Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen I Champions League

Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen I Champions League

9. Dezember 2020 1 Von IG Schiedsrichter

RB Leipzig hat durch einen hart erkämpften Sieg den Einzug in die nächste Runde geschafft, haderte jedoch mit einem sehr schwachen Schiedsrichter. Leider hatte auch Tobias Stieler keinen guten Tag, wurde aber vom VAR meist gut unterstützt. In Paris rückte währenddessen wegen einem mehr als dummen Ausspruch der Fußball in den Hintergrund, für den sich der Rumäne nun entschuldigte. 

FC Barcelona – Juventus Turin (SR: Tobias Stieler)

Bereits nach wenigen Minuten kam Christiano Ronaldo im Strafraum zu Fall Doch was war die Ursache? Tobias Stieler zeigte jedenfalls auf dem Elfmeterpunkt. Ronald Arujo war der vermeintliche Sünder, der seine Arme natürlich einsetzte, aber in keinster Weise regelwidriger Form. Ronaldo nahm dann wohl einen Kontakt mit Arujos Beinen an und ging zu Boden. Aber auch hier lag nicht wirklich ein Beinstellen vor. Sehr unglückliche Entscheidung von Stieler, der dadurch einiges an Akzeptanz verlor. Trotzdem aber auch kein Fall für den VAR. [TV-Bilder]

Lionel Messi ging gegen Weston McKennie zu Boden, doch dieses Mal pfiff Tobias Stieler nicht. Auch für VAR Bastian Dankert war es nicht klar genug, um hier einzugreifen. Anhand der Bilder ist dieses Vorgehen nachvollziehbar.Es ist ganz einfach keine eindeutig regelwidrige Aktion zu erkennen, die deutlich für den Sturz ursächlich ist. [TV-Bilder]

In der nächsten Situation griff Dankert dann jedoch ein. Ein absolut eindeutiges Handspiel, von Clement Lenglet dass auf dem Feld eigentlich hätte erkannt werden müssen, führte zum Review, nach dessen Ende Stieler völlig zu Recht den Strafstoß für Turin gab. [TV-Bilder]

Ein eindeutiges Foul im eigenen Strafraum leistete sich auch Turins Mathijs de Ligt, aber zum Strafstoß für Barcelona kam es trotzdem nicht: Assistent Christian Gittelmann hatte eine Abseitsposition erkannt, weshalb das Foulspiel bedeutungslos blieb. Richtige Entscheidung! [TV-Bilder]

Leonardo Bonucci stocherte einen Schuss von Christiano Ronaldo überflüssigerweise noch über die Linie. Warum überflüssig? Weil VAR Dankert die kalibrierten Linien anlegte und Bonucci dann richtigerweise im Abseits sah. Zu Recht wurde das Tor dann nicht gegeben! [TV-Bilder]

RB Leipzig – Manchester United (SR: Antonio Mateu Lahoz)

Eine leider sehr schwache Vorstellung zeigte der spanische Schiedsrichter Antonio Mateu Lahoz. Es ist bekannt, dass er einen sehr speziellen Stil, Spiele zu leiten, pflegt, doch in diesem Spiel übertrieb er es deutlich. Seine völlig überzogene Gestik rief im Laufe des Spiels bereits Gelächter der Spieler hervor, aber Lahoz überdrehte nur noch mehr. Zeichnete eine gewisse Extravaganz seine Spielleitungen in den vergangenen Jahre noch im positiven Sinne aus, so war es in diesem Spiel irgendwann nur noch daneben. Gegen Ende des Spiels lag er dann auch noch – aus Leipziger Sicht glücklicherweise folgenlos – deutlich daneben! Zudem: Wo war VAR Alejandro Jose Hernandez Hernandez?

Mason Greenwood setzte sich gegen Ibrahima Konate durch und kam im Strafraum zu Fall. Lahoz gab Elfmeter für Manchester! Dieser Pfiff lag irgendwo zwischen „soft“ und falsch, also wohl nichts für den VAR. Doch zuvor eroberte Greenwood den Ball durch ein klares Ziehen! Hernandez Hernandez hätte also definitiv eingreifen und Lahoz empfehlen müssen, diesen Strafstoß zurückzunehmen! [TV-Bilder]

Wenig später kam United tatsächlich noch zum Anschlusstreffer. Nach einer Ecke köpfte Paul Pogba den Ball ins Tor. Möglicherweise war aber Harry Maguire davor mit der Hand am Ball. Wir haben das vorhandenen Videomaterial mehrfach gesichtet und können keinen Beweis dafür finden, dass dem tatsächlich so war. So wird es wohl auch dem VAR ergangen sein, weshalb seine Zurückhaltung hier absolut nachvollziehbar ist. [TV-Bilder]

Paris St. Germain – Basaksehir Istanbul (SR: Ovidiu Hategan)

Nach 14 Minuten benahm sich der Istanbuler Co-Trainer Pierre Webo wohl deutlich daneben, worauf der vierte Offizielle Sebastian Coltescu Schiedsrichter Ovidiu Hategan an die Seitenlinie beorderte, damit Webo die Rote Karte erhält. Über Funk gab Coltescu die Information, um wen es sich handelt, mit den Worten „ala negru“. Zu deutsch bedeutet das „der Schwarze“. Ein dummer und verhängnisvoller Ausspruch, der einem erfahrenen FIFA-Schiedsrichter auf höchster Ebene in dieser aufgewühlten Zeit auch in der Hektik keinesfalls passieren darf! Daraufhin entschlossen sich die Spieler, die Partie nicht weiterzuführen. Erneut angepfiffen wird das Spiel nun am Mittwoch um 18:55 Uhr unter der Leitung eines anderen Schiedsrichterteams.

Wir wollen dies hier nicht weiter bewerten, die Diskussion ist hinlänglich bekannt und wurde gestern auch schon ausführlich weitergeführt. Eine Identifikation einer Person anhand der Hautfarbe wird von einer weißen Person einfach nicht als Alltagsrassismus angesehen, da man sich nicht in die Lage der Person hineinversetzen kann. Insofern ist die Reaktion von Webo und auch von Demba Ba nachvollziehbar; eine solche Unachtsamkeit in der Wortwahl darf einem Offiziellen einfach nicht passieren!
Dadurch wird es aber auch zu einem extrem weiten Feld, in welches man sehr leicht hineingeraten kann. Dennoch wird es nach eingehender Untersuchung durch die UEFA sicher Konsequenzen für den auch ohne den Vorfall altersbedingt von der FIFA-Liste ausscheidenden Coltescu geben.

Coltescu entschuldigt sich

„Meine Absicht war niemals Rassismus. In einer solchen Umgebung können Menschen ihre Gefühle manchmal nicht richtig ausdrücken und können missverstanden werden. Ich entschuldige mich im Namen der UEFA Champions League. Ich hoffe, Ihr versteht das“, schrieb der Rumäne.

Wir hoffen nur sehr, dass dieser Vorfall keine negativen Folgen für die Karriere von Ovidiu Hategan haben wird!
Das neue Gespann wird vom Niederländer Danny Makkelie angeführt. Eine kluge Wahl, da er zum einen Polizist ist und das Ganze sicher bei Konflikten vernünftig lösen kann und zum anderen, da das Gespann aus zwei Niederländern und zwei Polen besteht und die Amtssprache auf dem Feld sicher Englisch sein wird.

FC Chelsea – FK Krasnodar (SR: Pavel Kralovec)

Tammy Abraham fiel im gegnerischen Strafraum über das klar ausgefahrene Bein von Kaio. Verhältnismäßig einfach hatte es hier Schiedsrichter Pavel Kralovec, auf Elfmeter für Chelsea zu entscheiden. [TV-Bilder]

Stade Rennes – FC Sevilla (SR: Bartosz Frankowski)

Der polnische Champions League-Debütant Bartosz Frankowski zeigte eine sehr ordentliche Leistung. Kurz vor Schluss bewahrte ihn allerdings VAR Pawel Raczkowski noch vor einem Fehler: M’Baye Nina kam bereits vor dem Strafraum zu Fall, der Ball lief aber dennoch weiter in den Strafraum. Dort fiel mit Eduardo Camavinga erneut ein Spieler von Rennes, ehe Frankowski pfiff und zum Tatort des ersten Foulspiels eilte. Dann erhielt er aber schnell ein Signal von Raczkowski und eilte – in bemerkenswerter Geschwindigkeit – zum Monitor. Zum Monitor deshalb, weil es nicht nur um eine Positionsbestimmung ging. Frankowski hatte den zweiten Zweikampf nicht als regelwidrig bewertet und musste somit die Neubewertung selbst vornehmen. Am Ende stand dann aber die richtige Entscheidung und es gab den Strafstoß für Rennes. [TV-Bilder]

Dynamo Kiew – Ferencvaros Budapest (SR: Andreas Ekberg)

An einem für Schiedsrichter größtenteils grauenvollen Spieltag fiel einmal mehr der schwedische Schiedsrichter Andreas Ekberg sehr positiv auf. Er hatte ein alles andere als einfaches Spiel zu leiten, traf aber auf dem Platz die richtigen Entscheidungen und musste von VAR Christian Dingert nicht korrigiert wenden.

Zunächst waren es die Budapester, die einen Handelfmeter forderten! Serhiy Sydorchuk bekam den Ball an die Hand, aber dessen Bewegung stellte einen völlig natürlichen Ablauf dar und er versuchte auch sofort, seine Hand wegzuziehen. Auch nach Rücksprache mit dem VAR blieb es dann bei der korrekten Entscheidung, den Strafstoß nicht zu geben. [TV-Bilder]

Kurz vor Schluss stieg Isael gegen Benjamin Verbic ein und sah die gelbe Karte. Er stieg im Stand mit offener Sohle ein und streifte Verbic am Schienbein. Entscheiden war hier, dass es sich deutlich nicht um einen Volltreffer handelte, bei dem die Rote Karte hätte folgen müssen. So sah es auch VAR Dingert, weshalb die gelbe Karte zu Recht stehen blieb. [TV-Bilder]

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