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Schiedsrichter Richard Hempel Quelle: Swen Pförtner/dpa

Richard Hempel: Vom Dorfplatz in Großnaundorf in die Fußball-Bundesliga

Richard Hempel aus Großnaundorf schreibt in diesem Sommer sächsische Fußballgeschichte: Der 29-Jährige ist der erste Schiedsrichter des Sächsischen Fußballverbandes seit 32 Jahren, der den Sprung in die 1. Fußball-Bundesliga geschafft hat. Im Interview mit der Freien Presse spricht Hempel über seinen außergewöhnlichen Weg vom Dorfplatz in Großnaundorf bis auf die große Bühne des deutschen Profifußballs, seine neue Herausforderung in der Bundesliga, die aktuellen Regeländerungen und seine Leidenschaft für die Musik. Bereits am Mittwoch wartet mit dem DFB-Pokalspiel zwischen dem VfL Osnabrück und dem FC Bayern München die nächste besondere Aufgabe auf den neuen Bundesligaschiedsrichter.

Dresden/Großnaundorf. Für Richard Hempel geht in diesem Sommer ein großer Traum in Erfüllung: Der 1,98 Meter große Schiedsrichter aus Großnaundorf ist erstmals für die 1. Fußball-Bundesliga eingestuft worden. Nur wenige Wochen nach seiner Beförderung steht bereits ein besonderes Highlight auf dem Programm: Hempel leitet das DFB-Pokalspiel zwischen dem VfL Osnabrück und dem FC Bayern München.

Der Weg dorthin begann für den heute in Dresden tätigen Sozialpädagogen bereits im Kindesalter. Mit gerade einmal acht Jahren stand Hempel erstmals gemeinsam mit seinem Vater Uwe an der Seitenlinie. Die Begeisterung für die Schiedsrichterei war schnell geweckt. Seine Entwicklung verlief anschließend ungewöhnlich rasant. Mit 17 Jahren leitete er bereits sein erstes Oberligaspiel. Nach zwei Jahren folgte der Sprung in die Regionalliga, anschließend führten ihn jeweils zwei Jahre in der 3. und 2. Bundesliga schließlich in die höchste deutsche Spielklasse.

Die Nachricht über den Bundesliga-Aufstieg erreichte Hempel im Frühjahr. Knut Kircher, Geschäftsführer der DFB Schiri GmbH, überbrachte ihm die Entscheidung telefonisch. „Als er mir das mitgeteilt hat, musste ich erst einmal den Kochlöffel aus der Hand legen“, erinnert sich Hempel.

Mit seiner Einstufung schreibt der Sachse zugleich ein Stück Fußballgeschichte. Hempel ist der erste Schiedsrichter des Sächsischen Fußballverbandes seit 32 Jahren, der den Sprung in die Bundesliga geschafft hat. Sein Vorgänger Wieland Ziller stammt – wie Hempel – aus einem Dorf in der Region. „Vielleicht leben bei uns die Schiedsrichtertalente“, sagt Hempel mit einem Augenzwinkern.

Auf den Start in die neue Saison hat sich der 1.-Bundesliga-Schiedsrichter intensiv vorbereitet. Neben zahlreichen Spielen der Weltmeisterschaft standen ein Trainingslager und die intensive Analyse von Videoszenen auf dem Programm. Dabei spielten auch die neuen Fußballregeln eine wichtige Rolle.

Eine der auffälligsten Neuerungen sind die Countdowns bei Einwürfen, Abstößen und Auswechslungen. Die Schiedsrichter zeigen dabei mit ihren Fingern die verbleibende Zeit an. Auch im Amateurfußball kommen die neuen Vorgaben zum Einsatz. Hempel betont jedoch, dass gerade in den unteren Spielklassen Augenmaß gefragt sei.

Seine berufliche Erfahrung kommt ihm bei seiner Tätigkeit auf dem Fußballplatz zugute. Hempel arbeitet in Dresden als Deeskalations- und Konfliktmanager und ist ausgebildeter Sozialpädagoge. Kommunikation, Konfliktlösung und ein souveräner Umgang mit unterschiedlichen Situationen gehören deshalb auch beruflich zu seinem Alltag. „Ich bezeichne mich gern selbst als Sozialarbeiter auf dem Platz“, beschreibt er seinen persönlichen Ansatz.

Der Aufwand für seine Schiedsrichterkarriere ist inzwischen beträchtlich. Vier- bis fünfmal pro Woche trainiert Hempel, hinzu kommen die Spiele, Vorbereitungen und Lehrgänge. Dennoch möchte er seine beruflichen und persönlichen Interessen nicht vollständig dem Fußball unterordnen.

Dazu gehört insbesondere die Musik. Gemeinsam mit seinem Vater sang Hempel bereits früher auf den Fahrten zu Fußballspielen. Daraus entwickelte sich inzwischen eine kleine Familienband, die jedes Jahr am Samstag vor dem dritten Advent in Großnaundorf ein Konzert gibt. Der Termin ist für Hempel fest eingeplant – auch während seiner Bundesliga-Karriere. Für dieses Wochenende möchte er sich vom Spielbetrieb freistellen lassen.

Sportlich blickt der Bundesligaschiedsrichter zunächst ohne übertriebene Erwartungen nach vorn. „Ich möchte mich in der Bundesliga zunächst einmal etablieren“, sagt Hempel. Darüber hinaus könnten bereits erste Einsätze als Vierter Offizieller in der UEFA Conference League möglich sein.

Sein Weg vom Fußballnachwuchs in Großnaundorf bis auf die großen Bühnen des deutschen Profifußballs ist damit längst noch nicht abgeschlossen. Richard Hempel möchte vor allem eines: die neue Herausforderung genießen, sich weiterentwickeln und dabei seiner Linie treu bleiben.

 

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