Viel los im Kölner Keller

Viel los im Kölner Keller

17. Januar 2022 6 Von Simon Schmidt

Die Videoschiedsrichter wurden an diesem Wochenende durchaus gefordert, besonders die Bewertung einer klaren Fehlentscheidung sorgte wieder für Diskussionen. In Stuttgart und Wolfsburg konnte der VAR den Schiedsrichtern nicht zu ihrer Linie verhelfen, während in Augsburg Schiedsrichter Sven Jablonski einmal trotz On-Field-Review bei seiner Entscheidung blieb.

VfB Stuttgart – RB Leipzig 0:2 (SR: Daniel Schlager)

Nachdem berechtigten Handelfmeter in der ersten Halbzeit gegen den VfB Stuttgart gab es nach einer knappen Stunde Diskussionen um eine Szene im Leipziger Sechzehner. Der VfB-Angreifer Tidibi drang in den RB-Strafraum ein und wurde durch einen Körpereinsatz von Orban zu Fall gebracht. Dabei ging der Leipziger zwar zum Ball, spielte diesen aber nicht. Es kam sowohl zu einem Kontakt im Fußbereich als auch am Oberkörper. Der Einsatz ist äußerst grenzwertig und hier spricht deutlich mehr für ein Foulspiel und damit Strafstoß als dagegen. Schiedsrichter Daniel Schlager nahm die Szene auf dem Platz war und traf eine Entscheidung im Rahmen des Ermessensspielraum. Somit war VAR Harm Osmers raus und griff wohl richtigerweise nach dem Protokoll nicht ein. Am Ende wäre Strafstoß auf alle Fälle die bessere Entscheidung gewesen. [TV-Bilder – ab 5:17 Minute]

VfL Wolfsburg – Hertha BSC 0:0 (SR: Robert Hartmann)

Zu einer ähnlichen Szene kam es am Samstag bei der Partie Wolfsburg gegen Hertha BSC, als der VfL-Angreifer Steffen nach einem Kontakt mit dem Berliner Verteidiger Torunarigha zu Boden ging. Dabei führte Steffen den Ball, Torunarigha spielte nicht den Ball und traf seinen Gegenspieler am Fuß. Auch hier spricht vieles für ein Vergehen Beinstellen, was mit einem direkten Freistoß oder hier Strafstoß zu ahnden ist. [TV-Bilder – ab 3:28 Minute]

Beim vermeintlichen 1:0 der Berliner waren dem VAR gleich doppelt die Hände gebunden. Denn der Pfiff von Schiedsrichter Hartmann kam wohl bevor der Ball die Torlinie überschritten hat. Somit kann der Treffer in jedem Fall nicht mehr gegeben werden. Außerdem lag die kleinliche Stürmerfoul-Entscheidung des Schiedsrichters in dessen Ermessensspielraum. Es dürfte sich auch hier um keine klare Fehlentscheidung gehandelt haben. [TV-Bilder – ab 4:04 Minute]

Das passt nicht zusammen

Borussia Mönchengladbach – Bayer 04 Leverkusen 1:2 (SR: Sascha Stegemann)

Der ersten Strafstoßpfiff von Stegemann in der 49. Minute war absolut berechtigt. Auch wenn Bellarabi hier leicht absprang, stieg ihm Friedrich einfach auf den Fuß, was als Treten mit einem direkten Freistoß oder Strafstoß zu ahnden ist. Entscheidung korrekt, somit bestand kein Eingriffsgrund für den VAR Tobias Stieler. [TV-Bilder – ab 1:26 Minute]

Kurz vor Schluss zeigte Schiedsrichter Stegemann ein zweites Mal auf den Punkt, als Wirtz am Gladbacher Beyer im Borussia-Strafraum vorbeiging und zu Fall kam. Es kam zu einem Kontakt am Fuß, da Beyer sein Bein stehen ließ. Auch hier kann man auf Beinstellen und damit Strafstoß entscheiden, weiterspielen wäre aber auch durchaus denkbar gewesen. Ist eher ein „Soft-Penalty“ für mich. Dennoch natürlich niemals eine klare Fehlentscheidung, auch hier liegt kein Eingriffsgrund für VAR Stieler vor. [TV-Bilder – ab 4:34 Minute]

FC Augsburg – Eintracht Frankfurt 1:1 (SR: Sven Jablonski)

In der 33. Minute zeigte Sven Jablonski auf den Punkt und entschied auf Elfmeter für Augsburg. Die Entscheidung war grundsätzlich schon mal unglücklich, da die Augsburger kurz nach dem Pfiff von Jablonski ins Frankfurter Tor trafen. Dies spielte später jedoch sowieso keine Rolle mehr, da VAR Pascal Müller entlarvte, dass der Augsburger Zequiri Hasebe trat und nicht umgekehrt. Mit der gelben Karte ist der Augsburger noch sehr gut bedient. Am Ende spricht die offensichtlich fehlende Absicht den Gegenspieler zu verletzen und die Intensität für Gelb, wenn Rot auch durchaus vertretbar gewesen wäre in dieser Szene bei einem Tritt mit offener Sohle oberhalb des Knöchels. Gelb für mich jedoch die bessere Entscheidung, da Zequiri hier den Ball spielen will und der Tritt nicht dem Gegenspieler ursprünglich galt. [TV-Bilder – ab 2:52 Minute]

Kurz vor der Pause kam es zu einem On-Field-Review aufgrund einer möglichen strafbaren Handspiels von Lindström im Frankfurter Strafraum. Schiedsrichter Jablonski nahm das Vergehen möglicherweise nicht korrekt auf dem Platz wahr, sodass VAR Pascal Müller eine Überprüfung empfahl. Bei dieser blieb der Schiedsrichter bei der Entscheidung weiterspielen. Eine nachvollziehbare Entscheidung, da der Frankfurter Mittelfeldspieler hier sicher nicht absichtlich den Ball spielen wollte. Der Arm ist draußen, was aber in so einem Zweikampf nicht unnatürlich ist. Außerdem wird er eher wieder zum Körper gezogen. Insgesamt absolut vertretbar hier auf Weiterspielen zu entscheiden. [TV-Bilder – ab 5:01 Minute]


Fazit: Ein ereignisreiches Wochenende in der 1. Bundesliga für die Videoschiedsrichter. Am Ende haben sie einmal mehr nicht so viel falsch gemacht, wie ihnen in der Öffentlichkeit nachgesagt wurde. Bei einigen Szenen sind dem VAR laut Protokoll die Hände gebunden bzw. der Videoschiedsrichter ist nicht dafür zuständig immer für die besseren Entscheidungen zu sorgen, sondern ausschließlich klare Fehlentscheidungen zu verhindern. Dies sollte man sich einmal mehr ins Gedächtnis rufen.


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