Der DFB-Pokal bringt in dieser Woche zwei reizvolle Aufgaben für die Unparteiischen. Während Tom Bauer am Dienstagabend den großen Favoriten Borussia Dortmund beim Hamburger Oberligisten HEBC Hamburg betreut, wartet auf Richard Hempel 24 Stunden später an der Bremer Brücke die Partie zwischen dem VfL Osnabrück und dem FC Bayern München. Für beide Schiedsrichter sind es besondere Spiele – allerdings aus ganz unterschiedlichen Gründen.
Tom Bauer: Zweitbundesliga-Schiedsrichter vor der großen Hamburger Kulisse
Wenn Borussia Dortmund am Dienstagabend im Hamburger Volksparkstadion auf den HEBC Hamburg trifft, steht Tom Bauer im Mittelpunkt. Der 29-jährige Schiedsrichter aus Mainz gehört seit 2020 zum DFB-Kader und ist seit 2023 als Unparteiischer in der 2. Bundesliga aktiv.
Bauer ist längst kein Unbekannter mehr im deutschen Profifußball. Seine Karriere führte ihn über die 3. Liga in die 2. Bundesliga, zudem wird er regelmäßig als Vierter Offizieller in der Bundesliga eingesetzt. Der Personalberater aus Mainz gilt dabei als kommunikationsstarker Referee – eine Eigenschaft, die gerade bei einem Pokalspiel mit großem Klassenunterschied gefragt ist.
Die Ausgangslage könnte dabei kaum unterschiedlicher sein: HEBC Hamburg steht als Oberligist vor dem Spiel seines Lebens, Borussia Dortmund geht als klarer Favorit in die Partie. Bauer muss deshalb vor allem eines schaffen: von Beginn an eine klare Linie finden und diese unabhängig von Namen und Spielklasse durchsetzen.
Unterstützt wird Bauer von Jonas Weickenmeier und Sebastian Hilsberg. Vierter Offizieller ist Florian Lechner. Einen VAR gibt es in der ersten Runde des DFB-Pokals nicht – Entscheidungen auf dem Platz sind damit endgültig.
Für Bauer ist es zudem ein Wiedersehen mit Hamburg: Erst vor wenigen Tagen war er noch in der 2. Bundesliga im Einsatz. Nun wartet mit dem Pokalspiel gegen den BVB eine völlig andere Atmosphäre – und eine Aufgabe, bei der der Schiedsrichter selbst schnell Teil der großen Pokalgeschichte werden kann.
Richard Hempel: Aufsteiger trifft auf den Rekordmeister
Einen Tag später steht Richard Hempel vor einer noch größeren Herausforderung. Der 28-Jährige leitet an der Bremer Brücke das Duell zwischen VfL Osnabrück und dem FC Bayern München.
Für Hempel ist die Partie ein weiterer Höhepunkt in einem ohnehin besonderen Jahr. Der Ostsachse wurde zur neuen Saison in den Kreis der Bundesliga-Schiedsrichter aufgenommen.
Dabei zeigte Hempel gleich, wofür er steht: Kommunikation, Präsenz und ein möglichst direkter Umgang mit den Spielern. Nach 25 Minuten hatte er im Südwest-Derby bereits vier Gelbe Karten verteilt, anschließend bekam er für seine Spielleitung viel Anerkennung. Hempel selbst beschreibt seine Art gerne mit dem Begriff „Zuckerbrot und Peitsche“.
Nun also Bayern München. Der Rekordmeister kommt als Titelverteidiger nach Osnabrück und trifft auf einen VfL, der sich zuletzt mit einem 1:0 beim VfL Bochum Selbstvertrauen für den Pokalkracher holte.
Für Hempel ist die Begegnung deshalb nicht nur sportlich eine besondere Herausforderung. Die Bremer Brücke ist bekannt für ihre intensive Atmosphäre – und genau dort muss der junge Bundesliga-Schiedsrichter seine Linie auch gegen den großen Favoriten durchsetzen.
Hempel bringt dafür bereits reichlich Erfahrung mit. Vor seinem Bundesliga-Aufstieg leitete er zahlreiche Spiele in der 2. Bundesliga und im DFB-Pokal. Gleichzeitig ist er als ausgebildeter Deeskalationstrainer besonders auf Kommunikation und Konfliktlösung spezialisiert.
Zwei Spiele, zwei unterschiedliche Herausforderungen
Tom Bauer muss am Dienstag den Spagat zwischen einem ambitionierten Oberligisten und einem europäischen Spitzenklub meistern. Richard Hempel bekommt am Mittwoch dagegen die große Bühne gegen den Rekordmeister – und damit einen weiteren Prüfstein unmittelbar nach seinem Bundesliga-Aufstieg.
Beide Spiele finden ohne VAR statt. Gerade im Pokal kann das eine zusätzliche Bedeutung bekommen: Was Bauer und Hempel auf dem Platz entscheiden, muss in vielen Situationen unmittelbar Bestand haben. Für die beiden jungen Referees sind es damit zwei Abende, an denen sie nicht nur Spiele leiten, sondern auch zeigen können, dass sie bereit sind für die großen Bühnen.
