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Viel Diskussionsstoff beim Bundesliga-Klassiker: Schiedsrichter Tobias Stieler hatte beim 2:2 zwischen Bayern München und Borussia Dortmund mehrere knifflige Situationen zu bewerten

Viel Arbeit für Stieler beim Klassiker: VAR-Korrektur, übersehenes Handspiel und strittiger Ausgleich

Der Bundesliga-Klassiker zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund hatte nicht nur vier Tore und jede Menge Spannung zu bieten, sondern auch einige knifflige Entscheidungen für Schiedsrichter Tobias Stieler. Beim 2:2 in der Allianz Arena stand der Unparteiische mehrfach im Mittelpunkt. Ein aberkanntes Dortmunder Tor nach VAR-Eingriff, ein übersehenes Handspiel vor der Münchner Führung und ein umstrittener später Ausgleich sorgten für reichlich Diskussionsstoff. Doch nicht jede strittige Szene war auch eine Fehlentscheidung. Unsere Schiedsrichteranalyse zeigt, warum Stieler trotz eines Fehlers die wesentlichen Situationen im Griff hatte und weshalb die Entscheidung auf dem Platz Vorrang haben sollte.

Aberkanntes Dortmunder Tor: VAR-Eingriff nachvollziehbar

Nach einem Fehler von Min-jae Kim und Dayot Upamecano eroberte Carney Chukwuemeka den Ball. Über Jobe Bellingham landete dieser schließlich im Münchner Tor. Doch der vermeintliche Dortmunder Treffer hatte keinen Bestand. Video-Assistent Dr. Matthias Jöllenbeck schaltete sich ein und schickte Schiedsrichter Tobias Stieler zur Überprüfung an den Monitor. Gemeinsam mit seinem Assistenten Rafael Foltyn betrachtete Stieler die Bilder und nahm den Treffer anschließend zurück.

Der entscheidende Punkt war die Abseitsstellung von Chukwuemeka. Der Dortmunder griff aus dieser Position aktiv ins Spiel ein, indem er mit Bayern-Torhüter Jonas Urbig zusammenprallte und ihn dabei am Kopf beziehungsweise Oberkörper traf. Urbig wirkte anschließend benommen und musste behandelt werden.

Unsere Einschätzung: Die Aberkennung des Treffers ist regeltechnisch nachvollziehbar. Entscheidend ist nicht allein die Abseitsposition, sondern die aktive Einflussnahme auf den Torhüter. Durch den Kontakt mit Urbig wurde Chukwuemeka aus seiner Abseitsposition heraus zum aktiven Spieler. Damit lag ein strafbares Abseitsvergehen vor. Der Eingriff des Video-Assistenten war daher gerechtfertigt. Stieler traf nach Ansicht der Bilder die richtige Entscheidung. Die Abseitsposition ist regeltechnisch vor dem Foulspiel.

Vor dem 1:0 der Bayern: Strafbares Handspiel von Kimmich bleibt ungeahndet

Vor dem Führungstreffer des FC Bayern durch Konrad Laimer gab es eine regeltechnisch interessante Szene, die Schiedsrichter Tobias Stieler übersah. Joshua Kimmich bekam den Ball an den Arm. Auf den TV-Bildern ist zu erkennen, dass der Bayern-Spieler beide Arme deutlich angehoben hatte, der Ball prallte an den rechten vom Körper abgespreizten Arn. Aus unserer Sicht lag damit ein strafbares Handspiel vor, das Stieler hätte ahnden müssen.

Dennoch hatte die Szene keine Auswirkungen auf die Anerkennung des anschließenden Führungstreffers.

Der entscheidende Punkt: Dortmunds Felix Nmecha gelangte zwischenzeitlich kontrolliert an den Ball. Damit war die ursprüngliche Angriffsphase der Münchner beendet. Der anschließende Ballgewinn der Bayern leitete eine neue Angriffsphase ein, an deren Ende Laimer zum 1:0 traf.

Unsere Einschätzung: Tobias Stieler hätte das Handspiel von Kimmich ahnden müssen. Da Nmecha anschließend jedoch kontrolliert in Ballbesitz kam, war die ursprüngliche Angriffsphase abgeschlossen. Der VAR durfte deshalb nicht mehr wegen des vorausgegangenen Handspiels eingreifen. Somit bleibt festzuhalten: Ein übersehenes Handspiel, aber ein zu Recht anerkannter Bayern-Treffer.

Klarer Handelfmeter für Bayern – Kane trifft nur die Latte

Nach einem Schuss beziehungsweise Volley von Harry Kane blockte Dortmunds Felix Nmecha den Ball mit dem deutlich nach oben gehaltenen und seitlich vom Körper abgespreizten Arm ab. Schiedsrichter Tobias Stieler entschied zu Recht auf Handelfmeter. Die Armhaltung war unnatürlich und vergrößerte die Körperfläche deutlich. Damit lag ein strafbares Handspiel vor. An dieser Entscheidung gab es aus regeltechnischer Sicht nichts auszusetzen. Harry Kane übernahm selbst die Verantwortung, setzte den fälligen Strafstoß jedoch an die Latte. Damit vergab der Bayern-Stürmer die große Gelegenheit, die Münchner Führung weiter auszubauen.

Unsere Einschätzung: Eine klare und korrekte Elfmeterentscheidung von Tobias Stieler. Aufgrund der deutlich abgespreizten und angehobenen Armhaltung bestand kein Anlass für einen Eingriff des Video-Assistenten.

Später Dortmunder Ausgleich: Kein klares Foulspiel an Pavlović

Auch beim späten Ausgleichstreffer von Borussia Dortmund zum 2:2 durch Silva musste man genau hinschauen. Im Mittelpunkt stand ein Zweikampf zwischen Aleksandar Pavlović und einem Dortmunder Spieler. Der Münchner spielte zunächst den Ball, wurde anschließend jedoch vom Dortmunder leicht am Fuß getroffen. Auf den TV-Bildern ist ein Kontakt erkennbar, allerdings kein eindeutiges Stempeln.

Der Dortmunder ging erkennbar ballorientiert in den Zweikampf. Der Kontakt war aus unserer Sicht nicht von einer solchen Intensität, dass zwingend auf ein Foulspiel hätte entschieden werden müssen.

Unsere Einschätzung: Die Anerkennung des Dortmunder Ausgleichstreffers ist vertretbar. Zwar liegt ein leichter Kontakt am Fuß von Pavlović vor, dieser stellt aber nicht automatisch ein strafbares Foulspiel dar.

Entscheidend ist auch hier die Eingriffsschwelle des Video-Assistenten. Die Entscheidung des Schiedsrichters auf dem Platz hat grundsätzlich Vorrang. Nur bei einer klaren und offensichtlichen Fehlentscheidung wäre ein VAR-Eingriff gerechtfertigt gewesen. Eine solche lag aus unserer Sicht nicht vor. Tobias Stieler durfte weiterspielen lassen, und der Treffer konnte zählen.

Fazit: Viel Arbeit für Tobias Stieler – insgesamt eine ordentliche Leistung

Es war ein arbeitsreicher Bundesliga-Klassiker für Tobias Stieler, der gleich mehrfach vor schwierigen Entscheidungen stand. Beim aberkannten Dortmunder Treffer benötigte er die Unterstützung des Video-Assistenten Matthias Jöllenbeck und korrigierte seine ursprüngliche Entscheidung nach Ansicht der Bilder zu Recht.

Vor dem Münchner Führungstreffer übersah Stieler hingegen ein strafbares Handspiel von Joshua Kimmich. Da Dortmund anschließend jedoch kontrolliert in Ballbesitz kam und damit eine neue Angriffsphase begann, hatte dieses Vergehen keine Auswirkungen auf die Anerkennung des Bayern-Tores.

Den Handelfmeter nach dem Vergehen von Felix Nmecha bewertete Stieler korrekt. Auch die Anerkennung des späten Dortmunder Ausgleichstreffers war vertretbar. Der leichte Kontakt an Pavlović reichte aus unserer Sicht nicht aus, um zwingend auf Foulspiel zu entscheiden. Hier galt es, die Entscheidung auf dem Platz zu respektieren.

Unter dem Strich zeigte Tobias Stieler trotz des übersehenen Handspiels eine ordentliche Spielleitung. Er hatte die wesentlichen Situationen im Griff, nahm die notwendige VAR-Korrektur an und bewahrte auch in den entscheidenden Phasen des Klassikers die Übersicht. Nicht jede strittige Szene muss schließlich durch den Video-Assistenten aufgelöst werden. [Note: 3]

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