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Verbesserungsvorschläge – DFB-Delegiertensystem – Ein Kommentar

Das Delegiertensystem beim DFB, jeder kennt es. Grob erklärt, über den jeweiligen Kreistag werden Delegierte zum Verbandstag des Verbandes gewählt. Dort werden wiederum Delegierte zum DFB Bundestag gewählt. 

Anton Dinslaken, Schiedsrichter beim Fussballverband Mittelrhein, Redakteur IG Schiedsrichter (📸 fupa.net)

Von: Anton Dinslaken 

Der „einfache“ Schiedsrichter hat nur das Recht einen KSA mit zu wählen. Dann hört es schon auf mit der Demokratie. An Wahlen von Delegierten wird der Schiedsrichter nicht beteiligt. Direktmandate, wie bei sonstigen Wahlen, gibt es auch nicht. Ein einfacher Schiedsrichter kann auch keinen selbstständigen Antrag zum Kreistag bzw. Verbandstag geschweige DFB-Bundestag stellen. 

Ein Ronny Zimmermann, 1. DFB Vizepräsident, zuständig für die Amateure hat mir mitgeteilt, ich solle mich in ein Amt wählen lassen und darüber hinaus die Zuständigkeiten einhalten. Die Zuständigkeiten bedürfen einer weiteren Erklärung.

Jetzt nehmen wir doch mal an, der einfache Schiedsrichter macht in seinem Kreis dem KSA-Verbesserungsvorschläge. Der KSA-Vorsitzende nimmt am Kreistag teil. Jetzt ist es in einer Vorauswahl dem Gutdünken des KSA-Vorsitzenden evtl. zu verdanken, dass dieser den Vorschlag eines seiner Schiedsrichter beim Kreistag einbringt. 

Hat der KSA-Vorsitzende den Vorschlag seines einfachen Schiedsrichters dort vorgebracht, dazu braucht es zudem vorher eines schriftlichen Antrages zur Tagesordnung, könnte wiederum der / die Delegierten zum Verbandstag diesen Vorschlag mitnehmen und dort vorbringen.

Die Delegierten vom Verbandstag fahren zum DFB-Bundestag. Dem Gutdünken dieser Delegierten ist es wiederum überlassen, schriftlicher Antrag vorausgesetzt, Vorschläge zum DFB-Bundestag  mitzunehmen, wenn er / sie diese überhaupt für gut befinden. DFB-Bundestag, wieder ein schriftlicher Antrag zur Tagesordnung. Ein Überblick: https://www.dfb.de/der-dfb/verbandsstruktur/

Zwischen einem Vorschlag ist erstens der Obmann selbst, dann Delegierte und wieder Delegierte. In den Instanzen werden die Vorschläge von der Basis, des einfachen Schiedsrichters, dann sozusagen kaputt geredet oder kaputt diskutiert. Neue Ideen oder Vorschläge der Basis sind also von vornherein zum Scheitern verurteilt. Oder?
 

Da stellt sich doch allen Ernstes die Frage, ob Verbesserungsvorschläge von einfachen Schiedsrichtern überhaupt beim Verband bzw. DFB ankommen?

Ein kurzes allgemeines Ausholen:

Ist der Politiker oder Funktionär einmal gewählt, hat der Bürger / Schiedsrichter seine Pflicht erfüllt. Ist der Politiker oder Funktionär einmal gewählt, hat er allein die berühmte Weisheit mit Löffeln gefressen. Ist der Politiker oder Funktionär einmal gewählt und ist längere Zeit im Amt, wird er sozusagen betriebsblind und darf keinerlei Kritik am System üben. Ist der Politiker oder Funktionär einmal gewählt, darf ihm um Gottes Willen niemand mehr was zusenden.

Ich habe jetzt meinem Obmann im KSA zum Jahresbeginn (das macht man ja so mit den guten Vorsätzen zum neuen Jahr) meine Wünsche als einfacher Schiedsrichter für das Jahr 2024 mitgeteilt. Diese wären ohne weitere detaillierte Erklärung in Auflistung der einzelnen Punkte:

  1. Schiedsrichter-Spesen Kreisliga,
  2. Schiedsrichter-Trikot neue Schiedsrichter,,
  3. VBG Unfallversicherung,
  4. Email-Adressen Schiedsrichter,
  5. DFB Schiedsrichter-Zeitung,
  6. RuVO – Minderschwerer Fall,
  7. Paten-Modell neue Schiedsrichter,
  8. Sitzungsgeld bei Sportgerichtsverhandlungen,
  9. Amtliche Mitteilungen,
  10. Deeskalations-Training für Schiedsrichter,
  11. Rechtsschutzversicherung für Schiedsrichter,
  12. Sitzungsgeld bei Weiterbildungen,
  13. Eintrag der Weiterbildungen im DFBnet,
  14. Vereinheitlichung der RuVO`s in den 21 Verbänden des DFB.
Ohne Einhaltung von Zuständigkeiten habe ich noch die Unverfrorenheit besessen, als einfacher Kreisliga-Amateur-Schiedsrichter diese Punkte noch dem Präsidenten meines Fussballverbandes Mittelrhein, Dr. Christos Katzidis und dem 1. Vizepräsidenten des DFB, Ronny Zimmermann mitzuteilen. Dr. Christos Katzidis hatte auch bereits auf die Zuständigkeiten beim FVM verwiesen, die Zuständigkeiten fänden sich auf der Webseite des FVM.
 
Jetzt steht die Behauptung im Raume, könnte Wetten annehmen, dass keiner meiner Vorschläge, evtl. sind diese ja auch wirklich nicht gut genug, auf einem Kreistag, einem Verbandstag, geschweige denn beim DFB-Bundestag landen wird.
 
Hochglanz-Kampagnen der Verbände bzw. des DFB werden halt nicht durch Vorschläge einfacher Schiedsrichter geboren. Die einfachen Schiedsrichter werden ja nicht einmal bei Regeländerungen gefragt, dürfen den KSA wählen und sollen dann Ruhe geben und funktionieren. Sollen aber die von oben vorgedachten Hochglanz-Kampagnen voll und ganz mit aller Inbrunst unterstützen. Es ist im System DFB halt nicht vorgesehen, auch mal die Basis zu fragen. Ausser in Befragungen, wo das Ergebnis bereits vorgedacht ist?!
 
Wichtig ist mir zu erwähnen, dass das Jahr des Schiedsrichters an der Basis in der Kreisliga gar nicht angekommen ist!
 
Ein Verbesserungsvorschlagswesen, wie in jedem Betrieb, oder einen Petitionsausschuss gibt es bei den Verbänden bzw. DFB offenbar nicht. Warum auch.
 
Die Weisheit kommt doch nicht von der Basis, nicht von den einfachen Schiedsrichtern, die sollen doch,
 
obwohl die Mehrheit und ohne uns geht es nicht,
 
alle Regeln und Besonderheiten kennen, immer zur Weiterbildung und Leistungsprüfung erscheinen, um evtl. Aufstieg betteln, mit fraglichen Beobachter-Berichten auseinander setzen, die DFB Schiedsrichter-Zeitung abonnieren, selbst VBG Unfallversicherung und Rechtsschutz abschliessen, zusätzlich Sonderberichte schreiben, zu einer evtl. Sportgerichtsverhandlung ohne Spesen als Zeuge kommen, ohne VAR und allein auf dem Platz besser sein wie die Bundesliga-Schiedsrichter, ohne weitere Rechte und Mitspracherecht halt nur still und stumm funktionieren, evtl. noch Ordnungsgeld riskieren, und sich womöglich von gewalttätigen Spinnern mit dem Blick auf 21 verschiedene Derivate von Strafen in den Rechts-/ und Verfahrensordnungen der Verbände mit nicht leistungsgerechten Spesen über den Platz hetzen lassen. Ist da nicht was krank an dem System?

Anton Dinslaken

Dipl. Kaufmann Anton Dinslaken ist neben seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Schiedsrichter zudem Mitglied im Bundesverband der Fachjournalisten e.V. (Bdfj).

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