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Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen – 20. Spieltag | 2. Liga

Auch in der 2. Liga gab es große Diskussionen und auch ein eher schlechtes Wochenende. Einige ausbleibende Elfmeter und aberkannte Treffer gab es zu verzeichnen.  Selbst der erfahrene Referee Deniz Aytekin hatte im Pfalz-Saar-Derby seine Schwierigkeiten.

Fortuna Düsseldorf – SC Paderborn 2:1 (SR: Christian Dingert)

Szene 1: Fünf Minuten vor der Pause gab es eine VAR-Überprüfung wegen eines möglichen Haltens / Ziehens durch Paderborns Scheller an einem Düsseldorfer. Schiedsrichter Christian Dingert (Lebecksmühle) hat die Szene am Bildschirm gecheckt und entschied final kein Strafstoß – der Körpereinsatz / das Halten wurde als noch regelkonform bewertet. Für mich war das Ziehen ein klares zu langes Ziehen von Scheller, inder Folge der Düsseldorfer zu Boden ging. Fehlentscheidung! [TV-Bilder – ab 01:35 Minuten]

Szene 2: Paderborns Innenverteidiger Mattes Hansen foulte den enteilenden Cédric Itten (Düsseldorf-Stürmer), der clever seinen Körper reinstellte, um den Kontakt zu provozieren. Christian Dingert zögerte nicht lange und zeigte sofort Gelb – und weil Hansen bereits vorbelastet war, gab’s direkt die Ampelkarte. Folgerichtig korrekte Entscheidung. Das ist ein taktisches Foul gegen einen aussichtsreich enteilten Angreifer. Itten hatte den Körper clever positioniert, was den Kontakt verstärkt hat, aber nach gängiger Regelinterpretation (kein Ball mehr in Reichweite, klare Chance auf Tor verhindert) war das eine klare Gelb-Rote Karte. [TV-Bilder – ab 03:14 Minuten]

Hertha BSC – SV Darmstadt 98 2:2 (SR: Florian Lechner)

Szene 3: Marseiler wollte am linken Strafraumeck eigentlich aus dem Sechzehner herausdribbeln, Pascal Klemens trat ihm aber voll auf den Fuß. Es ist ein klares Foul im Strafraum, weil Klemens den Gegenspieler statt den Ball traf, und Marseiler war in Ballbesitz. Solche Tritte auf den Fuß sind fast immer Elfmeter, besonders wenn sie so offensichtlich sind und der Angreifer dadurch gestoppt wird. [TV-Bilder – ab 02:10 Minuten]

Szene 4: Darmstadt startete einen schnellen Konter durchs Zentrum . Die akute Torchance war schon weitgehend entschärft – Hertha hatte die Situation eigentlich unter Kontrolle, der Ball war nicht mehr direkt gefährlich. Herthas Stürmer Dawid Kownacki entschied sich trotzdem, Darmstadts Luca Marseiler von hinten in die Beine zu treten – ein klassischer taktischer Tritt ohne jede Chance auf den Ball. Schiedsrichter Florian Lechner (Insel Poel) zögert nicht und zeigte sofort glatt Rot wegen Verhinderung einer aussichtsreichen Torchance durch rüdes Foul ohne Ballspiel. Hart, aber regelkonform. Nach DFB-Regelwerk ist ein Tritt von hinten in die Beine – besonders wenn keine Ballchance besteht und es die Dynamik eines Konters stoppt – oft ein rotes Foul. Lechner hat hier die strenge Linie gezogen, die in der 2. Liga bei solchen Szenen immer öfter durchgesetzt wird. [TV-Bilder – ab 04:30 Minuten]

Dynamo Dresden – Arminia Bielefeld 1:1 (SR: Felix Wagner)

Szene 5: In Minute 23 erzielte Bielefeld die vermeintliche Führung, doch sie zählte nicht. Arminia startete einen Angriff über die rechte Seite, eine lange Flanke landete auf dem zweiten Pfosten. Bielefelds Stürmer Semir Telalović stand frei und köpfte den Ball aus kurzer Distanz ins Tor – der Ball zappelte im Netz, Jubel bei den mitgereisten Arminia-Fans, doch die Fahne von Simon Schreiner ging sofort hoch: minimales Abseits – Telalović stand knapp im Abseits, wahrscheinlich nur Zentimeter vor der letzten Dresdner Abwehrreihe, als der Pass kam. Es war eine klassische knappe Abseitsentscheidung, bei der der Angreifer den Ball nicht mehr erreichen konnte, ohne im Abseits zu stehen. Gut gesehen! [TV-Bilder – ab 0:55 Minuten]

Szene 6: In der 66. Minute eine hoch strittige Szene. Bielefelds frisch eingewechselter Joker Monju Momuluh legte sich den Ball im Strafraum geschickt am Dresdner Innenverteidiger Alexander Rossipal vorbei und wurde zu Fall gebracht. Schiedsrichter Felix Wagner pfiff sofort Strafstoß für Arminia. Für mich eine Fehlentscheidung, weil der Dresdner den Ball spielt. Für Wagner wird es als Foulspiel ausgesehen haben, da der Drtesdner mit dem langen Bein so reingeht, der VAR hätte hier aber korrigieren müssen. Das größten Problem ist die „klare Fehlentscheidung, in Verbindung mit der hohen Eingriffsschwelle (Feldentscheidung). [TV-Bilder – ab 03:12 Minuten]

Szene 7: Der finale Knaller in der Nachspielzeit des Kellerduells hat Dynamo nochmal richtig weh ngetan. Nach einem Foulpfiff gegen Dresden schlug der bereits verwarnte Robert Wagner den Ball frustriert weg – ein klassischer Ballwegschlag nach Pfiff, um Zeit zu schinden oder einfach aus Ärger. Schiedsrichter Felix Wagner, der junge Ref aus Glött, der in seinem sechsten 2.-Liga-Spiel pfiff, zögerte nicht: Sofort zweites Gelb und damit Gelb-Rot für Dresdens Robert Wagner. Da hatte der Unparteiische keine andere Wahl. Nach DFB-Regelwerk ist Ballwegschlagen nach Pfiff ein gelbwürdiges Vergehen, und bei bereits einer Gelben Karte führt das automatisch zu Gelb-Rot. Es ist eine der klarsten Regel-Anwendungen – keine Grauzone, kein Ermessensspielraum. [TV-Bilder – ab 04:50 Minuten]

VfL Bochum – FC Schalke 04 2:0 (SR: Michael Bacher)

Szene 8: Schalke drückte in der zweiten Halbzeit. Nach eine Ecke stieg Nikola Katić (Schalke-Verteidiger) hoch und köpfte den Ball Richtung Bochumer Tor der Ball landete im Netz, zum vermeintlichen 1:2-Anschlusstor. Doch Schiedsrichter Michael Bacher pfiff sofort Offensivfoul: Im Vorfeld des Kopfballs soll Katić den Bochumer Torwart Timo Horn behindert haben was als regelwidriges Offensivfoul gewertet wurde. Die Rücknahme des vermeintlichen 2:1 durch Katic war für mich falsch, es lag keine Regelwidrigkeit gegen Horn vor. Diese Szene werden die letzten Aufstiegshoffnungen von Bacher wohl begraben. [TV-Bilder – ab 03:10 Minuten]

Szene 9: Die zweite bittere aberkannte Torchance für Schalke in der 76. Minute des Revierderbys hat die Schalker Frustration komplett gemacht, doch im Vorfeld lag ein klares Handspiel Dzekos vor. Džeko berührte den Ball mit der Hand beim Versuch, ihn zu kontrollieren oder weiterzuleiten, aber mit einer Armbewegung oder unnatürlicher Handposition nicht nah am Körper, der aktiv den Ball spielt. Dafür war zwar eine längere VAR-Kontrolle nötig, aber die Entscheidung war regeltechnisch korrekt. [TV-Bilder – ab 04:10 Minuten]

1.FC Magdeburg – Hannover 96 2:1 (SR: Timo Gansloweit)

Szene 10: Diese Szene in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit des Spiels war eine der wenigen großen Kontroversen in einem ansonsten relativ ruhigen Match. Für mich war die Rücknahme des vermeintlichen Hannover-Tors wegen des vorausgegangenen Foulspiels von Källman an Mathisen korrekt. Das Stoßen gegen Mathisen verhinderte eine faire Abwehrchance, was den nachfolgenden Treffer ungültig macht. Es ist eine klassische „Kettenreaktion“-Entscheidung: Das anfängliche Foul macht den gesamten Spielzug regelwidrig. [TV-Bilder – ab 02:43 Minuten]

Szene 11: Die 50. Minute war ein klassischer Glücksmoment für Magdeburg und hat Hannover einen potentiell gefährlicher Konter gekostet. Magdeburgs Dariusz Stalmach kam herangestürmt, verlor zunächst den Ball im Zweikampf – aber Stalmach gab Aseko einen leichten Stoß mit in den Rücken mit und Aseko ging zu Boden. Schiedsrichter Timo Gansloweit entschied sich sofort gegen Strafstoß – stattdessen pfeift er Foulspiel des Hannoveraners Aseko, also Freistoß für Magdeburg. Der mögliche Konter wurde damit im Keim erstickt, und Hannover bleibt ohne Chance. Für mich ist es eher ein Foul als ein Stürmerfoul. Durch den Stoß verliert er das Gleichgewicht und geht zu Boden. [TV-Bilder – ab 03:40 Minuten]

Szene 12: Die 56. Minute des Spiels ist genau der Moment, der den Siegtreffer einleitete – warf aber die Frage nach einem möglichen Elfmeter wegen eines Schubser auf. Elias Saad (Hannover) ging im Strafraum ins Eins-gegen-Eins gegen einen Magdeburger Verteidiger, legt sich den Ball vor, wurde im Duell zu Fall gebracht und forderte lautstark Elfmeter. Schiedsrichter Timo Gansloweit pfiff nicht. Stattdessen sprang der Ball unglücklich zu Enzo Leopold, der blitzschnell schaltete, aus 15 Metern zentraler Position flach mit links ins rechte Eck schießt – unhaltbar für Dominik Reimann. Leopold trifft, aber man kann für den Schubser über einen Elfmeter nachdenken. Es gab einen Körperkontakt bzw. leichten Schubser im Strafraum, Saad ging runter. Regeltechnisch vertretbar, oft Weiterspielen, besonders wenn der Ball schon vorne ist und kein übermäßiger Einsatz vorlag. [TV-Bilder – 05:00 Minuten]

1.FC Nürnberg – Preußen Münster (SR: Felix Prigan)

Szene 13: In der 53. Minute des Spiels eine strittige Szene. Nürnbergs Adam Markhiev setzte sich mit einem cleveren Trick im Strafraum gegen Münsters Innenverteidiger Paul Jaeckel durch. Jaeckel traf Markhiev unten an der Wade, klassischer Tackling-Versuch von hinten, Markhiev ging zu Boden und forderte lautstark Elfmeter. Schiedsrichter Felix Prigan (Deizisau) pfiff nicht. Wenn Jaeckel den Ball klar spielt oder es versucht und der Kontakt sekundär je nach Linie oft Weiterspielen. Aber wenn der Tackling zu spät kommt, primär den Mann trifft und Markhiev schon durch ist, wäre Elfmeter vertretbar. Für mich wäre der Kontakt als klar genug für einen Pfiff, besonders da Markhiev den Ball schon vorbeigelegt hatte und im Abschluss war. Für mich ein Fehlentscheidung, da er oben hält und unten triff, was hätte zum Review führen müssen. [TV-Bilder – ab 03:10 Minuten]

Eintracht Braunschweig – Karlsruher SC (SR: Wolfgang Haslberger)

Szene 14: KSC-Kapitän Marvin Wanitzek spielte mit dem ersten Kontakt einen starken, langen Ball aus dem Mittelfeld – ein klassischer Traumpass, der die gesamte Braunschweiger Defensive überrumpelt und die Linie überspielte. Fabian Schleusener lief sich frei, nahm den Ball im Sechzehner an und legte ihn quer auf den mitlaufenden Louey Ben Farhat, der den Ball aus kurzer Distanz ins leere Tor schob – der Ball lag im Netz, Jubel bei den mitgereisten KSC-Fans, doch die Fahne ging sofort hoch: Abseits! Schleusener stand im Vorfeld knapp im Abseits – eine klassische Positions-Abseitsstellung, bei der er vor der letzten Braunschweiger Abwehrreihe war. Gut gesehen vom Assistenten! [TV-Bilder – ab 0:50 Minuten]

Szene 15: Im Strafraum der Gastgeber kam es zu einem Zweikampf. Der Ball war bereits weg, aber Johann Gomez fiel nach einem minimalem Kontakt zu Boden. Schiedsrichter  Wolfgang Haselberger pfeift keinen Elfmeter. Für mich eine richtige Entscheidung. Es war ein leichter kaum sichtbarer Körperkontakt. Wenn kein klares Foul (Ziehen, Stoßen, Treten) vorliegt und der Spieler den Fall initiiert, ist Weiterspielen die korrekte Entscheidung. [TV-Bilder – ab 02:50 Minuten]

Holstein Kiel – SpüVgg Greuther Fürth 1:2 (SR: Marc Philip Eckermann)

Szene 16: Fürths Joker Aiman Dardari dribbelt am linken Strafraumeck geschickt in den Sechzehner, setzte sich gegen Kiel-Verteidiger Umut Tohumcu durch. Tohumcu stellte das Bein ungeschickt hin, holt Dardari mit einem klassischen Beinstellen von den Beinen, Dardari ging klar zu Boden. Schiedsrichter Eckermann pfiff sofort Elfmeter für Fürth – keine Diskussion. Regeltechnisch eindeutig: Der Kontakt war primär am Mann, Ball weg, klare Behinderung im Strafraum – kein Ball zuerst, kein Simulieren. Unstrittige Entscheidung! [TV-Bilder – ab 03:06 Minuten]

1.FC Kaiserslautern – SV 07 Elversberg 1:3 (SR: Deniz Aytekin)

In einem hitzigem Spiel mit kniffligen Szenen war der einstige beste Schiedsrichter Deutschland, Deniz Aytekin, immer Herr der Lage. Er leistete sich einige Fehler in der Zweikampfbewertung, wie das Foul von Ritter an Gyamerah in Minute 23, vor dem Elfmeter dauerte ein VAR-Check zu lange dauerte. Unklar blieb, ob Robinsons leichter Trikotzupfer ursächlich für Rohrs Sturz war. Der Platzverweis für Robinson in der Nachspielzeit war angesichts der getroffenen Entscheidung alternativlos. Kurz die Schlüsselszenen:

Szene 17: Foul von Marlon Ritter an Kelvin Gyamerah: Aytekin bewertete den Zweikampf als Foul von Ritter (FCK), was zu einem Freistoß für Elversberg führte. Für mikch ein Fehler in der Zweikampfbewertung – der Kontakt war minimal oder gegenseitig, Gyamerah ging teils dramatisch runter, und es hätte Weiterspielen oder sogar Foul gegen Gyamerah sein können. Das war einer der Punkte, wo Aytekin nicht immer Herr der Lage war, besonders in einem emotional aufgeladenen Spiel mit vielen Duellen.

Szene 18: Die große VAR-Szene vor dem Elfmeter und der Roten Karte in der Nachspielzeit der 1. Halbzeit: Nach einem Freistoß segelte der Ball in den FCK-Strafraum. Elversbergs Maximilian Rohr sprang hoch, FCK-Verteidiger Leon Robinson hielt ihn leicht am Trikot. Rohr fiel, verpasste aber seinen Abschluss kläglich. Der Ball sprang ihm sogar an den Arm – ein Tor hätte sowieso nicht gezählt. Aytekin ließ zunächst weiterlaufen, der VAR intervenierte, Aytekin ging minutenlang an den Monitor, prüfte alle Perspektiven und entschied dann auf Elfmeter und glatt Rot für Robinson wegen der Verhinderung einer aussichtsreichen Torchance durch Foul → Rot alternativlos, wenn Foul erkannt. Wenn ich mir die Bilder anschaut, muss man da auf Rot entscheiden. Der Angreifer wird am Fünfmeterraum gezogen und kommt zu Fall. Ohne das Foul hatte er das freie Tor sich. Der Platzverweis nach VAR die richtige Entscheidung, aber das klare Halten, sollte ein Erstligaschiri auch alleine erkennen. [TV-Bilder – 02:20 Minuten]

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Björn Perreth

    Szene 18. Der Ball sprang vorm Foul an die Hand des Angreifers, insofern hätte ein Tor sowieso nicht gezählt. Insofern kann überhaupt keine Verhinderung einer glasklaren Torchance vorgelegen haben. Ergo dürfte es keinen Platzverweis geben. Eigentlich noch nicht mal ein Foul.

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