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Bernd Neuendorf – die IG Schiedsrichter nimmt Sie beim Wort!

Werter Herr DFB-Präsident Bernd Neuendorf,

bereits beim FVM (Fussballverband Mittelrhein) haben Sie sich für die Schiedsrichter eingesetzt. Wir haben Ihre bedeutenden tollen Statements als FVM-Präsident aus dem Jahr 2019 zum Thema Gewalt gegen Schiedsrichter einmal raus gesucht. (Sind am Ende vollständig gelistet). Aufgrund der von Ihnen initiierten runden Tische beim FVM wurde z.B. auch ein Deeskalationstraining für Schiedsrichter vorgeschlagen. Ein Vorschlag, den wir als IG Schiedsrichter und man als Schiedsrichter nur begrüssen kann.

Leider sind nach Ihrem Wechsel zum Amt des DFB-Präsidenten beim FVM keine Umsetzungen Ihrer wirklich tollen Statements und Ankündigungen zu spüren. Es ist schon schade zu sehen, was nach Ihrem Weggang beim FVM passiert ist. Die runden Tischen sind eingeschlafen und von „wir von unseren rechtlichen Möglichkeiten konsequent Gebrauch machen ist leider auch nichts zu erkennen. Vom Deeskalatonstraining für Schiedsrichter auch nichts.   

Auch in anderen Verbänden des DFB vermissen wir solche Ankündigungen, wie  von Ihnen, Herr Neuendorf, wie

„Sportgerichte haben die Möglichkeit, harte Strafen gegen diejenigen auszuprechen, die meinen, Schiedsrichter und Andere auf dem Fußballplatz angreifen und beleidigen zu können!“

Wir vermissen die Taten, d.h. konkret den Schutz der Schiedsrichter und Assistenten durch restriktive Änderungen der Rechts- /und Verfahrensordnungen in den Verbänden. Die Umsetzung Ihrer Vorschläge.

Beim Hamburger Fußball-Verband werden aktuell vier Jahre Sperre mit einem Urteil ausgesprochen, in Hildesheim in Niedersachsen vor einem Jahr nur ein Jahr Sperre für einen ähnlichen tätlichen Angriff, Schiedsrichter geschlagen. Nur zwei konkret bekannte Beispiele Beide und ähnliche Fälle von Tätlichkeiten gegen Schiedsrichter und Assistenten dürften auch Ihnen bekannt sein. Die IG Schiedsrichter hat mittlerweile aus fast jedem Landesverband von Tätlichkeiten gegen Schiedsrichter berichtet. 

Das Problem ist, dass ein Sportgericht nicht mit der Justiz zu vergleichen. Die Strafmöglichkeiten sind in der Rechts- und Verfahrensordnung geregelt, die sich in den Landesverbänden noch stark unterscheidet, wie der Vergleich aufzeigt. Platzsperren auf Dauer können nur die Vereine aussprechen, weil nur sie die Durchsetzung überwachen können. Die Lösung: Es muss eine einheitliche RuVO durch den DFB geben.

Als FVM-Präsident hatten Sie, Herr Neuendorf, das Wohl der FVM-Schiedsrichter im Verband des FVM vor Augen.

Als DFB-Präsident blicken Sie jetzt auf das Wohl aller Schiedsrichter in Deutschland. Beim DFB.

Ihnen dürfte nicht entgangen sein, dass es immer mehr Spielabbrüche mit Gewalt oder Bedrohungen von Schiedsrichtern gibt. Das zieht sich durch alle Verbände. Auch in der DFB-Statistik Gewalt ist das nachzulesen. Der DFB selbst hat berichtet. Die Gewalt auf den Sportplätzen nimmt nicht nur zu, sondern in einer immer mehr extrem werdenden Form zu. 

Die Sportgerichte haben eben nicht die Möglichkeit restriktive Strafen auszusprechen, weil die Rechts-/ und Verfahrensordnungen bzw. Strafordnungen der Verbände teilweise völlig veraltet sind. Aus einer Zeit stammen wo die Welt noch ein Ordnung war, der Schiedsrichter noch als Respektperson angesehen wurde.

Die Gesellschaft hat sich leider negativ verändert. Der Frust kommt offenbar auf dem Sportplatz raus. Der Respekt ist weg.

Nehmen Sie Ihre tollen Statements als FVM-Präsident doch jetzt als neuer DFB-Präsident wieder auf. Setzen Sie doch Ihre wirklich guten Vorschläge jetzt als DFB-Präsident um. Das ist doch die Chance, Ihre Chance was zu bewirken zum Schutz der Schiedsrichter. 

Die IG Schiedsrichter nimmt Sie Bernd Neuendorf jetzt beim Wort!

Holen Sie alle Verbandspräsidenten an einen runden Tisch und besprechen Sie einheitliche restriktive Strafen bei Tätlichkeiten gegen Schiedsrichter und Assistenten. Setzen Sie Ihre Vorschläge schon aus der FVM-Zeit jetzt über den DFB als Präsident in der Praxis um. Sie sollten das Thema Gewalt gegen Schiedsrichter zur Chefsache des DFB-Präsidenten machen.


Aktuell kommt es auf allen Ebenen zu Schiedsrichterdiskussionen, Schmähungen und Beleidigungen bis hin zu tätlichen Angriffen auf Schiedsrichter. Die aktuellsten haben wir aufgelistet. 

23. April 2023: 3. Liga

  • Ein Zuschauer des FSV Zwickau überschüttete Schiedsrichter Nicolas Winter beim Spiel Essen gegen Zwickau mit Bier. Die logische Folge Spielabbruch

28. April 2023: Bundesliga

  • Beim Bundesligaspiel Bochum gegen Dortmund traf Schiedsrichter Sascha Stegemann eine höchst strittige Entscheidung, als er beim Foul von Soares an Adeyemi nicht auf Strafstoß für den BVB entschied. Trotz das Stegemann selbst zugab, dass eine Fehlentscheidung vorlag, wurde er und seine Familie von einigen Dortmund Fans in sozialen Netzwerken bedroht. Der Schiedsrichter erstattete Strafanzeige.

30. April 2023: Tatort Frankfurt

  • Bei einem Fußballspiel in Frankfurt kam es zu einem Eklat. Nach Abpfiff stürmen mehrere Personen das Spielfeld, wobei eine gezielt auf den Schiedsrichter zu läuft und ihn mit „Ich werde dich köpfen“ bedrohte.
     

Einige der tollen Zitate und Texte von Bernd Neuendorf 

15.11.2019

Gewalt gegen Schiedsrichter: Wir sind nicht ohnmächtig!

Ein Schiedsrichter in Hessen wird mit einem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen. Ein Spieler hatte ihn verprügelt, nachdem er eine gelbrote Karte gezeigt hatte. In Berlin wird ein Unparteiischer nach dem Abpfiff ins Gesicht geschlagen. In Köln gibt es Jagdszenen gegen einen Unparteiischen in der Kreisliga D. Was ist los auf Deutschlands Fußballplätzen?

„Eine Positionierung von FVM-Präsident Bernd Neuendorf:

Bisher, so durfte man zumindest annehmen, waren Pöbeleien, Drohungen, ja offene Gewalt gegen Schiedsrichter auf unseren Fußballplätzen tabu. Aber, es scheint, als würde dieser eherne Grundsatz nicht mehr überall gelten. Das Klima in unserer Gesellschaft – so scheint es – ist rauer geworden. Respekt ist vielerorts zu einem Fremdwort geworden. Die Analyse, wonach der Hass, der Referees bisweilen entgegenschlägt, Ausdruck von gesamtgesellschaftlichen Problemen ist, ist durchaus richtig.

Aber am Beispiel der Gewalt gegen unsere Schiedsrichter wird für mich auch etwas anderes deutlich: Die Verantwortung des Verbandes geht weit über den eigentlichen Fußball hinaus. Nicht nur die Politiker, wir alle müssen uns noch stärker die Frage stellen, in welcher Gesellschaft wir in Zukunft leben wollen. Und wir müssen uns darüber bewusst werden, dass wir als Verband und Vereine keinesfalls ohnmächtig sind. Wir sind ein starker und ein wichtiger Teil dieser Gesellschaft. Also haben wir auch Einfluss auf das Zusammenleben unseres Gemeinwesens. Wir tragen – wie viele andere gesellschaftliche Gruppen auch – mit Verantwortung dafür, wie und wohin sich unser Land entwickelt. Der FVM ist nicht der Reparaturbetrieb für alle sozialen Missstände. Wir haben aber durchaus Möglichkeiten, unliebsamen Entwicklungen entschieden entgegenzutreten und die positiven Werte des Sports in den Vordergrund zu rücken. Jede und jeder an ihrem und seinem Platz.

Anstand, Fairness, Respekt, Gewaltlosigkeit: All das lässt sich nur gemeinsam angehen. Wir als Verband, die Vereine, die Spielerinnen und Spieler, Trainerinnen und Trainer, die Zuschauer – alle können mit kleinen Gesten und einer klaren Haltung deutlich machen, dass Beschimpfungen und Attacken, gegen wen auch immer, nicht geduldet werden. Für uns ist klar: Der Fußballplatz ist kein rechtsfreier Raum, in dem man seine Gewaltphantasien, seine Emotionen einfach ungehemmt ausleben kann. Wir können und dürfen nicht achselzuckend zur Tagesordnung übergehen, wenn Dinge aus dem Ruder laufen. Es gibt – auch im FVM – eine Menge guter Konzepte und Beschlüsse, wie man mit Gewalt auf dem Platz umgehen kann. Sie müssen von uns gemeinsam gelebt und umgesetzt werden.

Wo ein respektvolles Miteinander nicht möglich ist, wo Unbelehrbare Grenzen überschreiten, da müssen wir von unseren rechtlichen Möglichkeiten konsequent Gebrauch machen. Sportgerichte haben die Möglichkeit, harte Strafen gegen diejenigen auszusprechen, die meinen, Schiedsrichter und Andere auf dem Fußballplatz angreifen und beleidigen zu können. Und schließlich haben die Opfer physischer Gewalt auch die Möglichkeit, Anzeige zu erstatten. All das entledigt uns aber nicht unserer Aufgabe, vor und während eines Spiels alles zu tun, damit Gewalt erst gar nicht aufkommen kann. Bei der Vermittlung von verbindlichen und verbindenden Werten sind alle gefordert: Eltern, Schulen, Kirchen, kulturelle Einrichtungen. Aber eben auch der Sport“. https://www.fvm.de/news/uebersicht/detailseite/gewalt-gegen-schiedsrichter-wir-sind-nicht-ohnmaechtig/


30.11.2019

„Brief an alle Schiedsrichter im Fußball Verband Mittelrhein (FVM)

FVM-Präsident Bernd Neuendorf war in Sachen Gewalt gegen Schiedsrichter unterwegs – Gewalt gegen Referees hat auf unseren Plätzen nichts zu suchen.

In einem Schreiben wandte sich Bernd Neuendorf an alle Schiedsrichter des FVM.

Liebe Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter,

in den letzten Tagen und Wochen habe ich keinen einzigen Termin wahrnehmen können, bei dem das Thema Gewalt gegen Schiedsrichter keine Rolle gespielt hat. Und vielen von Ihnen wird es bestimmt sehr ähnlich ergangen sein. Die zuletzt bekannt gewordenen Respektlosigkeiten und die ungehemmte und brutale Gewalt gegen einzelne Unparteiische aus dem Amateurbereich hat zurecht für helle Empörung gesorgt. Mich persönlich haben diese unentschuldbaren Exzesse richtig wütend gemacht. Es gab zuletzt eine breite mediale Berichterstattung über die schlimmen Vorkommnisse auf unseren Plätzen und natürlich auch eine Debatte über mögliche Ursachen und geeignete Konsequenzen. In mehreren Interviews habe ich dazu Stellung bezogen. Im Editorial der jüngsten Ausgabe unseres Verbandsmagazins EINSZUEINS habe ich klargemacht, dass Gewalt gegen Referees auf unseren Plätzen nichts zu suchen hat und dass wir alle gefordert sind, wenn wir den schockierenden Ereignissen der letzten Wochen etwas entgegensetzen wollen. So wichtig derartige Positionierungen und Appelle auch sind: Es darf nicht bei ihnen bleiben. Wir müssen jetzt ein Stopp-Schild errichten. Allen, die meinen, Schiedsrichter und andere Akteure auf und neben dem Platz beleidigen, verprügeln oder bedrohen zu können, muss unmissverständlich klargemacht werden: Es reicht. Bis hierhin und nicht weiter. Deshalb habe ich veranlasst, dass sich Vertreter von Schiedsrichter/innen, Sportrichter/innen sowie Verbands- und Vereinsvertreter in den Kreisen zeitnah an einen Tisch setzen, um gemeinsam Strategien gegen Hass und Gewalt zu erarbeiten. Dieser Runde Tisch wird Betroffene zu Beteiligten machen. Denn wir alle sind der FVM und müssen, da wo es geboten ist, Lösungen gemeinsam entwickeln und erarbeiten. Nur dann werden sie auch von allen akzeptiert und umgesetzt. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir die Kraft haben, ein deutliches Zeichen gegen die Verrohung auf unseren Plätzen zu setzen. Dafür aber brauchen wir Sie und Ihre Erfahrung, liebe Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter, dringend. Sie sind unverzichtbarer Teil unseres wunderbaren Sports vom Nachwuchs- bis zum Ü-Bereich. Und ich möchte, dass das noch lange so bleibt. Und abschließend noch ein Hinweis: Die Einberufung des Runden Tisches bedeutet nicht, dass wir im FVM beim Thema Gewalt bislang untätig geblieben wären. Nur zwei Beispiele:

Beim Westdeutschen Fußball-Verband wird bereits ab Januar eine Anlaufstelle für Gewalt eingerichtet. Betroffene Personen werden von hier aus begleitet und es erfolgt eine lückenlose Dokumentation jedes einzelnen Vorfalls.

Ebenfalls wird es ab Januar 2020 ein neues Modul Gewaltprävention bei allen Lehrgängen für Trainer und Schiedsrichter sowie bei überfachlichen Aus- und Weiterbildungen geben.

Sie sehen: Wir sind bereits aktiv. Aber ich bin mir sicher, dass wir gemeinsam mit Ihnen weitere gute Maßnahmen und Ideen für mehr Sicherheit auf unseren Sportplätzen entwickeln werden. Ich freue mich darauf.

Mit freundlichen Grüßen

Fußball-Verband Mittelrhein e.V.

Bernd Neuendorf

Präsident“

https://www.fvm.de/news/uebersicht/detailseite/brief-an-alle-schiedsrichter-im-fussball-verband-mittelrhein-fvm/

Jede Woche, jedes Wochenende gibt es derartige Vorfälle auf allen Plätzen. Sei es im Profi- als auch im Amateurfußball. Wann handeln Sie endlich, Herr Neuendorf und machen das Thema Gewalt gegen Schiedsrichter zur Chefsache?

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Anton Dinslaken

Dipl. Kaufmann Anton Dinslaken ist neben seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Schiedsrichter zudem Mitglied im Bundesverband der Fachjournalisten e.V. (Bdfj).

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