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Schiedsrichter Martin Wilke stand in Düsseldorf im Mittelpunkt. (Foto: IMAGO / DeFodi Images)

Schiedsrichter im Mittelpunkt: Auswertung strittiger Szenen – 2. Spieltag | 3. Liga

Drei Spiele, mehrere strittige Entscheidungen und reichlich Gesprächsstoff: In Verl und Düsseldorf standen die Schiedsrichter im Mittelpunkt. Während ein folgenschwerer Platzverweis in Verl die Partie entscheidend beeinflusste, sorgte in Köln ein möglicher Elfmeter für Diskussionen. In Düsseldorf wiederum blieb ein Strafstoß samt Roter Karte aus. Wir schauen auf die wichtigsten Szenen und ordnen die Entscheidungen ein.

Sportclub Verl – MSV Duisburg 2:4 (SR: Felix Wagner)

Szene 1: Einen folgenschweren Platzverweis leistete sich nach eigener 2:0-Führung drei Minuten nach der Pause Verls bereits verwarnter Innenverteidiger Paul Lehmann. Der durchbrechende Gegenspieler Noß war nur noch durch einen taktischen Trikotzupfer zu stoppen. Lehmann hielt ihn am Trikot fest, um den vielversprechenden Angriff zu unterbinden. Folgerichtig zeigte ihm der aufmerksame Schiedsrichter Felix Wagner die Gelb-Rote Karte. [TV-Bilder – ab 02:45 Minuten]

Szene 2: Ab diesem Zeitpunkt bot sich ein völlig anderes Bild. Die zunächst spielbestimmenden Verler konnten sich dem zunehmenden Duisburger Druck nicht mehr erwehren. Nach dem Ausgleich zum 2:2 leistete sich Felix Vogler ein Foulspiel im Strafraum und brachte damit einen Duisburger zu Fall. Folgerichtig entschied Wagner auf Strafstoß für Duisburg. Duisburg drehte mit dem verwandelten Elfmeter die Partie endgültig und brachte das Spiel damit komplett zu seinen Gunsten. [TV-Bilder – ab 04:00 Minuten]

Fortuna Köln – Alemannia Aachen 1:1 (SR: Davina Lutz)

Szene 3: Nach einem Pass von Ermolaev in den Strafraum kam Torwart Winkler aus seinem Gehäuse und erreichte den Ball knapp vor Starodid mit den Händen. Der Ball flog anschließend über den Keeper hinweg. Die kurze Elfmeter-Aufregung legte sich jedoch schnell – zu Recht: Winkler war zuerst am Ball und spielte diesen im eigenen Strafraum regelkonform mit den Händen. Ein Foulspiel lag nicht vor, sodass die Partie mit Weiterspielen fortgesetzt wurde. [TV-Bilder – ab 0:28 Minuten]

Szene 4: Nach dem scharfen Pass von Hanraths von der linken Seite in den Strafraum wurde Mika Schroers bei seinem Abschlussversuch von Aigbekaen mit der Fußspitze getroffen und zu Fall gebracht. Der Duisburger wollte zwar klären, traf dabei jedoch den Gegenspieler am Fuß. Schiedsrichterin Davina Lutz zögerte nicht und entschied sofort auf Strafstoß. Mehdi Loune verwandelte souverän ins linke Eck. Eine vertretbare Entscheidung, denn auch ein leichter Kontakt kann ein strafbares Beinstellen darstellen, wenn der Angreifer dadurch zu Fall gebracht wird. [TV-Bilder – ab 0:35 Minuten]

Szene 5: Mitte der ersten Halbzeit sah Mehdi Loune nach einer unnötigen Aktion die zweite Gelbe Karte und damit die Gelb-Rote Karte. Der Duisburger stempelte Bröger von Fortuna Köln auf den Fuß – kein reines Ballspiel, sondern ein überflüssiger Kontakt im Zweikampf. Schiedsrichterin Davina Lutz ahndete die Aktion folgerichtig mit Gelb und schickte Loune damit vom Platz. Die Entscheidung entspricht der Regelauslegung: Ein solches Stempeln ist als rücksichtsloses Foulspiel verwarnungswürdig. Da Loune bereits zuvor Gelb gesehen hatte, folgte der Platzverweis. [TV-Bilder – ab 01:24 Minuten]

Szene 6: Kurz vor Schluss dann noch eine ganz strittige Szene: Petros Bagkalianis brachte Hamadi Al Ghaddioui im Strafraum zu Fall. Auf den ersten Blick wirkt die Szene durchaus elfmeterwürdig. Bei genauerer Betrachtung ist die Entscheidung von Schiedsrichterin Davina Lutz, weiterspielen zu lassen, jedoch richtig.

Wie Lutz Wagner die Szene gegenüber uns einordnete, agiert Bagkalianis nicht von hinten, sondern eher von der Seite. Entscheidend ist zudem, dass der Fuß des Aachener Verteidigers am Boden bleibt und er den Ball tatsächlich spielt. Seine Aktion ist klar zum Ball orientiert. Der Kontakt mit Al Ghaddioui entsteht dabei im Zuge des Ballspiels und ist nicht das Ergebnis eines rücksichtslosen Einsteigens in den Gegenspieler.

Damit fehlt die Grundlage für einen Strafstoß. Auch wenn der Kölner bei der Aktion zu Fall kommt, ist nicht jeder Kontakt im Strafraum automatisch ein Foul. In diesem Fall sprechen die seitliche Position, der am Boden befindliche Fuß, der gespielte Ball und die klare Orientierung zum Spielgerät für die richtige Entscheidung: kein Elfmeter. [TV-Bilder – ab 03:27 Minuten]

Rot-Weiss Essen – TSV Havelse 1:0 (SR: Michael Näther)

Szene 7: Bouebari brachte die Flanke auf die andere Seite zu Abiama. Lamby verschätzte sich in dieser Situation und kam anschließend im Strafraum zu spät. Dabei traf der Verteidiger den Angreifer und brachte ihn zu Fall. Schiedsrichter Michael Näther stand gut und entschied folgerichtig auf Strafstoß. Eine klare Entscheidung: Lamby war falsch positioniert, kam nicht mehr rechtzeitig an den Ball und traf stattdessen Abiama – ein eindeutiges Foulspiel im Strafraum. [TV-Bilder – ab 02:58 Minuten]

Fortuna Düsseldorf – TSG Hoffenheim II 0:2 (SR: Martin Wilke)

Szene 8: Nach dem unsauberen Zuspiel von Müller ging Zor von der TSG Hoffenheim II durch. Jorrit Hendrix versuchte als letzter Mann zu retten, kam mit seiner Grätsche jedoch deutlich zu spät und brachte den Angreifer kurz vor dem Strafraum zu Fall. Schiedsrichter Martin Wilke zeigte folgerichtig die Rote Karte. Eine klassische Notbremse: Zor hatte freie Bahn in Richtung Tor, und Hendrix verhinderte durch sein Foul eine offensichtliche Torchance. Da der Kontakt außerhalb des Strafraums stattfand, gab es zudem einen direkten Freistoß für Hoffenheim. [TV-Bilder – ab 03:23 Minuten]

Szene 9: Wenig später stand Schiedsrichter Martin Wilke erneut im Mittelpunkt. Schleusener setzte sich im Eins-gegen-eins gegen Dulic durch, der seinen Körper einstellte und den Düsseldorfer anschließend festhielt. Zwar zog zunächst Schleusener, anschließend hielt jedoch klar der Hoffenheimer. Wilke ließ weiterspielen – für mich eine Fehlentscheidung. Das Halten fand im Strafraum statt und verhinderte eine klare Torchance. Es hätte daher Strafstoß für Düsseldorf und die Rote Karte gegen Dulic wegen der Verhinderung einer offensichtlichen Torchance geben müssen. [TV-Bilder – ab 03:50 Minuten]

Hansa Rostock – Waldhof Mannheim 3:3 (SR: Felix Weller)

Szene 10: Florian Bohnert riss Gonçalo Gregório bei einer Flanke im Strafraum zu Boden. Auf den Bildern ist deutlich zu erkennen, wie der Rostocker Verteidiger den Mannheimer mit beiden Armen am Körper hält und ihn dadurch zu Fall bringt. Schiedsrichter Weller ließ weiterspielen – eine klare Fehlentscheidung. Hier hätte es Strafstoß für Mannheim geben müssen. Der Ball war für Gregório in diesem Moment nicht unmittelbar spielbar, Bohnert konzentrierte sich vielmehr auf den Gegenspieler und brachte ihn durch das Halten zu Fall.

Ob darüber hinaus eine Rote Karte wegen der Verhinderung einer offensichtlichen Torchance erforderlich gewesen wäre, ist dagegen deutlich schwieriger zu beurteilen. Zwar liegt kein Versuch vor, den Ball zu spielen, sodass die Ausnahme bei einem Foul im Strafraum nicht greift. Für eine Notbremse müssen jedoch sämtliche DOGSO-Kriterien erfüllt sein. Die Hereingabe, mehrere Spieler im Strafraum und die Position des Torwarts sprechen gegen eine eindeutige Bewertung als offensichtliche Torchance.

Der Strafstoß wäre aus meiner Sicht zwingend gewesen – eine Rote Karte dagegen nicht. [TV-Bilder – ab 02:00:55 Minuten]

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