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Schiedsrichter Martin Petersen geriet mit seinem Platzverweis gegen Elversbergs Trainer Vincent Wagner in den Fokus.IMAGO/STEINSIEK.CH

Nach Wagner-Skandal: Muss auch der Schiedsrichter Konsequenzen spüren?

Der DFB bleibt hart: Vincent Wagner muss nach seiner Gelb-Roten Karte gegen Borussia Mönchengladbach die automatische Sperre absitzen und fehlt damit ausgerechnet gegen den FC Bayern. Doch wenn der Verband bei seinem Regelwerk konsequent bleibt, muss eine andere Frage erlaubt sein: Welche Konsequenzen hat eigentlich die Leistung des Schiedsrichters? Ein Kommentar:

Über die Sperre von Vincent Wagner wurde inzwischen ausführlich diskutiert. Weniger gesprochen wird dagegen über die Leistung von Martin Petersen – und genau dort beginnt das eigentliche Problem dieses Falls.

Auch für Schiedsrichter gilt das Leistungsprinzip

Bundesliga-Schiedsrichter bewegen sich längst im professionellen Leistungssport. Die Anforderungen sind enorm: körperlich, mental und fachlich. Entsprechend werden sie vom DFB professionell betreut und für ihre Tätigkeit vergütet.

Damit muss allerdings auch ein klares Leistungsprinzip verbunden sein. Wer konstant gute Leistungen zeigt, bekommt mehr und bedeutendere Spiele. Wer wiederholt Fehler macht, muss mit weniger oder weniger anspruchsvollen Ansetzungen rechnen.

Das ist keine Bestrafung, sondern im Leistungssport völlig normal.

Und deshalb muss nach dem vergangenen Wochenende auch über Martin Petersen gesprochen werden.

Am Anfang stand ein Fehler des Schiedsrichterteams

Die entscheidende Vorgeschichte darf bei der Diskussion um Vincent Wagner nicht vergessen werden.

Elversberg hätte Einwurf bekommen müssen. Stattdessen durfte Borussia Mönchengladbach schnell weiterspielen und erzielte aus der folgenden Situation ein Tor. Wagner beschwerte sich darüber – nachvollziehbar.

Für seine Reaktion sah er Gelb. Formal kann eine Verwarnung wegen Protestierens natürlich gerechtfertigt sein. Trotzdem bleibt die besondere Entstehungsgeschichte: Der Ärger des Trainers entstand aufgrund einer vorherigen Fehlentscheidung des Schiedsrichterteams.

Damit hätte die Geschichte eigentlich beendet sein können.

Warum musste in der Halbzeit Gelb-Rot folgen?

In der Halbzeit suchte Wagner erneut das Gespräch mit Petersen. Nach den vorliegenden Bildern entstand dabei zumindest nicht der Eindruck eines Trainers, der völlig außer Kontrolle geraten war oder den Schiedsrichter massiv attackieren wollte.

Natürlich darf ein Trainer einem Schiedsrichter nicht beliebig hinterherlaufen und eine Diskussion erzwingen. Auch ein Schiedsrichter hat das Recht, ein Gespräch abzulehnen.

Genau deshalb wäre eine andere Lösung möglich gewesen: klare Ansage, Gespräch beenden, weitergehen.

Stattdessen zeigte Petersen die zweite Gelbe Karte – und damit Gelb-Rot.

Formal lässt sich diese Entscheidung über das Regelwerk begründen. Ob sie in dieser Situation jedoch notwendig, angemessen und im Sinne einer souveränen Spielleitung war, ist eine völlig andere Frage.

Auch Schiedsrichter haben eine Vorbildfunktion

Dabei darf ein weiterer Punkt nicht vergessen werden: Bundesliga-Schiedsrichter haben eine enorme Vorbildwirkung. Woche für Woche schauen ihnen nicht nur Millionen Fußballfans zu, sondern auch tausende Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter aus dem Amateurbereich.

Gerade jungen Unparteiischen wird immer wieder vermittelt, dass Kommunikation, Persönlichkeit und Deeskalation wesentliche Bestandteile einer guten Spielleitung sind. Nicht jede emotionale Reaktion muss sofort mit einer Karte beantwortet werden. Manchmal erreicht ein klares und ruhiges Wort deutlich mehr.

Natürlich bedeutet das nicht, dass sich Trainer alles erlauben dürfen. Werden Grenzen überschritten, muss ein Schiedsrichter konsequent handeln. Doch Konsequenz und Fingerspitzengefühl schließen sich nicht aus.

Gerade von einem erfahrenen Bundesliga-Schiedsrichter darf erwartet werden, eine solche Situation einzuordnen und – soweit möglich – kommunikativ zu lösen. Denn wenn wir jungen Schiedsrichtern genau das Wochenende für Wochenende vermitteln, müssen sich auch die Unparteiischen an der Spitze daran messen lassen.

Vorbildwirkung gilt schließlich nicht nur für Spieler und Trainer – sondern auch für Schiedsrichter.

Wagner fehlt gegen den FC Bayern

Die Folgen sind erheblich. Wagner fehlt nun ausgerechnet beim Heimspiel gegen den FC Bayern.

Der DFB hatte anschließend nur einen sehr engen rechtlichen Spielraum. Die automatische Sperre nach Gelb-Rot kann nicht einfach aufgehoben werden, nur weil eine Entscheidung als besonders hart empfunden wird. Dafür müsste ein offensichtlicher Irrtum im Sinne der Rechts- und Verfahrensordnung vorliegen.

Genau diesen sah das DFB-Sportgericht nicht.

Damit bleibt die Sperre bestehen.

Doch damit darf die Aufarbeitung des Falls nicht beendet sein.

Konsequenz darf keine Einbahnstraße sein

Wenn von Spielern und Trainern verlangt wird, die Entscheidungen der Schiedsrichter zu akzeptieren und die daraus entstehenden Konsequenzen zu tragen, muss umgekehrt auch die Leistung eines Schiedsrichters kritisch bewertet werden.

Martin Petersen hatte in dieser Partie nicht seinen besten Tag. Besonders schwer wiegt dabei, dass mehrere Entscheidungen miteinander zusammenhingen: Zunächst entstand durch eine Fehlentscheidung eine hochbrisante Situation, anschließend wurde der Protest des Trainers sanktioniert und schließlich endete die Auseinandersetzung mit dessen Platzverweis.

Das muss in die Bewertung der Schiedsrichterleistung einfließen.

Nicht durch eine öffentlich verkündete „Sperre“ für Petersen. Nicht durch populistische Forderungen nach einer Verbannung aus der Bundesliga. Sondern durch das Instrument, das der DFB bei seinen Schiedsrichtern ohnehin besitzt: Ansetzungen nach Leistung.

Mehr Chancen für die nächste Generation?

Petersen ist 41 Jahre alt und gehört seit Jahren zum Bundesliga-Kader. Gleichzeitig drängen jüngere Schiedsrichter nach oben und benötigen Spiele, um sich auf höchstem Niveau weiterzuentwickeln.

Auch deshalb darf die Frage gestellt werden, wie der DFB seine Bundesliga-Ansetzungen künftig verteilt.

Erfahrung allein darf kein Freifahrtschein sein. Entscheidend muss die aktuelle Leistung bleiben – unabhängig von Name, Alter oder Dauer der Bundesliga-Zugehörigkeit.

Wenn ein junger Schiedsrichter bessere Leistungen zeigt, sollte er auch die entsprechenden Chancen bekommen. Gerade der Generationswechsel bietet dem DFB die Möglichkeit, jungen Unparteiischen frühzeitig Verantwortung zu übertragen und ihnen die notwendige Erfahrung auf höchstem Niveau zu ermöglichen.

Fazit

Vincent Wagner muss die Konsequenzen einer Gelb-Roten Karte tragen, obwohl man über deren Verhältnismäßigkeit hervorragend streiten kann.

Dann sollte allerdings auch bei der Leistung des Schiedsrichters nicht einfach zur Tagesordnung übergegangen werden.

Es geht nicht darum, Martin Petersen öffentlich an den Pranger zu stellen oder ihn nach einem schlechten Spiel aus der Bundesliga zu verbannen. Es geht um etwas viel Grundsätzlicheres: Wer im Profifußball Leistung einfordert, muss Leistung auch bewerten – auf beiden Seiten.

Spieler verlieren ihren Stammplatz. Trainer verlieren im schlimmsten Fall ihren Job. Und auch für Schiedsrichter muss gelten: Gute Leistungen führen zu weiteren und größeren Einsätzen, schwache Leistungen müssen sich in der weiteren Ansetzungspraxis widerspiegeln.

Gerade Bundesliga-Schiedsrichter tragen dabei eine besondere Verantwortung. Sie sind nicht nur Spielleiter auf höchstem Niveau, sondern auch Vorbilder für diejenigen, die Wochenende für Wochenende auf den Amateurplätzen mit der Pfeife unterwegs sind.

Konsequenz darf im Profifußball keine Einbahnstraße sein.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Schmidt

    Ich finde es immer wieder lustig, dass bei Entscheidungen des Schiedsrichters absolut regelkonform, aber vielleicht sehr scharf beziehungsweise hart waren immer gesagt wird, dass es Konsequenzen für den Schiedsrichter haben muss. Wenn das jedes Mal solche Konsequenzen hätte, gäbe es keinen Schiedsrichter mehr, weil jeder einfach Fehler macht. Ein Spieler, der einen Elfmeter nicht verwandelt, wird auch nicht auf die Bank gesetzt, zurecht. Der Trainer sitzt jetzt ein Spiel auf der Bank, welches er so oder so abhaken kann, da sie definitiv nicht erwarten können, gegen Bayern auch nur einen Punkt zu holen. Bleib doch bitte einfach mal auf dem Boden.

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