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Thomas Renner hat sich mit einem offenen Brief ans Fußball-Erzgebirge gewandt. Der Vorsitzende des Schiedsrichter-Ausschusses im Kreisverband wünscht sich einen fairen Umgang miteinander. Foto: Reiner Kuhn/Archiv

Schiedsrichter im Erzgebirge schlagen Alarm

Rassistische Beleidigungen, Drohungen und respektloses Verhalten nehmen auf den Fußballplätzen zu – Schiedsrichterobmann Thomas Renner fordert von allen Beteiligten mehr Anstand und Fairness.

Erzgebirge. Der Ton auf den Fußballplätzen im Erzgebirge wird rauer. Bereits an den ersten Spieltagen der neuen Saison haben Schiedsrichter mehrere Vorfälle registriert, die weit über leidenschaftliche Kritik am Spielgeschehen hinausgehen. Die Rede ist von rassistischen und diskriminierenden Äußerungen, Beleidigungen, Drohungen und dem Abbrennen von Pyrotechnik.

Thomas Renner, Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses im Kreisverband, will diese Entwicklung nicht länger hinnehmen. Mit einem offenen Brief richtet er sich an Spieler, Trainer, Mannschaftsoffizielle, Zuschauer und Schiedsrichter. Seine Botschaft: Der Fußball brauche wieder mehr Respekt, Fairness und gegenseitige Wertschätzung.

Sieben Vorfälle bereits nach zwei Spielwochenenden

Nach Angaben Renners wurden allein an den ersten beiden Punktspielwochenenden sieben Vorfälle protokolliert. Neben Pyrotechnik und Verbalattacken gegen Schiedsrichter nach Spielende ging es auch um rassistische und diskriminierende Äußerungen sowie persönliche Beleidigungen.

„Unsachliches und respektloses Verhalten von Zuschauern ist mittlerweile auf den Sportplätzen weit verbreitet“, beschreibt Renner die Situation. Lautstarke Kritik an Entscheidungen gehöre zum Fußball. Beleidigungen und Diffamierungen dürften jedoch nicht zur Normalität werden.

Für die Unparteiischen hat die Entwicklung Folgen. Der Druck während eines Spiels sei ohnehin hoch. Nach Renners Angaben führte die verbale Aggressivität in einem Fall sogar zu gesundheitlichen Konsequenzen für einen Schiedsrichter.

Wenn Frust auf dem Fußballplatz landet

Eine mögliche Ursache sieht Renner in einer zunehmenden gesellschaftlichen Unzufriedenheit. Politische und gesellschaftliche Konflikte würden teilweise auf den Fußballplatz übertragen und dort als Ventil genutzt.

Für den Schiedsrichterobmann ist das der falsche Weg. Gerade der Amateurfußball lebe vom ehrenamtlichen Engagement vieler Menschen. Trainer, Mannschaftsverantwortliche und Zuschauer sollten deshalb ihrer Vorbildfunktion gerecht werden – insbesondere beim Umgang mit anderen Menschen.

„Das geht zu weit“, sagt Renner angesichts der Entwicklung.

19 Gelbe und eine Rote Karte für Offizielle

Wie angespannt die Situation teilweise ist, zeigt auch die Zahl der persönlichen Strafen. Bereits zum Saisonauftakt wurden nach Renners Angaben 19 Gelbe und eine Rote Karte gegen Mannschaftsoffizielle ausgesprochen. Spieler waren dabei nicht einmal betroffen.

Besonders deutlich wird die Eskalation in einem Fall, in dem einem Schiedsrichter sogar mit einer zivilrechtlichen Klage gedroht worden sein soll.

Renner will jedoch nicht weiter eskalieren, sondern zur Beruhigung beitragen. Sein offener Brief ist deshalb vor allem als Appell zu verstehen: Alle Beteiligten sollen ihr eigenes Verhalten überprüfen und wieder miteinander ins Gespräch kommen.

Dritter Spieltag macht Hoffnung

Zumindest kurzfristig scheint der Appell Wirkung gezeigt zu haben. Der dritte Spieltag sei deutlich ruhiger verlaufen, berichtet Renner.

Für ihn ist das ein positives Zeichen, gleichzeitig aber kein Grund, die Probleme zu unterschätzen. Die Entwicklung könne nur gestoppt werden, wenn Spieler, Trainer, Zuschauer und Schiedsrichter gemeinsam Verantwortung übernehmen.

Wir müssen diesen Missständen alle gemeinsam den Kampf ansagen“, fordert der Schiedsrichterobmann.

Fußball soll wieder im Mittelpunkt stehen

Renner erinnert daran, unter welchen Bedingungen Schiedsrichter ihre Arbeit leisten. Ein Referee müsse während eines Spiels rund 200 bis 300 Entscheidungen treffen – unter Zeitdruck, vor Publikum und in einer emotional aufgeheizten Atmosphäre. Fehler seien dabei unvermeidbar.

Das müsse auch von Spielern und Zuschauern akzeptiert werden. Schließlich könne auch ein Stürmer eine Großchance vergeben oder einem Torhüter der Ball durch die Hände rutschen.

Am Ende gehe es auf Kreisebene nicht um Geld oder Profikarrieren, sondern um die Freude am Sport. Fast alle Beteiligten engagieren sich ehrenamtlich und investieren dafür ihre Freizeit.

Renner verbindet damit eine klare Erwartung an die gesamte Fußballgemeinschaft: Fairness, Anstand, Sportlichkeit und Respekt sollen wieder stärker den Umgang auf und neben dem Platz bestimmen.

Denn Leidenschaft gehört zum Fußball. Beleidigungen, Bedrohungen und rassistische Ausfälle gehören nicht dazu.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Berthold Schmitz

    Es ist wieder das gleiche, reden reden reden und nichts kommt dabei heraus. Dann soll doch ein Schiedsrichter Ausschuss mit dem Kreisvorstand das kommende Wochenende absetzen, bis diese unsozialen Menschen und Besserwisser aufhören mit diesem Benehmen. Kein Vorbild für die Jugend, und das Nachwuchs Problem löst sich auch nicht. Und der weitere Punkt ist, das wie überall die Schiedsrichter/innen nicht zusammen halten. Keiner will dabei an der Front stehen.

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