch direkt wieder zurück, wo Kalimuendo aus Abseitsposition an den Ball kommen konnte. Frei vor Dahmen umkurvte der Franzose den Keeper und netzt aus wenigen Metern aus rechter Lage locker zum Ausgleich ein. Der Treffer zählte aber aufgrund der Abseitsposition zu Recht nicht. Es handelt es sich um ein klassisches und relativ eindeutiges Abseits. Kalimuendo stand hinter der letzten Abwehrlinie (bzw. auf gleicher Höhe oder weiter vorne als der vorletzte Augsburger Verteidiger), als Koch den Ball zurückspielt. Der Ball wurde von einem Mitspieler (Koch) gespielt, weshalb die Abseitsregel griff. Er kam dann frei vor Dahmen an den Ball und netzte ein, weshalb das Tor zurückgenommen werden musste.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Reiner Kuhn

    Über das Handspiel kann man mit Sicherheit diskutieren, aber für mich geht der Körper nach vorne und der Arm zum Ball.

    Auf der anderen Seite bleibt der Arm hinter dem Körper, und er versucht ihn nicht vergrößert einzusetzen. Kein Elfmeter ist besser, da er den Arm weg zieht, die Arme sind hinter dem Körper und er geht dann mit der Brust Richtung Ball.

    Laut Protokoll bleibt es aber Interpretation und dann ist die Entscheidung nicht so klar und offensichtlich falsch, dass der VAR eingreifen muss.

    Und sowas muss man auch mal diskutieren können da gibt es kein schwarz oder weiß sonst hätten wir ja auch nichts mehr zu diskutieren…

  2. Abdullah

    Absolute Grauzone: Ich finde die Entscheidung im realen Bild korrekt… Nach Ansicht der TV Bilder gibt es Zweifel… In der NFL sagt man da: The ruling in the fields Stands as call

Antworte auf den Kommentar von Reiner Kuhn Antwort abbrechen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.